Beiträge von Angarvater

    Genug der Worte, allein nun last mich Taten sehn.

    Ist zwar kein Zitat aus dem maritimen Bereich aber immerhin.

    Zustandsbericht: Die Heckgalerien wurden fertiggestellt und gemalt.




    So ein kleines Problem, das sich aus der Pandemielage ergibt. Hochfeine Gouache sauber zur fixieren benötige ich benzingelösten Klarlack der keine, wirklich keine Farbanteile enthält. Mein Lieblingsmalereibedarfsladen (tolles Wort), in dem die Leute selber malen und auch wissen was man so verwenden kann oder wer etwas alternatives liefert ist seit Monaten geschlossen. Da wo die Läden über das Netz oder Telefon zu erreichen sind findet man niemanden der sich auskennt. Ergo ist der besonders gute Mattlack von Marabu nicht zu bekommen. Zwei andere Sorten ergaben Farbverfälschungen. Angeboten werden im Netz etliche Mattlacke die aber alle auf Wasser- oder sonstiger Basis gemacht sind. Somit verwende ich für die Countess jetzt den glänzenden Lack von Marabu. Glänzt wie eine Speckschwarte, lässt die Farben aber so wie sie sind und sein sollen.

    Um das mal Englisch zu sagen: So What?


    Ok als nächstes kommen die geometrischen Demos dran, und dann die vielen schönen Kleinteile wie Augbolzen, Nagelbänke Bänder der Türen, Rüsten, Ruder usw. usw.


    Angarvater

    Aye,Speedy,


    der Kolderstock war ja wahrscheinlich nur eine Zufallsentwicklung ohne große konstruktive Überlegung. Selbst die großen Koggen, und die waren schon ziemliche Brocken, wurden mit der Pinne, oder dem Helmholz gesteuert. Damit konnte man sogar recht gut Hartruder legen. Innerhalb relativ kurzer Zeit baute man die Schiffe noch wesentlich größer mit der Folge, daß die Ruder nicht mehr nur mit dem Helmholz zu Händeln waren. Also setzte man da einen Hebel drauf. Mit der Konsequenz, daß der Hebel durch seine Größe den Ruderausschlag sehr begrenzte. Dann legte man Taljen ans Helmholz um das Ruder überhaupt noch halten zu können, und irgendwann fiel einem schlauen Shipwright auf, daß man die Taljen ja auch auf einer Seiltrommel mit einem Rad daran führen konnte. Damit konnte das Helmholz unter Deck verkürzt werden und man hatte brauchbare Ruderausschläge gewonnen.


    So könnte die Entwicklung gelaufen sein.

    Aye,Speedy,


    die Tendenz dazu wurde wohl schon lange vorher, so z.B. bei den spanischen Kampfschiffen mit den Admirals- und Kapitänsquartieren im achteren Aufbau,gegründet.


    Der Ausbau und die Nutzung des Heckbereiches war damals, soweit ich das herausfinden konnte, nicht so standardisiert wie bei den späteren Schiffen. Wenn man das vergleichend bei diversen überlieferten Bildern und den wenigen zeitgenössischen Schriften dazu betrachtet, und hier war mir wirklich nur eine Minidurchsicht möglich, lagen die Kapitänsräume so, daß der Chef sehr schnell auf dem Kommandodeck sein konnte. Solange mit dem Kolderstock gesteuert wurde war das anscheinend meistens das Quarterdeck. Die Weisungen an die Rudergänger, die ja ein Deck tiefer standen, erfolgten durch eine dafür vorgesehen Gräting. Vom Quarterdeck aus ließen sich die Steuermanöver gut koordinieren. Zumal bei Kursänderungen wie z.B.einer Halse die Segelmanöver das bestimmende waren, da mit den Rudern bei diesen Schiffen durch die Ruderkonstruktion nur sehr kleine Ruderausschläge möglich waren.

    Die darunter liegende Constablerkammer, ursprünglich das Handwaffenlager unter Aufsicht des „ Constables“, wandelte sich zuerst zu einem Wohnquartier für höhere Dienstgrade, und einige Jahrzehnte später zum achteren Bereich des Batteriedecks. Dabei blieb der Name lange Zeit erhalten.

    Doch zurück zu Deiner Frage. Es war wohl damals auch schon so, daß je nach Kommandostelle das Quartier gelegen war. Die Kajüte unter dem Hüttendach scheint als Kapitänsquartier vorgesehen gewesen sein, darunter die Staatskabine, ggf. ein Admiralsquartier, die Messe und die Offizierswohnungen.


    P.s. Der Stand des Rudergängers mit einem Schutzdach darüber, wie er gern gezeigt wird, ist wahrscheinlich nur die technische Variante für kleinere Schiffe gewesen. Bei den großen Kähnen, und zu denen gehört die Countess zu ihrer Zeit, standen bei leichter See schon zwei Mann am Kolderstock. Bei dickem Wetter auch mal vier. Zudem, so wird berichtet, schlug man dann auch noch Taljen am Stock an um das Ruder einigermaßen unter Kontrolle zu haben.

    Schön wenn Euch meine "Bunte Kuh", ach nee, das war doch ein Hamburger Kahn. Also daß Euch die Countess gefällt.


    Jetzt waren als Nächstes die untere Heckgalerie, die Türen und je Bordseite ein Fenster in der Offizierseben anzufertigen und einzubauen.


    Zuerst wurde das Tragwerk, also Knie und längslaufende Balken montiert, darauf kamen die Bretter der Roste des Galeriebodens und danach wurden die Türen und Fenster eingebaut.


    Hier eine Probemontage der Backbord Reling.





    Morgen werden die Steuerbord- und achtere Relingreling zusammengebaut, gemalt und montiert.

    Cheers!


    Angarvater

    Es gibt noch einen weiteren Aspekt des Peterprinzipes, nämlich den Begriff der Peterleiche. Bis weit über ihre eigenen Fähigkeiten hinaus in Führungspositionen beförderte werden, gerade in der Patronage, abgeschirmt und es wird ihre Arbeit von zum Patronagesystem gehörenden Nachrangigen erledigt., was nach Außen hin verdeckt wird. Nach den Erkenntnissen der Mediziner verzweifeln diese "Peterprodukte" an der Überforderung und der Show des unbegrenzt Leistungsfähigen, was zum klassischen frühzeitigen Tod durch Herzversagen oder Gehirnschlag führt.

    Derzeit ist nur eingeschränkter Betrieb auf der Werft möglich da zum einen der Umzug der Tochter zu bewältigen war und ist, und zum anderen ein zweitägiges Webinar vorbereitet und durchgeführt werden wollte, was ja auch ganz gut ist. Aber trotzdem ist einwenig feinmotorisches Werkeln ganz gut. Hier ein Blick auf die Heckgallerie.



    Es gibt bei den Gallerien ein konstruktives Problem, nämlich die Frage ob die Standfläche als Gräting oder Vollbeplankung, dann aber mit ordentlicher Wasserabführung (Speigaten) ausgeführt wurde. Ich mache es diesmal so, daß ich Planken lege dafür aber die vordere Begrenzung offen lasse. Damit könnte übergekommene See gut ablaufen. Immerhin faßt die gesamte Galerie etwa 11Kubikmeter Wasser. Das wäre zwar eine "Vollfüllung" entspricht aber immerhin der notwendigen Grenzwertbetrachtung. 11Tonnen Wasser in der oberen Heckgallerie und nochmal mindestens das Gleiche in der noch zu bauenden unteren Galerie würden dem Schiff schon zu schaffen machen und seine Laufeigenschaften ziemlich verändern.


    Hmm, mach ja eine etwas seltsame Überlegung sein, aber selbst wenn man das damals nicht rechnen konnte (die Lageveränderung) würde die Erfahrung von Shipwright und Skipper rein empirisch zu diesem Schluß kommen.


    Best regards


    Angarvater

    Aye, Peter,


    für mich liegt die Pegasus nach Verproviantierung und Ergänzung im Hafen und wartet auf die Besichtigung durch den Geschwaderchef. Und solange sie im Dienst ist, und insbesondere im Hafen liegt, führt sie die Flagge.

    Selbst die Victory führt zumindest die Nationale am Großtop. Nun ja, Skiern ist ja immer noch im Dienst.

    Aye, Peter,


    da gestern das Wetter so schön diffus war gab es die Gelegenheit dieses Photo zu machen. Das ist das Rigg der HMS Pegasus die ich vor 15 Jahren gebaut habe. Hier ist das sozusagen der Zustand indem das Schiff fertig aufgeriggt am Kay liegt und die Segel noch an Bord gebracht und angeschlagen werden müssen.

    Guck bitte nicht so genau hin. Das ist ein aufgepimptes Bausatzmodell, und das Rigg habe ich nach Bauanleitung und den Hinweisen im Mondfeld getakelt. Solche Schätzchen wie den Schrage habe ich erst beim nächsten Neubau, der HMS Agamemnon, kennen gelernt.



    Best regards

    Angarvater

    Aye, Mates, Ladies and Gentlemen!


    Weiter ging es mit dem achteten Aufbau. Zum einen Malen und zum anderen bekamen die beiden oberen Decks Fenster. Nachdem ich alles was mir an historischen ( alter oder auch neuerer Art ) Darstellungen der Tudorschiffe zugänglich wart nochmal angesehen habe bekamen die Kajüten dieser beiden Decks ihre Fenster. Bei den Bildern der größeren Schiffe sind die fast überall zu sehen, bei den kleineren wie z.B. der Golden Hind nicht.



    Das Fensterglas mache ich in dem ich eine Frischhaltefolie auf eine Brett lege und mit Weißleim überziehe. Dorthinein kommt ein entsprechend großes Stück Tüll der mit dem Pinsel in den Leim eingearbeitet wird. Nachdem der leim getrocknet ist wird er nahezu durchsichtig. Das "Fensterglas" lässt sich dann leicht abziehen und auf die Rückseite des Fensterrahmen aufkleben. Auf dieses verfahren habe ich kein Patent, es stammt aus dem "Götterforum".



    Cheers!


    Angarvater

    Mit oder ohne untergeschlagene Segel wurde erst das Laufende getakelt und je nach Tau an Deck belegt. Je nach dem wurden z.B. die Blöcke der Schoten zur Rah aufgeholt und dort gesichert, sodaß man sie wenn das Segel an der Rah fest war sofort anbinden konnte. Die Segel wurden an die Rahen angeschlagen, dann kamen die zugehörigen Seile dran und dann konnten die Rahen auf Höhe gehißt werden, und die Segel wurden dann, wenn mann noch nicht ablegen wollte untergeschlagen. Das dürfte ein nicht ganz einfaches Geschäft gewesen sein. Zumindest solange bis das jeweilige Segel mit seinem Laufenden versehen und damit kontrolliert werden konnte.


    Wie Bonden schon schrieb kannst Du Dir eine Geschichte dazu ausdenken und dementsprechend die Lappen unterbringen. Spannend wäre z.B. das Anschlagen des Groß zu zeigen, also mit abgefierter Großrah in Arbeitsposition. Soweit ich weis wurden die Obersegel als erste angeschlagen. Das waren nicht so große Tuchmengen wie die Untersegel und dann war man die Lappen los, wenn man die großen Untersegel an Bord nahm und dann anschlug.

    Weiter ging es mit dem Tragwerk der oberen Heckgallerie und dem zugehörigen achteren Schott. Dazu ist vom Arbeitsablauf her nicht viel zu sagen. Zimmermannsarbeit eben.





    Cheers!


    Angarvater


    P.s. wenn diese Hauptarbeiten durch sind kommen alle noch fehlenden Kleinteile wie z.B. Türbeschläge, Augbolzen etc i einem Durchgang auf das ganze Schiff.

    Auf jeden Fall waren zumindest die Shipwrights und die Handelsschiffer aufmerksam und Veränderungen nicht abgeneigt. Bei den späteren Admiralitäten war das konservative Festhalten an den „ alt hergebrachten“ Techniken wohl noch bis in die Jetztzeit weit verbreitet.


    Gingen Handelsschiffe verloren oder wurden schwer beschädigt waren das sehr hohe Verluste des eigenen Vermögens. Gingen Kampfschiffe verloren war das eben Kriegerschicksal, und niemand von den „Auftraggebern“ hatte einen persönlichen Schaden zu verbuchen.

    Dieses Festkrampfen an alten Strategien und Bauformen führte ja sogar zur Erschießung des Admiral Byng. Erst so ein unglaublicher Krieger wie Nelson konnte die seit vielen Jahrzehnten festgeschriebenen Gefechtsorders erfolgreich mißachten.


    Und zum konservativen Beharren auf Hergebrachtem gehören ja auch die Schlachtschiffbauten nach WW1 obwohl man spätestens Ende der 20ziger schon klar erkennen konnte, daß kein Dreadnought eine Chance gegen die angreifenden Flugzeuge haben würde.

    Deshalb wurden die Schlachtschiffe der US Navy ja auch ganz schnell zu Artillerieplattformen die die Landungstruppen unterstützten degradiert. Auch die Schlachtschiffe der Reichskriegsmarine, wie die Bismarck, waren unzeitgemäße Dinosaurier die von nur wenigen Trägerflugzeugen waidwund geschossen wurden und denen die Überwassereinheiten dann nur noch den „ Fangschuß“ zu geben brauchten. Auch die japanischen Dickschiffe starben so.

    Die armen Kerle auf diesen schwimmenden Särgen hatten keine Chance und wurden von den Admiralitäten wissentlich in den Tod geschickt.


    Nun ist aber Schluß mit diesen Überlegungen und es geht nachher zurück in die Zeit der Tudorkönigin.