Beiträge von Angarvater

    Bauzustand bei Werftschluß


    Das Vorstag ist fertig getakelt.



    Nach allen mir zugänglichen Quellen wurde das Vorstag in der Tudornavy ohne daß das Tau gekeleedet war am Sprit angeschlagen. Es wird hier immer nur ein schöner Umlauf des Seils um das Sprit gezeichnet ohne dabei darauf einzugehen wie denn dieses Tau die untere Stagjungfer am Holz festhält. Aber, wie sagt doch mein großes Vorbild Daniel Düsen trieb: dem Ingenieur ist nichts zu schwör. Ergo habe ich den Stropp mit zwei gebundenen Augen vor Ort zusammengetakelt.






    Die großen Taljen der Stage mit ihren fünf Kardeelen finde ich immer wieder sehr attraktiv anzusehen.


    Cheers


    Angarvater

    Aye, Mates,


    weiter ging es mit den Unterwanten des Fockmastes. Bei sieben Wanten ergeben sich drei doppelte Wantenspanne je Seite, und

    für die siebten Wanten ein gemeinsamer Spann für beide Seiten.


    Diesen Spann habe ich mit einem gebundenen Auge getakelt. Der Schlingenbereich ist gekleidet und das Auge mit je zwei Zeisingen gebunden.



    Der Flechting der Unterwanten.



    Hier ein Photo vom Bilden des Auges der Jungfern. Das Want ist1,5mm stark, das Garn des Zeisigs 0,4mm.



    Es hat sich für mich als probat erwiesen die beiden Jungfern mit den klassischen Hilsfdrähten auf Abstand zu halten, um dann das Want um die obere Jungfer zu legen und gut auf Zug zu spannen. Dann klebe ich das umlaufendeWantenteil mit sehr dünnflüssigem Cyan Acyrlatkleber an die Jungfer an, um so das Auge zu bilden. Das ergibt, sauber ausgeführt, die klassische Form mit Kreuzung des Endes über der Lastseite des Seiles. In Originalgröße wird dieser Kreuzungspunkt gebändselt, was im Modell, nachdem der Zeising zur Belegung des Endes gebildet ist, kaum zu sehen ist, und deshalb von mir auch weggelassen wird.


    Der Zeising wird mit einem Umlauf um beide Wantbereiche begonnen, der mit einem ganzen Schlag gesichert wird. Im Original wird dieser Umlauf mit anderthalb Rundtörn und zwei halben Schlägen um die Lastpart gesichert, was im Modell einen ziemlich dicken Knoten ergeben würde. Dann kommen die Rundtörns des Zeising straff gewickelt dran. Der Zeising wird mit einem Rundtörn um die Lastpart des Want und einem Halben Schlag beendet. Um das Ganze dauerhaft zu sichern werden der Beginn des Zeising und der Schluß mit etwas dünnflüssigem Kleber gesichert. Der Kleber geht gut in die Seile ein, und der Überstand wird abgetupft, sodaß das Profil der Seile erhalten bleibt.


    Werftschluß heute Abend.



    Cheers!


    Angarvater

    Aye, Mates,


    vielen Dank für die „Likes“ und Bondens freundlichen Kommentar.


    Im Augenblick arbeite ich an den Wanten des Fockuntermastes. Also das selbe Gewerk, oder um mit der Königin zu reden: semper eadem. Daher mache ich erst wieder Bilder, wenn dieser Abschnitt fertig ist


    Aber da habe ich eine Frage an Euch: kennt jemand eine Quelle für Pläne eines East India Man aus dem 17. Jahrhundert?


    Cheers!


    Angarvatet

    "Galeonisch" trifft meine persönliche Vorstellung von einer wuchtigen (spanisch angehauchten) Galeone; quasi der Gegensatz zu den feineren Linien des 18. Jahrhunderts.

    Aye, Mylord, damit ist der Begriff „galeonisch“ als sehr zutreffend und sauber dargestellt etabliert!


    Was den Vergleich mit den Schiffen des 18. Jahrhunderts betriff zitiere ich hier mal Antoine de Saint Exupéry: Die Maschine in ihrer Vollendung wird unauffällig.

    Wenn ich noch weiter in der Entwicklung der Segelschiffbaukunst gehe, nämlich bis z.B. den großen Laeiszschiffen, den P Linern, trifft das m.E. noch verstärkt zu. Nichts ist mehr überflüssig oder gewollter Zierat und Rumpf und Rigg bestechen durch ihre funktionale Eleganz. Für mich ist die Gorch Fock in dieser Beziehung ein brillantes Beispiel für derartige Schiffbaukunst.


    Ich habe zwar die Pläne für die GF hier liegen, aber es reizt mich derzeit nicht sie auf Kiel zu legen, da sie gegenüber den Tudorschiffen eben keine der zum Teil schon überkandidelten Bauteile dieser Kähne hat. Das geht ja bis hin zur Takelage, die aus reinen Gestaltungsgründen mit völlig überflüssigen Tampen versehen waren. Aber wie sagte ein Admiral der damaligen Zeit: so sieht die Takelung einfach schöner und eleganter aus.

    Freut mich sehr, daß Euch meine Baufortschritte gefallen.


    Der Eindruck wirkt wirklich galeonisch, wenn man das so sagen darf. fr18


    Denke, daß man das sagen darf. Wenn ich nur wüßte was das heißt? :):):)


    Als nächstes bekam der Großuntermast sein Stag. Ich habe dazu nochmal in der Literatur geblättert, was aber nur, im Gegensatz zu den Auskünften zu Nelsons Navy, nicht sehr konkrete Ergebnisse erbrachte, bis im zu Mondfeld auf das Bild eines Schiffsmodells stieß, das Bett für Jakob II. gebaut hat. Ich gehe mal davon aus, daß der große Shipwright genau wußte wie er seine Schiffe gebaut hat. Und hier ist am alten Modell das Großstag erhalten. Ergo nahm ich mir das als Vorbild.


    Zum Stag selbst: das Seil hat 3mm Durchmesser. Der Stagkragen 2,0mm Durchmesser. Die Schlinge um den Masttop und auch der Stagkragen wurden erst gewurmt und dann gekleidet.





    Spannend ist es immer bei einer so einfach gearbeiteten Talje das Stag steif durchzusetzen. Bei dieser fünffach Übersetzung kann ich das Stag, gegen den achterlichen Zug der Wanten der ihn etwas biegt , problemlos auf "geradeaus" bringen.



    Cheers!


    Angarvater

    ZSelbst wenn es gekupfert wurde, dann aber bestimmt nicht in dem Umfang wie die rot gefärbten Planken. Die Kielwasserlinie verläuft üblicherweise parallel zum Kiel - das ist sie hier aber nicht, wie man auf diesem Bild unschwer erkennt:

    Aye,Bonden,

    Ich habe mir gerade wegen dieses Problems den Bauplan der Niagara ( Museumsplan) an-gesehen. Wie schon Anobium sagte läuft die KWL , im Englischen ( ob alt oder zeitgenössisch immer die LWL - Load waterline, Ladewasserlinie) bei der Niagra nicht!!!! parallel zur Kiellinie. Das Schiff hat Achtern deutlich mehr Eintauchtiefe als vorn.
    N.b. Zeigt auch Chapman dies bei etlichen seiner Pläne. Noch ausgeprägter ist das bei den Klippern, die auf dem berühmten Baumuster Baltimore Clipper beruhten. Im Verhältnis zu anderen Konstruktionen führte diese erhebliche Vergrößerung der eingetauchten Fläche zu einer deutlichen Verringerung der Querabdrift am Wind, was zusammen mit dem Clipperrigg zu ganz anderen am Wind erreichbaren Höhen führte.

    Diese Bauweise erreichte ihren Höhepunkt mit den kanadischen Fischerbooten, deren prominentester Vertreter die berühmte Blue Nose war.

    Und was die Kupferung betrifft war es immer sinnvoll sie mindestens bis zur LWL zu führen um das Unterschiff so gut wie möglich zu schützen. Und nun etwas Spekulation: ein russisches Schiff hatte es im Herbst und Frühjahr mit beginnendem Eisgang zu tun. Und da macht eine Kupferbeplankung schon Sinn. Das hält m.E. Nach deutlich mehr aus als geteertes Holz.

    Aye, Bonden,


    das sieht so schön filigran aus, daß es eine Freude ist.


    Nochmal zur Kupferfarbe. Weil es mich interessiert habe ich einen alten Bekannten, seines Zeichen Kupferschmied (den Beruf gibt es tatsächlich noch) danach gefragt wie wohl das Kupfer, oder besser Kupferplatten, in den alten Zeiten ausgesehen haben mögen. Er meint, daß diese Platten kaum weniger leuchtend Rot als heute waren. Nicht ganz so super sauber, aber eben Kupferrot. Er meint, daß es selbst auf See etliche Zeit gedauert habe bis das Rot sich in ein stumpfes Rotbraun verwandelt hätte. Das berühmte Grün von Bedachungen, so sagte er mir, sei keiner natürlichen Patinabildung zuzuschreiben, sonder wäre einer vom Bauherrn bestellten Säurebehandlung? zu verdanken gewesen. An Sonsten wurden auch Turmspitzen eher Braun als Grün, und so wollten es die hohen Herrn, die die Prachtbauten in Auftrag gaben, gern als besondern Effekt gern haben.


    Angarvater

    Aye, Mates,


    Die Untermasten sind gestellt und es läuft die Fertigung der Jungfern.



    Für die Wanten der Untermasten werden insgesamt 84 Jungfern in drei Größen gebraucht. 56 für Fock- und Großmast und der Rest für den Besan und den Bonaventuramast.


    Ablauf der Fertigung.

    Schritt eins ist das Zurichten des Dreieckprofils mit der Kreissäge und das Schleifen auf dem Bandschleifer.

    Schritt zwei ist das Bohren der Gatten für die Taljen.



    Technisch manchmal etwas problematisch, da das Holz ja nicht homogen ist ist der 1,5mm Bohrer leicht auswandert. Dem kann man allerdings etwas mit dem Kreuztisch auf dem der Schraubstock sitzt, zumindest zu Anfang gegensteuern.


    Die "Umlaufnut" für die Eisen resp. strops wird zuerst mit der Säge vorgeschnitten und dann mit der Dreikantfeile gearbeitet.




    Die Jungfernrohlinge für die Hauptmasten.



    Die Gatten bekommen Einschmiegungen damit die Tampen nicht über eine harte Kante laufen. Das läst sich mit einer 3mm Fräse ganz gut machen.


    Die unteren Jungfern werden mit Eisenrundmaterial am Schiff angeschlagen. Solche Beschläge wurden in der Realität heiß aufgeschrumpft. Das heißt, das Band wurde so geschmiedet, daß es in kaltem Zustand stramm aufsitzt. Es wird bis zur Rotglut erhitze und dann aufgetrieben, sodaß es abgekühlt stramm in der Umlaufnute sitzt.


    Soweit die "echte" Arbeitsweise, die im Modell für mich nicht machbar ist. Ich nehme daher 0,7mm geschwärzten Eisendraht den ich um die Jungfer lege. Die beiden Enden werden verdieselt und aus dem Ende dann ein Haken gebogen. Das geht ganz gut und hält auch seit längerem dem Zug der Wanten am Modell stand, und sieht dann so aus.




    Die Teile werden, wenn die Serie soweit fertig ist, noch feinbearbeitet und kommen dann an die Rüsten. Hier eine Probemontage.



    Best regards


    Angarvater

    Aye, Mates!

    vielen Dank für die Likes!

    Bonden. Danke für deine Antwort in Sachen Räderfarbe. Wenn ich große Lust dazu bekomme male ich die Radscheiben noch an.


    Heute wurden diverse Bauteile noch mit ihren Bolzen, die sie mit dem Schiff verbinden, versehen. Inzwischen habe ich, obwohl ich die Nagelung der Planken nicht zeige, da die m.E. im Normalfall tief eingeschlagen wurde, und dadurch unter der Teerung resp. Bemahlung verschwand, an anderen Stellen geschätzt an die 100 Nägel eingeschlagen. Meistens 0,5mm Blauköpfe, da die flache Köpfe haben die wohl den geschmiedeten Teilen der Tudorzeit ähnlich sehen. Hier auf den Keilen der Spritzurring zusehen.



    An anderen Stellen habe ich Rundkopfnägel verwendet, die dann auch unter der Farbe sichtbar sind. Das sind Bereiche, an denen ich nicht Nageln sondern Bolzen verwenden würde. Und Bolzen haben und hatten immer kräftigerer Köpfe als Nägel.


    Da es gerade so in den Bauablauf paßte habe ich die Fertigstellung der vier Stücke der Kuhl vorgezogen. In Anlehnung an diverse Quellen bekamen die Lafetten vorne größere Räder als hinten. Die Beschläge der Lafetten um die Rohre zu sichern sind, entsprechend den Befunden der vom Wrack der Mary Rose geborgenen Stücke und etlicher Quellen, nicht aufklappbar, sondern mit Bolzen auf den Lafetten befestigt.

    Zudem kamen die Richtkeile an ihre Stelle.




    Auf Station.

    Die Kanonentakel kommen als nächstes dran. Dazu müssen aber erst noch die Augbolzen und Böcke gemacht werden.




    Morgen gehts damit weiter, und vielleicht komme ich dann auch noch dazu an den Masten weiter zu arbeiten.


    Cheers!!


    Angarvater

    Hier mal wieder ein kleiner Baustandsbericht.


    Nachdem die "Außensaison" jetzt so langsam zu Ende gegangen ist geht es auf der Werft wieder rund. Derzeit wurden die Untermasten gefertigt und diverse Restarbeiten am Rumpf, wie z.B. die Ankerklüsen, ausgeführt.


    Hier einmal einige Details der Masten.


    Vorab ein kurzer Blick auf Groß- Besan- und Bonveturamast, wobei bei letzterem noch die Saling montiert werden muß. Die Masten stehen auf diesem Bild noch etwas unorthodox im Schiff da sie noch nicht fest eingebaut und ausgerichtet worden sind.



    Die beiden Hauptmasten, also Fock- und Großmast, wurden mit Tauwuhlingen ausgestattet, was ja bei den beiden achteten Masten wegen der Lateinerbeseglung nicht möglich ist. Daher wurden diese Masten in der Tudorära auch nicht aus Kanteln gemacht, was ihr Dimension begrenzte.


    Die Marsen wurden mit Mastbacken gestützt. Bei diesen Tudorschiffen waren Scheibgatts in den Backen eingearbeitet, was m.E. eine Formgebung wie bei den Schiffen der Nelsonära, mit einer die Saling stützenden "Nase" nicht möglich machte, da dann das Scheibgatt, und damit die Backe sehr weit nach unten wandern würde. Dies würde den Hievepunkt der Rahen m.E. zu weit nach unten verschieben. In der Sache gibt es, soweit ich das herausfinde konnte, keine dokumentierten Darstellungen dieser Backen.



    Als nächstes wurden die Stützkeile für die Positionierung des Bonaventura- und des Besanvorstags sowie die für die Zurringen des Sprites gebraucht. Hierzu habe ich einfache Keile zugeschnitten und aufgeleimt



    Am Groß- und Besanmast werden je zwei Klampen gebraucht. Im Kästchen mit den Mustern für solche Teile fand sich nichts geeignetes, und da im weiteren Bauverlauf, oder beim nächsten Neubau, immer mal wieder Klampen gebraucht werden, habe ich erst einmal ein Muster gearbeitet, und dann die erste Serie von vier Stück hergestellt.


    Das Musterstückkästchen, es rekrutiert seinen Inhalt aus dem Bau der letzten drei Schiffe.





    Der Rohling, der später als Schablone für die weitere Fertigung dient.



    Die jetzt gebrauchten Klampen.



    Die Feinbearbeitung dieser Teile erfolgt nach dem Einbau.

    Kleben allein reicht bei solchen Funktionsteilen nicht, daher werden sie außer der Klebung mit einem Stift am Mast befestigt. Die Stopper der Stagschlingen werden werden ebenfalls noch mit "Bolzen "versehen.



    Als nächstes bekommt der Bonaventuramast seine Saling und die Untermasten insgesamt ihre Eselshäupter. Danach ist dann erstmal die Fertigung der Jungfern für die Unterwanten, sowie die einiger Blöcke dran. Sollte Interesse daran bestehen kann ich mal die Fertigungsschritte der Jungfern und später auch der Blöcke posten.


    Werftschluß!


    Angarvater