An Bord der Shtandart

  • Ahoi liebe Forumsmitglieder!


    In drei Tagen begebe ich mich auf ein (für mich) großes Abenteuer: Ich werde 6 Tage an Bord der Shtandart, einem Nachbau einer Fregatte von Peter dem Großen von 1704, sein!


    Ich bin schon sehr aufgeregt, freue mich aber riesig auf die Herausforderung! Man muss dort aktiv bei allem mithelfen: vom Schrubben des Decks, Schnibbeln des Gemüses in der Kombüse bis hin zum Wache halten (ja, nach dem System des 18. Jahrhunderts in je 4-Stunden-Schichten) und zum Klettern in die Toppen, um die Segel zu hissen.


    Da mein Gleichgewichtssinn leider eine miese Landratte ist, bin ich gespannt, wie das ausgeht... Vorsichtshalber habe ich mich mit Reisetabletten und Ingwer eingedeckt 😅


    Auch vor dem Klettern in die Toppen habe ich großen Respekt, aber irgendwie wird das schon werden. Frei nach dem Motto: Augen zu und durch!


    Wenn ihr mögt, berichte ich im Anschluss an meine Reise hier im Forum sehr gerne darüber. Vielleicht ist das ja für den Einen oder Anderen von euch auch interessant 🙂


    Liebe Grüße und bis bald!

    Lady Brighton

  • Ein Reisebericht mit vielen Bildern wäre prima

    Gruß Christian


    "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

  • Reisetabletten sind... schwierig, viele machen müde! Gut aufpassen, was die mit dir Treiben, bevor du aufenterst!

    Sehr zu empfehlen sind übrigens Gummibärchen. Der Magen hat da ordentlich dran zu tun, und falls doch was kommt, wirds nicht ganz so schlimm.

    Zum Abschluß noch ein Tip meines Decksmeisters: Immer nach LUV kotzen, dann haste mehr davon! :D


    Viel Spaß da draussen! :trink:

  • Ich wünsche tolle Erfahrungen, Mylady - und schließe mich dem Wunsch nach einem Reisebericht mit tollen Photos an :th:

    Ach ja … eine technische Frage möchte ich mit auf den Weg geben: wie man die stimmigen Proportionen der Shtandart trotz moderner Vorgaben für Deckshöhen sicher gestellt hat?

    Auf der Götheborg hat man mir erzählt, daß man einfach ein Deck weg gelassen hat - aber der Indiaman ist ja hoch genug :wink2:

  • Toller Trip, geniess den Trip und ja, auf einen Reisebericht wären wir sehr gespannt.


    Aga

    Gentlemen, when the enemy is committed to a mistake, we must not interrupt him too soon.

    Adm. Horatio Nelson

  • Mast- und Schotbruch! :ruder:

    nav2

    Gute Reise, viel Spaß und am besten in einem Stück wieder heimkommen. ;)

    Die passende Kluft habt Ihr ja schon - umso mehr freuen wir uns später über Fotos und einen ausführlichen Reisebericht!

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Ich danke euch für die guten Wünsche und Tipps 😉 (vor allem für den mit dem Luv 😝)

    Das stimmt, die Tabletten machen wohl müde, also mal sehen, wie das so wird. Ich hoffe ja noch, dass ich mich nach einiger Zeit an das Schwanken gewöhnen werde. Daher auch sechs Tage - mindestens einer davon muss doch ohne Seekrankheit machbar sein 😂


    Fotos werde ich selbstverständlich machen!

    Und die Frage bzgl der Höhe der Decks werde ich auch stellen!


    Ich wünsche euch allen eine gute Zeit und melde mich, wenn ich wieder zurück bin 😉

  • Ach, schade, zu spät gesehen: Reisetabletten nützen nichts, hab neulich sechs Stück genommen und war danach immer noch in Köpenick. :D

    Quatsch beiseite: Was wirklich hilft, sind Scopoderm-Pflaster. Verschreibt die Hausärztin.

    Aber das dann eben für den nächsten Törn. Für diese Fahrt Mast- und Schotbruch; unser gönnender Neid sei dein Begleiter. fr18 :wink:

  • Nach meiner Erfahrung hilft gegen Seekrankheit nur regelmäßiges Essen und immer in Bewegung bleiben, also arbeiten, arbeiten, arbeiten, bis man merkt, dass man angekommen ist.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Ahoi, liebe Forumsmitglieder!


    Nein, ich bin nicht über Bord gegangen und habe auch nicht dauerhaft als Crewmitglied angeheuert und ebenso wenig habe ich euch vergessen.


    Es tut mir leid, dass mein Reisebericht erst jetzt folgt, aber ich hoffe, ich kann euch mit ein paar tollen Bildern über die lange Wartezeit hinwegtrösten ;)


    Ich bin mittlerweile natürlich wieder im Alltag angekommen, aber ich musste noch oft an meine Reise denken. Es war wirklich ein fantastisches Erlebnis und ich freue mich, euch nun ein wenig daran teilhaben lassen zu können.


    Also: Viel Spaß!

  • Vorab ein paar Infos zur Shtandart:


    Sie ist der Nachbau einer Fregatte von Peter dem Großen aus dem Jahr 1703. Die Idee und auch die Umsetzung dieses ambitionierten, fantastischen Projektes übernahm Vladimir Martus, der das Schiff 1999 als Kopie (mit moderner Technik wie GPS, Motor, Sicherheitsvorkehrungen, die nötig ist, um auf offener See segeln zu dürfen und in Häfen einlaufen zu können) nachbaute. Er ist auch der Captain des Schiffes.


    Das Deck ist knapp 30 Meter lang, der höchste Punkt etwa 33 Meter. Das Original besaß 24 Kanonen, ich weiß nicht, wieviele es genau auf der heutigen Shtandart sind, aber ich habe einige gesehen J Die werden zu Feierlichkeiten oder um Salutschüsse abzugeben abgefeuert, zum Beispiel, wenn man in einen Hafen einläuft.


    Ich habe den Captain tatsächlich extra gefragt, ob wir das auch machen werden (wir sind nach Honfleur gesegelt), aber er meinte, dass sich das verschlafene Honfleur erschrecken wird, wenn wir das tun (haben sie wohl schonmal), sodass das nicht geht. Schade L


    Auf dem Original waren ca. 120-150 Personen an Bord, vor allem, um die Geschütze zu bedienen. Das ist Wahnsinn. Denn sie ist wirklich sehr, SEHR klein.


    Das reine Segeln würde (heutzutage) wohl theoretisch auch mit ca. 5 Leuten funktionieren. Das muss aber ziemlich anstrengend sein (und irgendwann will man ja auch mal schlafen).


    Wir waren 30 Leute an Bord, und damit war es beim Essen schon immer ziemlich eng, aber auch da gab es wegen der Wachen ja versetzte Zeiten.


    An Bord gibt es – wie schon im 18. Jahrhundert – 3 Wachen, in die wir beim ersten Morgenappell um 8 Uhr eingeteilt wurden.


    Während der Wache muss man an Deck bleiben und bei Bedarf helfen, Segel zu setzen/zu trimmen usw. Da das aber nicht die ganze Zeit gemacht werden muss, kann man ansonsten das Segeln genießen – muss aber auch bei jedem Wetter durchhalten!


    Ich hatte Glück, ich stand bei der Einteilung zufälligerweise schon perfekt (man hätte aber ggf. noch tauschen können) und habe die Mizzen Watch erwischt (an Bord auch ironisch als die Rentner-Wache bezeichnet, weil das nämlich die einzige ist, für die man nicht mitten in der Nacht aufstehen oder wachbleiben muss). Ich war ehrlich gesagt ganz froh, denn mit zu wenig Schlaf werde ich zum Piraten ;-)


    Die Mizzen Watch ist immer von 8-12/20-24 Uhr mit anschließend 4 h Bereitschaft. In der Praxis konnte ich aber zum Glück nachts immer schlafen, was auch daran lag, dass wir ja nicht allzu lange auf See waren.


    Die Main Mast Watch geht immer von 4-8/16-20 Uhr und die Foremast Watch von 0-4/12-16 Uhr.


    Ich hatte ja vor allem Angst davor, wie ich in die Hängematte hinein kommen sollte (das war wohl selbst dem großen Charles Darwin ein Rätsel). Dabei war die ganze Sache dann überhaupt nicht schwer: An der Decke waren zwei schmale Rundhölzer verbaut, an denen ich mich einfach hochziehen konnte, während ich mich mit einem Fuß an einem großen Haufen zusammengerollter Taue abstützte. Denkbar einfach, wirklich!


    Beim Abendessen lernten wir uns dann alle kennen: 30 Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern. Ein Großteil der festen Crew war russisch, so auch der Captain, der von Anfang an super sympathisch war, oder französisch. Außerdem waren noch ein paar Holländer, eine Belgierin und eine halb Amerikanerin/halb Russin an Bord. Ich war die einzige Deutsche, aber mit Englisch kam ich ziemlich gut klar. Mein Französisch konnte ich im Laufe der Reise auch immerhin ein wenig auffrischen.



    Das Essen war die gesamte Reise über übrigens fantastisch! (Jede Wache war im Wechsel dran mit Kochen etc.) Das war wohl ein wenig anders als im 17. und 18. Jahrhundert :lol

  • Die erste Nacht in der Hängematte (wir waren noch im Hafen) überstand ich erstaunlich gut. Es ist an den Schultern beizeiten ein wenig eng und ich hatte auch erstmal leichte Schmerzen in Nacken und unterem Rücken. Aber die waren sehr schnell weg und die nächsten Nächte hatte ich mich auch schon dran gewöhnt J


    Es ist ziemlich interessant, wie schnell man sich allein dadurch, dass man sich einer bestimmten Wache und damit Gruppe zugehörig fühlt, an Bord einlebt.

    Ich habe mich wirklich von Anfang an wohl gefühlt, trotz der durchaus beengenden Platzverhältnisse.

    Aber das Schöne ist: Man braucht auf See eigentlich auch gar nicht viel. Das war auch eine wirklich schöne Erfahrung. Mal ganz abgesehen davon, dass ich vom ersten Moment an abschalten konnte und komplett auf die Gegenwart fokussiert war.


    Bevor wir lossegelten haben wir eine Sicherheitseinführung bekommen. Es ging um Dinge wie Rettungsringe, Feueralarm, Mann-über-Bord, allgemeines Verhalten usw. Hierbei wird natürlich auf moderne Standards wertgelegt.


    Jetzt kam nämlich endlich einer der richtig spannenden Teile: Unsere erste Kletterübung! Einmal den Hauptmast hoch bis zur Plattform und wieder zurück. Da wir noch im Hafen lagen bewegte sich das Schiff im Prinzip nicht. Also eine gute Möglichkeit, ein bisschen zu üben. Erst war ich super fröhlich und motiviert, als ich dann schräg hoch auf die Plattform des Hauptmastes klettern sollte hatte ich dann doch ehrlich gesagt ein wenig Muffensausen. Aber ich habe allen Mut zusammengenommen und es letztendlich doch geschafft. Und wurde mit einer fantastischen Aussicht über Calais belohnt!


    Nachdem das Klettern geschafft war, wurde ca. eine Stunde das An- und Ablegen (Auswerfen der Leinen, Anbringen der Fender usw.) geübt. Wir hatten nämlich ein Ziel vor Augen und wollten dort natürlich eine gute Figur machen.

    Dann warteten wir auf Freigabe, den Hafen verlassen zu dürfen und können. Gegen 16 Uhr ging war es dann endlich so weit und hieß: Leinen los!


    Um aus dem Hafen zu kommen muss natürlich der Motor genutzt werden. Da das Ganze ja auch recht zügig gehen muss (in Calais muss dafür eine Autobrücke geöffnet werden) und man ansonsten zusätzlich auf guten Wind warten müsste, geht das auch gar nicht anders. (Außerdem gibt es da bestimmt irgendwelche Regularien?)

    Jedenfalls ging das Auslaufen super schnell und wir waren nach kürzester Zeit auf dem Meer!

    Dann begann auch schon das – noch sehr leichte – Schwanken. Und das Lächeln in meinem Gesicht, das auch so schnell nicht mehr wegging.


    Und das, obwohl das Wetter echt nicht schön war (immerhin war ja ich im Urlaub und da wünscht man sich ja eigentlich ein bisschen Sonne…). Ich war natürlich einige Zeit an Deck, auch wenn ich keine Wache hatte. Aber ich wollte das Meer sehen und das Segeln genießen, außerdem hatte ich von einem lieben Freund den Tipp erhalten, nicht nur Ingwer zu essen (ich kaute anfangs die ganze Zeit auf gezuckertem Ingwer herum), sondern auch an Deck zu sein (das hatte man uns auf der Shtandart auch empfohlen), die Bewegungen des Schiffes mit den Beinen mitzugehen und auf den Horizont zu schauen. Das tat ich dann, merkte aber relativ schnell, dass es mir eigentlich ganz gut ging. Wir hatten wirklich keinen großen Seegang.



    Nach dem Abendessen begann dann meine erste Wache. Wir hatten allerdings nicht allzu viel zu tun. Ab und an wurden weitere Segel gesetzt, ansonsten ging es ganz gut voran mit etwa 7 Knoten. Ich durfte sogar selber steuern!

    Das war gar nicht so einfach: man muss sich dabei ordentlich konzentrieren, wenn man den Kurs exakt halten will (als Hilfe hat man das GPS, was natürlich nicht historisch ist) und ein Gespür für das Schiff, dessen Bewegung und die Manövrierfähigkeit bei dieser bestimmten Geschwindigkeit entwickeln. Und dann ist das Steuerrad gar nicht mal so leicht. fie

  • Als ich am nächsten Morgen aufwachte, hatte es ziemlich aufgeklart und die Sonne schien sogar!

    Meine zweite Wache war daher richtig, richtig schön! Es gab auch gar nicht sonderlich viel zu tun, und so konnte ich die meiste Zeit an Deck sitzen, ein bisschen lesen und mich unterhalten und mir die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Herrlich!


    Zwischendurch kam mir dann aber die Idee, dass jetzt die perfekte Gelegenheit wäre, noch einmal auf den Mast zu klettern: es war kaum Seegang und das Wetter war traumhaft. Perfekt!


    Nach dem Mittagessen machte ich mich also auf in die Toppen! Zwei erfahrene Crewmitglieder begleiteten mich. Der Aufstieg war jetzt beim zweiten Mal schon viel leichter! Den Rest brauche ich gar nicht groß beschreiben, denke ich. Seht einfach selbst!

    Erfüllt mit Freude und Zufriedenheit kletterten wir irgendwann wieder hinab und dann dauerte es auch nicht mehr lange, bis wir unser Ziel erreichten: Honfleur.

    Wir wurden frenetisch empfangen, die Leute winkten uns vom Pier und von anderen Booten aus zu. Wir mussten wohl einen ziemlich tollen Anblick abgeben. Im Hafen hatten wir dann Freizeit und konnten uns umsehen. Honfleur ist ein wunderschönes französisches Städtchen.


    Da ein Crewmitglied Geburtstag hatte und wir im Hafen waren, läutete der Captain nach dem Abendessen die Glocke, die nur er läuten darf (wenn man sie selber läutet muss man allen im nächsten Hafen einen ausgeben :lol ): Es gab also was zu trinken  :D

    Wie ich mit dem Captain einen „very strong rum, a real pirate rum“ trank, erspare ich euch jetzt. Nur so viel: Ich hab mich sehr piratenmäßig geschlagen! ;)


    Ich erwachte am nächsten Morgen tatsächlich relativ „unbeschadet“ (viel Wasser trinken hilft einfach immer) und verbrachte einen wundervollen halben Tag in Honfleur.

    Am Nachmittag liefen wir wieder aus und relativ schnell war auch die Sonne wieder verschwunden. Dennoch hatte das Wasser angenehme Temperaturen und der Captain entschied, dass wir baden gehen würden. Ich hatte jedoch andere Pläne. Ich musste ja noch ein paar Dinge erleben, die meine Protagonistin in meinem Roman erlebt, und zwar: auf den Bugspriet klettern!

    Bei voller Fahrt durften wir dies nicht (ungeübt), da das doch sehr schwankt und ziemlich gefährlich ist. Daher nutzte ich jetzt meine Chance!

    Da die Shtandart 1703 gebaut wurde, hat sie vorne am Bugspriet/Klüverbaum sogar ein kleines Krähennest, wie die Schiffe aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, was mir natürlich sehr gelegen kam.

    Ein bisschen Geschick war erforderlich, aber es hat so Spaß gemacht, den Bugspriet zu erklimmen. Ich war einfach nur glücklich!

    Und das Beste: ich habe sogar tatsächlich Delfine gesehen (wenn auch etwas weiter weg).


    Meine folgende Wache war ziemlich unspektakulär, denn wir standen immer noch auf derselben Stelle wie zuvor, weil wirklich überhaupt kein Lüftchen ging. Der Captain befahl uns, Segel zu setzen, was wir natürlich sofort taten. Und dann?

    „Now we wait for the wind!”

    Gut drei Stunden passierte gar nichts. Abgesehen davon war es extrem nebelig, sodass man außerhalb des Schiffes nur noch ein paar Meter weit gucken konnte – zwischenzeitlich sah man nicht mal mehr Wasser!

    Um kurz nach 23 Uhr tat sich dann doch noch etwas (wie vom Captain vorhergesagt!) und wir nahmen ganz langsam an Fahrt auf. Die knappe Stunde bis zum Ende meiner Wache steuerte ich das Schiff (wir hatten ungefähr 1.5 Knoten, waren also wirklich langsam), was sehr viel Konzentration benötigte bei diesem langsamen Tempo, um den Kurs zu halten. Es hat aber auch super Spaß gemacht, zumal ich gelernt habe, mich nicht nur am GPS, sondern auch an den Lichtern am Horizont (wir waren ja in Küstennähe) zu orientieren und man dabei richtig gemerkt hat, wie das Schiff reagiert.


    Zufrieden und ruhig schlief ich schließlich ein und sollte nicht aufwachen, bis ich gegen 7 Uhr von einem sehr nervigen, knarzend-schabenden Geräusch gestört wurde, das meinen gesamten Körper durchdrang.

    Wo das Geräusch herkam? Von meiner eigenen Hängematte!
    Das obere Ende der Seile, mit der sie festgemacht war, berührte zum Teil eine Art Schrank, der an der Hinterwand angebracht war. Das war mir vorher nicht wirklich aufgefallen, weil die Hängematte sich ja nicht groß bewegt hatte. Dies war jetzt anders.

    Ich erwachte also aus meinem sehr geruhsamen Schlaf wegen dieses extrem störenden Geräusches, das zusätzlich Vibrationen durch meinen Schädel sendete. Verwirrt schlug ich die Augen auf und konnte kaum fassen, was ich da sah: Durch die geöffnete Tür sah ich hohe Wellen, aufgeregt über Deck laufende Personen in dicken Regenjacken und das gesamte Schiff (inklusive meiner Hängematte) schaukelte wild hin und her! Das hatte ich in der Hängematte liegend überhaupt nicht bemerkt!


    Ich lief an Deck, um zu sehen, was los war. Ich habe zwar ein paar Videos gemacht, aber auf denen sieht es weniger schlimm aus, als es tatsächlich war (das Phänomen kennt ihr sicherlich). Dabei hatten wir noch Glück – das Wetter hätte noch deutlich schlechter sein können. Es war wirklich beeindruckend und auch ziemlich cool!


    Gleichzeitig aber auch nicht ganz ungefährlich. Man musste sich wirklich bei jedem Schritt festhalten (unter Deck war es noch schlimmer), da man sonst fiel. Selbst als ich auf dem Boden sitzend meine Schuhe anzog kullerte ich einmal richtig zur Seite.

    Leider wurde mir dann doch ein wenig flau im Magen (obwohl das auch alles war!). Ich habe also vermieden, mich unter Deck aufzuhalten. Da ich ohnehin Wache hatte, musste ich sowieso an Deck sein. Der Wind pfiff mir ziemlich um die Ohren und es regnete, sodass ich trotz Regenjacke schnell nass war und ziemlich fror. Gleichzeitig versuchte ich, trotzdem ein wenig Spaß zu haben und die Zeit zu genießen.

    Nach zwei Stunden half mir eine liebe Wachkameradin in einen „Space-Suit“ (ihr seht auf dem Foto, wieso die Mannschaft dieses Ding so nennt). Der hielt dann für die nächsten zwei Stunden relativ warm und trocken und es ging auch meinem Magen wieder etwas besser.


    An diesem Tag habe ich die Bedeutung des Leitspruchs der Shtandart zum ersten Mal richtig verstanden: Life is what you make it!

    Viele Dinge im Leben kann man nicht ändern – auf einem Segelschiff ist es vor allem das Wetter, dem man im Prinzip ausgeliefert ist.

    Was man aber beeinflussen kann, ist, was man selbst aus bestimmten Situationen macht. So hatte ich dann also auch in dieser Situation durchaus meinen Spaß :)


    Den folgenden Tag nutzte ich dazu, mich auf den Abschied einzustellen. Ich kletterte noch auf eigene Faust in den Hauptmast und auf den Bugspriet. Ein anderes Mannschaftsmitglied kletterte mit mir sogar noch auf die Rahen, was nochmal ziemliche Überwindung war, da man dort nur auf einer Footline stehend über dem Rundholz hängt und nach unten schaut! In 28 Meter Höhe! Und jetzt noch die Segel einholen, ähm, ja...


    Wir bekamen übrigens alle noch eine Urkunde auf der auch die zurückgelegten Seemeilen stehen: 270. Ich wäre gerne noch mehr gesegelt, aber das Wetter hatte uns dann doch ein bisschen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und 270 Seemeilen ist doch schonmal ein Anfang! :)


    Die Fahrt mit der Shtandart war einfach ein so unglaublich tolles Erlebnis! Ich bin einfach nur froh, dass ich das erfahren durfte! Und ich kann es nur jedem empfehlen!



    P.S.: Zu Eurer Frage, Lord Croidon: Ich habe sie dem Captain explizit gestellt, aber er hat sie mir im Detail nicht wirklich beantwortet, was vermutlich an der Sprachbarriere lag. Ich weiß daher nicht genau, wie sie das Problem an Bord der Shtandart gelöst haben. Er meinte jedenfalls, dass unter Deck sowieso alles ziemlich anders sei als im Original. Das wird einem auch sofort klar, wenn man sich Bilder ansieht. Es gibt auf der Shtandart überhaupt kein Geschützdeck. Stattdessen befindet sich unter Deck gleich die Kombüse mit zwei Tischen und Bänken, einem Gang mit je einer Kabine für Captain und Quartermaster, dann folgen die beiden Toiletten mit integrierter Dusche und dann noch unzählige Schlafkojen.

    Im Heck hinter der Kombüse ist schon direkt der Maschinenraum. Man kommt ansonsten auch nicht weiter runter ins Schiff. Wie der Maschinenraum aussieht, weiß ich leider nicht.

    Die Hängematten befanden sich unter dem Achterdeck. Dahinter ist dann nochmal eine Heckkabine, in die man aber nur über das Achterdeck gelangt.

    Also im Inneren ist schon alles ziemlich anders als beim Original, zumindest, wenn ich das so mit anderen originalen Schiffen aus dem 18. Jahrhundert vergleiche. Es ist halt einfach extrem wenig Platz, und der Platz, der da ist, wird effizient genutzt, um die Crew unterzubringen. Ich hoffe, das beantwortet deine Frage zumindest in Ansätzen.

  • Hach, da kann man ja echt neidisch werden! Ich glaube, da müssen Lady A und ich mal anfangen zu sparen für einen mehrtägigen Trip mit einem solchen Schiff.


    Vielen Dank für den schönen Bericht und die tollen Bilder. Ich weiß schon, warum mir Schiffe aus Holz lieber sind als die ganzen Stahlrumpfschiffe, auf denen wir bisher unterwegs waren. Solch ein Holzrumpf ist einfach immer wunderschön und eine Meisterleistung in der Schiffsbaukunst. Aber ich bin ja auch ein Holzwurm durch und durch :D

  • Hach, da kann man ja echt neidisch werden! Ich glaube, da müssen Lady A und ich mal anfangen zu sparen für einen mehrtägigen Trip mit einem solchen Schiff.


    Vielen Dank für den schönen Bericht und die tollen Bilder. Ich weiß schon, warum mir Schiffe aus Holz lieber sind als die ganzen Stahlrumpfschiffe, auf denen wir bisher unterwegs waren. Solch ein Holzrumpf ist einfach immer wunderschön und eine Meisterleistung in der Schiffsbaukunst. Aber ich bin ja auch ein Holzwurm durch und durch :D

    Sehr gerne! Freut mich, wenn mein Bericht gefallen hat!
    Und ja, es ist einfach wirklich etwas anderes. Soooo viel toller :huzzah: