Besuch in Amsterdam und Rotterdam

  • Ich möchte euch schon mal einen ersten Eindruck vermitteln. Wie der Threadtitel deutlich macht, war ursprünglich etwas anderes geplant. Aus bekannten Gründen wurde auch das nur alle 5 Jahre stattfindende Großereignis abgesagt - tröstend zu wissen, dass wir nun fünf Jahre Zeit haben, uns auf die nächste Amsterdam Sail vorzubereiten...

    Aber da wir sowohl das Quartier als auch die Bahnfahrt schon sehr lange zuvor gebucht hatten, haben wir abgewartet, wie sich das alles so entwickelt. Als dann die Museen wieder geöffnet waren und auch maskiertes Bahnfahren möglich war, entschlossen wir uns, den Trip wie geplant zu machen.

    Wir haben es nicht bereut. Im Ergebnis wurde es eine maritime Museumstour mit Rahmenprogramm und fast beinahe einem kleinen Forumstreff. :D

    (Früüüüüher galt ja mal der Grundsatz, dass es immer dann als Forumstreff gilt, wenn sich zwei Forumsmitglieder irgendwo treffen. Seht es Jessica und mir nach, dass wir - bei aller Liebe für dieses Forum - keine Lust haben, hier täglich was zu berichten...dead)


    So, jetzt aber zu Amsterdam! Wie im Posting zuvor bereits geschrieben: Aus maritim-historischer Sicht ist ein Besuch im Rijksmuseum ein absolutes Muss! Allein das riesige Modell des 74-Kanonenschiffs William Rex aus dem Jahr 1698 ist es wert. Man steht einfach nur mit weit offenem Mund davor und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Und keine lästige Glasscheibe ist im Weg - man kann es in aller Ruhe von allen Seiten anschauen, fotografieren, bewundern.

    Und was für uns besonders schön ist: Keines der von uns besuchten Museen hat irgendwelche Probleme damit, dass man die dort geschossenen Fotos ins Internet stellt. Von daher hier der Hinweis, dass alle Bilder aus diesem Museum, die wir in diesem und den nächsten Postings zeigen, mit freundlicher Genehmigung des Rijksmuseums Amsterdam veröffentlicht werden. Und es kommt noch besser: Das Museum hat mir auf meine Anfrage hin das hier geschrieben (Übersetzung mit DeepL):

    Wenn ich da an das elendige Rumgezicke der meisten der deutschen Museen denke...


    So, jetzt aber die versprochenen ersten Bilder.






    Soviel für jetzt - freut euch auf viel mehr. Im Rijksmuseum stehen noch unglaublich viele tolle Schiffsmodelle - wenn auch etwas kleiner als das hier gezeigte. Und dann noch vieles anderes.


    Und wir waren ja auch noch im Schifffahrtsmuseum Amsterdam und im Maritimmuseum Rotterdam... :pf:

  • Tolle Bilder von einem tollen Modell.

    Im Fratzebuch war vor einiger Zeit ein Video, wie die Museumsmitarbeiter das Model reinigten.

    Spannend.

    Als ich vor bummelig 35 Jahren zuletzt im Rijksmuseum war, bin ich an den Modellen vorbeigelatscht, da war ich mehr an den Bildern interressiert. Also es wird dringend Zeit wieder hinzufahren.



    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Aye, Jessica und Bonden!


    vielen Dank für Euren Bericht und Eure Bilder! Die sind schon nur bei diesem einen Modell aufschlussreicher als manche „ gelehrte“ Diskussion an anderer Stelle.


    Außerdem macht das Ganze, bei Mylady und mir, großen Appetit auf Amsterdam.


    beste Grüße


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Schon mal vielen Dank, Lord Croidon , Aga und Angarvater für die netten Kommentare.


    Und jetzt geht es richtig los mit dem Reisebericht. (Später können wir überlegen, ob wir den Faden vielleicht in das Reise-Forum schieben...)


    Nach Ankunft und Quartierbelegung am Nachmittag fuhren wir mit der Tram zurück ins Zentrum; unsere Unterkunft war aber auch nicht allzu weit weg. Unsere "Herbergsmutter" hält für ihre Gäste stets Karten für den ÖPNV bereit. Dazu kurz zur Erläuterung für all die, die mit dem holländischen System nicht vertraut sind: So eine Karte hat die Form und Größe einer Checkkarte. Man lädt sie an speziellen Automaten auf, die an allen größeren Bahnhöfen und ähnlichen Stationen vorhanden sind. Und dann kann man damit durch das ganze (!!!) Land reisen, mit Bus und Bahn und Fähre und Straßenbahn. Kein komplizierter Tarifdschungel, keine kleingeistigen regionalen Besonderheiten. Lediglich bei zuschlagspflichtigen Fernzügen hält man seine Chipkarte kurz an einen kleinen Automaten auf dem Bahnsteig am Bahnhof und bekommt den Zuschlag abgezogen. Fertig. So schön und entspannt kann das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln sein. Uns hat das jedenfalls restlos begeistert - was uns traurig gemacht hat, war die Erkenntnis, dass so etwas in Deutschland wohl auch in 100 Jahren undenkbar ist...


    Amsterdam also. Zuerst einmal haben wir uns eine kleine grüne Oase gesucht, von denen es dort reichlich gibt, um den Reisestaub aus der Kehle zu spülen. Und dann fingen wir ein paar erste Impressionen der Stadt ein und bedienen mit den Fotos natürlich ein paar gängige Klischees: Grachten und Fahrräder. Coffee-Shops haben wir nicht fotografiert. fr21





    Und hier schon mal aus der Ferne eine kleine, rangezoomte Vorschau auf den übernächsten Tag:


    Viele Fortsetzungen folgen...

  • Am nächsten Tag stand dann das Rijksmuseum an. Ok, ein Highlight habe ich ja bereits gezeigt. Aber es gab dann doch doch ein paar mehr...

    Schon das Gebäude strahlt eine Aura von Erhabenheit und Größe aus.



    Und dann hat man seine Rucksäcke in den dafür vorhandenen Fächern verstaut, geht nur drei Schritte weiter und findet sich in einem Raum, von dem man meint, so ungefähr muss es für unsereins im Paradies aussehen:





    Viele Fortsetzungen folgen...

  • Man kann sich für das Rijksmuseum eine kostenlose App runterladen. Dann noch die Kopfhörer mitnehmen, und es wird richtig toll. An ganz vielen Exponaten steht eine Nummer. Die tippt man in die App ein und sieht dann sowas hier, hört sich die interessanten Erläuterungen an und hat die Möglichkeit, sich durch einen Klick noch zusätzliche Informationen zu holen.


    So macht Museum richtig Spaß! fr18fr18fr18


    Ein weiteres Gimmick, was wir beide so auch noch nie erlebt haben, war das hier:


    Ja, ihr vermutet richtig: Die blassblauen Kameraden bewegten sich; man konnte wunderbar den Bordalltag auf einem Kriegsschiff miterleben. Man sah sogar einen Sailor, der ganz nach vorn ging, die Hose runterzog und uns seinen nackten Hintern zeigte, um.... nun ja, ihr wisst Bescheid. rofl


    Und es gab ringsum in diesem ersten Saal noch jede Menge tolle Exponate. Die Fotos können da nur einen kleinen Einblick geben.






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  • Wir sind noch immer auf der untersten Etage - Exponate für mehrere Museen werden hier gezeigt.



    Das hier sind Glasbilder für die Laterna Magica - da haben sie auch hunderte!


    Musik bitte!


    Na, summen wir jetzt alle die gleiche Melodie aus DEM Film bei diesem Bild?


    Und zum Schluss ein Glas Port...


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  • Echt Schade, dass ich nicht vorher wusste, dass ihr doch nach Amsterdam kommt. Dann wäre ich an dem Wochenende da gewesen. Durch das Homeoffice bin ich momentan wieder mehr zu Hause in Deutschland.

    Vielen Dank für die tollen Bilder

    Gruß Christian


    In der Werft: HMS Trition, 1773
    "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

  • Weiter geht es. Eine Etage höher ging es dann im ersten Saal schwerpunktmäßig um Waterloo.


    In diesem Schrank finden sich Originale an Waffen, Rüstungsteilen und Musikinstrumenten von der berühmten Schlacht.


    Tja, und dann die Gemälde. Rembrandt, van de Velde und all die anderen großen Meister sind dort zu finden. Und auch solch toll gestaltete kleine Dioramen wie das hier:







    Und dann steht man fassungslos vor diesem weltberühmten Gemälde - nur eine dünne Kordel in Schienbeinhöhe gemahnt etwas Abstand, aber ansonsten ist der van Gogh im wahrsten Sinne des Wortes zum Greifen nah.



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  • Ja, klar, wenn man im Rijksmuseum ist, darf die berühmte "Nachtwache" nicht fehlen. Die war zwar hinter Glas, da sie derzeit sehr aufwändig mit einem neuen Verfahren digitalisiert wird, aber dennoch gut zu sehen. Sehr beeindruckend!


    So, dann schauen wir nochmal in den Saal mit dem Riesenmodell. Da fanden sich ja auch noch andere interessante Stücke. So zum Beispiel das hier:


    Es handelt sich um den Heckspiegel des englischen Kriegsschiffes Royal Charles. Dieses Schiff wurde am 12. Juni 1667 durch eine kühne Aktion unter der Führung von de Ryuter direkt unter den Augen der Engländer aus der Themsemündung geklaut. Wenn englische Besucher das in diesem Museum sehen, können sie in etwa nachfühlen, wie es französischen Besuchern der Victory gehen muss. fr21

    Und das ist er, der Übeltäter:


    Dann wieder diese prächtigen Gemälde und Zeichnungen!


    Eins schöner als das andere.



    Und die selbe Schlacht nochmal aus den Augen von Jan Abrahamsz Beerstraten:


    Viele Fortsetzungen folgen...

  • So nähern wir uns nun dem Ende dieses Museumsbesuches - aber es folgen ja noch weitere, also nicht traurig sein.

    Zuvor aber noch eine Sensation: Wir haben eine Fälschung entdeckt! Angeblich soll es sich bei dieser Gipsplakette um einen gewissen de Graeff handeln:


    Das ist natürlich Unsinn - alle, die gute Filme mögen, erkennen sofort, wer hier Modell gestanden hat! :D Und wer es noch immer nicht weiß, schaut sich einfach mal wieder Richard Lesters genialen Musketierfilm von 1973 an. :pf:


    Tja, was bleibt als Fazit? Das Rijksmuseum ist jede Reise nach Amsterdam wert! Wir haben hier ja nur einen kleinen Teil gezeigt - fahrt selber hin, bringt Zeit mit, am besten teilt man sich den Besuch auf zwei Tage auf.

    Wir zwei waren jedenfalls sehr, sehr zufrieden.


    Zur Entspannung besuchten wir dann den Vondelpark. Mit seinen 47 km² ist er der zweitgrößte Park Amsterdams. Eine Freilichtbühne, ein Rosengarten, ein paar nette Einkehrmöglichkeiten und einfach nur ganz viel Bäume und Sträucher und Wiesen und überhaupt. Sehr empfehlenswert!



    So neigt sich dann der Tag seinem Ende zu. Auf dem Weg zum Bahnhof gab es noch diese traumhafte Postkartenansicht:


    Und der Bahnhof selbst ist auch ein Hingucker.


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  • So, jetzt geht es hier weiter mit dem Reisebericht.

    Am Tag darauf war unser erstes Ziel das Schifffahrtsmuseum. (Alle Bilder werden mit freundlicher Genehmigung des Schifffahrtsmuseumsgezeigt.)

    Schon von Weitem sieht man das größte Exponat - den Nachbau des VOC-Schiffes "Amsterdam" aus dem 18. Jahrhundert.


    Was die historische Genauigkeit anbelangt, kann es mit der Batavia nicht mithalten, auch wenn es nach den Originalbauplänen der alten "Amsterdam" von 1749 gebaut wurde. So wurden zum Beispiel die Deckshöhen angepasst, so dass man auch mit Körpermaßen oberhalb von 150 cm aufrecht stehen und gehen kann. Aber auch wenn an der einen oder anderen Stelle ein wenig ein Disneyland-Charakter durchscheint, entdeckt der erfahrene Schiffsmodellbauer viele Details, die zeigen, dass die Erbauer durchaus Ahnung von der Materie hatten. Und ein Hingucker ist das Schiff allemal.






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  • Im Laderaum bekam man einen Eindruck davon, wie viele Waren so ein Handelsschiff damals transportieren konnte. Und was den Vorrat an Lebensmitteln anbelangt, wurde der offenbar nicht nur vom Zahlmeister, sondern auch von den vierbeinigen Passagieren inspiziert. :D


    Auf jeden Fall kam irgendwas Essbares aus der Kombüse auf den Tisch.


    Und der Besuch auf so einem Schiff wäre umsonst gewesen, wenn nicht... Auch Jessica ließ es sich nicht nehmen, mal das Ruder in die Hände zu nehmen. Nun ja, das kenne ich ja von Hause. fr21


    Ebenfalls im Außenbereich des Museums wird in einem Pavillon noch diese schmucke Staatsyacht gezeigt.


    So, und jetzt geht es ins Innere des Gebäudes.


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  • Zur eben gezeigten Staatsyacht hier ein Modell:


    Es gab viele beeindruckende Gemälde.



    Und natürlich Schiffsmodelle! Sowohl von großen Schiffen...


    ...als auch von kleineren.


    Sehr interessant gestaltet war diese lange Vitrine mit Modellen von Segeljachten aus mehreren Jahrhunderten, zum Großteil waren diese Modelle auch genau so alt wie ihre Originale. Einige davon dienten Kindern von reichen Leuten als Spielzeug. Gruselige Vorstellung! fie

    An beiden Seiten der Vitrine waren horizontal und vertikal verschiebbare Tablets angebracht, die dann immer das Modell zeigten und näher erläuterten, auf welches sie zeigten. Coole Idee, die wir beide so auch noch nicht erlebt hatten.


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  • Wir waren uns beide einig, dass der Saal mit den nautischen Geräten der Raum mit der interessantesten Gestaltung in diesem Museum ist.



    "Mr. Calamy, das Lot, wenn ich bitten darf!"


    "Sand und Muschelschalen!"


    In einem anderen Raum wurden die verschiedensten Schiffsdekorationen gezeigt. Es ist schon faszinierend, wie vielfältig diese waren und vor allem an welchen Stellen an einem Schiff es das gab. Kleine Zeichnungen neben den Beschreibungen machten jeweils deutlich, wo solche Verzierungen zu finden waren.




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  • Einen größeren Bereich nahm der Walfang ein. Über die Geschichte des holländischen Walfangs und die Gefahren dabei wurde ein Bogen bis in die heutige Zeit und zum erforderlichen Schutz dieser ebenso imponierenden und bedrohten Tiere gespannt.



    Nach mehreren Stunden verließen wir dann das Museum und schlenderten noch durch den Museumshafen.



    Von dort ging es dann die vielen Stufen hoch zum Nemo Science Museum. Das ist ein "Mitmachmuseum" speziell für jüngere Besucher - wir waren aber trotzdem nicht drin. :D


    Aber die Stufenterrasse bietet einen tollen Blick über die Stadt, und sogar am Inneren der Tür auf der Toilette kann man was lernen, selbst wenn man kein Holländisch oder Englisch kann - wozu gibt es schließlich die Google Translator App? fr21



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  • Am nächsten Tag vollendeten wir dann unsere kurze holländisch-maritime Museumstour in Rotterdam. Zuerst aber noch ein Blick in einen Tunnel unter dem Amsterdam Centraal - im Stile von Delfter Kacheln mit schönen Motiven sehr interessant gestaltet!


    Nach kurzer und angenehmer Bahnfahrt und einem kleinem Fußmarsch standen wir dann vor diesem Gebäude:


    Alle nachfolgenden Bilder mit freundlicher Museum vom Maritiemmuseum Rotterdam.


    Im Inneren erwartet den Besucher eine kleine, aber feine Sammlung maritimer Kostbarkeiten, darunter auch ein paar äußerst beeindruckende Schiffsmodelle.

    Da wäre zum einen dieses Diorama mit dem Rumpf eines Segelschiffes aus dem 18. Jahrhundert in einem schwimmenden Dock.



    Und auch dieses Modell aus dem Jahr 1723 lässt einen staunen.



    Das mit Abstand beeindruckendste Ausstellungsstück jedoch zeige ich euch im nächsten Posting.


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