englischsprachige maritime Reihen

  • Da mir so langsam der in deutscher Sprache verfügbare Lesestoff ausgeht, möchte ich es mal (wieder) mit englischsprachiger Literatur versuchen. Bevorzugt als Ebook.
    Dazu habe ich mich mal umgesehen und bin auf folgende interessante Seiten gestoßen, die ich euch nicht vorenthalten möchte:
    >Novels of the Napoleonic Era<
    und
    >Historic Naval Fiction<.


    außerdem ein guter Blogeintrag zum Thema >Englische eBooks zum besten Preis kaufen<


    Zusätzlich habe ich natürlich auch auf der englischen Amazon-Seite geschaut, wie es mit den Bewertungen aussieht.
    Neben Glyn Adams und Tom Grundner (die irgendwie auf meinem Zettel gelandet sind) klingt besonders Alaric J. Bond vielversprechend.
    Band 1, >His Majesty's Ship<, werde ich mir wohl mal gönnen und bin gespannt wie ich mit der Sprache zurechtkomme und wie gut die Story ist.


    Mich würden aber auch eure Tipps interessieren! Gibt ja hier auch einige Englisch-Leser. Welche noch nicht übersetzten Autoren sind eure Favoriten?

  • Bei englischen Büchern halte ich mich notgedrungen an die Fachliteratur oder Erinenrungen der napoleonischen Zeit, da die meistens (so gut wie nie!) übersetzt werden.
    Besonders empfehlenswert in der zweiten Rubrik ist "Rifleman Harris" von Benjamin Harris, einem Soldaten der 95th. Seine Erinenrungen an den Spanienfeldzug sind zu einem Teil die Vorlage für Cornwalls Sharpe-Romane. Amusant, lakonisch und auch noch spannend geschrieben.

    Fear not men with swords and guns . . .
    Fear the reckoning of the piper who unites them.
    - Unknown-

  • Die "Fighting Sails" - Reihe von Alaric Bond kann ich nur wärmstens empfehlen. Die Sprache ist nicht übermäßig schwierig, die Bücher sind spannend geschrieben, und soweit ich das beurteilen kann, ist der Inhalt historisch genau und seemännisch/fachlich kompetent dargestellt. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist die Perspektive: In der Reihe geht es nicht um den einen Helden, der vom Midshipman zum Admiral aufsteigt: Bond springt zwischen verschiedenen Charakteren hin und her und nicht jeder entwickelt sich positiv weiter. Dafür gewährt diese Erzählweise sehr schöne Einblicke in die Welt der einfachen Matrosen, die man sonst in keiner der Reihen hat.


    Die Reihe umfasst bis jetzt 7 Bände:


    His Majesty's Ship
    The Jackass Frigate
    True Colours
    Cut and Run
    The Patriot's Fate
    The Torrid Zone
    The Scent of Corruption


    Ein achter Band ist angekündigt: HMS Prometheus


    Überflüssig zu sagen, dass mit einer Übersetzung nicht zu rechnen sein wird.


    Glyn Adams kenne ich nicht.


    Von Tom Grundner habe ich nur ein Buch der "Sir Sidney Smith"-Serie gelesen. "The Midshipman Prince". Grundner zeichnet den Werdegang von Sir Sidney "Großmaul" Smith nach. Außer einigen sachlichen Fehlern (Wie viele Offiziere hat eine Fregatte, was sind die Aufgaben eines Masters, eines Midshipman etc.) wimmelt das Buch von Rechtschreibfehlern und leidet generell an mangelhaftem Lektorat. Die Sprache und Erzählweise ist sehr gewöhnungsbedürftig: Nachdem ich als Leser schon aufgrund der modernen und sehr jugendlichen Sprache "way to go, gunner!..." Schwierigkeiten hatte, mich in das späte 18. Jahrhundert hineinzuversetzen, wurde ich durch die gelegentlichen Vergleiche mit dem 20. Jahrhundert ("die Segel bei voller Fahrt backzustellen ist, wie wenn man heutzutage plötzlich aus voller Fahrt eine Vollbremsung macht" (aus der Erinnerung) völlig aus dem Kontext gerissen. Aus meiner Sicht eher etwas für Jugendliche, die mit dem Genre noch nichts zu tun hatten. Tom Grundner ist übrigens 2011 verstorben.

  • Die Fighting Sails Reihe werde ich mir mal merken.
    Danke Ox.


    Aga

    Gentlemen, when the enemy is committed to a mistake, we must not interrupt him too soon.

    Adm. Horatio Nelson

  • Und zumindest größtenteils auch schon mal digital erhältlich:


    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Zitat von "Richard Howe"

    Und zumindest größtenteils auch schon mal digital erhältlich:



    Komisch, dass mir in deinem Beitrag der Amazon-Link nicht angezeigt wird, im Zitat aber schon (aber nur im Textfenster und nicht im endgültigen Post). Geht das nur mir so oder auch anderen? Und woran liegt das?


    Die Bücher sind übrigens auch bei der "Konkurrenz" als E-Book erhältlich (epub).

  • Oh, das klingt sehr interessant, da muß ich mal stöbern gehen. Danke für die Links und die Rezis!

    "Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen." (Aristoteles)

  • Es ist immer wieder deprimierend, wie wenig Reihen (und dann auch vollständige Reihen) übersetzt wurden, obwohl es im Deutschen ja doch so einiges gibt. Bei Kydd und Lewrie habe ich es ja gewusst, aber dass auch die Fox-Reihe gar nicht vollständig übersetzt wurde, habe ich gerade eben erst festgestellt.


    Ich kenne noch von Parkinson "Der Branderkapitän" und "Das Kaperschiff" um Richard Delancey, aber die fand ich furchtbar zäh und bin mit keinem der Bände warm geworden.


    Was in der Auflistung auf der oben verlinkten Seite - vielen Dank dafür, McAllister - zu fehlen scheint, ist Showell Styles Reihe um Michael Fitton (unübersetzt).

  • "Harte Zeiten vor dem Mast" von Jan Needle habe ich gestern beendet. Zum zweiten Mal, ich habe es damals bei Kauf (2008) erstmals gelesen.

    Ich fand es atmosphärisch dicht, sehr spannend und rundum gelungen. Eine brutale, eine manchmal schreckliche Geschichte, auch eine tragische. Ab und an hätte ich es (wie so oft) ein bisschen ausführlicher gehabt und einige Seiten mehr hätten dem Spannungsbogen wohl keinen Abbruch getan.

    Die Hauptfigur William Bentley ist aufrecht unsympathisch und ein ziemlich mieser Kerl, bis er zum Ende hin (ein wenig schnell, zusammengefasst) doch eine Wandlung durchmacht. Ein ungewöhnlicher Ansatz für einen Protagonisten, was es aber umso interessanter macht.


    Ich weiß gar nicht, warum ich mich um die 3 nachfolgenden Bände damals nicht bemüht habe (oder sie gar nicht mitbekommen habe), aber nun bin ich entschlossen, sie mir auch noch zuzulegen.

  • Ich habe mir Band 3 und 4 von Needle gebraucht zugelegt, Band 2 war leider nicht da.

    Davon ausgehend, dass die für sich stehend sind, habe ich mal mit der 3 angefangen - und finde offene Handlungsfäden, Bezüge und Personen aus Band 2, die nicht vollständig und zusammenhängend aufgearbeitet werden und mich daher zu einigen Teilen doch in der Luft hängen lassen.

    Mir fehlen aktuell noch etwa 150 Seiten um den Dreh.

    Bislang finde ich das Buch nicht gut. Nicht nur, dass sich auf Dinge bezogen werden, die dort nirgendwo dem unkundigen Leser mal ordentlich und chronologisch zusammengefasst werden, man wird mit so dermaßen viel Inkompetenz, Korruption und Verbrechen in Reihen der Navy konfrontiert, die ganz offen geschehen, allgemein bekannt sind und drüber gesprochen wird, dass ich das unglaubhaft finde.

    Mit Bentley kann ich nun gar nichts mehr anfangen, der scheint mir nicht sehr tragend zu sein - er ist halt da, aber was er wirklich findet oder dazu steht, ist so deutlich nicht.

    Ganz schrecklich finde ich diesen Faden um Deb - keine Ahnung, wozu das wichtig ist, das kann auch komplett wegfallen, oder, falls sie sich mal wieder begegnen, in ein paar Sätzen zusammengefasst werden. In den Geschehnissen um Deb finde ich 0 Mehrwert für irgendeinen Plot, außer, dass auch sie wenig aktiv ist und halt auch so vom Plot uninteressant mit geschleift wird.

    Ebenso stört es mich, dass manchmal belanglose Dinge sehr ausführlich beschrieben werden, und dann interessantes oberflächlich mit ein paar Sätzen abgehandelt.


    Alles in allem ein langweiliges, mich gar nicht mitnehmendes Buch, das nach dem Lesen vermutlich gleich wieder aussortiert wird.


    Band 1 hat mir so gut gefallen.

  • Und Band 4 auch durch ... Mäh, die Liebesschmonzette-Seifenoper-manchmal-zur-See geht weiter. Die Navy scheint ein guter Platz zu sein, ununterbrochen eigenen Geschäften und Interessen nachzugehen, selbst zu entscheiden, wohin gesegelt wird und auch noch quasi eigene Schiffe dabei zu benutzen.

    Beide Bücher haben es erst gar nicht zu einem Platz im Regal geschafft.