Beiträge von Angarvater

    Die Dopellaufräder waren wohl für den Hafenbetrieb typisch, da mit diesen Kränen, bei relativ kompakter Bauweise, Lasten von 3 Tonnen, und auch mehr, von 2 Mann gehoben werden konnten. Bei dieser Baugrösse konnte das ganze Gerät, wie eine Bockwindmühle, geschwenkt werden.


    Die Bewegugsumkehr erfolgte indem man anhielt, der oder die Knechte sich im Rad umdrehten und dann auf der anderen Seite des Rades anfingen zu treten

    Well, mates,


    die Fock ist fertiggetakelt. Hier waren noch die Bulinen anzuschlagen. Für dieses Element gibt es diverse Varianten, sowohl bezüglich der Takelwerke als auch der verwendeten Teile.



    Ich habe hier Kauschen verwendet. 3mm Abachirundholz mit 1,5mm Bohrung. Es gibt auch die Variante mit Blöcken und 7 oder Eisenringen.



    Die Umlenkung der Reeps der Bulinen auf dem Sprit.




    Jetzt noch ein paar Bilder aus der Perspektive des abendlichen Rundganges des Werftherren.







    Und hier noch ein Blick aus der Kuhl zumVormast.




    Rundblick.




    Ok, Werftschluß!

    Da die Angaben in den mir zugänglichen Takelplänen entweder nicht ausführlich oder im anderen Fall funktionsunfähig sind gibt es nur die Möglichkeit zu überlegen und auszuprobieren. Hier hilft noch nicht einmal der Schrage, da der schon fast das Ende der Entwicklung zeigt und es bei den Tudorschiffen Takelungen gab, die später entweder in Vergessenheit geraten oder einfach als nicht sinnvoll weggelassen wurden.


    Hier zwei Bilder von der Takelung der Fock. Unklar war mir heute Abend noch wie die Bulinen und die Gordings getakelt wurden. Nun dafür ergab sich eine durch Probearbeiten wahrscheinliche Lösung die morgen an Bord kommt.


    Das Ganze läßt sich ohne professionellen Aufwand nicht gut photographieren, zumal es sich schon um ein ganz ordentliches Pack an Tampen handelt. Zudem fehlen wie oben angemerkt noch die Bulligen und Gordings.




    Cheers!


    Angarvater


    P.s. die Takelung funktioniert recht gut, sodaß ich die Fock problemlos hart auf Backbord anbrassen konnte.

    Eine kleine Abschweifung zum Sägewerk, das mitzwei Sägekuhlen ausgestattet ist. Das scheint für die englischen Schiffbauer auch weit ins 19. Jahrhundert so gewesen zu sein. Meine Recherchen zum holländischen Schiffbau ergaben, dass die Niederländer schon im 16. Jahrhundert windbetriebene Sägereien hatten, die von da an die Werften auf Bestellung hin mit fertig geschnittenem Holz belieferten. Kein Wunder, dass die Holländischen Schiffbauer ein Pinasschiff von 135 Fuß Länge innerhalb von 6 Monaten ablieferten, zumal sonstige Bauteile wie Blöcke oder Taue auch von externen Fachbetreben geliefert wurden.


    Schluss damit und wieder auf den Betrachterplatz!

    Myladies, Mylords,


    Vielen Dank für die geneigte Beachtung meiner Arbeiten.


    @ Lord Howe. Ja, das ist eine prima Darstellung der Arbeiten an der Takelage der Schiffe des Age of Sail. Wenn man sich mit der Wandlung, oder Weiterentwicklung der Riggingmethoden befaßt, wird klar, daß das Rigg in der Tudorzeit gegenüber dem der Nelsonaera sehr viel arbeitsaufwändiger und zum Teil auch unnötig kompliziert gewesen ist. das ist z.B. bei den doppelten Drehreeps der Fall. Übertroffen wird das Handling der Nelsonschiffe erst von den Stahlriggs der letzten Segelschiffe, wie es besonders gut auf der restaurierten Peking zu betrachten ist.


    Ganz interessant werden die Änderungen nach der Galeonenzeit, als die Riggs nicht mehr einer Pyramide entsprachen. Durch die immer größer werdenden Obersegel gab es reichlich Probleme sie zu bedienen. Auf den Marsen war das nicht mehr zu machen. Also führte man dann die Aue bis auf Deck, was auch dort neue Methoden des Belegens erforderte.. Die großen Hebelarme machten das Steuern mit den relativ kleinen Rudern und den nur erreichbaren ebenso kleinen Ruderwinkeln mittels Kolderstock zu einer diffizielen Angelegenheit. Auch die Montage des Spritmastes half da nicht wirklich weiter. Also wurden die Ruderanlagen anders gestaltet, usw. Aber jetzt zurück in die Werft der Tudorzeit.


    Angarvater

    Vielen Dank für die Likes!


    Die Fock ist aufgebracht. Ein ganz schöner Augenblick beim Takeln.



    Hier nun die Details der Takel der Rah.


    Das Drehreep. Wegen der relativ hohen Last aus zwei Seilen gebildet.



    Die beiden Seile laufen auf einem Dreifachblock auf, der seinen Gegenpart unter dem Backdeck hat.




    Wie ich jetzt herausgefunden habe heißen die Drehreeps so, weil sie nicht von den Hands direkt gehandhabt wurden, sondern das über den Kapstan geschah. Und der wurde eben gedreht.


    Das Rack


    Ich habe hier versucht die Rah ohne Tricks, wie sie z.B. sie mit einem Stift an den Mast zu fixieren, und dann die Taljen anzuschlagen, aufzubringen.


    Also zuerst mit dem Drehreep auf Höhe heißen. Dann sie mit den Topnanten in die Waagerechte trimmen, und sie dann mit den Reepen des Rack an den Mast heranzuholen. Dem Rack kann, wenn die Rah angebrasst wird noch lose gegeben werden, sodaß die Rah vom Wind vom Mast nach vorn gezogen wird und kaum noch auf der vorderen Want schamfielt.


    Das ist insgesamt etwas vigelinsch, oder auch fummelig. Insbesondere fehlen dabei mindestens noch drei oder vier Hände an den einzelnen Stellen. Soweit ich weiß, wurden diese Arbeiten ja schließlich von etlichen Matrosen zugleich gemacht.

    Aber, es macht viel Spaß.


    Jetzt müssen noch die Geitaue und die Bulinen getakelt werden, dann können die Brassen und Schoten drankommen.


    Cheers!


    Angarvater

    Hier die nur für das Aufbringen der Fockrah benötigten Takelelemente.


    Das Rack, daß nach zu Mondfeld und anderen mit drei Reihen Klotjes ausgestattet ist.



    Beim Modell mache ich das Rack in etwas vereinfachter Ausführung, zumal sich die Klassiker über einige Dinge bei den Dreireihigen ausschweigen. Zumindest werden die Tampen des Rack über die Kauschen an Deck geführt, was es ermöglicht dem Rock mehr Lose zu geben, und dadurch der Rah auf der Kreuz mehr Abstand zum Mast und gegenüber den Wanten zu geben. Somit kann man stärker Anbrassen und höher an den Wind gehen. Dieses Teil vor Ort um Mast und Rah zu legen ist eine recht aufwändige Kleinteilarbeit.



    Die übrigen Blöcke um die Rah aufzubringen. Nach zu Mondfeld u.A. wurden in England, zumindest im 17.Jaahrhundert, keine Violinblöcke sondern zusammengestroppte Blöcke verwendet ( siehe hier die Blockkombinationen für die Topnanten der Rah mit den Blöcken der Schot des Marssegels).

    Die Blöcke für die Gordings, Geitaue und Spruten werden vor Ort getakelt.

    Inzwischen hat die Segelmacherei unter Leitung ihrer Ladyschaft das gesamte Stell Segel gefertigt, sodaß mit dem Auftakeln der Segel begonnen werden konnte.


    Hier als Anfang die Blinde. -



    Die noch fehlenden Schoten werden später getakelt, zum einen gibt es in den verschiedenen Plänen verschiedene, mir nicht sehr sinnvolle Darstellungen wie die Blindeschoten geführt werden. Aber dazu fällt mir noch etwas ein.


    So, hier nun die Blinde. Ich habe der Fertigung der Segel die Erfahrungen von AB Hoving zu grunde gelegt. Es handelt sich um Baumwollvoile, einem sehr leichten Material. Ihre Ladyschaft hat die Lieken ( 0,8mm Tau) mit einem speziellen Stich auf der Maschine angenäht, und auch die Tuchbahnen mittels feiner Naht dargestellt.


    Um die Segel in Form zu bringen spanne ich die Rah auf dem Werktisch in eine Stellage ein und belege die Schoten. Dann wird das Tuch mit Sprühstärke eingesprüht und das Segel mit einem Fön in Form getrocknet. Probat ist es dann, nach dem Trocknen die Säume mit dünnflüssigem Sekundenkleber zu härten. Ergebnis siehe unten. Wenn das Segel bei der Takelung etwas weich geworden ist, läßt sich das wieder in Ordnung bringen indem ich die entsprechenden Stellen nochmal ( vorsichtig ) mit Sprühstärke einsprühe und dann den Tropenwind des Föns sein Werk machen lasse.


    Die Takelung der Blinde in dieser altenglischen Manier ist ein sehr schöne Stück Feinarbeit, die Briten würden sagen : it's fiddely. im Plattdeutschen heißt es: dat is en vigelinsches Deel.



    So nun gehts an die Restarbeiten an der Blinde und dann kommt die Fock an die reihe.


    Cheers!


    Angarvater

    Gemach, gemach, Gentlemen.


    Zwar legten die Shipwrights in den Sieben Provinzen beim Bau so einer Pinas ein erhebliches Tempo vor. Der Rumpf wurde von unten nach oben aufgebaut und beplankt, und dann oben offen zu Wasser gelassen. Dann begann der Ausbau. Das hatte den Vorteil, daß man problemlos von allen Seiten her arbeiten konnte. Und vor allem war dann Platz auf der Helling für den nächsten Neubau. Der Bau einer garnicht so kleinen Pinas (134 Fuß lang) dauerte vier bis fünf Monate! Dabei waren mit dem Bau etwa 20 Mann beschäftigt.


    Auch die kleineren Schiffe wie die Fluit oder die Kat wurden so rationell und schnell eins nach dem anderen produziert. Dabei waren die Ausmaße der Typen für alle am Bau beteiligten klar, und es wurden nur geringe reederspezifische Änderungen bei Vertragsabschluß vereinbart.

    Änderungen während des Baues kamen nicht in Betracht, die Kähne mußten fertig werden und Geld verdienen, was ja nur geht, wenn das Schiff Reise um Reise Cargo transportiert.


    Also, ganz so schnell bin Ich auf meiner Werft nicht.

    Da der Abschluss des Bau es der Countess of Kingsbridge in Sicht ist kann es jetzt an die Vorbereitung des nächsten Neubaus gehen. Da mich die Seefahrt des 16. und 17.Jahrhunderts besonders fasziniert, interessiert mich insbesondere die die Welt wesentlich gestaltende und die größte Wirtschaftskraft darstellende Handelsschifffahrt. Von der Faszination der alten Hanse herkommend beeindruckt mich ganz besonders die Handelsmacht Holland. Nun ergab es sich, daß ich vor längerem die Staatenjacht Utrecht gebaut habe, die zwar im 18.Jahrhundert gebaut wurde aber, nach allem was herausfindbar war, unverändert den Staatenjachten des 17.Jahrhunderts entsprach. Schiffen die nicht nur der Repräsentation der Leitungen der Handelskompanien und Stadt dienten, sondern Dienstschiffe der Inspektoren und Zolleinnehmer waren. Aus diesem Projekt heraus ergab es sich, daß ich auf die Schriften von Ab Hoving aufmerksam wurde. Nachdem nun sein Buch Dutch Merchant Ships von Seawatch Books wieder aufgelegt wurde hatte ich sehr schnell die Pläne von 10 Handelsschiffen der Holländer in der Hand. Nun, daher kann der Bau eines Piansschiffes in Angriff genommen werden.


    Die Pinasschiffe


    Nach Hoving (frei übersetzt) waren die Pinassen bewaffnete Kauffahrteischiffe die , neben den Flöten, das tragende Element des holländischen Fernhandels waren.

    Die Pinassen waren "Allrounder", so hat z.B. Barentz Pinassen auf seinen Expeditionen gesegelt. Aufgrund ihrer Bauweise konnten die Pinassen problemlos auch zu Kampfschiffen modifiziert werden. Aus ihnen wurden dann Ende des 17.Jahrhunderts die dann deutlich größeren Kampfschiffe entwickelt.

    Nebenbei gesagt ist besonders interessant, daß der weltweite holländische Handel unglaubliche Dimensionen hatte, und selbst die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen fast allen seefahrenden Europäischen Fürsten den Handel nicht im geringsten minderten. Bei der holländischen Kaufmannschaft stand man allem Anschein nach den kriegerischen Staatsschiffen nicht gerade negativ gegenüber, hielt sie aber für nicht sehr wichtig, solange ihre Aktionen, oder die ihrer Marineleitungen, nicht das Wesentliche der Seefahrt störten, nämlich den erfolgreichen und gewinnbringenden Transport der Cargo, wenn möglich mit dem besonders gute Margen bringendem Warenumschlag in den Sieben Provinzen.


    Doch nun zur Witsen


    Dem Plan der Witsen liegt, neben den profunden Kenntnissen des Autors Hoving, die Beschreibung dieses Schiffes in der Schrift des Nicolas Witsen von 1671 ( Frei übersetzt: hergebrachter und moderner Schiffbau und - Management). Aus dieser sehr detaillierten und vollständigen Beschreibung hat Hoving die Pläne für den Bau eines Modells der Witsen, die Cor Ehmke in sehr bewährter Manier zeichnerisch umsetzte, entwickelt.


    Bei der Witsen handelt es sich um ein Dreimastvollschiff mit einer Länge über die Lote von 138 holländischen Fuß, 38m. Sie galt als Handelsschiff mittlerer Größe. Ende des 17.Jahrhunderts waren Pinassen mit einer Länge von 160 Fuß häufig.

    Weiteres zeigt sich, denke ich, besser beim anstehenden Bau.


    Die Pläne liegen in 1:96 vor. Ich werde das Modell in 1:48 bauen. Etwas größer, mit mehr Möglichkeiten für die Detailgestaltung.


    Nächste Schritte sind das Kopieren der Pläne und das Einrichten der Helling.


    Skol!


    Angarvate