Beiträge von Francis Drake

    Gibt es wohl auch auf deutsch:

    Ich habe mir dieses Sachbuch aus den Niederlanden mitgebracht, von der Bataviawerft. Ich halte es für absolut lesenswert. LIest sich wie ein spannender Roman, aber alles Geschilderte sind historische Tatsachen. Es handelt sich um die erste Ostindienfahrt der neu gebauten Batiavia im Jahr 1628. Vor der Küste Australien lief die Batavia am 14.04.1629 bei den Wallabi-Inseln, dem nördlichen Teil des Houtman-Abrolhos-Archipels, auf ein Riff und sank. Der größte Teil der Besatzung und der Passagiere, insgesamt mehr als 200 Menschen, konnte sich auf die umliegenden Inseln retten. Der Kapitän und der Oberkaufmann der VOC machen sich im offenen Boot auf, um Hilfe zu holen, und erreichen nach 1600 Seemeilen tatsächlich Batavia. Währenddessen errichtet der Unterkaufmann Jan Cornelisz unter den zurückgebliebenen eine Schreckensherrschaft. Mehr als 120 der Überlebenden ließ Cornelisz von seinen Todesschwadronen ermorden. Als das Rettungsschiff eintrifft, wollten die Meuterer das Schiff entern und übernehmen. Nur die Warnung durch einen der wenigen überlebenden loyalen Soldaten auf einer Nebeninsel scheiterte der Plan. Die Meuterer wurden überwältigt, Cornelisz noch an Ort und Stelle hingerichtet.

    Viele Informationen über die VOC, heretische Bewegungen in den Niederlanden, Seefahrt im 17. Jahrhundert treffen auf eine Handlung, die wie eine dystopische Version der Insel Felsenburg oder wie eine historisch belegte Handlung von Der Herr der Fliegen (aber unter Erwachsenen) wirkt. Und die Fahrt im offenen Boot nimmt zum Teil Blighs Meisterleistung nach der Meuterei auf der Bounty voraus.

    Empfehlung: fünf von fünf Sternen.

    Kein Hörspiel, nicht "unsere" Zeit, aber sicherlich maritim: heute kommt auf DLF ab 23:00 Uhr

    "Ich bin vielleicht mehr als ein Schriftsteller der See" - Die Lange Nacht über Joseph Conrad

    Und jetzt habe ich mit Suspense von Joseph Conrad begonnen, dem Romanfragment, das er nicht mehr beenden konnte und das erst posthum erschien. Größer angelegt als das letzte vollendete Buch "The Rover" und wie dieses zu napoleonischer Zeit angesiedelt. Suspense ist die Spannung, die über dem Mittelmeer liegt, als Napoleon auf Elba verbannt war. Cosmo Latham, Adelsspross aus Yorkshire, erlebt diese Zeit in Genua. Ich werde mehr berichten, wenn ich mit dem Buch durch bin.

    Eine schöne Druckausgabe gibt es aktuell nicht zu kaufen. Den Text bekommt man auf

    http://gutenberg.ca/ebooks/con…onradj-suspense-00-h.html

    Habe gerade einen weiteren Roman einer in Deutschland weitgehend unbekannten Autorin. Inzwischen würde ich sie zu meinen Lieblingsautoren zählen: Josephine Tey, gestorben 1952. In Großbritannien gehört sie zu den Great Ladies of Crime. In "Miss Pym Disposes" passiert über weite Teile des Buches nichts, was auf einen Krimi deuten würde. Aber in der Schilderung des Lebens in einem College für angehende Sportlehrerinnen werden in brillianter Erzählkunst alle Figuren höchst lebendig, und wenn dann ein Unfall passiert, der sich als Mordanschlag herausstellt, findet sich die Hauptfigur in einem moralischen Dilemma. Sehr lesenswert.

    Das Buch "Daughter of Time" (deutsch: "Alibi für einen König") ist für den historisch interessierten noch spannender. Teys Ermittler aus mehreren Romanen liegt mit gebrochenem Bein für Wochen im Krankenhaus und langweilt sich entsetzlich. Die Bücher, die er geschenkt bekommt, vermögen ihn nicht zu interessieren. Auf Anraten einer Freundin, er solle sich doch mit historischen Kriminalfällen beschäftigen, führt ihn zufällig auf den Fall der zwei Prinzen im Tower, da er das Porträt Richards III nicht für das eines skrupellosen Mörders hält. Er taucht in die Marterie ein, geht den Quellen nach und belegt, dass Richard eigentlich kein Motiv gehabt hätte, die beiden Prinzen umzubringen. Andere Nichten und Neffen, die ebenfalls einen Thronanspruch hätten äußern können, überlebten Richard. Alles weit, nach dieser Deutung, auf Henry Tudor als Auftraggeber hin. Eines der wirkungsvollen Bücher der Ricardisten, die Richard III entlasten wollen.

    Habe gerade eine Hörspielaufnahme zu Ende gehört: vierteiliges Hörspiel der BBC nach einem Roman von Sir Arthur Conan Doyle: Rodney Stone. Ja, der Sir Arthur, und nein, dieser Roman hat gar nichts mit Sherlock Holmes zu tun. Hatte ich vom BBC aufgenommen. Leider nicht mehr abrufbar, sonst hätte ich es an anderer Stelle gepostet, denn dieses Hörspiel ist nach einem der historischen Romane des Sir Arthur produziert und spielt zu "unserer" Zeit. England im Jahre 1804. Rodney Stone ist des Sohn eines Leutnants zur See. Sein Freund ist der Ziehsohn des Dorfschmieds und hat das Zeug zu einem Preisboxer. Dass er aber gar nicht der Neffe des Schmieds ist kommt erst später heraus und ist Teil einer sehr verwinkelten Geschichte. Viel geradliniger verläuft die Geschichte der Titelfigur, der bei den Bestrebungen eine Stelle als Midshipman in der Marine Lord Horation Nelson begegnet. Also durchaus eine Story, die in dieses Forum passt.

    Aktuell läuft auf BBC eine weitere Produktion nach einem Roman von Conan Doyle: Micah Clarke, spielt aber früher, nämlich 1685. Nehme ich jetzt auch auf und will es mir dann komplett anhören. https://www.bbc.co.uk/programmes/m000knv2

    Tut mir leid, dass ich es erst jetzt poste, denn jetzt sind nur noch zwei Tage Zeit, es zu hören: Ein BBC-Hörspiel, das in unserer Zeit spielt, und da in alle Richtungen Meerwasser ist, kann man es auch als maritim bezeichnen:

    Betsy and Napoleon

    Ein Hörspiel über die dreizehnjährige Elizabeth, die als einzige auf St. Helena französisch spricht und daher den Dolmetscher gibt zwischen den britischen Einwohnern und Napoleon Bonaparte, der sich mit seiner Situation auf der abgelegenen Insel abfinden muss. Sehr schön gemacht.

    Hier https://www.bbc.co.uk/programmes/m0007r3z noch bis übermorgen zu hören.

    Die BBC hat eine vierteilige Dokumentation unter dem Titel "Empire of the Seas: How the Navy Forged the Modern World" gebracht über die Entwicklung der Navy vom 16. Jarhrhundert bis zum 1. Weltkrieg. Könnte man sich online ansehen, dazu braucht man aber eine britische IP-Adresse und muss sich zusätzlich registrieren. Die erste Folge ist noch 4 Tage im Netz, die letzte fast vier Wochen.

    https://www.bbc.co.uk/programmes/m000402h/episodes/player

    Mit dem Programm get-iplayer lassen sich solche Sendungen herunterladen, wenn man eine britische IP-Adresse hat.

    Außerdem wird gerade etwas wiederholt, was zwar nichts mit Segeln oder unserer Zeit zu tun hat, aber von einem hier bekannten Autor stammt. C. S. Forester hat auch Krimis geschrieben, die von der BBC zu Hörspielen bearbeitet wurden.
    Die nächsten vier Wochen kann man sich anhören:
    Payment deferred https://www.bbc.co.uk/programmes/b03zxhcy
    Plain Murder https://www.bbc.co.uk/programmes/b040h14t


    und ab morgen:


    The Pursued https://www.bbc.co.uk/programmes/b041469s



    Hörspiele der BBC sind in der Regel weltweit abrufbar und auch mit dem Programm get iplayer in Linux-Systemen direkt herunterladbar.


    Eine Ausnahme stellt die Serie Tumanbay dar, die nur mit einer britischen IP-Adresse zu hören ist.

    Wiederum auf BBC, auf englisch die Wiederholung einer Lesung von Doctor Syn von Russell Thorndyke. Spielt in unserer Zeit, allerdings an Land, an der Küste. In den Romney Marshes ist Doctor Syn der Gemeindepfarrer, also einer der Honoratioren von Dymchurch-under-the-Wall, zumindest tagsüber. Nachts ist er Scarecrow, der Anführer der Schmugglerbande The Night Riders. Der Abenteuerroman erschien 1916 und ist in England wohl recht bekannt. In Dymchurch wird wohl auch ein Doctor-Syn-Festival abgehalten. Wikipedia erwähnt auch Pläne zu einem 100-m-hohen Denkmal, das in den Romney Marshes gebaut werden soll, aber ich denke das ist nicht so ernst gemeint. Es gibt wohl auch Verfilmungen: Captain Clegg von den Hammer Studios und eine Fernsehproduktion von Disney aus den 60ern. In weiteren Romanen hat Russell Thorndyke die Vorgeschichte erzählt, unter anderem die Abenteuer von Doctor Syn als Pirat.


    Doctor Syn kann man sich noch die nächsten drei Wochen anhören unter:
    https://www.bbc.co.uk/programmes/b00d96c2/episodes/player

    Letztlich gab es die Überlegungen ob es sinnvoll sei auf der Back eine Gräting einzubauen, da diese Luke ja wegen der dort vorgesehenen Kanonen kein Sül haben kann und ein Dichtsetzen der Luke bei überkommenden Seen kaum möglich ist.

    Das gilt aber auch für die Gräting auf dem Hauptdeck. Da die Höckel-Pläne und damit die Modelle von Revell und Heller die Gräting auf dem Hauptdeck haben, und auch dort die Geschütze durch den Rückstoß auf die Gräting laufen würden, ist dieses Problem schon in verschiedenen Foren diskutiert worden. Auch ohne Sül besteht die Gefahr, dass eine Kanone durch die Gräting brechen könnte. Allerdings muss man davon ausgehen, dass die Schiffskanonen im 16. Jhd. relativ klein und leicht waren (so zumindest die Argumentation auf der -relativ schlechten- Golden Hind-Replika in Brixham/Devon). Die Diskussionen kamen aber zu einem erstaunlichen Ergebnis: offenbar waren die Brooktaue im 16. Jhd. straff und ließen gar keinen Rückstoß zu! Damit rollten die Kanonen auch nicht auf die Gräting. Es gibt, soweit ich mich erinnere, zeitgenössische Illustrationen aus dem frühen 17. Jhd., wo man deutlich erkennen kann, dass die Kanonen außerbords geladen wurden. Erscheint mir allerdings auch unwahrscheinlich, dass unter Gefechtsbedingungen die Geschützmannschaft über der Reling und auf den Geschützrohren herumturnte. Mein Modell der Golden Hind war schon fertig, als ich auf diese Diskussionen gestoßen bin, daher auch durchängende Brooktaue mit Spiel für das Rücklaufen der Geschütze.