Galeone Countess of Kingsbridge, circa 1610, Modell nach Kirsch

  • Und da heißt es immer, es gäbe keine dummen Fragen. :D Her mit den Bildern - und den Texten dazu! Der Bereich heißt ja schließlich BAUberichte, also wollen wir auch sehen, wie das eine oder andere Teil geBAUt wird. ;)


    Das ist auf jeden Fall hilfreich für alle, die irgendwann mal auch so ein oder ein ähnliches Modell bauen wollen. Ich fände das also gut. fr18

  • gerne auch Bauschritte. Ich finde das spannend.


    aga

    Gentlemen, when the enemy is committed to a mistake, we must not interrupt him too soon.

    Adm. Horatio Nelson

  • Ich denke auch, dass einzelne Bauschritte wichtig sind zu dokumentieren. Auch für jene, die ein ähnliches Modell später bauen, um sich zu orientieren. Ich finde aber dann sehr wichtig, dass die entsprechenden Fachbegriffe auch genannt und kurz beschrieben werden, damit sie später mittels Suchfunktion besser gefunden werden!

    Ich suche mir immer einen Wolf, wenn ich nach einem bestimmten Bauteil ein Forum durchforste, und das liegt oftmals daran, dass der korrekte Fachbegriff im Zusammenhang mit dem Bau nicht auftaucht.


    Das nur so meine 50 Rappen (oder für Euch €uropäer Cent:lol)


    Beste Grüsse

    Peter

  • Das nur so meine 50 Rappen (oder für Euch €uropäer Cent:lol)


    Beste Grüsse

    Peter

    Soviel Pferde, und dann auch noch Schwarze an Bord? Ich weiß nicht. Und ob Centauren besser sind ist mir auch unklar.

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Dann also ab hier Baubericht.


    Als nächstes wird das Halbdeck weiter ausgebaut. Voraussetzung dafür ist das Einbringen der Kanonen im oberen Batterie- deck. Da ursprünglich geplant war die Countess als Kauffahrteischiff zu bauen waren keine Decksplanken im Batteriedeck nötig. Nun, das ist typisch für Planänderungen. Als sie zum Kampfschiff wurde war sie schon fertig beplankt, sodaß jetzt Traghölzer für die Stücke von oben eingebaut werden müssen. Das ist kein großes Problem da die Hölzer auf die Bauträger aufgeklebt werden müssen, und hier keine ästhetischen Ansprüche zu stellen sind da man dieses Bereiche später nicht mehr sehen kann. Das mache zuerst, da der Kleber seine Zeit zum aushärten braucht.



    Als nächstes ist die "Befestigung" des Großmastes zu machen. Die klassische Mastspur ist bei dieser Bauweise nicht die Methode der Wahl. Den Neigungswinkel des Mastes habe ich durch eine entsprechend eingearbeitete Aussparung im Kielbrett anhand der Pläne festgelegt. Der Mast wird später in einer am rechten Ort eingebauten Hülse geführt ( 18mm Rundstab mit 10mm Bohrung.



    Das Teil wird dann eingeklebt und mittels des Lasers ausgerichtet. Zum Einpeilen dient ein 10mm Rundstab.



    Ich klebe solche Bauteile mit Maxrepair von Uhu ein. Einem lösemittelfreien Kleber der sehr fest wird und dabei elastisch bleibt.

    Der versuchsweise aufgelegte Decksbalken zeigt, daß die Hülse des Mastes lang genug ist im sie beim Einbringen der Decksplankenanpassen zu können.



    Für das Halbdeck werden drei Grätings benötigt. Hier die Herstellungsschritte.






    Entgraten läßt sich bei diesen Teilen ganz ordentlich mit der Messingbürste machen.


    Ich baue diese Grätingen etwas unkonventionell, indem ich diese Teile deutlich höher mache als sie im Fertigzustand sein werden. Das hat den Vorteil das das Einspannen beim Fräsen und die Montage einfacher zu machen sind als wenn ich diese Querhölzer gleich auf Endstärke bringe.


    Montageschritte.



    Das Ganze wird mit sehr niedrigviskosem Sekundenkleber verklebt. Dann säge ich die unteren (Montage) Teile auf der Bandsäge ab und forme die Grätingen auf dem Bandschleifer entsprechend dem Decksprung.

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  • So sehen die Teile dann aus.



    Es werden noch weiter Bauteil vorgefertigt. Hier die Decksbalken und die Grätinge. Es kommen noch die Träger der Kanonenrohre der Batterie, die Hölzer für die Wassergänge, die Luksüle und die Knechte.

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  • Prima, dass Du etwas mehr ins Detail gehst. Da kann ich mir eine Menge bei abschauen.

    Gruß Christian


    In der Werft: HMS Triton, 1773
    "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

  • Aye, Mates,


    Schön, wenn Euch diese Darstellung von Arbeitsschritten gefällt.


    Hier nun einRückblick auf die gestrige Schicht.


    Um die Kanonenrohre auf dem Oberdeck zu montieren habe ich "Aushilfslafetten" angefertigt.


    Als erstes wurde eine Nut in den Trägerkörper gefräst ( 2mm bei 3mm Tiefe)



    Dann wurden die Teile zugeschnitten und die Rohre darauf geklebt.



    So sieht das dann nach dem Einbau aus. Auf Ästhetik kommt es hier nicht an, sondern nur darauf, daß die Stücke dauerhaft fest sind, da der Raum später nicht mehr eingesehen werden kann,



    Hier nun das Schiff nach dem Einbau der Kanonen .



    Die beiden achteren Pforten werden nicht bestückt. Nach den mir bekannten Plänen lag hier die Kapitänssuite, und die wurde damals nicht, wie z.B. zu Nelsons Zeit, nicht mit Kanonen "verschandelt". Dürfte zum einen aus Gründen des Komforts gemacht worden sei, zum anderen ist das Schiff durch den sich nach oben Achterschiffaufbau zu schmal um dort Kanonen unterzubringen.



    Dann hier noch eine "Probelage" für den Ausbau des Halbdecks.



    Best regards


    Angarvater

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  • Werfttagebuch Auszug vom 24.Januar


    Neben der weiteren Abrichtung von Decksbalken wurde drei Tudorrosen in den Gefachungen der Reling der Kuhl gemalt.



    Der Decksbalken der künftig die Halbdeckreling tragen soll wurde mittels Zieheisen profiliert und anschließend eingepaßt.



    Die Decksbalken wurden in Serie gesägt und feingeschliffen. Für das Anzeichnen gibt es eine Schablone des Decksprunges. Die Aussenkurve wird auf dem Tellerschleifer und die Innenkurve mit der Schleifwalze fein gearbeitet.




    Danach wurden die Decksbalken an ihren Positionen eingebaut und die seitlichen Luksüle eingebaut. So sieht das Halbdeck derzeit aus.



    Der erste Balken achterlich des Großmastes wurde mir als doppelt so breit wie das Normalmaß geschnitten damit dort sowohl die Großmastbeting als auch der Fallenknecht sicher befestigt werden können.



    Cheers!


    Angarvater

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  • Heute gibt es nichts über Arbeitstechniken zu berichten. Es wurde natürlich noch einiges gemacht, als da wäre der obere Bordwandanschluß, das Anfotmen der Grätinge und das Malen des oberen Bargholzes. Vorbereitungen für die Montage der Reling des Halbdecks und der Decksbeplankung.




    Bei einem richtigen Bau der damaligen Zeit hätte man nach Möglichkeit die Spanten zumindest auch auf dem Halbdeck soweit nach oben geführt, daß sie gleich als Relingpfosten dienen können, u.U. mit dafür weiter unten angesetzten Auflangern - Verlängerungen. Diese von mir hier verwandte Praxis ist beim Modell in PoF (Beplankung auf Bauspant) bei dem ich zudem noch die Spantzwischenräume vollständig in der Schiffshaut mit Sperrholz gefüllt habe, praktikabler. Etwas anderes wäre es, wenn ich ein Admiralitätsmodell mit ausgeführtem Spanntgerüst bauen würde.


    So, Werftschluß für Heute.


    Cheers!


    Angarvater

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  • Klugscheißmodus an:


    PoF = Plank on Frame (in Spantbaue entweder stilisiert oder wie beim großen Vorbild)

    PoB = Plank on Bulkhead (auf Bauspanten)


    Klugscheißmodus aus.


    Deine Beschreibungen finde ich richtig prima. Der Baubericht gewinnt dadurch enorm.

    Gruß Christian


    In der Werft: HMS Triton, 1773
    "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

  • In den letzten Tagen ging es nur in kleinen Schritten auf dem Neubau voran.


    Als "Fundament" für die Relingen des Halbdeck wurden drei Balken gebraucht. Nach Zuschnitt und auf Format hobeln wurden sie mit dem Zieheisen profiliert. Die Leisten richte ich mittels Dickenhobel zu. Nach kurzem Wässern konnten die Leisten mit dem Plankenbieger entsprechend des Deckssprunges und den Kurven der Bordwände gebogen und eingepaßt werden.




    Als Farbe verwende ich wie immer Gouache von Schminke und Lukas. Hier heller Ocker und Krapplack dunkel.


    Weiter ging es mit Einbau des Luksüles des Niederganges.



    Bei der Gelegenheit stellte es sich heraus, daß ich für den Fußpunkt des Niederganges noch eine zusätzliche Planke im Batteriedeck einbauen mußte.


    Nächstes Bauteil war die Nagelbank des Großmastes, oder besser gesagt die beiden Knechte mit ihrer Geduld.


    Sie wurden mit Propellerleim auf den Decksbalken aufgeleimt. Diese hübschen japanischen Zwingen leisten dabei gute Dienste. Da auch bei so einem Schiffchen ganz gut Zug auf die Nagelbänke kommt leime ich diese Teile mit Propellerleim ein, der selbst ohne das Werkstück zu pressen so fest wird, daß das Holz ausbricht bevor sich die Leimnaht löst.





    Die Rollen / Scheiben der Gatten (Messing) werden erst nach dem Malen der Knechte eingebaut, an sonsten müßte ich die Gatten abkleben. Muß ja nicht sein.


    Cheers, Ladies, Gentlemen and Shipmates!


    Angarvater

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    4 Mal editiert, zuletzt von Angarvater ()

  • Propellerleim - noch nie davon gehört. Gleich mal gegoogelt - ok. Sozusagen das, was für uns Pappequäler der Ponal Turbo ist. :D


    Ach ja - Scheibgatte in den Betingen - da hätte ich auf der Mercury auch gern mehr davon. Immer wenn Schrage schreibt, dass man durch diese dies und jenes Tau führen soll, suche ich händeringend nach Alternativen...fr21

  • Das Problem stellt sich bei den elisabethanisches Schiffen genauso, zumal es erst später Usus wurde am Fußpunkt der Betingen etliche Scheibgatte zu montieren. Außerdem wird das Problem in den Plänen und Schriften zu diesen Schiffen ziemlich gut umschifft. Hoeckel schreibt z.B., daß da wo keine Belegplätze auf Nagelbänken vorhanden waren die Tampen auf der Reling belegt wurden. Also anderthalb Rundtörn drum und dann zwei halbe Schläge die von mir aus auf Slipp gesetzt sind? Na gut, kann gehen. Nur wenn man, wie es in den Plänen gezeigt wird, eine Planke mit Schmuckornamenten dicht unter der oberen Reling anbaut, muß ich den Tampen um diese Planke und die Reling ziehen um ihn dann da zu belegen. Das scheint mir mehr als unsinnig.

    Ich habe diese Schmuckplanken daher bei der Golden Hind nach unten auf das Unterrehm der Relingen gesetzt. Dann kann man auf der Reling einiges belegen.



    Bei diesen Galeonen sind es an Deck glücklicherweise nicht so viele Belegpunkte wie bei Deiner Fregatte. 😉


    In der Tudorzeit wurde ein erheblicher Teil des Laufenden auch nicht bis an Deck geführt, sondern auf die Marsen geführt, dort bedient und auch belegt. Vielleicht aus dem Grund, daß man an Deck noch nicht richtig wußte wohin mit den Tampen.


    Genug der Worte, allein nun last uns Werftarbeit sehen.


    Auf dem Halbdeck wurde als erstes der Fußblock mit den Scheibgatten des Großstengewindereep angefertigt und eingebaut. Ein ziemlicher Brocken. Aber so wie Captain Villiers von seinen Reisen mit der Replik der Mayflower berichtete wurde die Großrah auch betriebsmäßig in ihrer Höhe unterschiedlich gefahren. Also nicht wie bei den Nelsonschen Schiffen auf Höhe geheißt und dann dort im Normalfall belassen.



    Hier nun die Beting, das Reepgatt, die Südränder und die Wassergänge.



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  • Hach, dieser Blick an der Bordwand entlang über die ausgerannten Kanonen ist doch immer wieder eine Freude! fr18


    (Außer wenn man Spanier ist - dann hält sich die Freude in Grenzen.:D)

    Ein Freund, der sich den Neubau ansah, fragte ob die Bewaffnung nicht etwas zu mächtig für dieses Schiff sei. Ich denke nicht. Bei dieser Galeone handelt es sich nicht mehr um das Handelsschiff, daß immer schon ein paar Kanonen mitführte, sondern um eine nur für den Kampfeinsatz gebaute Artillerieplattform. Die Schiffe sollten natürlich gut segeln, aber Langstrecke war kein Thema sondern der Einsatz im Kanal und bestenfalls bis nach Spanien. Der Vorteil der Shipwrights dürfte es gewesen sein, daß sie als Grundlage für diese Entwicklung über die Kenntnis des Baues von damals recht großen Handelsschiffen verfügten. Daraus ließ sich dann relativ zügig so eine Kampfeinheit entwickeln. Außerdem mußte es schnell gehen, da der Bau der Armada von PhillipII. vorangepeitscht wurde.Vielleicht kommt daher das Navymotto: Wir haben keine Minute zu verlieren.


    Demgegenüber war die Golden Hind ein für große Fahrt gebautes Handelsschiff das auch Kanonen mitführte. Ziemlich gelassen segelnd, stabil und wohl auch komfortabel.

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