Bale C. Harding – 1803 9/19

Bale C. Harding – 1803

Literaturvorstellung September 2019

Für die Literaturempfehlung im September haben wir einen besonderen Leckerbissen zu bieten: Die Vorstellung von Bale C. Hardings Debütwerk „1803“ – ein marinehistorischer Roman, dessen Handlung in eben diesem Jahre spielt.
Unser Stammrezensent Speedy hat sofort nach dem Durchlesen seine Eindrücke über den neuen Roman „1803“ aus der Feder unseres neuen bzw. alten Forumsmitglieds niedergeschrieben. Dieser Premiere gebührend hat auch unser Forumsmitglied 1. Lord eine Rezension verfasst, die wir Euch an dieser Stelle nicht vorenthalten wollen.

Richard Howe

 

1803 – Rezension von Speedy

Ich bin durch und das möge man als gutes Zeichen werten. Der Roman 1803 war für mich ein echter Pageturner, den ich nicht aus der Hand legen konnte und wollte. Mit anderen Worten: Bale C. Harding ist es gelungen, seine beiden Protagonisten mir so ans Herz wachsen zu lassen, dass ich immer wissen wollte, wie es denn nun weiter geht.

Was die historische Genauigkeit betrifft, bin ich ein wenig im Zwiespalt. Einerseits weiß ich über die Royal Marines und vor allem über die typische Karriere ihrer Offiziere viel zu wenig. Andererseits vertrete ich den Standpunkt, dass eine hundertprozentige Genauigkeit ein echter Killer für den Fortgang einer Geschichte sein kann. Und mal ganz ehrlich, selbst der große Patrick O’Brian nahm sich bei aller Genauigkeit auch immer wieder gewisse Freiheiten, denn das ist Teil der Schriftstellerei.
Wer ein gutes Buch schreiben will, sollte sich stets im Klaren sein, dass er der Schöpfer seiner ganz eigenen Welt ist, egal ob es sich um einen historischen Roman oder einen Gegenwartsstoff handelt.

Die Geschichte an sich ist gut und spannend erzählt. Es zieht sich ein kompletter Spannungsbogen durch den ganzen Roman, der in einem furiosen Finale endet und sogar noch Zeit für einen Cliffhanger hat. Und ja, ich möchte gern wissen, wie es den beiden Helden 1805 ergehen wird. Mich persönlich stört natürlich eine gewisse Landlastigkeit der Handlung, doch es handelt sich ja immerhin um „Hummer“ [= Royal Marines] und keine echten Seeleute und die Handlung erfodert diese Landpassagen ganz einfach. Im letzten Drittel des Romans gibt es zwar ein bisschen viel Deus es Machina, aber ich verstehe auch die Ungeduld des Autors, den Roman endlich zum Ende zu bringen.

Kurz noch ein Wort zurm Lektorat und zur Gestaltung des eBooks: Hier war ich sehr positiv überrascht. Wenn ich mich nicht verzählt habe, gab es im ganzen Roman zwei falsche Trennstriche und einen etwas verstümmelten Satz. Das ist weit besser als das, was große Verlage heutzutage bieten. Nur in den Kapiteln 40 und 41 hat sich ein böser Fehler im Ablauf einngeschlichen. Das ist mir aber erst beim nochmaligen Lesen richtig aufgefallen.

Für einen Debütroman ist „1803“ auf jeden Fall, bemerkenswert gut gelungen und ich freue mich auf die Fortsetzung von Bale C. Harding.

Speedy

 

1803 – Rezension von 1. Lord

Seit wenigen Wochen liegt ein neuer historischer Roman mit dem Jahrgangstitel „1803“ vor, mit dem der bisher unbekannte Autor Bale C. Harding die Leser/Innen marinehistorischer und/oder historischer Romane beschenkt, und der wohlmöglich der Beginn einer mehrteiligen Serie sein könnte. Der Erstling des 39-jährigen Autors ist insgesamt gelungen (soviel an dieser Stelle), so dass es lohnt, genauer hinzuschauen und zu lesen in Erwartung einer hoffnungsvollen Fortsetzung des hier vorliegenden Romans. Schon das allein ist wirklich wunderbar, gibt es doch kaum noch Verlage, die die Leserschaft mit Neuerscheinungen oder Fortsetzungen von vorliegenden, englischsprachigen, Serien beglücken.

Es ist zu vermuten, dass sich ein deutscher Autor hier ein englisch klingendes Pseudonym zugelegt hat, um vielleicht auch international punkten zu können. Hier reicht er sich dann mit Frank Adam symbolisch die Hände, einem deutschen Autor mit englischem Avatar, der leider 2015 verstarb, aber seiner Leserschaft eine umfangreiche 14-bändige marinehistorische Serie und zwei interessante halbwissenschaftliche Werke hinterlassen hat.

Ein neuer, junger Autor traut sich den Beginn einer Romanreihe. Großartig. Sie ist (marine-) historischer Art. Ein sehr spannender Ansatz, die napoleonischen Kriege aus der Perspektive von „Hummern“ – Marineinfanteristen zu erzählen. Hoffentlich gibt es in den Folgebänden nicht zu viel Land und weniger See! Der Plot ist spannend, absolut und daher ist die erzählte Geschichte sehr lesenswert und entwickelt einen Lesesog. Toll, wir können uns auf den Fortgang der Geschichte freuen. Aber wir dürfen auch nicht einige Ungereimtheiten übersehen, vielleicht mögen sie dem Autor oder Lektorat für den 2. Band Ansatzpunkte ermöglichen.
Wie kann eine 12-Jährige so einfach aus einem Brunnen gezogen werden? Das sind immerhin 40-50 kg!? Und das traumatisierte Mädchen gibt dann nach ihren schlimmen Erfahrungen gleich locker Auskunft, was passiert ist, wer sie ist etc. … Hähm!? Dass dieses Mädchen seine wichtigste Zeugin im kommenden Prozess ist, wiederholt der Autor zweifach. Auch die Geschehnisse des Beginns der Freundschaft von Green und McAllister werden wiederholend erzählt ohne Erkenntniszuwachs!? Die Besatzung der Peacemaker wird verschiedentlich charakterisiert: Sie besteht in der Mehrheit aus Afrikanern. Sie gehört zu den erfahrensten Besatzungen der gesamten Flotte (S.253). In den Gefechten mit der Thémis verhält sie sich wie ein unerfahrener Frischling.

Der gefallene Freund der Protagonisten Green und McAllister wird zweifach der See zugeführt. Hähm!?

Als McAllister die Beherrschung verliert, gehen mit ihm die Pferde durch. Sein Auftrag wird persönlich. Der Verlust eines lieb gewonnenen Menschen ist immer tragisch, aber dass McAllister so ausrastet, ist too strong!

Die Freundesbande zwischen McAllister und Green entwickelt sich nicht weiter. Green ist der Eleve von Mc. Mehr nicht. Streit – no problemo!

Es ist zu erwarten, dass McAllister in den Folgebänden wieder auf das kleine errettete Mädchen trifft – von 12 bis 18 ist es ja nicht mehr weit! Das kennen die Kenner von Adam und Winter und Britta.

Welche Funktion hat eigentlich Green? Freund, Vertrauter und? Für den Handlungsverlauf eigentlich unbedeutend.

Anmerkungen zur erzählerischen Gestaltung des Romans

Der Roman ist ein auktoriales Konstrukt. Der Erzähler hält die Taue der Erzählung fest. Er ist der Kapitän. Dann wird immer wieder personal erzählt, es wird realistisch und nachvollziehbar. Diese Ebenen sind durchgehend, kaum mehr ist da zu finden. Keine erzählerischen Überraschungen! Keine Experimente. Keine Gedankenströme. Schade.

Super prima ist es dann die Ausnahme, dass 2 Szenen des Romans aus 2 Perspektiven erzählt werden. Bsp. Beschießung der Peacemaker im Kanal durch die Thémis. Die zwei Undercover-Infanteristen sehen die Beschießung aus einem Ruderboot. Prima! Im Nebel blitzende Geschützerwiderungen.

Sei mutig, Bale C. Harding, bei der Fortsetzung, orientiere dich an den Möglichkeiten, wie erzählt werden kann. Dann steigerst du deine eigene Qualität.

Es gibt tatsächlich eine Szene mit Humor! „Der Wein ließ den Kopf fast auf die Größe eines 32-Pfünder-Geschosses anschwellen.“

Bitte Autor – bitte mehr Humor – bitte mehr lustige Ideen!

Anmerkungen zur Gestaltung der formalen Kriterien des Romans

Der Roman liegt vor in Paperback, Hardcover und e-Book. Für meinen Leseschmaus habe ich das Paperback-Buch gelesen. Eine absolut tolle Umschlaggestaltung. Ein großes Lob an Hoang Mai.

Eine gute Schriftgröße, vermutlich 14. Leider sind die 49 Kapitel manchmal sehr kurz, warum nur? Warum schließen die Kapitel nicht unmittelbar an, warum wird der Rest der Kapitelseite ausgespart? Seiten sammeln? Tut doch gar nicht not!

Fazit

Ich freue mich auf den nächsten Band. Meine Kritik ist konstruktiv konstruiert.

Bale C. Harding – bitte weiter schreiben – ich freue mich auf den nächsten Band!

1. Lord

 

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