Fahnen und Flaggen

  • Fahnen und Flaggen

    Fahnen bieten den meisten Stoff zum Nachdenken


    In den Geschichten aus unserem age of sail lesen wir immer wieder vom Setzen richtiger und falscher Flaggen. Meistens aus taktischen Erwägungen heraus, werden zum Beispiel Flaggen anderer Nationen gesetzt. Über die Art und Weise des Setzens und des Umganges mit der Flagge erfahren wir wenig bis nichts. Dabei kann auch eine richtige Flagge falsch gesetzt werden.


    Die meisten von uns kennen verschiedene Verfahrensweisen und Vorschriften im und zum Umgang mit Fahnen und Flaggen aus ihrer Zeit als Angehöriger einer deutschen Armee. Dass diese Vorschriften sich in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Zeiten ebenso unterschiedlich ausgeprägt haben ist selbstverständlich.


    Zunächst wird zwischen Fahnen und Flaggen unterschieden. Wobei Flaggen all die Tücher sind, die zum Beispiel an einem Mast gesetzt also gehisst werden können, während Fahnen, meist durch Nägel, fest mit einem Stock verbunden sind. Fahnen werden durch diese Verbindung individualisiert, sind also als Tuch an sich, nicht mehr beliebig austauschbar. Aus diesem Grunde werden Fahnen in der Regel aufwändig handgefertigt auf besonderen Materialien wie Seide, teilweise mit Metallstickerei versehen.


    Flaggen als ein austauschbares Zeichen, das durch seine Verwendung einem gewissen Verschleiß unterliegt werden entweder aus einzelnen Stoffbahnen zusammengefügt oder gleich als ganzes gedruckt.


    Die Fahne steht in der Tradition der Feldzeichen wie es sie in den römischen Legionen als Legionsadler/aquilae und vexilla, vexillum der Kohorten und Signum der Manipel, speziell der Reiterei gab. In uniformlosen Zeiten war das Feldzeichen Ausdruck der Zugehörigkeit zu einer Kriegspartei und gleichzeitig Möglichkeit zur Orientierung auf dem Schlachtfeld.


    Als erste moderne Fahne entstand im Westen wohl der „Gonfanon“ ein langes meist mehrzipfeliges Tuch, das an einer Lanze befestigt wurde. Das berühmteste Gonfanon war die Oriflamme, die Goldflamme, (eine rote Fahne mit 6 goldenen blaugeränderten Blüten) die Papst Leo III Karl dem Grossen am Weihnachtstag des Jahres 800 anlässlich seiner Krönung übergab. Seit ungefähr dem Jahr 1000, zur Zeit Heinrichs II, wurde die Fahne wichtiger Teil der Lehenszeremonie, indem das jeweilige Lehen zusammen mit einer oder mehrerer Fahnen/Flaggen übergeben wurde.


    Im Mittelalter war die Bezeichnung Banner (daher Bande, Heerbann), oder Panier gebräuchlich. Daher „Hasenpanier ergreifen“, die Fahne des „feigen“ Hasen, dessen Schwanz zeigen also Flüchten. Während Banner heute für eine an einem waagerechten Stock befestigte Fahne steht. In Deutschland erfolgte erst durch Friedrich Wilhelm I (den Vater des „alten Fritz“) eine Vereinheitlichung der Truppenfahnen.
    Durch die Identifikation einer zum Beispiel militärischen Einheit mit ihrer Fahne galt deren Verlust als Schmach, die es zu vermeiden galt. Aus diesem Grunde wurden Fahnen stets besonders geschützt. Ein Grund warum im europäischen Raum Fahnen nie allein auftreten sondern von in der Regel 2 Personen begleitet werden. So besteht bis heute auch bei der Bundeswehr ein Fahnenkommando aus dem Fahnenträger und 2 Begleitoffizieren.
    Der Ursprung der Fahnen ist wohl in China zu suchen, wo schon vor mehr als 3000 Jahren bemalte Seidentücher zu kultischen und militärischen Zwecken verwendet wurden.
    Für den amerikanischen Vexillologen Whitney Smith drückt die erhobene Fahne überigens „für den erdgebundenen Menschen die Sehnsucht nach dem Himmel aus“, was zur weiten Verbreitung von Adlern auf Fahnen geführt haben soll.


    Hinweisen möchte ich noch auf den besonderen Charakter der einfarbigen symbollosen Fahnen, die dessen ungeachtet von hoher Ausdruckskraft sind. Wie der roten Fahne der der schwarzen Anarchistenfahne (Wie Anarchismus und Fahne zusammenpasst habe ich nie verstanden), der weissen Parlamentärsfahne (zumindest seit 1683) und nicht zu vergessen, der grünen Fahne Mohammeds.



    Nachdem wir nun wissen was Fahne und was Flagge ist, was machen wir mit den Dingern?


    Flaggenparade!


    Also jeden Morgen, vom 1. April bis 30. September um 07:00 Uhr und vom 1. Oktober bis zum 31. März um 08:00 Uhr Fahnen Hissen und mit Einbruch der Dämmerung, spätestens aber um 20:00 Uhr, Fahne niederholen. So machen es alle Dienststellen und Einrichtungen des Bundes, zumindest sofern sie sich an die einschlägigen Vorschriften halten. Grundsätzlich bleiben Fahnen also nur von Sonnenauf- bis untergang gesetzt. Ausnahme, sie werden bei Dunkelheit angestrahlt.


    Um Fahnen auf Halbmast zu setzen wird die Fahne übrigens zunächst ganz gehisst um dann wieder auf ca halbe Höhe niedergeholt zu werden. Unterkante der Flagge in halber Höhe des Mastes. Umgekehrt wird sie erst wieder ganz gehisst bevor sie niedergeholt wird.


    Zumindest aus amerikanischen Filmen kennen sicher viele die spezielle Art und Weise wie dort Fahnen beim Abnehmen zusammengelegt werden. Zunächst 2 mal halbiert und dann vom wehenden Liek, also der dem Mast parallelen äußeren Seite in Dreiecken zusammengelegt so dass die Sterne (Gösch) oben liegen.


    In Deutschland ist nicht vorgesehen, die Flagge bereits beim wiederholen zusammenzulegen. Die Flagge wird also zunächst über Schulter oder Arm gelegt. Eine spezielle zeremonielle Art scheint sich erst langsam durchzusetzen, wohl um bei multinationalen Ereignissen nicht wie ein Oberkellner mit dem Tuch über dem Arm abziehen zu müssen.


    Zur speziellen Ehrenbezeugung werden Fahnen ein oder mehrmals geneigt. Nationale Unterschiede bestehen auch hier. Während es in Deutschland in jedem Fall zu vermeiden ist, dass die Fahne, das Fahnentuch, den Boden berührt, wird in Großbritannien der Flaggenstock mit der Spitze auf den Boden aufgelegt, so dass das Tuch fast vollständig den Boden berührt.


    Es würde mich freuen, wenn hier von Euch Ergänzungen, vielleicht speziell aus dem Age of Sail, hinzugefügt werden könnten

    "Certainement qui est en droit de vous rendre absurde, est en droit de vous rendre injuste."
    Voltaire in "Ouveres komplettes de Voltaire" 1784, S. 447

    Wer dich veranlassen kann, Absurditäten zu glauben, kann dich auch veranlassen, Unrecht zu begehen.

  • In den Tiefen des Forum findet sich noch mein geretteter Bericht aus dem alten Forum:
    Flags @ Sea


    Ansonsten guter Anfang für weitere Diskussionen.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Vielen Dank @Aga für die Übersenung der angekündigten Dateien. Ein kleiner Schatz, der es in jedem Fall verdient, noch einmal eingestellt zu werden. Da es Dein Werk ist,möchte ich mich diesbezüglichnicht mit fremden Federn schmücken. Die Dateien könnten doch um Dir keine weitere Arbeit zuzumuten, so wie sie sind hier präsentiert werden. Ich - und bestimmt auch andere, würde mich darüber freuen.

    "Certainement qui est en droit de vous rendre absurde, est en droit de vous rendre injuste."
    Voltaire in "Ouveres komplettes de Voltaire" 1784, S. 447

    Wer dich veranlassen kann, Absurditäten zu glauben, kann dich auch veranlassen, Unrecht zu begehen.

  • Danke. Das Problem ist nicht der Text. Sondern die Bilder die schon nötig sind.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“