Frank Adam – David Winter: Die Eroberung der Karibik 10/17

Literatur-Vorstellung Oktober 2017:

Frank Adam – Die Eroberung der Karibik

Zu einer Zeit, als man Bücher noch in der Buchhandlung seines Vertrauens kaufte und jede Neuerwerbung eine kleine Entdeckung war, die man wie eine Prise nach Hause trug, war Frank Adam mit seinen marinehistorischen Sachbüchern „Hornblower, Bolitho & Co.“ und noch viel mehr mit „Herrscherin der Meere“ ein einsamer Leuchtturm des Wissens für alle deutschen Freunde des Age of Sails, die keinen Zugriff auf die umfangreichen Veröffentlichungen des britischen und amerikanischen Büchermarktes hatten. Angesichts der Erfolge von Alexander Kent & Co. auf dem deutschsprachigen Markt entschloss er sich eines Tages, selbst einen literarischen Versuch auf diesem Gebiet zu unternehmen: die David Winter-Reihe entstand.

Sie bestach zunächst durch ihre historische Genauigkeit und auch durch die Vorstellung exotischer Schauplätze, wie die aufstrebende russische Flotte und die Bombay Marine. Doch mit dem Fortgang seiner Kariere entwickelte sich David Winter immer mehr zu einem Superhelden mit der harmonischsten aller Ehen und einer Wohltätigkeitsattitüde, die selbst Jesus wie einen armen Sünder aussehen ließ. Viele Leser schreckte das zunehmend ab, andere waren nach wie vor von der historischen Genauigkeit der Handlungen begeistert.

Nun ist es ein offenes Geheimnis, dass für einen Autor marinehistorischerRomane der schlimmste Feind der berufliche Erfolg seines Helden ist. Sobald der Held die Flaggränge erreicht, besteht die Gefahr, dass die Handlung entweder langweilig oder unglaubwürdig wird. Im Gegensatz zu C.S. Forester, der diese Klippe virtuos umschiffte, läuft Frank Adam im vorliegenden Roman voll auf. Natürlich stimmt der historische Rahmen nach wie vor, auch wenn er an manchen Stellen behutsam modifiziert werden musste. Doch letztendlich arbeitet David Winter die Eroberung der französischen Inseln in der Karibik 1808/10 einfach nur ab. Man spürt förmlich, wie der Autor beim Erreichen der einzelnen Etappen jeweils einen Haken macht. So kann einfach keine Spannung aufkommen. Hinzu kommt das Unvermögen, überhaupt einen Spannungsbogen aufzubauen. Dabei gibt es mehr als eine Gelegenheit dafür, denn Intrigen und Verrat sind in diesem Buch allgegenwärtig. Doch jedes sich andeutende Problem, das David Winter das Leben schwer machen könnte, wird spätestens eine halbe Seite später erfolgreich aus dem Weg geräumt. Ganz verrückt wird es, als David Winter endlich Schiffbruch erleidet und er wieder den Rambo geben kann.

Zusammenfassend muss man sagen, dass der vorliegende Roman ein typisches Beispiel für das Scheitern eines Autors am Erfolg seines Helden ist. Wäre die Reihe rechtzeitig zu Ende gegangen, würden wir heute vermutlich von dem deutschsprachigen Seefahrt-Klassiker sprechen, doch dann hätte es „Die Eroberung der Karibik“ niemals gegeben.

Speedy

 

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