Beiträge von Francis Drake

    Wie einige von Euch wissen, habe ich in einem anderen Forum schon einmal die Baugeschichte meiner Golden Hind gepostet. Es war eine Kindheitserinnerung, dass mein Vater begonnen hatte, die Golden Hind von Revell zu bauen, die exakt dem Plan von Mondfeld entspricht, den er als kleine englische Galeone bezeichnet. Heller hat exakt diesen Bausatz nur ohne die Figuren und mit verändertem Farbschema herausgegeben. Den habe ich gebaut. Das Farbschema habe ich etwas abgewandelt und mit dem von Revell gemischt. Stimmen dürften beide nicht. Revell hat für die Barghölzer und die Umrandungen gold angegeben, Heller für die Barghölzer gelb und für die Umrandungen blau. Blau war aber eine viel zu kostbare Farbe, als dass die auf größeren Flächen verwendet worden wäre. Die Wanten waren von Heller fürchterlich in Plastik, die habe ich selbst geknüpft und der Golden Hind Segel aus Stoff gegönnt.

    Und wieder geht es um Shackleton, allerdings in einem zweiteiligen Kinderhörspiel "Gefangen im Eis - Die abenteuerliche Fahrt der Endurance". Der Erste Teil läuft am 31.12.18 auf NDR info um 14:05 Uhr.

    Die Briten wiederholen auf BBC Four eine Doku-Reihe unter dem Titel "The Boats That Built Britain". Klingt sehr interessant. Die erste Folge ist zwar deutlich vor unserer Zeit: The Matthew ist das Schiff, mit dem John Cabot 1497 Amerika erreichte. Folge 2 handelt aber von The Pickle, die die Nachricht vom Sieg bei Trafalgar überbrachte. Allerdings kann man sich das im Internet nur mit einer britischen IP-Adresse ansehen unter:
    http://www.bbc.co.uk/iplayer/episodes/b00scc5w

    Auf BBC Four hat eine Doku-Serie begonnen über Highwaymen, Piraten und Schurken. Bräuchte man aber eine britische IP-Adresse, um das sehen zu können:


    http://www.bbc.co.uk/programmes/b06qn3lr


    Gesehen habe ich die erste Folge einer neuen BBC-Serie: SS-GB, eine kontrafaktische Krimiserie, die 1941 in London spielt, nachdem Deutschland die Battle of Britain gewonnen hat und London von den Deutschen besetzt ist. Bin mir noch nicht sicher, ob ich die Serie weiter schaue, ist aber technisch gut gemacht und die deutschen Offiziere werden von deutschen Schauspielern gespielt, u. a. Lars Eidinger:


    http://www.bbc.co.uk/programmes/b08ghxqb

    Ich habe in der letzten Woche den letzten Teil der neuen Sherlock-Staffel gesehen. Wieder sehr spannend, allerdings auch sehr abgehoben. Diesmal waren Anklänge an James Bond zu verzeichnen. Meine Tochter würde sagen: typisch Steven Moffat. Dessen Drehbücher mag sie auch bei Doctor Who nicht. Andererseits sind die versteckten Hinweise der ersten beiden Teile der Staffel gut aufgenommen und weiterverarbeitet worden. Und natürlich schauspielerisch hohes Niveau. Insgesamt sehr sehenswert.

    Schon erstaunlich, wo man etwas interessantes zu dem Age of Sail findet. Das British Medical Journal hat einen Bericht über Thomas Dover, seines Zeichens Arzt, Korsar und Retter von "Robinson Crusoe".


    Im englischsprachigen Raum ist der Name geläufig gewesen durch "Dover's Pulver", einer Mischung aus Ipecacuana (einem Brechmittel, in geringer Dosierung wohl schleimlösend), Opium und Lactose, erhältlich in den Apotheken im UK bis in die 60er Jahre zur Behandlung von fieberhaften Kinderkrankheiten. Im zweiten Weltkrieg waren die Schiffsapotheken von Zerstörern und kleineren Schiffen der Royal Navy damit ausgestattet.


    Thomas Dover selbst wurde als Arzt in Oxford und Cambridge ausgebildet, war Schüler von Thomas Sydenham und erkrankte während seiner Ausbildung an den Pocken. Er überlebte nicht nur diese, sondern auch die Therapie Sydenhams mit Aderlässen, Abführen, Bier mit Vitriol. Diese Therapie wendete er später selbst auch bei Seefahrern an.


    Im Gegensatz zu anderen wohlhabenden Bürgern seiner Zeit, finanzierte er während des spanischen Erbfolgekriegs (1701 - 1714) nicht nur Kaperfahrten, sondern stach selbst mit einer Expedition von 1708 - 1711 in See. Diese Fahrt der Schiffe The Duke und The Duchess soll mehr Prisengeld erzielt haben als alle vergleichbaren Fahrten der Marinegeschichte. Kommandant war Woodes Rogers, als Navigator war William Dampier, zweimaliger Weltumsegler, dabei. Die beiden Schiffe waren eher klein, 80 Fuß Kiellänge, und waren mehr auf Geschwindigkeit als auf große Distanzen gebaut, jeweils etwa 100 Mann Besatzung.


    Thomas Dover war Schiffsarzt und Vorsitzender des Offiziersrats (council of Senior officers - was es nicht alles gibt). Außerdem war er verantwortlich für Landungs- und Entermannschaften. Er soll schon 40 Jahre vor James Linds Untersuchungen gewusst haben, dass frische Nahrungsmittel vor Skorbut schützen sollen.


    Während dieser Fahrt sah die Mannschaft der The Duke Rauch auf Juan Fernandez aufsteigen. Trotz des Rates dem nicht nachzugehen, um keine Spanier auf sich aufmerksam zu machen, landete Thomas Dover mit acht Mann auf der Insel, wo sie Alexander Selkirk fanden und retteten. Da Dampier Selkirk wohl kannte, machte er ihn zum Maat auf The Duke.


    Nach der Rückkehr 1711 bereiste Dover Osteuropa und Anatolien, wo er von dem therapeutischen Wert von Quecksilber so überzeugt wurde, dass er später als "Dr. Quecksilber" bekannt war. Dover wurde als Korsar sehr wohlhabend, verlor aber den größten Teil seines Geldes in der "Südseeblase", einem Börsencrash im Jahre 1720. Um seine Schulden zu bezahlen, musste er sein Familienerbe veräußern. Um wieder zu Geld zu kommen, machte er eine lukrative Praxis in London auf. Er starb im April 1742. Trotz seines bemerkenswerten Lebens gibt es keine Gedenkstätten für ihn.

    Ist ja witzig. In dem Museum war ich auch erst jetzt im Oktober. Der Nachbau der La Real in Originalgröße ist wirklich beeindruckend. Auch sonst waren einige schöne Modelle zu sehen, von denen ich einige Fotos beisteuern könnte. Etwas besonderes sind die Hallen, in denen das Museum untergebracht ist. Die Drassanes sind Werfthallen, die bis auf das 13. Jahrhundert zurückgehen und im 14. Jahrhundert in dem gotischen Stil errichtet wurden, den man heute noch bewundern kann. Ansonsten fand ich es leicht störend, dass das Museum nicht unbedingt einen roten Faden zeigte, sondern viele der Ausstellungsstücke dem Zufall der Sammlungsgeschichte geschuldet sein dürften.

    Wir haben die Übertragung auch genossen: den ersten Teil im Radio, dann in der Pause immer wieder Umschalten aufs Fernsehen und ärgern, dass für die Veranstaltung in Hannover das erste Stück Javelin nicht übertragen wurde. Die BBC-Fassung habe ich einprogrammiert, die ist aufgenommen. Mir hat es sehr gut gefallen. Juan Diego Flores hat eine sehr schöne Stimme. Die Fantasia on British Sea Songs war wieder dabei. Rundum viel Spaß gehabt.
    Und gestern ging es mit London weiter: zum ersten Mal wurde aus dem London Globe Theatre über Live Stream weltweit ein Stück ausgestrahlt: A Midsummer Night's Dream. War eine tolle Inszenierung, auch wenn einige Regieeinfälle etwas gewöhnungsbedürftig waren: Helena durch einen Helenus zu ersetzen war etwas schräg, aber verblüffenderweise hat es funktioniert. War ebenfalls ein toller Abend. Das Stück soll dann im BBC iplayer abrufbar sein, ist es heute aber noch nicht. Da auch King Lear mit Don Warrington und Richard II mit David Tennant abrufbar sind, denke ich, dass die übliche Beschränkung von Videos auf IP-Adressen innerhalb des UKs hier ebenfalls nicht eingesetzt wird. Alles zum Shakespeare-Jubiläum dieses Jahr. Abrufbar dann hier: http://www.bbc.co.uk/events/ehw2mb/performances

    Herrn Steck habe ich im Januar live erlebt mit einer szenischen Lesung von "Die Zwerge", musikalisch begleitet von Corvus Corax. Auch wenn ich für Fantasy jenseits von Tolkien nicht viel übrig habe, war es beeindruckend. Herr Steck kann unglaublich gut in die unterschiedlichsten Rollen hineinschlüpfen und den Text lebendig gestalten. Insofern denke ich, dass die Hörbücher sehr schön sind. Ich habe allerdings vom BBC die englischsprachigen Hörspiele und eine leider gekürzte Lesung von Benedict Cumberbatch aufgenommen. Und ja, das ist eine zusätzliche Möglichkeit, wenn man beim Autofahren, beim Hausputz und sonstigen Gelegenheiten Hörspiele und Lesungen hören kann.


    PS: Bei der Lesung ist Herr Steck wegen fehlender Markierung der Kante von der Bühne gefallen. Sah schlimm aus, ging aber offenbar ohne schwerere Verletzungen ab. Er hat die Vorstellung tapfer weitergeführt. Glück gehabt, sonst wäre das POB-Projekt aus ganz anderen Gründen nicht fortzuführen gewesen.

    Am kommenden Wochenende geht in Baden-Baden im Museum LA8 eine Sonderausstellung über den Maler Andreas Achenbach, Düsseldorfer "Malerfürst" des 19. Jahrhunderts, zu Ende. Ich werde es wohl noch schaffen am Samstag dahin zu kommen. Ansehen will ich mir die Ausstellung vor allen Dingen, weil neben den Landschaften (die mir eher zu konventionell gemalt erscheinen, da fehlt mir die Atmosphäre, wie sie Constable geschafft hat, von der Modernität Turners ganz zu schweigen) ein Schwerpunkt des Schaffens auf Seestücken lag: scheiternde Schiffe im aufgewühlten Meer. Ich denke, das kann ganz sehenswert sein.
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    Boah, da will ich hin. Danke für die tollen Fotos. Habe dieses Jahr die Passat besucht, und etwas Segelschiffatmosphäre geschnuppert. Vielleicht sollte ich da noch nach der Erlaubnis fragen, meine Fotos zu posten.