Unser Schiff soll schöner werden - auch unter Deck. Oder doch nicht?

  • Aus einem anderen Thread:

    Aber interessant ist die Frage, wie es damals unter Deck aussah. Bei der Victory in Portsmouth sind die Wände unter Deck nahezu weiß gestrichen - siehe dazu auch DEN Film, in dem man dies sowohl auf der Surprise als auch der Acheron sehen kann. Wir haben es aber bei der ZP mit einem Schiff zu tun, welches gut 100 Jahre älter ist. Wie war das damals? Ich vermute mal, dass da doch eher das blanke Holz - sicher mit den damaligen Mitteln vor Verwitterung geschützt (Farbe, Teer, Öle...) versehen, aber nicht mit einem farbigen Anstrich im eigentlichen Sinne, dominierte.

    Auf der Replik der schwedischen Götheborg waren die Wände unter Deck einfach nur aus Holz, ohne sichtbare Farbe.

    Da werde ich mal ein wenig rumforschen und gleich mal an anderer Stelle hier im Forum einen entsprechenden Thread aufmachen.

    Und da ist er, der neue Thread. Geforscht habe ich noch nicht, aber vielleicht weiß ja jemand schon was? Ab wann hat man auch den Wänden unter Deck Farbe und Tapeten gegönnt? (Ok, die Tapeten waren jetzt Spaß... :D )

  • Mhmmm. Du hast echt Zuviel Zeit. Was du so alles ergrübelst.

    Die Kajüten des Kapitäns eigener waren bestimmt immer schon herausgeputzt und verschönert. Ich weiß von antiken römischen Schiffen, wo die Kajüten ausgemalt waren. Aber es geht ja auch um den Rest. Denke das kam erst auf, als Farbe preiswerter wurde. Machte es Sinn Holz mit Kalkfarbe (als einfachste Farbe) zu pönen? Ich weiß es nicht.

    Lasst uns mal unsere Bücher und Quellen durchforsten.


    Aga

    Gentlemen, when the enemy is committed to a mistake, we must not interrupt him too soon.

    Adm. Horatio Nelson

  • Also mal schnell in der Wiki wegen Kalkfarbe geluschert.

    Kalkfarbe

    Also die ist schon ewig bekannt, und war lange die einzige Möglichkeit Wände weiß zu bekommen.

    Und ich könnte mir vorstellen, das zum Einsatz kam, sobald man viele Menschen unter Deck brachte.

    Bei weißen Wänden muss man weniger Lichtquellen aufstellen um es hell zu bekommen, könnte also einfach praktisch gewesen sein.

    Meine Hypothese, mit Aufkommen der Kanonendecks wurden diese auch weiß gemalt. Vorher, wo dort nur Fracht gelagert wurde, war die Farbe unnötig.


    Aga

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    Adm. Horatio Nelson

  • Bei den Kanonendecks liest man immer von einem roten Anstrich. Ich würde jetzt roten Ocker vermuten, da die Frabe billig war.

    Edit:

    Da fällt mir gerade ein, dass ich in einem Buch der Modelshipwright Reihe einen Artikel zum Thema gelesen hatte. Ich muss mal am WE nachsehen, ob ich ihn finde.

    Gruß Christian


    "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

  • Auch in der Sick Bay der Victory war das Deck rot gestrichen, wenn ich mich richtig erinnere. Der Matrose, der uns damals führte, erklärte, dass es dazu diente, die Verwundeten durch die Blutpfützen am Boden zusätzlich zu belasten. Ob das so stimmt, sei dahingestellt.

    There's time to finish the game and beat the Spaniards too.

  • Vor der maschinellen/industriellen Herstellung waren Farben einfach nur teuer.

    Oftmals das Problem in Zusammenhang mit Salzwasser. Ocker, (Rot-) Braun, Beige, etc. waren relativ günstig zu fertigen und verfügbar. Also warum mehr pinseln als nötig?

    Auf größeren und Flaggschiffen hat man sich das vielleicht gegönnt oder hing auch wieder vom Reichtum des Kommandanten ab. Ansonsten wollte man bestimmt kein Blut oder anderen Dreck jede Woche von den Wänden und Decken schrubben.


    Bei Mondfeld (Historische Schiffsmodelle) ist ein ganz interessanter Beitrag dazu enthalten.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Ich denke, daß der Schiffsraum zumindest mit Holzschutz, also wohl Tar ( Holzteer oder -Öl ) eingelassen wurde. Insbesondere in der Bilge und den unteren Partien des Laderaumes gab es immer Feuchtigkeit. Sei es durch Schwitzwasser (das gibt es auch bei Holzkonstruktionen ), Leckwasser (dicht im Sinne heutiger Schiffe waren die Holzschiffe wohl nie) und von oben kommendem Regen und überkommender See.


    Im Unterschiff gab es immer Bereiche die auf Fahrt nicht oder kaum zu erreichen waren und wohl auch nie richtig trocken wurden. Ballast und Ladung lassen sich auf See schlecht verräumen um am Holz zu arbeiten. Da werden die Schiffbauer m.E. nach schon beim Bau begleitend zum Bauvortschritt Konservierung veranlaßt haben. Ich kann mir vorstellen, daß man irgendwann die Isolation gleich mit eingefärbt hat ( z.B.mit Ocker).

    Und dann darf man auch nicht vergessen, daß so ein Schiff, ich rede jetzt nicht von den Königsschiffen, für die gelten andere Regeln, immer eine große Investition war, die lange Zeit auf vielen Reisen Cargo von einer Ecke der Welt zur anderen schaffen sollte. Und je haltbarer das Schiff war, um so länger konnte es fahren, und um so mehr Gewinn brachte es ein. Da ist und war zusätzliche Farbe ein Kostenfaktor, der den Ertrag nicht wesentlich schmälern durfte.


    Ich finde die manchmal so erzählte Gründe für das Rot in Kampfschiffen etwas seltsam. Psychologische Hilfe für die Männer an den Kanonen mit Hilfe von Rot angemalten Wände etc., kann ich mir, zumindest im Age of Sail, nicht so richtig vorstellen. Das bisschen rote Farbe tarnte kaum das was an menschlichem Blut und Körperteilen bei direkten Treffern oder durch den Splitterregen bei Durchschüssen vergossen wurde. Die Kanoniere standen in diesem Schrecken mitten drin. Das gilt auch für die San. stationen. Die Verwundeten, die keine Narkose vor und während der Operationen bekamen, nahmen wohl kaum etwas vom Raum wahr.

    Die Frage ob nicht Weiß bei der Lichtverteilung als nützlich angesehen wurde, kann eine sinnvolle Überlegung zum Thema sein.

    Andererseits wird Rot oder rotes Licht auf und in Kampfschiffen bei Klarschiff zum Gefecht auch heute noch eingesetzt, da man bei relativ geringer Beleuchtungsstärke in der Farbe Rot sehr gut sehen kann. Das könnte in den Batteriedecks mit ihrer Lampenbeleuchtung auch ein denkbarer Effekt bei rotgemalten Wänden und Decken gewesen sein.

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Den Artikel, den ich gelesen hatte, beschäftigt sich in erster Linie mit der Farbgebung der Außenseiten.

    Der Link zum Baubericht von Siggi auf der Seite des AK ist gerade für die Farbgebung sehr interessant. Soweit ich weiß hat Siggi das Thema gut recherchiert. Auf MSW findet ihr den Bericht auch. Er hatte zuvor noch einen Schnitt/Heckmodell gebaut, bei dem die gesamten Innenwände detailliert bemalt wurden. Wo ist denn nur der Baubericht, wenn man ihn benötigt. Na also, da ist er.

    Gruß Christian


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  • Du kannst Dich problemlos im Board registrieren. Es ist vom AK historischer Schiffbau und Gäste sind willkommen. Wichtig sind die ganzen Fotos, die Siggi gemacht hat. Sie zeigen ziemlich gut welche Farbgebung die Engländer mindestens von der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg verwendeten.

    Gruß Christian


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