Beiträge von Bonden

    Grolanner Ja, da muss ich von beiden Seiten ran, aber ich denke, dass die Riemen dann hinterher immer noch toll aussehen. fr18


    Manchmal baut man aber auch einfach nur Blödsinn:

    Für die Takelexperten noch ein interessantes Detail: Während bei den anderen beiden Segeln die Brassen an der Mastbeting des Großmastes belegt werden, laufen die Brambrassen interessanterweise wieder von den Blöcken am Auge des Großstengestags zurück zum Fockmast, wo sie durch Blöcke an der hinteren Kante der Marsplattform geführt werden, um dann an der Nagelbank hinter dem Fockmast belegt zu werden.

    Als ich gestern mal probeweise die Großrah an den Mast hielt, fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren. Völlig blödsinnige Brassenführung, die ich da gebaut habe!


    Blauer Pfeil: Fockbrassen - die müssen an die Reling des Achterdecks, dann behindern sie die Großrah nicht.

    Roter Pfeil: Fockmarsbrassen - die gehen zurück zu Leitblöcken, die man auch weiter unten am Großstag erkennt, von dort durch jeweils einen weiteren Block an der Kante des hinteren Backdecksbalken und werden dann an einem Belegnagel auf dem vorderen Bootsbalken belegt. Steht doch laut und deutlich im Schrage geschrieben - was mich da getrieben hat, die Brassen an der Beting des Großmastes festzuknippern, weiß ich auch nicht. So eine sommerliche Werftpause ist schon gut - die Sonne kocht einem offenbar die Birne weich...:D


    Also mal wieder kleinere Abrissarbeiten - freut euch! pleasantry

    Ahoi Grolanner ,


    vielen Dank für deinen Beitrag, und weg mit dem „sorry“ - für sachliche Kritik muss man sich bei mir nicht entschuldigen.
    Ich habe deinen Einwand zum Anlass genommen, mal nachzumessen und Herrn Mondfeld zu Rate zu ziehen. Ja, du hast zum Großteil recht. Mondfeld schreibt, dass sich die Riemenlänge an der Bootsgröße orientiert, sie aber maximal 3,66m beträgt. Die hier sind 5,80m, also zu lang.

    Zur Besatzung: Da saßen schon zwei People nebeneinander, schön kuschelig zwar, aber notwendig. Ich werde die Riemen also etwas kürzen.
    Danke fürs Aufpassen! fr18

    Heute wurde ein weiterer Abschnitt beendet: Der Fockmast hat jetzt alle Segel. Das Vorbramsegel war etwas weniger arbeitsaufwändig als die anderen beiden Segel, hatte aber durchaus auch seine Tücken. Sorry, ich habe so gut wie keine "Zwischendurch"-Bilder, das aber vor allem, weil eben vieles genauso gearbeitet werden muss wie bei den anderen zwei.

    Das Vorbramsegel hat erfreulicherweise keine Reffbändsel, das hat viel Arbeit gespart. Und auch das Anschlagen an die Rah ging schnell, da das Segel eben doch deutlich kleiner ist. Eine Besonderheit gab es hier zu beachten: Die Führung der Bauchgordinge wird hier nicht durch auf der Rah angebrachte Blöcke, sondern durch Kauschen realisiert, die am Drehreep angebracht sind - siehe die ersten beiden Fotos.

    Irgendwann heute Nachmittag war der Moment erreicht, an dem das Segel angebracht war, außer Bauchgordings und Bulinen alle Taue an Ort und Stelle waren, wenn auch noch lose (außer das Fall, das hatte ich schon steifgesetzt und fixiert) und das Wasser-Weißleim-Gemisch bereits angerührt war. Bei dem Foto war ich dann selbst überrascht, wie hell das Segel im Vergleich zu den anderen beiden ist - ein wenig lag das aber auch daran, dass direkt darüber die große Lupenlampe die Szenerie ausleuchtete.



    Dann kam wieder der Fön zum Einsatz, und nachdem ich dann sehr geduldig und zeitaufwändig alle Taue angebracht und steifgesetzt und endgültig fixiert hatte, wurde das Schiffchen mal wieder zum Fototermin gebeten.

    Für die Takelexperten noch ein interessantes Detail: Während bei den anderen beiden Segeln die Brassen an der Mastbeting des Großmastes belegt werden, laufen die Brambrassen interessanterweise wieder von den Blöcken am Auge des Großstengestags zurück zum Fockmast, wo sie durch Blöcke an der hinteren Kante der Marsplattform geführt werden, um dann an der Nagelbank hinter dem Fockmast belegt zu werden.



    Ein kleines Extra gibt es auch noch: Ich habe meine erste Drehbasse angebracht. Die Rohre sind Bestandteil des Baukastens, die Halterung und den Hebel zum Zielen muss man selber bauen. Da hatte ich vor ganz vielen Monden mal probeweise eine gebaut; da ich davon ausgehen kann, dass ich takeltechnisch jetzt am Vorschiff nichts mehr zu schaffen habe und somit die Gefahr des Abreißens weg ist, durfte die kleine Krachbüchse schon mal an ihren Platz.


    Und nach getaner Arbeit ist dieses Belohnungsgetränk nicht ganz unpassend, wie ich finde. :D beer


    So, mal ein kleines Fazit nach dem ersten fertiggetakelten Mast: Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht, auch wenn es immer mal Momente gab, bei denen ich mich fragte, was denn noch für Schwierigkeiten kommen. Klar, je mehr man baut, desto kniffliger wird es, das viele Tauwerk nicht nur irgendwie, sondern möglichst korrekt unterzubringen. Und ich habe für mich beschlossen, beim Großmast umgekehrt vorzugehen. Das heißt, ich fange beim Bramsegel an und arbeite mich nach unten. Beim Fockmast hatte ich immer mehr Probleme damit, Taue, die von oben wieder runter zum Deck geführt werden, an den jeweiligen Belegpunkten anzubringen, weil einfach das Focksegel im Weg war - besonders an der Steuerbordseite, da die Rah auf diese Seite gebrasst ist. Mal schauen, ob ich Recht habe und ich mit der umgekehrten Reihenfolge besser klar komme.

    Nun habe ich mir doch eine sommerliche Werftpause gegönnt - das überwiegend schöne Wetter war eben doch eher dazu angetan, mit Jessica auf der Terrasse zu sitzen als im Marinezimmer vor sich hin zu basteln. :sun:


    Aber nun naht der Herbst und kündigt sich schon mal mit grauen Tagen an, also geht es weiter mit der Mercury. Doch bevor ich hier über aktuelle Fortschritte berichte, möchte ich noch das zeigen, was noch vor der Pause fertig wurde: das zweite Beiboot. Viel war ja nicht mehr zu tun.

    Im Vergleich mit der Jolle ist die Pinasse besser gelungen; auch hinsichtlich der Farbgebung werde ich wohl, nach Blick in einige Bücher und dort speziell auf zeitgenössische Gemälde, beim kleinen, ziemlich bunt geratenen Boot nochmal nachbessern.




    Und nun geht es gleich aktuell weiter.


    Sir Michael Palin kennen sehr viele - als ehemaliges Mitglied der britischen Kultkomikertruppe Monty Python. Was vermutlich viel weniger Leute wissen, ist die Tatsache, dass er ein durchaus erfolgreicher Buchautor ist und als solcher mehrere Reiseberichte, Romane und Tagebuchbände veröffentlicht hat. Außerdem gibt es von ihm auch ein paar vielbeachtete Reisedokumentationen.


    Erebus erzählt die Geschichte eines Schiffes und der Männer, die auf ihr gefahren sind. Die Erebus war bekanntlich das Flaggschiff bei der ebenso berühmten wie tragischen Franklin-Expedition auf der Suche nach der Nordwestpassage. Dass sie davor genau am anderen Ende der Welt war, in der Antarktis, ist eher weniger bekannt. Und dies trifft auch auf die Terror zu, das "Schwesterschiff", welches sie auf beiden großen Reisen begleitete.

    Palin lässt uns teilhaben an beiden Expeditionen. Er beschreibt, wie in England nach dem endgültigen Sieg über Napoleon und der dadurch beginnenden langen Phase eines wohltuenden Friedens ein Schwerpunkt auf die weitere Erforschung und Vermessung der Ozeane gelegt wird. Wir erfahren, wie eine Reise in die Antarktis vorbereitet wird, die insbesondere zum Ziel hat, mehr über den Erdmagnetismus zu erfahren und den magnetischen Südpol zu finden. Unter James Clark Ross, einem polarerfahrenen Mann, der 1831 als Erster schon den magnetischen Nordpol erreichte, startet im Oktober 1839 eine Expedition, die fast vier Jahre dauern sollte, ehe die beiden Schiffe und die allermeisten Männer wieder die englische Küste erreichten.

    Da von dieser Reise umfangreiche Dokumentationen in Form von Logbüchern, Tagebüchern, persönlichen Briefen und auch Reisebeschreibungen der Teilnehmer vorliegen, konnte Palin auf eine Fülle von Material zurückgreifen. Aber nicht nur das - er besuchte so ziemlich alle Orte und Gegenden, die auch Erebus und Terror seinerzeit anfuhren, schildert, was heute noch an Zeugnissen von damals zu sehen ist und nutzt jeweils vor Ort jede Möglichkeit, sich zusätzliche Informationen zu beschaffen.

    Die 1845 unter dem Kommando von John Franklin gestartete Arktisreise der beiden Schiffe lässt sich bestenfalls bis zum letzten bekannten Halt auf Beechey Island bei den Walfischinseln genau nachvollziehen; von dort wurden letztmalig Briefe in die Heimat geschickt. Ich war gespannt, wie der Autor dieses Dilemma lösen würde. Nun, sehr geschickt, wie ich finde. Er beschreibt die mit der Zeit anwachsende Unruhe und Sorge in England über das Ausbleiben jeglicher Nachrichten, beschreibt dann die (im Nachgang viel zu spät) gestarteten und erfolglosen Suchaktionen und berichtet davon, wie sich im Laufe vieler Jahre, bis in die heutige Zeit hinein, Puzzleteil für Puzzleteil zusammenfügt und so allmählich ein umfangreiches, wenn auch noch immer nicht vollständiges Bild vom tragischen Scheitern dieser Expedition entsteht. Dabei verliert sich Palin nie in eigene Spekulationen, er bleibt der "Berichterstatter von außen", macht aber dabei stets deutlich, welche Hochachtung und Bewunderung er dem Pioniergeist dieser Männer entgegenbringt. Und genau das ist für mich die große Stärke des Buches: Nie reißerisch, aber immer dicht dran, warmherzig, einfühlsam und stets spannend lässt uns Michael Palin zwei außergewöhnliche Entdeckerfahrten miterleben.

    Zeitgenössische und aktuelle Fotos, Zeichnungen und Gemälde sowie einige Karten vervollständigen das Buch.


    Für mich ganz klar fünf von fünf Eisbergen! :5*:


    P.S.: Die Erebus wurde 2014, die Terror 2016 gefunden.

    Nun also eine Hafenrundfahrt. Ich will es mal so formulieren: Eine Hafenrundfahrt in Hamburg ist ungleich interessanter und abwechslungsreicher. Mir persönlich waren es zu wenig Einblicke in das normale Hafenleben. Zum einen fuhr das Schiff wohl bei weitem nicht alle Bereiche an, zum anderen ist ja vielleicht auch coronabedingt derzeit wesentlich weniger los als sonst. Aber immerhin gab es am Ufer interessante Sachen zu sehen. Also insbesondere Segelschiffe. :D



    Da diese Bilder nicht weit von der Ablegestelle geschossen wurden, war klar, dass wir nach der Rundfahrt da nochmal zu Fuß hinwollten.


    Interessant und traurig ist das hier:


    Hier sollte das Linienschiff Delft , 1797 in Dienst gestellt, nachgebaut werden. Leider musste aber die Werft 2019 Konkurs anmelden; nun steht zu befürchten, dass auch aus diesem ehrgeizigen Projekt nichts wird. Wir erinnern uns, auch die Zeven Provincien in Lelystad steht dort als bloßes Spantengerüst und wird nicht weitergebaut. fie


    Bei der Rundfahrt kamen wir auch an diesem gruseligen Schiff vorbei. Wenn es noch einer Definition für das Wort "Seelenverkäufer" bedurft hätte, dieser Pott wäre wunderbar dafür geeignet.


    Zum Schluss dann noch wie geplant der Spaziergang zu dem kleinen Hafen mit den Segelschiffen.



    Damit sind wir dann am Ende dieses Reiseberichtes. Auch wenn uns das ursprüngliche Ziel unserer Fahrt, der Besuch der Amsterdam Sail, aus bekannten Gründen abhanden gekommen ist, waren unsere Tage dort prallevoll mit maritimen Eindrücken und Erlebnissen, so dass wir sehr froh waren, dass wir unsere schon seit langem gebuchten Quartier und Bahntickets nicht storniert haben.

    Ladekräne, ein Leuchtturm, alte Segelschiffe und auch ein paar noch aktive Segler waren im Außenbereich zu sehen.



    Für uns ein besonderer Hingucker: Die Oosterschelde. Sie hat das gleiche Rigg wie unsere Hendrika Bartelds, ist aber um einiges größer. Sie wäre an diesem Wochenende normalerweise in Amsterdam zur Sail gewesen, aber so konnten wir sie hier sehen. Leider kam man nicht an Bord.



    Zu guter Letzt besuchten wir dann noch dieses schmucke Feuerschiff. Genau wie bei dem im Hamburger Hafen konnte man hier gut essen und lecker Bier genießen.


    Tja, und wenn man schon in der Stadt mit einem der größten Häfen Europas ist, macht man selbstverständlich auch eine Hafenrundfahrt...

    In einem weiteren Bereich, der "Der Hafen" genannt wird, werden Modelle und andere Objekte in einer recht ungewöhnlichen Art gezeigt - grad so, als ob man durch den Fundus des Museums geht. In großen, offenen Regalen sieht man Schiffsmodelle verschiedener Epochen, Gemälde und manches mehr.




    In der Eingangshalle hängt ein wahrlich riesiges Ruderblatt - wie mag das dazugehörige Schiff wohl ausgesehen haben?



    So, und dann gab es ja auch noch ein Außengelände...

    Lord Croidon Dicker Türke? :hmm: Welches Schiff meinst du?


    Was gab es noch zu bestaunen? Herrliche alte Seekarten, teilweise mit herrlichen Ausschmückungen in Form diverser Seeungeheuer.



    Auch van de Velde war wieder präsent.


    In einem Bereich ging es um den Drogenhandel - interessanterweise war früher die holländische Nation ganz offiziell daran beteiligt...


    Dann gab es noch (gefakte) Sirenen und weitere schöne Modelle.


    Fortsetzungen folgen...

    Ladies and Gentlemen, ich präsentiere Ihnen hier das Mataró-Modell. Es ist eines der ältesten erhalten gebliebenen Schiffsmodelle der Welt; sein Entstehungsjahr haben Forscher mit 1425 angegeben. Der verlinkte Wikipedia-Artikel gibt weitere Informationen.


    Ich stand jedenfalls mit Gänsehaut vor dem Modell. Wie groß es ist, habe ich mit diesem Bild versucht deutlich zu machen:


    Viele Details zeigen, dass das Modell von jemanden gebaut wurde, der genau wusste, was er da baut. Daher auch der hohe wissenschaftliche Wert.





    Für mich hat sich der Besuch in Rotterdam schon allein für dieses Modell gelohnt - aber es gab ja noch einiges mehr zu entdecken...


    Fortsetzungen folgen...

    Am nächsten Tag vollendeten wir dann unsere kurze holländisch-maritime Museumstour in Rotterdam. Zuerst aber noch ein Blick in einen Tunnel unter dem Amsterdam Centraal - im Stile von Delfter Kacheln mit schönen Motiven sehr interessant gestaltet!


    Nach kurzer und angenehmer Bahnfahrt und einem kleinem Fußmarsch standen wir dann vor diesem Gebäude:


    Alle nachfolgenden Bilder mit freundlicher Museum vom Maritiemmuseum Rotterdam.


    Im Inneren erwartet den Besucher eine kleine, aber feine Sammlung maritimer Kostbarkeiten, darunter auch ein paar äußerst beeindruckende Schiffsmodelle.

    Da wäre zum einen dieses Diorama mit dem Rumpf eines Segelschiffes aus dem 18. Jahrhundert in einem schwimmenden Dock.



    Und auch dieses Modell aus dem Jahr 1723 lässt einen staunen.



    Das mit Abstand beeindruckendste Ausstellungsstück jedoch zeige ich euch im nächsten Posting.


    Fortsetzungen folgen...

    Einen größeren Bereich nahm der Walfang ein. Über die Geschichte des holländischen Walfangs und die Gefahren dabei wurde ein Bogen bis in die heutige Zeit und zum erforderlichen Schutz dieser ebenso imponierenden und bedrohten Tiere gespannt.



    Nach mehreren Stunden verließen wir dann das Museum und schlenderten noch durch den Museumshafen.



    Von dort ging es dann die vielen Stufen hoch zum Nemo Science Museum. Das ist ein "Mitmachmuseum" speziell für jüngere Besucher - wir waren aber trotzdem nicht drin. :D


    Aber die Stufenterrasse bietet einen tollen Blick über die Stadt, und sogar am Inneren der Tür auf der Toilette kann man was lernen, selbst wenn man kein Holländisch oder Englisch kann - wozu gibt es schließlich die Google Translator App? fr21



    Fortsetzungen folgen...