J. H. Gelernter - Jagd nach Vergeltung

  • Beim Stöbern nach Weihnachtsgeschenken habe ich neben den bekannten Cornwell-Bänden die Neuerscheinung bzw. den Debütroman "Jagd nach Vergeltung. Ein Captain-Grey Roman" von Josh Gelernter entdeckt.

    Die Geschichte beginnt 1803, besagter Kapitän will sich nach schweren Zeiten aus dem aktiven Dienst der RN zurückziehen, gerät in Trouble und wird vom französischen Geheimdienst angeworben - obwohl er selbst Spion in englischen Diensten ist...

    Hört sich spektakulär nach POB, Forester & Co. sowie 'Spion zwischen zwei Fronten' an.

    Ich bin mal gespannt, ob es wirklich eine spannende und vor allem eigenständige Geschichte ist (und Reihe wird), oder sich nur an zu vielen bekannten Vorlagen abgearbeitet wird.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Scheint Interessant zu sein. Ich warte trozudem noch ein wenig ab. Die vorsichtigen Zweifel von Richard Howe befallen mich auch.

    There is no dark side in the moon, really; [as a] matter of fact it’s all dark.

    Es gibt beim Mond keine dunkle Seite; tatsächlich ist er ganz dunkel.

    – Gerry Driscoll


    In der Werft: HMS Alert 1:96, Kartonmodel

  • Die Leseprobe hat mir zweierlei gezeigt.


    1. der Autor hat als Amerikaner keine Ahnung, wie man einen Earl korrekt anspricht


    2. die Übersetzung ist unterirdisch, denn wie kann man aus einem Captain der Marines einen Kapitän der Marineinfanterie machen.


    Und das waren auf knapp 1 1/2 Seiten nur die gröbsten Fehler sein. Ich mag ja nicht der beste Autor auf diesem Planeten sein und meine erzählerischen Fähigkeiten sind begrenzt, aber wenn ich einen historischen Stoff schreibe steht am Anfang Recherche und das heißt lernen, lernen und nochmals lernen. Aber offensichtlich ist das Lektorat ebenfalls völlig ahnungslos. (Da hab ich es besser, ich habe Bonden ). Das ist nur noch ärgerlich und mir schade ums Geld.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • In der Danksagung/Nachwort gibt der Autor vor allem O'Brian und Ian Flemming als Vorbilder (für den Roman) an. Angeblich soll Star Lawrence, der auch POB lektoriert hat, hier dieses Amt übernommen haben.

    Mich hat es ebenfalls gewundert, dass kein Übersetzer angegeben wurde... - aber für eine fachfrei-unwissend schlechte Übersetzung kann der Autor nichts.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Übersetzerin war Susanne Just, die mir kein Begriff ist.


    Der Autor ist natürlich nicht für eine fehlerhafte Übersetzung haftbar zu machen, für seine eigene Unwissenheit aber schon, egal,wer ihn auch immer inspiriert haben mag.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Dazu müsste man dann mal das Original lesen, ob der Lord den Lord mit Lord anspricht... :D

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Übersetzerin war Susanne Just, die mir kein Begriff ist.


    Der Autor ist natürlich nicht für eine fehlerhafte Übersetzung haftbar zu machen, für seine eigene Unwissenheit aber schon, egal,wer ihn auch immer inspiriert haben mag.

    Also nicht die, die im ersten Aubrey-Maturin aus dem Commander einen Kaleun macht crazy

  • Ich habe mir nun die komplette Vorschau durchgelesen und muss gestehen, bei allen Schwächen was die Übersetzung und die Sachkenntnis des Autors betrifft, hat Josh Gelernter doch einen sehr angenehmen Schreibstil, bzw. der Rhythmus stimmt. Wenn er an sich arbeitet und damit meine ich vor allem, wenn er sich mit dem Stoff wirklich auseinandersetzt, hat er durchaus Potential. Er sollte nur weniger das Goldene Blatt und mehr Fachliteratur lesen.

    Leider hat er sich auch beim im Sommer 2023 erscheinenden 2. Band der Reihe nicht an diesen Rat gehalten.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Diese vermutlich aus Unwissenheit herrührenden Übersetzungsfehler sind ein Graus. Manchmal genügt schon ein einziger Buchstabe, um den Inhalt zu entstellen... wenn aus 'the top' der und nicht die Mars wird, weil es anscheinend ein Planet und keine Plattform ist oder aus dem Heckspiegel (stern) die Stirnwand wird. Argh! Ich kenne eine Patronen- aber keine Ladungstasche...

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Diese vermutlich aus Unwissenheit herrührenden Übersetzungsfehler sind ein Graus. Manchmal genügt schon ein einziger Buchstabe, um den Inhalt zu entstellen... wenn aus 'the top' der und nicht die Mars wird, weil es anscheinend ein Planet und keine Plattform ist oder aus dem Heckspiegel (stern) die Stirnwand wird. Argh! Ich kenne eine Patronen- aber keine Ladungstasche...

    Übersetzungsfehler sind ein Problem, Fehler und Anachronismen im Original ein anderes. Schon allein der Plot in Band 2...

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Band 2 ist doch noch gar nicht erschienen... Nun ja, ich lese trotzdem einfach mal weiter in der Hoffnung, gut unterhalten zu werden.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Ah ok, die englische Fassung, ja. Hauptmann Graus ( :D ) ... Spiel des Deserteurs wird es dann hier heißen.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Übersetzerin war Susanne Just, die mir kein Begriff ist. [...]

    Eine Dame Jahrgang 1994, die ihr Studium 2018/19 mit einem Master in Anglistik und Literarischem Übersetzen an der LMU München abgeschlossen hat und seit 2019 in Palermo als selbstständige Übersetzerin tätig ist.


    Mittlerweile hatten britische Admiräle auch Flaggenkapitäne und ihrem Kommando.

    Schön, wenn man jungen Menschen nach der Ausbildung eine Chance gibt; aber fatal, wenn man außer der Sprache keine Ahnung vom Thema hat. Selbst bei Wikipedia wird man dazu einen passenden Beitrag finden. Da Band Nr. 2 schon angekündigt ist, darf man sich wohl kaum Hoffnung auf eine bessere Übersetzung machen.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • und seit 2019 in Palermo als selbstständige Übersetzerin tätig ist.

    Kein gutes Pflaster, wenn man bedenkt, wie schon Nelsons Sizilianisierung verlief. Da bleibt wenig Zeit für gute Pflichterfüllung. nav8

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Der Rest des Romans liest sich schnell herunter; außer zu Beginn und zum Ende hin spielt die eigentliche Handlung an Land. Wer POB, James Bond & Co. kennt, wird etliche Anleihen wiederfinden.

    Dem Helden gelingt trotz teils schwerwiegender Verletzungen alles bzw. kann er sich aus ausweglosen Situationen innerhalb von ein paar Seiten befreien.

    Wenn ich es nicht überlesen habe, fehlen aber 1-2 Erklärungen, wie in einem gekürzten Film.


    Insgesamt eine mäßig ineteressante Story (wenn man andere Reihen kennt). Die Rückblenden zur privaten Hintergrundgeschichte von Captain Grey sind auch mehr Ausschmückung als echte Geschichte. Und das ewigte "sagte" nach direkter Rede hätte der Autor gewiss auch besser lösen können - ohne dass man jedes Mal dafür zeilenlang die Gefühlswelt der sprechenden Person schildern müsste. So fehlt einfach etwas Tiefe und Atmosphäre. Aber vielleicht bin ich auch nur zu sehr von POB verwöhnt. ;)

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Danke für die Einschätzung.

    Und das ewigte "sagte" nach direkter Rede hätte der Autor gewiss auch besser lösen können

    Das könnte natürlich auch an der Übersetzerin liegen.



    außer zu Beginn und zum Ende hin spielt die eigentliche Handlung an Land.

    Das scheint ja auch im 2. Band der Fall zu sein, wenn man sich den Plot anschaut.



    Der Rest des Romans liest sich schnell herunter;

    Das deckt sich mit meinem Eindruck von der Leseprobe.


    Insgesamt würde ich zusammenfassen: Ein talentierter amerikanischer Schriftsteller ohne kulturelle Bindung zum Stoff trifft auf eine mäßig interessierte und informierte Übersetzerin. Der Master hätte hier noch behutsam eingreifen können, doch in der vorliegenden Kombination potenzieren sich die Probleme eher.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)