Beiträge von Angarvater

    Aye, Peter,


    Wenn die Segelschiffe überhaupt mal am Kai direkt festmachten geschah das, wie Du es hier auch zeigst mit der Backbordseite ( Portsite) zur Kaje hin. Festgemacht wurde und wird mit der Vorleine, der vorderen Brustleine, der vorderen Spring sowie der Achterleine, der achteren Brustleine und der achteren Spring. ( wenn gewünscht mache ich dazu eine Skizze) oder schau mal bei Wikipedia unter Festmacherleinen. Das ist da ganz schön dargestellt.

    Bei den Segelschiffen unserer Zeit gab es noch keine Klüsen für die Leinen. Die Taue gingen, manchmal durch Auslassungen im backbord Schanzkleid und wurden auf den Knechten an den Masten belegt. Ode sie wurden einfach über das Schanzkleid gelegt. Die Vor- und Achterleine dürfte um halten zu können mindestens die Stärke der Großwanten gehabt haben. Lag so ein Schiff an Muringstonnen wurde es mit den Ankertauen festgemacht.

    Oder vielleicht der Moment am Abend des ersten Schlachtages.



    In der hereinbrechenden Abenddämmerung meldet der der Wache zugeteilte Fähnrich:

    „ Sir Francis! Die Nuestra Seniora schert nach einer Kolssion mit einem eigenen Schiff aus dem Verband aus!“ „Ensign! Her mit dem Glas!“ Drake beobachtet eine Weile sehr ganau.

    „ First Mate, schnellstens auch noch die Untersegel setzen. Ich bleibe während dessen am Wind. Passen Sie auf, daß Sie sie die Untersegel, vor allem das Groß, an den Wind kriegen, ohne daß es uns das Rigg demoliert.“ Aye,Aye, Sir Francis. Wird sich bei dem geringen Wind machen lassen. -Außerdem haben wir am Groß die meisten Hands, die schon unter Euch auf der Golden Hinde gefahren sind.“ Drake, ohne das Glas abzusetzen: „ Schon gesehen, Firstmate. Na ja, die Gang ist Kummer gewohnt. Lassen Sie die Hecklaterne löschen. Ich hänge mich an die Nuestra dran und will völlig unsichtbar sein.“


    Wenig später rauscht erst die Fock herunter und schlägt heftig in dem sie sofort aufblähenden Wind. Zügig werden zuerst die Halsen, Schoten und Brassen des Vormastes getrimmt, und auch das Groß fängt bald an zu ziehen.

    Heute gab es wiederum eine sehr vigelinsche Takelarbeit. Das Großmarssegel mit seinen Brassen, die mittels an die Wanten angeschlagenen Spruten bedient werden. Bulinen und Geitaue kommen morgen dran.


    Das Großmars ist schon vollständig im Wind, und fängt an zu ziehen, während das Groß gerade ausrauscht aber auch schon vom Wind etwas gebläht wird.


    Mir macht das Ergebnis soviel Spaß, daß ich ein paar Bilder machte Aber seht selbst.










    Best regards


    Angarvater

    So ist das wohl. Was ja sehr reizvoll ist


    Beispielsweise wird an allen möglichen Stellen und Plänen über die Spruten- und Bauchgordinge geschrieben. Nur seltsamerweisee endet das dann immer im "Irgendwo". Will sagen wo wurden die Dinger angeschlagen? wie wurden die Seile an Deck geführt usw.


    Hmm, ich habe also jetzt so ein paar Teile probeweise montiert und dann mal das Segel aufgeheisst. Ergebnis: funktioniert so einfach nicht. Insbesondere geht das bei den sehr trapezförmigen Marssegeln nicht. Klar, wenn die Segel nur sehr schwach konisch zugeschnitten sind ( a la Holländer) geht das auch ohne weiteres, aber eben kaum bei den englischen Segeln der Tudorzeit. Außerdem braucht man die Spruten dann ganz und gar nicht.


    Spannend war, daß ich, nachdem ich im Anderson etliche Seiten über diese Dinger teilweise mehrfach gelesen habe, lese, daß Anderson selber schreibt, daß ihm nicht klar ist wie das funktionierte oder ob es das Überhaut so gegeben hat. crazy dash grumble :hmm:


    Folglich bekommen meine Segel Geitaue und ggf. noch zwei Bauchgordinge, und gut is es!

    Aye, Mates,


    Das Groß bleibt in der Situation des Segelsetzens.



    Sehr ungewöhnlich war beim Takeln des Segels, daß z.B. die Bulinen lose herumhängen.





    Heute habe ich das Großmarssegel an die Rah genäht und das Rack und das Fall getakelt. ( Bilder morgen)


    Ich werde aus lauter Spaß an der Gestaltung auch das Großmars noch nicht voll gesetzt darstellen. Diese Situation sieht man im Modell eher selten, sie ist jedoch auf diversen zeitgenössischen Gemälden zu finden.


    Beim werkeln ist mir erst klar geworden, daß man zu der Zeit die Segel nicht reffen konnte, da es noch keine Reffbändsel gab. Nur die Flächen der Untersegel konnte verkleinert werden in dem man das Bonett abtakelte. Oder eben ganze Segel aufgeite und unterschlug. Beim setzen waren das dann immer die ganzen Lappen, die, auf diversen Bildern gut zu sehen, sofort vom Wind aufgeblasen wurden. Erst wenn die Rah dann aufgeholt war konnten Halsen und Schoten getrimmt werden.


    Angarvater

    Well, Mates,


    hier wieder ein paar Bilder von den Takelarbeiten.


    Nachdem ich heute das Groß mit Geitauen, Brassen, Schoten und Halsen versehen hatte habe ich einfach mal nur so das Segel aufgegeit. Und so sieht das dann aus.








    Das sieht für mich recht ordentlich aus, und ich überlege, ob ich das so lasse. Natürlich kommen noch die Bulinen und Gordingen dran.

    Cheers!


    Angarvater

    Aye, Speedy,


    ich war auch überrascht, als ich das Zitat von Witzen (1671) zusammen mit einigen andern Ausführungen dazu bei Ab Hoving in "Merchant Ships..." las. Ich habe dann in etlichen Repros von Bildern aus der damaligen Zeit nachgesehen, und siehe da, nirgends sind bei Detailabbildungen die so heiß geliebten Beleg-oder Coffeenägel zu finden.

    Aber wie schon gesagt ändert sich das um 1700 herum bei allen Seefahrern durchgehend .


    Da der Flaggenstock auf dem Sprit sehr "solo" steht hat er schon einige unliebsame Rammings mit dem Werftpersonal erlebt. Nun könnte man ihn mit irgend einem Lappen besser sichtbar machen, oder an ihm die Flagge, für die er ja gemacht wurde, setzen.




    Wie man sieht läuft die Countess über Backbordbug bei leichtem Wind ihren Kurs.


    Das Großsegel muß noch an seine Rah genäht werden, was auf der Vorrichtung, die Bonden beschrieben hat, ganz gut zu machen geht,




    Ich hatte zwar vor etlichem reichlich Blöcke vorgefertigt, nur fehlten von den etwas größeren noch so an die 20 und den ganz kleinen 25. Ebenfalls wurden noch 10 Augbolzen mit Ringen, sowie einige Kauschen benötigt. Also wurden die Kleinteile erstmal angefertigt, und dann konnte die Großrah mit ihrem Lappen daran gehißt werden.


    Schoten, Geitaue und Bulinen kommen als nächstes an die Reihe.



    Jetzt breitet sie langsam ihre Schwingen aus, was mir sehr gut gefällt.



    Cheers !


    Angarvater

    Aye, Mates


    In der Hoffnung Euch nicht zu langweilen sind hier noch drei Bilder vom Neubau.


    Die Back mal einwenig "solo" betrachtet.



    Betrifft die Belegnägel. Witzen schreibt in seinem Buch von 1671 ( alter und neuer Schiffbau und Schiffbau Management), daß Belegnägel nichts richtig braubares und nötig sind, sondern, wenn überhaupt, mehr als angeberischer Zierrat manchmal zwischen die belegten Seile gesteckt werden. Nun ja, das sah man einige Jahrzehnte später deutlich anders.


    Und diese Perspektive gefiel mir ganz gut, zumal sie ab heute Abend, wenn die Großrah aufgebracht worden ist nicht wieder zu sehen sein wird.




    Cheers !


    Angarvater

    Aye, Ladies, Gentlemen and Mates,


    Der Vormast ist fertig getakelt. Hier ein paar Bilder von der Abnahmebegehung durch den Werftherrn.




    Die Umlenkungen der Bulinen vom Vorbramsegel.



    und die der Bulinen des Vormarssegels. Hier kann man auch ganz gut sehen, warum an den Marsen die Schutznetze getakelt waren. Ohne die "Spinnen" hätte sich das Marssegel bei jedem Manöver unter der Mars verheddert.






    So weit, so gut, weiter geht's Morgen mit der Takelung der Segel des Groß.


    Cheers!


    Angarvater

    Aye, Peter. Das sieht recht ordentlich aus.


    Taue wurden und werden als Rollen, die mit Schiemannsgarn gebändselt werden, geliefert. Solche Taurollen, vor allem wenn es sich um solcheTampen wie für die Brassen und Schoten handelt sind richtig groß und schwer.

    Ach so,wichtige Rundhölzer und auch Balken werden immer auf niedrigen Böcken ode auch nur quer liegenden Balken gelagert. Sie können dann besser abgelegt oder angehoben werden, wenn man sie nicht einfach nur fallen lässt um nicht die Hände drunter zu kriegen. Na ja, wenn gekrant wird kann man dann auch ganz elegant die Anschlagseile drunter durchziehen.

    Aye, Mates,


    Schön, daß Euch die Takelung gefällt.


    @anobium. Es scheint in der Sache „Englische Galeonen“ keine weiteren neueren Veröffentlichungen zu geben.


    Zu den Takelarbeiten selbst. Wie ich weiter oben schon mal schrieb ist es eine nette Fummelei die Tampen anzuschlagen, und insbesondere die Spruten auch noch einigermaßen gleichmäßig auf Spannung zu trimmen. Ich habe die ganze Sache jetzt erst, nachdem alle Züge dran sind, durchgesetzt. Endgültig sichere ich die Taue erst dann, wenn zumindest auch der Groß fertig getakelt ist.

    Wie Kaptn. Villiers nach seinen Reisen mit der Replika der Mayflower berichtete ist diese Takelung sehr elastisch, was für das Modell auch zutrifft.

    Allem Anschein nach sind demgegenüber die Riggs der Nelsonaera sehr hart, und es beeinflussen sich die Takelungen der Masten kaum gegenseitig.


    Nun ist aber Schluß mit dem Theoretisieren, der Großmast wartet auf seine Segel.

    Aye, Mates !

    Nach einem freundlichen Hinweis im "Götterforum" habe ich mir das Buch The Rigging of Ships in the days of spritmast topmast 1600 - 1720 von Anderson zugelegt. Das Buch ist 1994 erschienen und war selbst antiquarisch nicht mehr zu bekommen. Jetzt gibt es es als Nachdruck sogar auf Deutsch, und zudem noch zu einem moderaten Preis.

    Anderson war/ist? Historiker, der sehr viele Quellen, unter anderem Modelle aus der Zeit, verwendet hat. Eine Vielzahl von Fragen zur Takelage beantwortet Anderson sehr genau. Somit waren einige für mich bestehende Unklarheiten schnell behoben.


    So, nun zum Stand des Neubaues. Die Takelung des Vormastes konnte heute Abend fertiggestellt werden.



    Hier zwei Blicke auf dieses "Spinnennetz" des Vormastes. Ohne Zweifel funktioniert das Ganze so. Beim Takeln merkt man, daß die Shipwrights der Tudorflotte durch die zu der Zeit erfolgte Einführung der Besansegel sich nicht anders zu helfen wußten als die Taue dieser Seile, und auch einige der Marssegel, zum größten Teil auf den Marsen belegen zu lassen.

    Nicht sehr funktional, da auf diesen Plattformen herzlich wenig Platz zum Hantieren war. Das ging bei der Takelage der Counters gerade noch so, da die sehr kleinen Bramsegel von den dort oben arbeitenden zwei oder drei Hands mit Mühe zu händeln waren. Wenige Jahre später machte man die Bram- und Marssegel sehr viel größer, und führte deren Brasen, Schoten etc. auf Deck runter, wo die Enden von mehr Hands bedient werden konnten.


    Soweit der kleine Exkurs dazu. Hier noch zwei Bilder des "Spinnennetzes" der Vormasttakelung.




    Cheers!


    Angarvater