Lukas Hartmann - Bis ans Ende der Meere

  • Ahoi und Hallo,


    gerade habe ich es ausgelesen.
    Und ich denke, es ist Wert hier mal vorgestellt zu werden.



    Bei diesem Buch, ein Roman, geht es um die dritte Reise Cooks, auf welcher er auch ums Leben kommt.
    Geschildert wird sie aus der Sicht des Malers John Webber, der beauftragt wird, die Reise bildlich festzuhalten.
    Sozusagen, ein Reporter in unseren Tagen.
    Sehr schön wird dargestellt, wie die "Entdecker" in die neuen Welten einfallen. Auch Cook wird ein wenig entglorifiziert und wie die wahren Umstände von der Admiralität verschleiert werden.
    Ich fand diesen Roman sehr lesenswert, da er die Sicht eines Außenstehenden beschreibt. Es ist aber, was die Seemannschaft angeht, sehr gut recherchiert und vom historischen Ablauf auch korrekt wiedergegeben.
    Da ich nicht wirklich der gute Buchbeschreiber bin, hier ein Link, zu Einer, die sehr gut trifft.


    http://www.dieterwunderlich.de/Hartmann_ende_der_meere.htm


    Liebe Grüße euer
    Oeli

  • @Speedy das ist schon dichterische Freiheit.
    Aber es gibt eine beispielhafte Stelle in dem Buch, wo am Bild, das den Tod von Cook darstellt, solange von der Admiralität geändert wird, bis es Cook so darstellt wie es den oberen Herren beliebt.
    Es ist, glaube ich, nicht historisch belegt, aber ich kann mir das schon gut vorstellen. ;)

  • Schnäppchen auf einem Grabbeltisch bei örtlichen Discounter!

    Bis ans Ende der Meere von Lukas Hartmann

    Hartmann, Jahrgang 1944, Germanist, Psychologe, Journalist, lebt in Bern.

    Ein Roman um den Zeichner und Maler John Webber, der mit dem Dreimaster Resolution unter Cook vier Jahre um die Welt und vor allem in der Südsee segelt.

    Als Vertrauter von Cook ist wohl ein Roman zu lesen mit dem klassischen Repertoire aus Abenteuer, Liebe und Historie unter Segeln.

    Das lässt mich zum Buch greifen und beizeiten es hier vorstellen.



    Aus dem Klappentext: Im Juni 1776 schifft sich der junge Zeichner John Webber in Plymouth (England) zur dritten Weltumsegelung auf dem Dreimaster ›Resolution‹ ein. Kapitän ist James Cook. Webber quartiert sich in der Kajüte ein, in der Georg Forster auf Cooks zweiter Weltumsegelung Tagebuch führte. Webber wird zum Vertrauten von Captain Cook, stirbt beinahe und begegnet seiner großen Liebe. Vier Jahre später kommt Webber zurück, gezeichnet von den Strapazen der Reise. Die Sehnsucht nach der Südsee wird ihn nie mehr loslassen. Captain Cook, der aufgebrochen war, um die Nordwestpassage durchs arktische Eis zu finden, kehrt nicht heim. Was war geschehen? Ein spannender historischer Roman um den rätselhaften Captain James Cook und zugleich die Entwicklungsgeschichte eines jungen englischen Malers mit Schweizer Wurzeln.


    1.Lord das Buch wurde schon einmal vorgestellt.😉


    Guckst du hier

    "Wie die Luft gehört die See als Geburtsrecht allen Menschen.“
    (Thomas Jefferson 1743 - 1826)

  • Erstaunlich, ich habe das Buch auch schon seit Jahren im Regal stehen und bin davon ausgegangen, dass wir es seinerzeit schon vorgestellt bzw. besprochen hatten... Ein guter Grund, es nochmal zu lesen!

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Sorry oeli. Das war natürlich keine Absicht! In unserer Suchmaske hatte ich den Autornamen eingegeben - ohne Treffer!

    Gut, dass es hier jetzt eine 'Vereinigung' gibt! :this:

    "Wie die Luft gehört die See als Geburtsrecht allen Menschen.“
    (Thomas Jefferson 1743 - 1826)

  • Oh, das klingt interessant. Daß mir das noch nicht über den Weg gelaufen ist bisher... :conf:

    "Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen." (Aristoteles)

  • Der Roman ist wirklich lesenswert, eben weil gerade nicht aus einer klassischen (wenn auch fiktiven) "Mittendrin"-Perspektive erzählt wird. John Webber, der von der Admiralität beauftragte Zeichner, der bereits als kleiner Junge wegen der ärmlichen Verhältnisse seines Vaters zu Verwandten in die Schweiz gegeben worde, schildert seine Erlebnisse von Cooks letzter Reise.
    Weil über Webber außer seinen überlieferten Malereien wenig bekannt ist, beginnt hier der imaginäre Teil der Erzählung, deren äußerer Rahmen durch die belegbaren historischen Tatsachen vorgegeben ist. So "webt" der Autor die Perspektive des zurückhaltenden und scheuen jungen Malers in die rauhe Wirklichkeit der See- und Entdeckungsfahrten des späten 18. Jahrhunderts ein. Durch Rückblenden und Erzählung der Geschehnisse nach Ende der Reise ergibt sich nach und nach ein Gesamtbild.
    Dabei zeigt sich, das Webber nun so gar nicht der Entdeckungsreisende ist und ziemlich unter den Gegebenheiten der Naturgewalt und an Bord des kleinen Schiffes leidet. Dennoch ist er von den Eindrücken, die die fernen Länder und Menschen bieten, stark beeindruckt und versucht dieses in seinen Bildern festzuhalten. Das eigene Gewissen und die unbekannten Gefühle machen ihm jedoch oft genug einen Strich durch die Rechnung.

    Hartmann schafft es, die Geschehnisse ganz behutsam zu erzählen. Fast scheu und zurückhaltend, wie Webber vielleicht selbst gewesen sein mag. Andeutungen sind klar, aber gleiten nie tendenziös ab. Das ungehobelte Seemannsleben wird von Webber (so uns das sein Pseudobiograph Hartmann zu verstehen geben will) immer mit Befremden empfunden, als wenn es sich nicht mit der Seele eines Künstlers vereinbaren ließe. Dieser Eindruck wird durch die fast schon sanfte Erzählweise des Autors noch verstärkt.


    Insgesamt ein sehr interessanter Roman, der die historischen Tatsachen mit der eigenen Story mal aus einem anderen Blickwinkel ohne heroische Abenteuer- oder Heldenperspektive erzählt.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Lukas Hartmann 'Bis ans Ende der Meere' habe ich jetzt auch gelesen. Ein fast 500 S. starker Abenteuer-Roman eines eher unbekannten Schweizer Autors.


    Sehr zu loben ist die schöne Buchausgabe in Leinen, mit Lesebändchen und Literatur-Anhang. Sehr schönes, handliches Format, ein feines Bändchen, dass sich dankbar 'händeln' lässt und einen wohlverdienten Platz im Bücherregal erhält.


    Hartmann erzählt von John Webber, einem Maler, in London geboren, in der Schweiz, in Bern aufgewachsen. Webber begleitet James Cook auf seiner 3. Weltreise mit den zwei Schiffen Endeavour und Resolution. Er ist als Expeditionsmaler angeheuert und begleitet den exzentrischen Cook über die Kanaren durch den Atlantik, Südafrika, an den Kerguelen und Tasmanien vorbei bis New Zealand. Über Tahiti, Hawaii bis nach Alaska, an der russischen Küste, an Japan vorbei durch den Pazifik und den Indischen Ozean, wieder um Afrika herum und zurück nach Europa - das sind die Stationen der 3. Reise. Dramatischer Höhepunkt ist der bis heute etwas umstrittene Tod von Cook auf Hawaii (das Cook entdeckte!). Der charismatische Anführer wird dort von Einheimischen überwältigt, getötet, zerstückelt und vermutlich anteilig verspeist.

    Es geht um die spannenden Entdeckungen von bisher unbekannten Inseln, Ländern, Menschen und Lebewesen aller Art. Es geht um die moralischen Fragen ob der Vorherrschaft der Europäer über den Rest der Welt, legitimiert durch die religiöse Humanität und scheinbar höher entwickelte Moralität. Der kulturell hoch entwickelte Europäer muss die den Tieren ähnlichen Indianer beherrschen. Dies wird kontrovers diskutiert während der jahrelangen Reise um die Welt in den Gesprächen in der Kapitänskajüte (Great Cabin) während der oft immer karger werdenden Verpflegung. Natürlich wird auch immer wieder das strapaziöse Fahren auf den unberechenbaren Ozeanen und das Überleben in der Enge eines solchen Schiffes mit Wassermangel, Krankheiten, Kälte und unmenschlichen Anstrengungen thematisiert.

    Erzählt wird diese Abenteuer-Reise in Rückblenden aus den Jahren der Gegenwart um 1780 heraus, nachdem die Expedition geendet ist. In angenehm lesbaren kurzen Kapiteln erlebt der Leser die fortschreitende Reise hautnah mit. Die Kapitel als Briefe an den Bruder des Malers und verbotene Tagebuchnotizen mit vielen kritischen (Selbst-) Reflexionen fügen sich zusammen. Die Verarbeitung der Erlebnisse nach Beendigung der Reise ist geprägt durch die Zensur der Auftraggeber (Admiralität, National Society). Zudem bedroht eine sublimierte Homosexualität des Malers dessen Erlebnisse und Gestaltung eines lebbaren Lebensentwurfes. Der Maler stirbt dann auch im Alter von knapp über 40.


    Ein gut geschriebener Abenteuer-Roman, sauber recherchiert, flüssig formuliert und durchaus spannend. Ein feines Leseerlebnis und eine intensive Reise an fremde Gestade, die es heute so nur noch in der Literatur gibt.


    (Fanö an der Nordsee)

    "Wie die Luft gehört die See als Geburtsrecht allen Menschen.“
    (Thomas Jefferson 1743 - 1826)

  • Das wäre doch eine tolle Rezi für April...


    Aga

    Gentlemen, when the enemy is committed to a mistake, we must not interrupt him too soon.

    Adm. Horatio Nelson