Galeone Countess of Kingsbridge, circa 1610, Modell nach Kirsch

  • Da die Kanonen vor den weiteren Bauschritten im unteren Batteriedeck eingebaut werden müssen male ich die Flächen um die Stückpforten und die Barghölzer vor dem Einbau der Artillerie. Das erleichtert das deutlich.


    Zu den Arbeitsschritten. Zuerst kommen die Barghölzer dran. Heißt: Ableben und farbig anstreichen. Dann die Hölzer und die Bordwand mit Klarlack erstanstreichend. Zum einen gibtbes dann beim weiteren Anmalen keine Farbmischungen . Da ich mit wassergelöster Tempera arbeite passiert das bei weiteren Anstrichen mit anderen Farben sonst sehr schnell. Hier nun dieser Arbeitsschritt im Bild.




    Cheers!


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Vielen Dank für die freundliche Beachtung des Baufortschrittes.


    Wie es einem Schiff dieser Epoche gebührt wird sie ja ein recht farbenfrohes Dekor bekommen. Aber bis es soweit in aller Ausgestatltung ist fließt noch viel Wasser den River Themse hinunter.


    Aber wie immer: Schritt für Schritt.


    Best regards

    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
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  • Abschlussbericht für den heutigen Tag


    Die Kanonen der Unterbatterien wurden Komplet eingebaut.



    Cheers!


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
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  • Sehr gut beobachtet, Bonden.


    Mit „Ableben“, allerdings mehr mit dem der Spanioler, hatte die Countess und die anderen Schiffe ihres Baumusters auch etwas zu tun. Allerdings erst etliche Zeit später.😁😁😁😁

    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
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  • Ladies and Gentlemen, Mates!


    Bau des Galions


    Der genaue konstruktive Aufbau der Kampfschiffe Königin Elizabeth 1. ist nicht bekannt. Zwar gibt es etliche Stiche von diesen Schiffen die allerdings nur die äußere Form der Bugkonstruktion zeigen sollen. Von mir bewußt einwenig in Frage gestellt, da mir die z.B. bei der Griffin oder der Bear gezeigte elegant geschwungene Formgebung des Galions als konstruktiv nicht schlüssig erscheint. So ein nach oben gebogenes Teil, das die gesamten Kräfte des Fockvorstages, des Bugspriets und erhebliche Lasten aus dem Laufenden des Vormastes aufnehmen soll scheint mir bei der doch weit über den Vordersteven hinaus ragenden Konstruktion als unsinnig. Die späteren Galionskonstruktionen mit den recht komplexen Regeln und Verstrebungen tragen dem Rechnung zumal sie relativ deutlich kürzer gebaut worden sind.


    Soweit, so gut. Hier ein erster Bauabschnitt der Galion der Countess of Kingsbridge.



    Dies ist sozusagen die Unterkonstruktion der Galion, die noch Füllplanken bekommt.



    Natürlich muß noch das Verdeck beplankt, und auf der Galion die Grätings und die Lokusssitze eingebaut werden. Aber das ist erst dran, wenn auch das Verdeck und das Schott fertig sind.




    Best regards


    Angarvater


    P.s. Sicherlich bekommen einige der Tragwerksbalken noch Zierleisten. Die sind aber eben nur Zierleisten, und für die Konstruktion nicht relevant. Dieser gesamte Vorbau muß stabil sein, da von seiner Stabilität im Wesentlichen die Stabilität des gesamten Riggs abhängt.

    Sicherlich waren die Kapitäne der damaligen Zeit als Kinder ihres Zeitalters in Bezug auf Dekoration zu einem Haufen lustiger Sachen bereit. Nur kann ich mir nicht vorstellen, daß ein Skipper und sein Shipwright, wie auch Heute, nicht erstmal dafür sorgten, daß das Schiff seesicher gebaut wurde. Immerhin ging es dabei um die eigene Haut.


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
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  • [...]

    P.s. Sicherlich bekommen einige der Tragwerksbalken noch Zierleisten. Die sind aber eben nur Zierleisten, und für die Konstruktion nicht relevant. Dieser gesamte Vorbau muß stabil sein, da von seiner Stabilität im Wesentlichen die Stabilität des gesamten Riggs abhängt.

    Sicherlich waren die Kapitäne der damaligen Zeit als Kinder ihres Zeitalters in Bezug auf Dekoration zu einem Haufen lustiger Sachen bereit. Nur kann ich mir nicht vorstellen, daß ein Skipper und sein Shipwright, wie auch Heute, nicht erstmal dafür sorgten, daß das Schiff seesicher gebaut wurde. Immerhin ging es dabei um die eigene Haut.


    Angarvater

    Ein klares Jein!?

    Bis weit in das 18. Jahrhundert hinein konstruierten und bauten vor allem die englischen Shipwrights ihre Schiffe mehr nach Erfahrungswerten denn nach wissenschaftlichen Erkenntnissen.

    Kaum eine Abhandlung über den Schiffbau vor 1700 beschäftigte sich mit Themen wie der Hydro- und Aerodynamik. Standardisierungen in Bezug auf Abmessungen und Proportionen von Kriegsschiffen erfolgten in England erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts (Establishment of 1677).

    William Sutherland (Zimmermannsmeister und späteterer Kontrolleur der Shipwrights in Portsmouth und Deptford) schrieb 1711 dazu: "Neither Theory nor Practice has hitherto been so far advanced, but both are yet capable of very great improvements."

    Selbst der königlich-französische Master Shipwright von Brest, Blaise Ollivier, bescheinigte 1737 nach mehrmonatiger Besichtigung britischer u.a. Werften in seiner Zusammenfassung für Marineminister Maurepas über den europäischen Schiffsbau, dass es gerade den britischen Konstrukteuren an wissenschaftlichen Arbeitsmethoden ("lack of scientific method") fehle .


    Sehr schön im Aufsatz 'Developments in Fluid Mechanics Theory and Ship Design before Trafalgar' von Horst Nowacki (2006) nachzulesen.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Aye, Lord Howe.


    Ich denke, daß Du mit Deinen Anmerkungen wohl richtig liegst. Im Nachhinein fällt mir bei meiner Anmerkung zum Bau der Galion auf, daß ich bei allem Bemühen um das Verständnis der Arbeitsweise der damaligen Zeit, eben ein Ingenieur der heutigen Zeit bin. Selbst ohne zu rechnen beurteilt man als Konstrukteur solche Projekte unwillkürlich nach den in Fleisch und Blut übergegangen ingenieurwissenschaftlichen Kriterien. Wie schön einfach ist es, wenn man alte Pläne zur Verfügung hat an denen man entlang arbeiten kann. Nur gibt es die für diesen Bereich nicht. Zumindest sind mir keine solchen bekannt.


    Aber was soll´s. So ein Modell ist ein schönes Arbeitsfeld an dem ich mit viel Vergnügen werkeln kann.


    best regards Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • So ändern sich eben die Zeiten. :)

    Während wir heute 'safety first' als oberste Maxime verwenden, galten vor hunderten von Jahren noch andere Prinzipien. Wobei die Seetauglichkeit gewiss einen nicht unerheblichen Stellenwert einnahm, sonst war es mit der Karriere als Schiffsbauer bestimmt auch bald vorbei... ;)


    Das ist doch das Schöne an diesem Hobby, dass man sich von unterschiedlichsten Standpunkten aus den jeweiligen "Herausforderungen" nähern kann.

    Die wissenschaftlichen Methoden basieren ja anfangs auch immer auf Versuch & Irrtum.

    Und wenn man dann mal O-Ton aus unserer Zeit dazu hat, ist das immer wie eine kleine Zeitreise.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.