Patrick O’Brian – Der unvollendete Band 21 7/19

Patrick O’Brian – Der unvollendete Band 21: Jack Aubrey & Stephen Maturin

Literaturvorstellung Juli 2019

Wie oft sind wir mit Jack Aubrey und Stephen Maturin lesend um die Welt gesegelt, wie viele Abenteuer durften wir aus der Feder Patrick O’Brians miterleben? Ich habe es nicht mitgezählt, aber es waren tausende Seiten und mindestens ebenso viele fiktive Seemeilen. Aber leider geht jede Reise und jedes Abenteuer einmal zu Ende. So auch die Geschichte von Jack Aubrey und Stephen Maturin, und dies sogar ziemlich abrupt. Nicht, dass Patrick O’Brian seinen beiden Helden kein würdiges Ende gegönnt hätte – im Gegenteil – aber der Autor wurde traurigerweise mitten in der Arbeit zum einundzwanzigsten Roman der Reihe selbst im Januar 2000 aus dem Leben abberufen.

Wir werden also nie erfahren, was der Altmeister noch für Ideen hatte. Zum Glück ist das Manuskript mit den ersten Kapiteln des letzten Romans erhalten geblieben und wurde vier Jahre nach Patrick O’Brians Tod auch veröffentlicht.

Das Geschehen schließt nahtlos an das Ende des vorherigen Bandes an, so dass wir Jack und Stephen auf dem Rückweg von Chile durch die Magellanstraße nach Buenos Aires begleiten. Vor Ort sind jedoch kurz vor Ankunft der Surprise religiöse Unruhen ausgebrochen. Wie es der Zufall will, stellt sich der Abgesandte der Kirche als Jacks unehelicher Sohn Sam heraus. Nach dieser unerwarteten Zusammenkunft steht das Treffen mit dem Admiral der Afrikaflotte an und Aubrey kann nun endlich offiziell seine Konteradmiralsflagge an Bord der Suffolk hissen.
Bevor Jack das Kommando über sein neues Geschwader in Cape Town zum Schutz des Ostindienhandels übernehmen kann, segeln die Surprise und der Tender Ringle in die ferne Heimat weiter. Die Ringle kehrt dann mit Jacks und Stephens Familie zurück. Und auch eine Person aus Maturins Jugend taucht zusammen mit dem Admiral auf, die noch für einiges Ungemach sorgen wird.
Dort bricht das bereits maschinengeschriebene Skript ab. Danach muss man auf die letzten handgeschriebenen Seiten von O’Brian ausweichen.

Die deutsche Übersetzung erfolgte einige Jahre später durch Kapitän Uwe D. Minge, den im November 2013 leider dasselbe Schicksal wie Patrick O’Brian ereilt hat.
Man darf nicht vergessen, dass es sich bei dem vorliegenden Text nur um ein erstes, wenn auch abgetipptes, Manuskript handelt, welches nur kleine Korrekturen seitens des Autors erfahren hat. Es ist weder redigiert wurden geschweige denn die finale Version. Dies erkennt der erfahrene O’Brian Leser sofort. Die typischen Ausschmückungen der Nebenschauplätze fehlen noch, so erfahren wir nichts weiter über Sam oder ob Stephen während der Wartezeit seinem zoologischen Hobby am Rio de la Plate nachgeht… Das ist kein Mangel, zeigt aber, wie sehr uns Patrick O’Brian bisher mit solchen Kleinigkeiten verwöhnt hat.
Das Buch enthält neben den gut zweieinhalb Kapiteln der ersten Fassung eine Einleitung und ein Nachwort der amerikanischen Herausgeber, Anmerkungen des Übersetzers und die Kopien von Patrick O’Brians handschriftlichen Manuskript.

Kann man eine Leseempfehlung aussprechen? Ja und nein. Für jeden Fan ist dieses Buch eigentlich ein Muss, um die Reihe mit der abgedruckten Reproduktion der handschriftlichen Urfassung und dem nicht übersetzten letzten Abschnitt zu vervollständigen. Wer jedoch eine Geschichte mit Handlungsstrang erwartet, wird mit den anfänglichen zweieinhalb Kapiteln nicht viel anfangen können.

„To absent friends.“

Richard Howe

 

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