Kleines Expeditionschiff (Golden Hind ?) nach Plänen von Hoeckel

  • Jupp,

    nicht einfach Hebel auf den Tisch und los... nono


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Schon gut, schon gut.


    Aber das mit den Hebeln auf dem Tisch hat im Hintergrund auch so manchen netten Aspekt.

    Schon mal die Kolben einer richtigen Maschine im Hafen vom Spülluftkanal aus inspiziert? Ich meine nicht so eine Spielzeugmaschine die vielleicht 5000kw leisten kann, sondern etwas ein wenig größeres.Da drin hat es dabei immer noch so seine 40 bis 45 Grad C.

    Oder bei einem 6000kw Maschinchen bei ordentlich Wind und Dünung vor Anker liegend ein oder zwei Einspritzdüsen, weil ausgebrannt, wechseln? Wellentunnel und Lagerinspektionen sind auch ganz entspannend.🤓
    Ansonsten steht der Chief ja nur im Leitstand rum, und wird sauer wenn nicht ständig frischer Kaffee da ist.😂😂😂

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Mal wieder zurück zur G H.


    Nachdem Ihre Ladyschaft dankenswerterweise die Segel genäht und mit Lieken versehen hat konnte heute als erstes die Blinde getakelt werden. Das war schon ein spannendes und kniffliges Unterfangen. Eine mit Segel getakelte Blinde habe ich trotz etlicher abgelieferter Schiffe bis dato noch nicht getakelt. Ein ziemlich ausgebufftes System an Leinen um den Lappen kontrollieren zu können.



    Vielleicht ist es probat den einzigen Kapitän der Gegenwart, Villiers, der den Nachbau der Mayflower zweimal über den Atlantik führte, bezüglich der Eigenschaften der Takelung einer Galeone zu zitieren. ( Zusammengefaßt, da sein Bericht sehr ins Detail geht). Zu Kapt. Villiers ist zu sagen, daß er ein echter Albatros war, der große moderne Stahlsegler ums Horn gefahren hatte.


    Die Elastizität des Holzrigg in Verbindung mit dem ausgeklügelten System des stehenden und laufenden Gutes war für den die Härte der modernen Stahlriggs gewohnten Seemann zuerst erschreckend, weil scheinbar immer am Rande des Zusammenbruchs. Am Ende seiner Reisen mit der Mayflower, die so genau wie möglich nach zeitgenössischen Unterlagen über den Bau dieser Schiffe gemacht worden, war erkannte und bekannte Villiers, daß er Schiffe und Männer der elisabethanischen Zeit unterschätzt hatte.Er erinnerte sich daran, wie alte Seeleute noch zu beginn seiner Fahrenszeit

    berichtet hatten, daß die hölzernen Schiffe mit ihren Holzspieren und ihrem Hanftauwerk auf See "zum Leben "und zu einer Beweglichkeit erwachten, wie es die eisernen Schiffe nie vermocht hatten.




    Im Laufe der Reisen lernte Villiers das Trimmen der Blinde. Da das Spriet kein stehendes Gut besaß konnte die Blinde verkantet und in die Senkrechte gebracht werden. (Das war in altenBerichten als Manöver dargestellt worden, wurde aber bis Dato als "Garn" nicht beachtet. So getrimmt wirkte die Blinde wie ein viereckiger Klüver, und zog gut. Das Schiff reagierte sehr gut auf dieses Segel, nach Villiers Erfahrung besser als auf einen Klüver.


    So, nun noch ein paar Details.



    Das Rack der Blinder zu takeln ist nur näherungsweise gelungen, da das am Ort passieren muß und das alles ziemlich eng ist.






    Cheerio!


    Angarvater


    P.s. den Vorholen des Racks takele ich Morgen. den habe ich nach der schönen Fummelei ganz vergessen.

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

    Einmal editiert, zuletzt von Angarvater ()

  • ganz großes Tennis. Die Blinden sind schon spannende Segel. Bei manchen Holländischen Meistern kann man das sehen, wie die Blinde fast senkrecht steht. Dachte immer, das wäre künstlerische Freiheit. Aber mit dem Kommentar von Villiers scheint es Wohlstand gewesen zu sein.


    aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Weiter ging es mit der Takelung der Fock.


    Hier ein Überblick dazu.


    Die Arbeitsschritte


    Zusammennähen von Fock und Bonnet. ( Nähen ist nicht gerade mein Lieblingsgewerk. Aber was hilft's.)

    Anschlagen des Segels an die Rah.

    Anfertigen des Rack aus 5mm Rundmaterial für die Klotjes und 0.5mm Messing für die Schlieten.



    Anbinden der Rah mittels des Rack, und Takeln des Unterrahfalls.






    Die Talje des Falls (Dreifach Block) läuft unter der Back auf einen großen Knecht.



    Das Reep der Talje läuft durch eine Luke in der Gräting. Das zu takeln ist auf eine richtigen Schiff kein Problem. Hier auf dem Modell war das schon eine schöne Pfrimelei. Ging nur so zu machen, das ich das Reep durch die Luke bei herausgenommener Gräting führte und dann das Ganze steif setzte. Da die Rollen in den Blöcken beweglich sind war das ganz gut machbar. Um genügend Bewegungsfreiheit dafür zu haben mußte ich das Großstag loswerfen. Aber wegen solcher zu erwartenden Aktionen setze ich die Takelungen jeweils erst fest wenn der Bauabschnitt durch ist.



    So sieht das Ganze jetzt fertig getakelt aus.



    Zum Schluß wurden dann noch die Topnanten und die Fockbrassen angeschlagen. Das war gegenüber den vorherigen Aktionen ein netter Abschluss des Arbeitstages.




    Weiter geht es heute mit den restlichen Takelarbeiten an der Fock und dann kommt das Fockmarssegel dran.


    Cheerio!!!


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

    Einmal editiert, zuletzt von Angarvater ()

  • Danke, lieber Bonden,


    nur „ Modellbaukunst“ finde ich für meine Arbeiten als zu hoch gelobt. Ordentliches Handwerk zu machen ist schon schwierig genug.


    Beste Grüße


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Nochmals vielen Dank für Eure freundliche Beachtung meiner Arbeiten.


    Heute waren etliche Detailarbeiten und weitere Takelungen an der Reihe. Als erstes habe ich begonnen die Lieken der Fock mit Zaponlack zu tränken um sie so steif zu machen und dann zu biegen, sodaß sie ein wenig wie von leichtem Wind geformt aussehen.


    Dann der erste Ansatz die Schoten und Halsen der Fock zu takeln. Hier nur ein Versuch die Leinenführung herauszufinden. Die zerren bei diesem Versuch das Segel viel zu weit nach Achtern. Aber eben eine erste Studie zur Sache.



    Dabei fiel mir auf, daß die Schoten quer über die Stückpforten laufen. Da bekommt man die Pforten noch nicht einmal aufgemacht. Hmm? Fehler bei Hoeckel, oder was?



    Ergo habe ich in allen mir zugänglichen Plänen dieser Schiffbauepoche nachgesehen. Mit dem Ergebnis, daß dies Problem, und da kommen ja noch Schoten und Halsen des Großsegels hinzu, in allen diesen Bildern und Zeichnungen auftritt.


    Meine Überlegung dazu: allem Anschein nach war der Einsatz der Artillerie unter vollen Segeln nicht möglich oder auch nicht gewollt. Ist die Fock nämlich aufgeheißt und untergeschlagen gibt es keine Leine die der Artillerie vor den Pforten rumhängt.

    Ich erinnere mich jetzt daran, daß in späteren Zeiten von der kleineren Gefechtsbesegelung gesprochen wird. Dabei waren die Untersegel soweit ich weis nicht gesetzt. Vielleicht war das zu Drakes Zeit auch so.


    Mit ausgerannten Kanonen gibt es jedenfalls ein ziemliches Problem mit den Schoten.

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Eine Korrektur war nötig, die ich zuerst garnicht selber bemerkt habe. Ein Kollege aus einem anderen Forum wies mich freundlich darauf hin. Als ich das Fockfall takelte habe ich nicht drauf geachtet, daß das ja neben dem Großstag fahren muß. Anderenfalls wäre es nur möglich die Rah abzufieren wenn man das Stag loswirft. Natürlich Unsinn.

    Ich habe gerade mal überlegt wie so ein Fehler entsteht. Der Knecht unter der Back stand von Anfang an wie bei Hoeckel ersichtlich außermittig. Dann habe ich das Schott der Back gebaut und alle Grätings gemacht. Viel später fiel mir auf, dass da ja noch das Gatt für die Talje fehlte. Nix mehr mit in den Plan gucken, sondern das Gatt mitten rein gebaut. Sehr viel später wundere ich mich, dass das Großstag im Wege ist. Aber da ich nicht auf Denken sondern auf „heute Abend schnell noch fertigmachen Modus“ gegangen war gab es dann den Bockmist. Na gut, wie heißt es doch so schön in der „Drei Groschen Oper“: macht nichts, kannste was lernen.

    Was tun? Eine neue Gräting bauen? Nein nur das Gatt erweitern. Am liebsten hätte ich den Knecht noch weiter nach Achtern umgesetzt damit das Reep nicht am Sül schamfilt. Nur sitzt der Knecht so fest bis zum Kiel runter eingebaut, daß ich das halbe Schiffe auseinandernehmen müßte um ihn 3mm zu versetzen. Soweit gehe ich dann doch nicht.
    Resultat: eine Stunde feine Fummelei um das in Ordnung zu bringen.






    Ein weiteres Problem konnte ich jetzt nebenbei klären, nämlich die Frage ob es in der elizabethanischen Zeit schon Peerde an den Rahen gab. Es sieht so aus als ob diese Sicherheitsleinen erst viel später eingeführt wurden.


    Der Verlauf der Brassen und Schoten scheint tatsächlich so wie ich sie versuchsweise getakelt habe gewesen zu sein, und damit auch das Problem der Bedienung der Pforten und der Artillerie insgesamt.




    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Aye, Mates,


    hier einige Bilder vom heutigen Bauzustand. So richtig gut lässt sich der Neubau nicht photographieren da die Werft als Hintergrund die Takelung nicht so sehr gelten lässt. Andererseits macht es auch keinen Spaß den Kahn zwecks Photographierens im Haus herumzuschleppen.





    Cheers!


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Egal. Spannend zusehen.


    aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Sollten Mylord noch andere Bildausschnitte benötigen bitte ich um Mitteilung.


    Your ever humble serveant


    Angrvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Ladies and Gentlemen,


    Der Fockmast ist jetzt soweit fertig getakelt. ( Die an den Nagelbänken aufgeschossenen Seile kommen so ziemlich am Ende der Takelarbeiten an Ort und Stelle).


    Hier ein kleiner Rundgang um den Vormast.


    Eines der für mich interessantesten Details sind hier die Bulinen. Nach der Literatur über die Schiffe dieser Zeit gab es da eine Vielzahl an Takelweisen. Hier mal die mit einem Sprutenblock.





    Und hier so ein Blick in die Leinen des Vorschiffes.



    So, und nun das ganze von Achtern her gesehen.



    Ein Paar Detailausschnitte





    Ein Wort zu den Segeln. In diesem Maßstab ( 1:33) nehme ich als Segeltuch den Stoff alter Baumwolloberhemden. Der scheint mir so dafür in Textur und Webart zu passen. Mylady näht die Laken dann freundlicherweise, wobei sie mit einem speziellen Maschinenfuß die Lieken mit annäht. Um dieh Segel einigermaßen formen zu können ziehe ich in die Säume der Segel 0,75mm Draht ein. Damit ergibt sich dann eine einigermaßen brauchbare Formung. SO in der Form eines bei schwachem Wind gerade noch etwas ziehenden Segels.


    An der Blinde und den Segeln des Vormastes finden sich drei verschiedene Arten um die Segel formbar zu machen.


    Säume und Lieken der Blinde sind mehrfach mit Zaponlack getränkt. Das ergibt eine ganz brauchbare Formbarkeit, deren Steifigkeit aber für die größeren Segel nicht ausreicht.


    Das zeigte sich bei der Fock. Nur mit Lack bearbeitet hielt der Lappen die Form nicht. Da kam mir der Gedanke das mit dem Draht zu versuchen. Problem war nur, daß die Säume durch den Zaponlack verklebt waren, sodaß ich den Draht möglichst unauffällig von Innen auf das Lied klebte. Das ergab ganz gute Formbarkeit.


    Beim Fockmarssegel habe ich den Draht dann vor dem Takeln in die Säume eingezogen, was für mich zu einem befriedigenden Ergebnis führte.


    Best regards


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • immer toll zu sehen.

    Die Bulinen mit dem Block ist echt ungewohnt. Passt aber irgendwie in die Zeit.


    aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Aye,Aga,


    Bei der GH hält sich das mit den Bulinen und Spruten ja noch in fast gewohnten Grenzen. Als nächstes Projekt beschäftige ich mich mit dem Typschiff einer großen englischen Galeone um 1600. die Takelung besteht aus einem „ Wald“ von derartigen Takelungselementen. Aber bis dahin dauert es noch etliche Zeit

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Beim Fockmarssegel habe ich den Draht dann vor dem Takeln in die Säume eingezogen, was für mich zu einem befriedigenden Ergebnis führte.

    Ahoi Angarvater das wäre auch meine Überlegung gewesen. Einige Kollegen der Pappequälerfraktion im Nachbarforum haben mit der Methode auch gute Erfahrungen gemacht.


    Und ansonsten kann man sich wieder einmal gar nicht satt sehen an den tollen Bildern deines tollen Schiffchens! fr18fr18fr18

  • Vielen Dank für Eure freundliche Betrachtung des Neubaues!


    Heute Abend geht es mit der Takelung des Großmastes weiter. Eine Menge schöner Fummelarbeiten.


    Ich möchte der GH gern eine Besatzung geben, weis aber nicht so recht wo ich die hernehmen soll. Zwar hat Sandmodells einige elizabethanische Figuren im Angebot, aber leider gibt es den einzigen Seemann nur zusammen mit einem Offizier zu kaufen. Selbst wenn mir die Leute dort schrieben, dass sie mir auch diesen Seemann einzeln liefern würden ( ganze Gruppe gießen und dann den Offizier abtrennen) kostet so ein Sailor dann nach stolze 13pound Sterling / 1. Bei 9 Mann + 1 x Offizier und Hand + Sir Drake ist mir das einfach zu viel Geld.

    Aber vielleicht versuche ich mal was für mich ganz Neues indem ich die Figuren modelliere.


    Cheers!


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.