HMS Mercury - Fregatte der Enterprize-Klasse; Shipyard-Kartonmodell, 1:72

  • Bevor ich dann später endlich mal wieder über einen Abriss berichte, möchte ich euch gern ein weiteres Mannschaftsmitglied vorstellen. Nein, er heißt nicht Killick, es ist Samuel Dickinson, der hier in bester Killick-Manier seinem Herrn und Meister und dessen Gast einen Aperitif auf dem Achterdeck serviert.


    Diese Figur hatte ich schon weitestgehend angemalt, dann aber entschieden, ihn nicht mit an Bord zu nehmen. Nun, Jessica hat ihn sich vor ein paar Tagen geschnappt; ich hab mir da nichts dabei gedacht. Gestern Abend hat sie mich dann mit dieser umgearbeiteten Version überrascht. :hurra: Tablett, Becher und Flasche sind aus Miliput gearbeitet, und der arme Kerl musste erst eine Armamputation mit anschließender Neutransplation über sich ergehen lassen, bevor er zum Stewart taugte.


    Ich bin jedenfalls begeistert! fr18


  • Und nun das, was wieder den Verdacht aufkommen lassen könnte, ich würde Spaß daran haben: ein Abriss. dead


    Ich ahnte es schon, dass mir die Finknetze so gegen Ende der Arbeiten an der Mercury nochmal ganz besondere Momente bescheren würden.

    Die Halterungen für die Netze konnte ich einer der Ätzplatinen aus dem Hause dafi entnehmen; auch der Netzstoff selbst lag damals der Lieferung bei.

    Zuerst stand die Überlegung, in welcher Reihenfolge ich die Arbeiten angehe. Finknetzhalter auf die Reling kleben, dann die Netze anbringen, dann die Matten rein? Oder doch lieber alles an Land fertigen und als fertiges Konstrukt anbringen? Ich brauchte da nicht lange nachdenken: Ein Arbeiten direkt auf der Reling wäre Wahnsinn - viel zu viele Taue und anderer Krams im Weg.

    Also dann, los geht's. Die Halterungen aus der Platine geschnitten und ab ins Brünierbad.


    Aus dem Netz passende Streifen für die beiden Netze geschnitten. Dann mit 0,1mm Takelgarn Netz und Halterungen verbinden - eine etwas fummelige, aber dennoch leichte Aufgabe. Kurze Sichtprobe, ob die Höhe der gewählten Halter auch stimmig ist - jepp.


    Der auch eingefädelte Faden unten ist ein "Arbeitsfaden", er sorgt dafür, dass das Netz auch wirklich bis unten reicht und nicht nach oben rutscht. Er sollte dann später wieder verschwinden. So, das sieht dann erstmal nicht schlecht aus.


    Nun die Hängematten. Sie hatten im Original genormte Maße - 72 x 36 Zoll. Guckst du hier. Probeliegen auf einem Reststück Segeltuch - passt, vielleicht noch ein Millimeter mehr in Länge und Breite.


    Also schneide ich mir die entsprechenden Stücke aus Segelresten - hatte da u.a den noch fast kompletten Segelsatz der Papegojan - und rolle diese längs mit verdünntem Weißleim auf. Nach dem Antrocknen werden die Röllchen geknickt, später dann eingebunden. Ich baue immer Päckchen zu je acht Matten, verbinde sie miteinander ähnlich wie beim Korbflechten - geht schnell, sieht so aus, sei jede Matte einzeln zusammengebunden und sorgt dafür, dass die Matten schön dicht aneinander sitzen.



    Die einzelnen Päckchen klebe ich dann aneinander, bis ich eine schöne feste Reihe habe, die nun nur noch in das Netz muss.

    Und dann ab an Deck. Es macht sich wunderbar leicht, das gesamte Gebilde auf die Reling zu kleben.


    Hmm. Für einen kurzen Moment gefällt es mir, aber nur für einen kurzen Moment. Irgendwie ist alles nicht stimmig. Die Position insgesamt ist richtig, länger war das Ding auf diesem Schiff nicht. Klar, es ist erst einmal ein ungewohnter Anblick, im ersten Augenblick würde man sagen, das versaut die gesamte Optik. Ok, ja, da muss man sich dran gewöhnen - und sie gehören da nun mal definitiv hin.

    Nein, es sind die Matten selbst, die nicht passen. Sie stehen zu hoch. Dazu kommt noch, dass man nicht das Gefühl hat, dass sie wirklich in die Netze gestopft wurden, wie es damals wohl üblich war, damit alle unterkommen und im Gefechtsfall eben auch noch einen kleinen Schutz vor feindlichen Musketenkugeln bieten.

    Tja, und da hab ich dann eben alles wieder runtergefetzt. Die Reling hat darunter etwas gelitten, aber das ist unproblematisch. Wenn die Netze wieder drauf sind, sieht man da nichts mehr davon.


    Jessica und ich haben dann gestern Abend noch lange diskutiert und verschiedene Ideen gewälzt. Im Ergebnis habe ich jetzt ziemlich klare Vorstellungen, wie ich es beim nächsten Mal besser mache. Werde da mal ein wenig herumprobieren, und dann sehen wir weiter. :pf:

  • Das war ja nur ein Abriss zweiter Klasse, mitten im Bau.

    Hast Du eventuell Bilder von den Finknetzen der Victory?

    Oder kann Dich DER FILM inspirieren?


    Jessica Read Dein Killick sieht toll aus. Und lass Dir nicht von Bonden einreden, dass er anders heißt.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Das war ja nur ein Abriss zweiter Klasse, mitten im Bau.

    Ok, dann biete ich heute einen erster Klasse, ok? :D


    Inspiriert durch eine Fotoidee von Peter_H habe ich vor ca. 2 Wochen auch mal ein paar Aufnahmen von oben auf das Schiff herab gemacht. Hab ich dann aber nicht gezeigt, weil es mir nicht gefallen hat, denn es machte einen Fehler deutlich, den ich zu dem Zeitpunkt noch hoffte, im Zuge des Fertigtakelns des Gaffelsegels beheben zu können. Nun ja, so richtig ist mir das nicht gelungen, aber irgendwie hab ich das verdrängt. Gestern aber, als die Mercury mal im Wohnzimmer auf der flachen Kommode stand, (wo ich sie sehr gern fotografiere, wegen des neutralen Hintergrunds) und ich gegenüber auf der Couch saß und sie mir immer wieder anschaute, stand der Entschluss fest: Das muss geändert werden.

    Hier das damals verschmähte Bild:


    Natürlich wissen hier alle, dass die oberen Rahen immer ein wenig mehr angebrasst wurden als die darunter. An Fock und Groß sieht das gut aus, am Besan alles andere als gut. Also ging es heute um eine deutliche Korrektur. Ziel: Maximales Ergebnis bei minimalem Abriss. Wobei "Abriss" hier für das Lösen von Tauen steht, wobei dann auch die Option möglich war, dass ein Tau plötzlich zu kurz war und also ersetzt werden musste. Interessant ist bei einer solchen Arbeit, wie das Verständnis vom Zusammenwirken der vielen verschiedenen Zugkräfte wächst. Hier vorsichtig zuppeln, dort sanft eine Wicklung um eine Klampe zurücknehmen, da genau das Gegenteil machen...

    Im Ergebnis musste ich wirklich nur drei Taue echt lösen und neu befestigen, und so sieht die Draufsicht jetzt aus:


    So, und dann mal zu meiner To-Do-Liste. Da kann ich nun ein weiteres Häkchen setzen:

    • Boote an Deck fr18
    • Anker anbringen samt Ankerbojen
    • Laternen anbringen fr18
    • Beflaggung
    • Finknetzhalterungen, Finknetze, Hängematten darin
    • "Puppen", also Taurollen an den Belegpunkten
    • vielleicht noch das eine oder andere Besatzungsmitglied fr18 (kommen evtl. noch welche dazu)
    • Vitrine planen und fertigen lassen
    • Diorama erstellen

    Die Mercury ist nun auch für den öffentlichen Wasserstraßenverkehr zugelassen, denn sie hat nun eine vorschriftsmäßige Beleuchtung:


    Und weil das Fotografieren heute wieder so viel Spaß gemacht hat, noch ein paar Bilder:



    Dann nochmal zum Thema Finknetze:

    Hast Du eventuell Bilder von den Finknetzen der Victory?

    Oder kann Dich DER FILM inspirieren?

    Bilder von den Netzen der Vic hab ich, weißt du doch, steht hier rum. :D Ja, und auch die vom Original schaue ich mir an. DER Film zeigt da eher wenig, und dann mit Abdeckung. Ich bin da noch dran am Recherchieren und Schauen und Überlegen - eine Darstellung mit Abdeckung der Netze ist auch gar nicht so schlecht. Kommt Zeit, kommt Rat. ;)

  • Herzlichen Dank Bonden für die Eläuterungen betreffen anbrassen der Rahen, wieder etwas dazu gelernt!

    Ein klassischer Fall von "bondnen", wie es die Theorie des Verbes erklärt (Du weisst was ich meine)

    Wobei ich hier gestehen muss, dass ich mit diesem Wissen ev. sogar selber auch gehandelt hätte...


    Phantastisch!


    Beste Grüsse

    Peter

  • Huch, so lange schon kein Beitrag mehr hier? Na dann mal los!


    Zwei Dinge gibt es zu berichten. Da wären zum Einen die Anker an der Backbordseite zu nennen, die jetzt dran sind, einschließlich der Ankerboje.


    Dann zu den Finknetzen. Ich habe mich nun entschieden, die Finknetze im abgedeckten Zustand darzustellen. Dazu habe ich feingewebten Baumwollstoff genommen (Jessica näht derzeit Segel für ihre Vic, da fiel für mich genügend Stoff ab) und mich dann erstmals als Segelmachergehilfe an die Fertigung einer Abdeckung gemacht. Zuerst habe ich mir aus Balsaholz einen "Finknetzdummie" geschnitzt, den ich dann auch mit dünnem Netz ummantelt habe. Dann einen Streifen Stoff zugeschnitten, die Längskanten sauber per Hand umsäumt und dann die beiden schwierigen Enden genäht. Dann hab ich die Finknetzhalter (aus dafis Ätzsatz) auf den umnetzten Dummie geschoben und festgeklebt. Nun kam die Stoffhülle drüber.

    So hell wollte ich den Stoff aber nicht lassen, also wurde er "geteert" - in meinem Fall mit Beize Eiche dunkel eingepinselt. Das Ergebnis seht ihr auf den beiden Bildern. Mir gefällt es, ich finde, durch den Stoff wirkt es doch sehr authentisch.


    So, nun das gleiche nochmal für die Steuerbordseite. Also sowohl Anker als auch Finknetze. :sun:

  • Ahoi allerseits, heute gibt es endlich mal wieder neue Meldungen von meiner Werft. Hier mal der aktuelle Abarbeitungsstand meiner To-Do-Liste:

    Ihr seht, es fehlen am Schiff selbst nur noch etliche "Puppen"; ansonsten haben die Werftarbeiter jetzt erst mal Urlaub.


    Die Finknetzabdeckungen habe ich als erstes angebracht und bin damit sehr zufrieden. Die beiden Anker an der Steuerbordseite anzubringen war nochmal eine genau so schöne Fummelarbeit wie Backbord auch schon. :D


    Dann ging es an die Beflaggung. Spannendes Thema, kann ich euch sagen. Wie werden die Flaggen denn korrekt angebracht? Die Schrages, Marquardts und Mondfelds dieser Welt schweigen sich dazu ziemlich heftig aus. Immerhin findet sich im Schrage ein Hinweis bezüglich der Flaggen an den Mastspitzen. Der Flaggenknopf hatte zwei eingearbeitete Scheibgats, die genau dafür da waren. (Abb. 52, S. 35) Also brauchte ich Flaggenknöpfe. Der Bausatz hat sowas nicht, also hab ich mir selbst was überlegt. Die Form ist ja mit "flacher Topf auf Kopf" ganz gut beschrieben. Oder man schaut sich das Bild hier an: Klick mich! Hmm, ok, ich habe ja aus dem Kasten noch jede Menge Selbstbausätze für Blöcke und Jungfern. Da hab ich dann einfach zwei verschiedene Jungferngrößen gebaut, aber so, dass die Mittelscheibe nicht in die Mitte, sondern oben drauf kommt. Perfekte Form, und ein Loch für ein Scheibgat ist auch schon drin. Das zweite hab ich dann neu gebohrt, da der Abstand und die Position der vorhandenen Löcher nicht passte. Auf die Mastspitzen kleben, mit Farbe zukleistern, fertig. :pf:

    Für den Ensign baumelt bereits ein Block an der Piek der Gaffel; die Flaggleine wird dann direkt auf dem Giekbaum an einer Klampe belegt.


    Die Flaggen habe ich im Netz bestellt; ich wollte nicht die Papierteile aus dem Bausatz verwenden, obwohl die wirklich von sehr guter Druckqualität sind. Aber es sind halt nicht die richtigen - Shipyard hat einen weißen Ensign und eine weiße Flamme beigelegt. Allein fahrende Schiffe hatten aber den roten Ensign und die Tricolore-Flamme (hat nix mit den Franzosen zu tun) zu setzen. Und die Teile aus Stoff sind einfach nur exzellent. Ausschneiden, Flaggleine ansetzen, mit verdünntem Weißleim tränken, mit dem Fön in Form pusten und anbringen.

    So, und jetzt kommen die Bilder. Zuvor noch die Information, dass die Vitrine bereits hier ist; derzeit plane ich die Gestaltung meines Dioramas. Und das wird dann nochmal richtig spannend - also vor allem für mich...

    Dazu aber später mehr.


    Mastknopffertigung und Funktionsprobe:


    Flamme und Georgskreuz flattern im Wind.


    Der Ensign wird vorbereitet.


    Gut zu sehen: Die Anker


    Fast fertig.


    Es klingt vielleicht komisch, aber mit den Taurollen tue ich mich echt schwer. Hab irgendwie noch nicht DIE Methode gefunden, um sie schnell, sauber und richtig herzustellen. So ist dann jede ein Unikat - aber das kommt ja im Prinzip der Wirklichkeit viel näher. Sauber aufgeschossen, so dass niemand drüber stolpert und jedes Tau bei Bedarf schnell handhabbar ist - Schönheit war da auf See nicht gefragt.

    Aber es wird nicht mehr lange dauern, dann ist die Mercury wirklich fertig. Das Diorama ist dann eine neue Baustelle...

  • Sehr schön, Mate!


    dabei fiel mir gerade eine Anmerkung von zu Mondfeld zu einem seiner Bücher ein:


    Aufgetakelte Schönheiten........ Dem ist wohl nichts hinzuzufügen


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • censored Auf die Gefahr hin, das jetzt wieder abgerissen wird: Auf deinem Bild sieht das so aus, als würdest du die Leine für die Flagge über den Flaggenknopf ziehen? Also links des Mastes ein Ende und rechts eines der Leine? Oder täuscht das? Denn so dürfe die Leine aber zeitig durchgescheuert sein... Wie auf deinem Verlinkten Bild, würde es mir richtig erscheinen. Eine Leine durch die Scheibe gezogen und an einer Seite den Mast herunter, Flagge eingeknotet (oder mit Karabinern), gehißt und an Klampe am Mast belegt.

    Oder war das baulich in dem Maßstab einfach nicht drin?

    Auf jeden Fall hat mich dein Bild verwirrt hinterlassen, was aber der genialen Optik keinen Abbruch tut ;)


    Zwei Scheiben waren m.E. verbaut, um rechts und Links des Mastes Hissen zu können, falls nötig. Denn nicht Alles musste ja bis zum Knopf hoch. Oder das Zweite war die Laterne...

  • Oder täuscht das?

    Ja. :D


    Erstmal danke für dein Posting, Grolanner . In der Tat könnte man denken, dass ich es so gebaut habe wie du schreibst. Aber keine Bange, kein Abriss droht -genau aus diesem von dir beschriebenen Grund habe ich das hier gemacht:


    Das zweite (Loch) hab ich dann neu gebohrt, da der Abstand und die Position der vorhandenen Löcher nicht passte.

    Zugegeben - in der Makroaufnahme sieht man, dass der Abstand der beiden Löcher, die da das Scheibgat darstellen sollen, ein wenig zu groß ist, aber wir reden hier von 1 1/2 mm. Ich habe auf das zweite Scheibgat verzichtet, da das in der Tat nur dann benötigt wurde, wenn Signalflaggen gesetzt wurden. Meine Mercury ist einsam und allein auf dem Ozean unterwegs, hat also nichts zu signalisieren, hält sich aber an die von Admiralität vorgegebene Standardbeflaggung für alleinsegelnde Kriegsschiffe. :sun:


    @All: Danke für eure netten Kommentare! fr18:huzzah:

  • In der Tat, ein sehr schönes Werkstück, welches der Royal Köpenik Shipyard da abliefert.

    fr18


    “There is no dark side in the moon, really; [as a] matter of fact it’s all dark.”
    „Es gibt beim Mond keine dunkle Seite; tatsächlich ist er ganz dunkel.“

    – Gerry Driscoll


    In der Werft: HMS Alert 1:96, Kartonmodel