Beiträge von AnobiumPunctatum

    Hmm, ich bin mir nicht sicher, dass die Boote komplett mit Stockholmer Teer gestrichen wurden. Es git auch andere auf holz basierende Teeranstriche. Die Innenseite der Boote wird nicht behandelt sein, um die Uniformen der Offiziere nicht zu beschmutzen.
    Wie die Boote verziert waren, hängt zum großen Teil vom Kapitän und vom Schiff ab. Bei Zwei- und Dreiecken werden die Boote aufwendiger verziert gewesen sein, als bei kleineren Einheiten. Im NMM gibt es einige schöne Modelle als Beispiel.
    Rot und ocker waren relativ preiswerte Farben, auch blau war ab spätestens Mitte de 18. Jh. da künstlich herstellbar einfach zu beschaffen und damit nicht mehr unerschwinglich. Der erste Beitrag zeigt zwei zeitgenössische Longboat-Modelle aus der Mitte des 18. Jh.


    Bei Kuttern werden die Verzierungen auf das Dollbord beschränkt gewesen sein, da der Bootstyp klinker gebaut war.

    Lage der Decks

    Nach der Rekonstruktion der Linienrisse wollte ich eigentlich mit der Anordnung der Spanten (Disposition of Frames) fortfahren. Hierzu ist die Lage der Stückpforten wichtig, deren Höhenlage wiederum von der Lage der Decks abhängt; daher also zuerst die Decks


    Betrachtet man Originalpläne englischer Schiffe, sieht man, dass die Decks meistens mit 3 Linien dargestellt werden:

    Obere Linie Oberkannte des Decks in Schiffsmitte
    Mittlere Linie Unterkante des Decks in Schiffsmitte
    Untere Linie Unterkante des Decks am Spant


    Die mittleren und unteren Linien geben die Krümmung Oberkante der Decksbalken und damit des Decks an. Wenn ich die Vorgehensweise zur Konstruktion richtig verstanden habe, weist die untere Linie gerade im Bereich der Kantspanten Abweichungen zu meiner Rekonstruktion auf.
    Die Lage der Decks habe ich an der mittleren Linie dem „Sheer and Profile Plan“ entnommen. Die Längskrümmung der Decks wurde mit zwei Kreisbögen nachgebildet; im Bereich von Spant 0 habe ich eine kurze Zwischengerade verwendet.


    Im “Shipbuilders Repository” [SR] und in „The Element and Practice of Naval Architecture” [EPNA] werden alle wichtigen Maße zum Aufbau der Decks angegeben.Diese habe ich mit den von mir aus dem Originalplan ermittelten werten verglichen. Wie man sieht gibt es Abweichungen zwischen den theoretischen und den beim Bau des Schiffs verwendeten Maßen.


    Lower Deck

    EPNA SR Plan
    Deck planks – thick 2,5‘‘ 2‘‘ 2,5‘‘
    Beams to round up midships 4’’ 4’’ 4,5’’
    Beams in the midship sided 9,5’’ 8’’ 11’’
    Beams in the midship moulded 8,5’’ 7,5’’ 8’’


    Upper Deck

    Deck planks – thick 3’’ 3’’ 3’’
    Beams to round up 7’’ 7’’ 6’’
    Beams sided 11,5’’ 10’’ 12,5’’
    Beams moulded 9’’ -- 8,5’’


    Der Wert "Beam to round up midships gibt die Krümmung des Decks an. Ob sich der Wert zum Bug oder Heck ändern muss, konnte ich nicht feststellen.
    Die Angabe bezieht sich auf die maximale Breite auf Spant. Die folgende Skizze zeigt die Vorgehensweise zur Bestimmung des Wertes auf Spant:



    Anschließend habe ich noch die Decksbalken und die Öffnungen für alle Decks ergänzt:



    EDIT: Sorry, leider bekomme ich die Tabellen nicht besser hin

    Die Frage ist allerdings, ob sie in Diensten als Zollfregatte noch die ursprüngliche Bewaffnung hatte. Diese erscheint mir für ein Flußschiff reichlich überdimensioniert.
    Sehr schöner Beitrag. Die Geschichte des Schiffes kannte ich noch nicht. Hast Du mal im NMM geschaut, ob es Pläne der Klasse gibt?

    Hmm, wie soll ich das jetzt sagen ... sorry, aber das Anmalen der Verzierung mit Goldfarbe ist historisch falsch.
    Wenn Verzierungen (Friese) gemalt wurden, hat man dieses mit Ocker in drei verschiedenen Farbtönen gemacht, um einen gemalten 3D Effekt zu erzielen.


    Andererseits, wenn es Dir gefällt, passt es auch wieder. ;) In der Kleinheit ist dir der Goldauftrag jedenfalls hervorragend gelungen.

    Prima Fortschritte, Peter.


    Eine kurze Anmerkung zur Dekoration: es ist richtig, dass Du davon ausgehst, dass diese aufgemalt war. Allerdings: so schön die Dekoration am Modell aussieht und ich finde die Darstellung bei meinem 1/72 Kit äußerst gelungen, so sehr darf bezweifelt werden, dass ein derart kleines Schiff diese in Wirklichkeit auch hatte. Aber um dem Navy Board das Schiff nahezubringen, sind gewisse Kniffe angebracht ;)

    Es gibt noch vier sehr schöne Jugendbücher von Wolfram zu Mondfeld, die aber nur noch antiquarisch zu bekommen sind.


    Der sinkende Halbmond



    Drachenschiffe gegen England



    Ruder hart Backbord



    Piraten und Schmugler vor Saint Malo



    Empfehlenswert ist auch SChiffsbaukunst im 17. Jahrhundert über den Bau eines französichen Linienschiffs


    Moin Bonden,


    Zitat von Bonden

    das komplette Spantengerüst, so wie es damals gebaut wurde, also mit ganz vielen, eng nebeneinander sitzenden Spanten, hervorbringen, richtig?

    Das ist mein Ziel. Es geht aber nicht nur um die Spanten sondern auch um alle anderen Hölzer und Details, die zur Konstruktion des Schiffs gehören.


    Nach dem Bau der HMS Triton wurden die AsBuilt Pläne angefertigt, die das fertige Schiff incl. seines Dekors zeigen. Der wichtigste diese AsBuilt-Pläne ist der "Sheer and Profile" Plan (in deutsch Linienriss und Längsschnitt). Die Linienrisse umfassten damals den Spantenriss, die Abwicklung der Diagonalen, die Du im Riss sehen kannst sowie einige horizontale Linien.
    Der Spantriß gibt, wie Du richtig beschrieben hast, die Form des Schiffes auf der Außenkante der Spanten wieder. Die Festlegung der Linien erfolgt an den sogenannten "Stationlines". Diese definieren den Abstand von "Room and Space" oder anders ausgedrückt den Abstand der Spanten beim richtigen Schiff.
    Alle anderen Angaben, wie die Lage der Decks, den Abstand der Stükpforten usw. kannst Du dem Linienriss nicht entnehmen. Aus den Angaben der Linienrisse kann man ein Blockmodell bauen, die Bilder zeigen das Kontrollmodell meiner ersten eigenen Rekonstruktion, der HM Sloop Fly von 1775. Am Heck siehst Du noch einen Fehler, den ich irgendwann mal korrigieren muss.