Beiträge von Angarvater

    Werfttagebuch Auszug vom 24.Januar


    Neben der weiteren Abrichtung von Decksbalken wurde drei Tudorrosen in den Gefachungen der Reling der Kuhl gemalt.



    Der Decksbalken der künftig die Halbdeckreling tragen soll wurde mittels Zieheisen profiliert und anschließend eingepaßt.



    Die Decksbalken wurden in Serie gesägt und feingeschliffen. Für das Anzeichnen gibt es eine Schablone des Decksprunges. Die Aussenkurve wird auf dem Tellerschleifer und die Innenkurve mit der Schleifwalze fein gearbeitet.




    Danach wurden die Decksbalken an ihren Positionen eingebaut und die seitlichen Luksüle eingebaut. So sieht das Halbdeck derzeit aus.



    Der erste Balken achterlich des Großmastes wurde mir als doppelt so breit wie das Normalmaß geschnitten damit dort sowohl die Großmastbeting als auch der Fallenknecht sicher befestigt werden können.



    Cheers!


    Angarvater

    Aye, Mates,


    Schön, wenn Euch diese Darstellung von Arbeitsschritten gefällt.


    Hier nun einRückblick auf die gestrige Schicht.


    Um die Kanonenrohre auf dem Oberdeck zu montieren habe ich "Aushilfslafetten" angefertigt.


    Als erstes wurde eine Nut in den Trägerkörper gefräst ( 2mm bei 3mm Tiefe)



    Dann wurden die Teile zugeschnitten und die Rohre darauf geklebt.



    So sieht das dann nach dem Einbau aus. Auf Ästhetik kommt es hier nicht an, sondern nur darauf, daß die Stücke dauerhaft fest sind, da der Raum später nicht mehr eingesehen werden kann,



    Hier nun das Schiff nach dem Einbau der Kanonen .



    Die beiden achteren Pforten werden nicht bestückt. Nach den mir bekannten Plänen lag hier die Kapitänssuite, und die wurde damals nicht, wie z.B. zu Nelsons Zeit, nicht mit Kanonen "verschandelt". Dürfte zum einen aus Gründen des Komforts gemacht worden sei, zum anderen ist das Schiff durch den sich nach oben Achterschiffaufbau zu schmal um dort Kanonen unterzubringen.



    Dann hier noch eine "Probelage" für den Ausbau des Halbdecks.



    Best regards


    Angarvater

    Dann also ab hier Baubericht.


    Als nächstes wird das Halbdeck weiter ausgebaut. Voraussetzung dafür ist das Einbringen der Kanonen im oberen Batterie- deck. Da ursprünglich geplant war die Countess als Kauffahrteischiff zu bauen waren keine Decksplanken im Batteriedeck nötig. Nun, das ist typisch für Planänderungen. Als sie zum Kampfschiff wurde war sie schon fertig beplankt, sodaß jetzt Traghölzer für die Stücke von oben eingebaut werden müssen. Das ist kein großes Problem da die Hölzer auf die Bauträger aufgeklebt werden müssen, und hier keine ästhetischen Ansprüche zu stellen sind da man dieses Bereiche später nicht mehr sehen kann. Das mache zuerst, da der Kleber seine Zeit zum aushärten braucht.



    Als nächstes ist die "Befestigung" des Großmastes zu machen. Die klassische Mastspur ist bei dieser Bauweise nicht die Methode der Wahl. Den Neigungswinkel des Mastes habe ich durch eine entsprechend eingearbeitete Aussparung im Kielbrett anhand der Pläne festgelegt. Der Mast wird später in einer am rechten Ort eingebauten Hülse geführt ( 18mm Rundstab mit 10mm Bohrung.



    Das Teil wird dann eingeklebt und mittels des Lasers ausgerichtet. Zum Einpeilen dient ein 10mm Rundstab.



    Ich klebe solche Bauteile mit Maxrepair von Uhu ein. Einem lösemittelfreien Kleber der sehr fest wird und dabei elastisch bleibt.

    Der versuchsweise aufgelegte Decksbalken zeigt, daß die Hülse des Mastes lang genug ist im sie beim Einbringen der Decksplankenanpassen zu können.



    Für das Halbdeck werden drei Grätings benötigt. Hier die Herstellungsschritte.






    Entgraten läßt sich bei diesen Teilen ganz ordentlich mit der Messingbürste machen.


    Ich baue diese Grätingen etwas unkonventionell, indem ich diese Teile deutlich höher mache als sie im Fertigzustand sein werden. Das hat den Vorteil das das Einspannen beim Fräsen und die Montage einfacher zu machen sind als wenn ich diese Querhölzer gleich auf Endstärke bringe.


    Montageschritte.



    Das Ganze wird mit sehr niedrigviskosem Sekundenkleber verklebt. Dann säge ich die unteren (Montage) Teile auf der Bandsäge ab und forme die Grätingen auf dem Bandschleifer entsprechend dem Decksprung.

    Aye, Mates!


    Wieder einige Details auf Vorschiff und in der Kuhl.

    Die Grätingen auf Back und in der Kuhl bekamen ihre Augbolzen und ORinge um sie händeln zu können.



    Außerdem bekam die achtere Reling der Back auf Back. und Steuerbord noch ein Speigatt zur Kuhl hin.



    Die Reling der Kuhl wurde binnenbords beplankt und gemalt.




    Dann war noch das Gangspill zu machen.




    Ich verlasse arbeitsmäßig erst einmal die Kuhl obwohl hier noch die Speigatten fehlen. Dank des Lock Down ist lokal derzeit kein 3 oder 4mm Messingrohr zu kaufen, und für zwei solche Röhrchen 4,95€ Porto zu bezahlen scheint mir nicht so ganz angemessen. Na ja, kommen die eben später rein.


    Best regards


    Angarvater


    Angarvater

    Heute war nur die Malergang auf der Back und in der Kuhl am Werke.



    Wenn ich mich schon ein wenig in die (spekulative) Gedankenwelt der damaligen Schiffbauer hinein denke kommt hier mal wieder so ein Blick in die Bude des Shipwrights in Frage.


    "Also ich muß schon sagen, Shipwright, daß mir Eure Farbgebung ganz gut gefällt. Aber, verzeiht die Frage, wieso hier in der Kuhl Weiß und Grün?" Angarfather schiebt die Mütze nach hinten und streicht sich lächelnd über das Haar: "Das hat etwas damit zu tun, daß auch die Königin diese Kanonenstellung dort haben wollte. Also: Das Rot und Gelb wäre ja allein doch recht spanisch gewesen und hier haben wir die Farben des erlauchten Hauses Tudor.Weiß und Grün als die Hauptfarben Tudors und das Rot der Tudorrose auf den Lafetten." Drake nickt zustimmend um dann laut aufzulachen: "Und dann wissen die Spanier auch gleich in wessen Namen sie da einen englischen Gruß in Empfang nehmen werden." Er streicht sich über den Bart und nickt: "Gefällt mir, Shipwright! Gefällt mir!"




    Cheers!

    Angarvater

    Es ging einwenig in der Kuhl weiter. Wenn ich da schon schwere Kanonen stationiere muß die Reling in soweit verstärkt werden, dass sie den Rücklauf der Stücke auffangen kann. Daher kamen erstmal ordentlich dimensionierte Knie dran.



    So könnte das gehen.





    Die Öffnungen zwischen den Relingstützen werden noch mit Füllhölzern versehen. Aber erstmal wird die Reling gemalt. Vor dem Einbau male ich die Ausfachungen inklusive Bemalung komplett an, was das deutlich vereinfacht.


    Best regards


    Angarvater


    P.s. Nach den vor Kurzem bekannt gewordenen Berichten von Medina Sidonia an seinen König war es die artilleristische Überlegenheit in Kaliber und Reichweite der Engländer zusammen mir der Taktik sich nicht auf ein Nahgefecht einzulassen, was die gesamte Planung der Armada zunichte machte. Die Engländer stellten sich weder der Armada in den Weg, wie man wohl gedacht hatte, umkreisten die Formation und beschossen sie permanent was den Spazieren ein in ihrem Sinne sinnvolles Handeln unmöglich machte.

    Angarfathers Dockyard. Eine Woche nach dem Gespräch des Shipwright mit Sir Francis.


    An der Tür des Zeichenboden ertönt ein sehr kräftiges Klopfen, und ohne das der Werftherr etwas gesagt hat wird die Tür geöffnet und zwei Offiziere der Gentlemen Pensioners, der königlichen Leibwache treten ungefragt ein und postieren sich neben der Tür. Durch die geöffnete Tür ist zu erkennen, daß dort zwei Yeoman Warders, volkstümlich auch Beefeater genannt, mit gekreuzten Lanzen die Tür außen sichern. Ehe der Shipwright etwas zu diesem Szenario sagen kann nehmen die Beefeater Haltung an und präsentieren ihre Waffen.

    Es ist klar, was das bedeutet, und der Werftherr sinkt vor seiner eintretenden Königin aufs Knie.


    "Nun Master Shipwright, habt Ihr ein wenig Zeit Eurer Königin den Neubau der Countess of Kingsbridge zu zeigen?" dabei deutet sie dem Master mit einer Handbewegung sich zu erheben. "Euer Majestät, verzeiht mir diese Unaufmerksamkeit." Elizabeth unterbricht ihn mit einer deutlichen Geste der Rechten: "Woher solltet Ihr von meiner Ankunft wissen. Also last diese ganzen Förmlichkeiten sein." Sie schweigt einen Augenblick während sich der Master dankend verbeugt. "Zeigt mir den Neubau der Countess of Kingsbridge, ohne daß die Putzkolonne vorher in Aktion getreten ist." "Es ist mir eine Ehre, Majestät. Bitte mich vorausgehen zu lassen." Elizabeth nickt ihm zu.


    Der Shipwright schwitzt innerlich Blut und Wasser aus Angst davor, daß sich die Königin auf den mit Spänen, Stückholz,Holzzuschnitten, Werkzeugen und dergleichen mehr bedeckten Bereichen um den Neubau verletzen könnte. Zwar gibt es hier natürlich Wege für die Zimmerleute und ihre Helfer, nur haben die absolut nichts mit den Wegen wie sie in den Palästen und Gärten der Königin zu finden sind gemein. Elizabeth lächelt ihn freundlich an: "Macht Euch keine Sorgen um mich auf den Wegen Eurer Werft. Dafür bin ich ausgestattet. Seht her." Der Master senkt den Blick und sieht sie genau an, was er ohne die Aufforderung so nie gewagt hätte. Die Königin trägt ein Pelzcape und drunter ein äußerst kostbares und elegantes Kleid, das allerdings keinen Reifrock hat, sondern frei fällt. Zudem ist es ungewöhnlich kurz. Es hört oberhalb der Knöchel auf sodaß man, so man denn zu gucken wagt, sieht, daß sie sehr kräftige Stiefel trägt. "Ihr gestattet, Majestät, daß wir erst einen Rundgang um das Schiff machen, um danach an Deck zu gehen. Meine Gesellen sichern derweil den Zugang mittels einiger Planken." "Nur zu, Master." Die Eskorte folgt ihnen wie ein Schatten.


    Zur Überraschung des Schiffbauers stellt die Königin während der Besichtigung erstaunlich sachkundige Fragen zum Aufbau der Galeone. Als sie nach einiger Zeit in der Kuhl stehen sagt die Königin: "Drake hat einwenig herumgemault, weil Ihr es ihm verweigert habt die Kuhl der Countess mit einer massiven Schanz zu versehen. Warum?" "Nun, Majestät, eine richtige Schanz dort einzubauen bedeutet ein weiteres zusätzliches Gewicht und unter Umständen eine Verschiebung des Schwerpunktes nach oben." "Habt Ihr das nach den Regeln des Archimedes gerechnet?" Der Shipwright sieht sie verblüfft an. Daß die Königin sogar etwas von den Schwerpunktberechnungen des alten Griechen weis hätte er niemals gedacht, zumal die meisten Kapitäne noch nicht einmal das Wort Schwerpunkt kennen. "Soweit das möglich ist schon. Aber mit diesem Verfahren, und ein anderes haben wir nicht oder noch nicht, komme ich nur näherungsweise an die Sache heran. Es ist immer noch eine Frage der Tradition der Handwerkskunst und des gesunden Menschenverstandes." Elizabeth denkt einen Augenblick nach, dabei den Blick konzentriert über den Neubau führend.


    "Gut, und verständlich. Aber wenn Ihr die Reling, so wie sie jetzt ist, beplankt stellt sich das Problem wohl kaum, und das Schiff wird wuchtiger und damit bedrohlicher aussehen." Der Shipwrigt wiegt den Kopf nachdenkend hin und her. "Master, wenn ihr fachliche Probleme damit habt sagt es frei heraus." "Wenn ich dafür zweizöllige Planken nehme und die Schanz nicht verstärke und hoch ziehe wird das gehen. Das stellt natürlich keinen Schutz der Kanoniere gegen Musketen oder Schrapnellbeschuß dar." Elizabeth nickt: "Dann macht das so. Aber weit wichtiger. Wir brauchen schnellstens Schiffe wie die Countess. Alles andere ist im Augenblick nachrangig." Der Shipwright verneigt sich: "Wenn Majestät es befehlen stelle ich alle weiteren Aufträge zurück und kann dann noch zwei weitere Schiffe parallel zur Countess auf Kiel legen."


    Inzwischen pfeift ein sehr kalter Wind von der See her über die Werft. Der Shipwright, leicht fröstelnd: Darf ich Euer Majestät einwenig "Rauchenden Bischoff" * im Kontor anbieten?" "Fragt nicht lange, den kann ich jetzt gut gebrauchen."





    * Den "Rauchenden Bischoff" würde man heute als eine Art Glühwein bezeichnen.

    Aye, Bonden,


    als alter „Bühnenknecht“ beschränke ich mich bei solchen Filmen aus dem „ Romantik und Herz und Schmerzgenre“, insbesondere wenn sie schon so ihre drei oder vier Jahrzehnte auf dem Buckel haben, auf die Betrachtung der Ausstattung, der Aufnahmetechnik und des Schnittes. Da hinkt dieser Streifen selbst den im gleichen Genre in Hollywood gedrehten, man entschuldige bitte meine Respektlosigkeit, Schmachtfetzen kaum hinter her.


    Diese Unterhaltungsstreifen inhaltlich zu bewerten ist für mich bei keinem der Werke probat.


    Ach ja, es gab fast ständig schicke Frauen zu sehen, was ja auch ganz nett ist. 😉Und mit dem alten Trick, mit einem scheinbar seriösen Sprecher aus dem Off zu arbeiten, haben diverse Regieseure ihre Hilflosigkeit offenbart.

    Nun ja, Mylords, wie Drake später selber mal feststellte, hatte diese Feuerkraft auch den Nachteil, daß es da sehr schnell kein aufzubringendes Beuteschiff mehr gab sondern nur noch einen mit Mühe schwimmenden Brennholzhaufen. Er war und blieb eben ein Freibeuter.


    Walter Raleighs Worte, daß man die plumpen Kästen der Spanioler sowieso nur ausschlachten und zu Brennholz verarbeiten könne waren für den Chefpiraten nur ein schwacher Trost. Vielleicht hat er sich deshalb gleich zu Beginn der Armadaschlacht das dickste Schiff der Spanier mit der Kriegskasse an Bord geschnappt. Bei der dabei erbeuteten Summe kam es auf das bisschen zerschossenes Schiff auch nicht mehr an.