Beiträge von Francis Drake

    Schon erstaunlich, wo man etwas interessantes zu dem Age of Sail findet. Das British Medical Journal hat einen Bericht über Thomas Dover, seines Zeichens Arzt, Korsar und Retter von "Robinson Crusoe".


    Im englischsprachigen Raum ist der Name geläufig gewesen durch "Dover's Pulver", einer Mischung aus Ipecacuana (einem Brechmittel, in geringer Dosierung wohl schleimlösend), Opium und Lactose, erhältlich in den Apotheken im UK bis in die 60er Jahre zur Behandlung von fieberhaften Kinderkrankheiten. Im zweiten Weltkrieg waren die Schiffsapotheken von Zerstörern und kleineren Schiffen der Royal Navy damit ausgestattet.


    Thomas Dover selbst wurde als Arzt in Oxford und Cambridge ausgebildet, war Schüler von Thomas Sydenham und erkrankte während seiner Ausbildung an den Pocken. Er überlebte nicht nur diese, sondern auch die Therapie Sydenhams mit Aderlässen, Abführen, Bier mit Vitriol. Diese Therapie wendete er später selbst auch bei Seefahrern an.


    Im Gegensatz zu anderen wohlhabenden Bürgern seiner Zeit, finanzierte er während des spanischen Erbfolgekriegs (1701 - 1714) nicht nur Kaperfahrten, sondern stach selbst mit einer Expedition von 1708 - 1711 in See. Diese Fahrt der Schiffe The Duke und The Duchess soll mehr Prisengeld erzielt haben als alle vergleichbaren Fahrten der Marinegeschichte. Kommandant war Woodes Rogers, als Navigator war William Dampier, zweimaliger Weltumsegler, dabei. Die beiden Schiffe waren eher klein, 80 Fuß Kiellänge, und waren mehr auf Geschwindigkeit als auf große Distanzen gebaut, jeweils etwa 100 Mann Besatzung.


    Thomas Dover war Schiffsarzt und Vorsitzender des Offiziersrats (council of Senior officers - was es nicht alles gibt). Außerdem war er verantwortlich für Landungs- und Entermannschaften. Er soll schon 40 Jahre vor James Linds Untersuchungen gewusst haben, dass frische Nahrungsmittel vor Skorbut schützen sollen.


    Während dieser Fahrt sah die Mannschaft der The Duke Rauch auf Juan Fernandez aufsteigen. Trotz des Rates dem nicht nachzugehen, um keine Spanier auf sich aufmerksam zu machen, landete Thomas Dover mit acht Mann auf der Insel, wo sie Alexander Selkirk fanden und retteten. Da Dampier Selkirk wohl kannte, machte er ihn zum Maat auf The Duke.


    Nach der Rückkehr 1711 bereiste Dover Osteuropa und Anatolien, wo er von dem therapeutischen Wert von Quecksilber so überzeugt wurde, dass er später als "Dr. Quecksilber" bekannt war. Dover wurde als Korsar sehr wohlhabend, verlor aber den größten Teil seines Geldes in der "Südseeblase", einem Börsencrash im Jahre 1720. Um seine Schulden zu bezahlen, musste er sein Familienerbe veräußern. Um wieder zu Geld zu kommen, machte er eine lukrative Praxis in London auf. Er starb im April 1742. Trotz seines bemerkenswerten Lebens gibt es keine Gedenkstätten für ihn.

    Ist ja witzig. In dem Museum war ich auch erst jetzt im Oktober. Der Nachbau der La Real in Originalgröße ist wirklich beeindruckend. Auch sonst waren einige schöne Modelle zu sehen, von denen ich einige Fotos beisteuern könnte. Etwas besonderes sind die Hallen, in denen das Museum untergebracht ist. Die Drassanes sind Werfthallen, die bis auf das 13. Jahrhundert zurückgehen und im 14. Jahrhundert in dem gotischen Stil errichtet wurden, den man heute noch bewundern kann. Ansonsten fand ich es leicht störend, dass das Museum nicht unbedingt einen roten Faden zeigte, sondern viele der Ausstellungsstücke dem Zufall der Sammlungsgeschichte geschuldet sein dürften.

    Wir haben die Übertragung auch genossen: den ersten Teil im Radio, dann in der Pause immer wieder Umschalten aufs Fernsehen und ärgern, dass für die Veranstaltung in Hannover das erste Stück Javelin nicht übertragen wurde. Die BBC-Fassung habe ich einprogrammiert, die ist aufgenommen. Mir hat es sehr gut gefallen. Juan Diego Flores hat eine sehr schöne Stimme. Die Fantasia on British Sea Songs war wieder dabei. Rundum viel Spaß gehabt.
    Und gestern ging es mit London weiter: zum ersten Mal wurde aus dem London Globe Theatre über Live Stream weltweit ein Stück ausgestrahlt: A Midsummer Night's Dream. War eine tolle Inszenierung, auch wenn einige Regieeinfälle etwas gewöhnungsbedürftig waren: Helena durch einen Helenus zu ersetzen war etwas schräg, aber verblüffenderweise hat es funktioniert. War ebenfalls ein toller Abend. Das Stück soll dann im BBC iplayer abrufbar sein, ist es heute aber noch nicht. Da auch King Lear mit Don Warrington und Richard II mit David Tennant abrufbar sind, denke ich, dass die übliche Beschränkung von Videos auf IP-Adressen innerhalb des UKs hier ebenfalls nicht eingesetzt wird. Alles zum Shakespeare-Jubiläum dieses Jahr. Abrufbar dann hier: http://www.bbc.co.uk/events/ehw2mb/performances

    Herrn Steck habe ich im Januar live erlebt mit einer szenischen Lesung von "Die Zwerge", musikalisch begleitet von Corvus Corax. Auch wenn ich für Fantasy jenseits von Tolkien nicht viel übrig habe, war es beeindruckend. Herr Steck kann unglaublich gut in die unterschiedlichsten Rollen hineinschlüpfen und den Text lebendig gestalten. Insofern denke ich, dass die Hörbücher sehr schön sind. Ich habe allerdings vom BBC die englischsprachigen Hörspiele und eine leider gekürzte Lesung von Benedict Cumberbatch aufgenommen. Und ja, das ist eine zusätzliche Möglichkeit, wenn man beim Autofahren, beim Hausputz und sonstigen Gelegenheiten Hörspiele und Lesungen hören kann.


    PS: Bei der Lesung ist Herr Steck wegen fehlender Markierung der Kante von der Bühne gefallen. Sah schlimm aus, ging aber offenbar ohne schwerere Verletzungen ab. Er hat die Vorstellung tapfer weitergeführt. Glück gehabt, sonst wäre das POB-Projekt aus ganz anderen Gründen nicht fortzuführen gewesen.

    Am kommenden Wochenende geht in Baden-Baden im Museum LA8 eine Sonderausstellung über den Maler Andreas Achenbach, Düsseldorfer "Malerfürst" des 19. Jahrhunderts, zu Ende. Ich werde es wohl noch schaffen am Samstag dahin zu kommen. Ansehen will ich mir die Ausstellung vor allen Dingen, weil neben den Landschaften (die mir eher zu konventionell gemalt erscheinen, da fehlt mir die Atmosphäre, wie sie Constable geschafft hat, von der Modernität Turners ganz zu schweigen) ein Schwerpunkt des Schaffens auf Seestücken lag: scheiternde Schiffe im aufgewühlten Meer. Ich denke, das kann ganz sehenswert sein.
    Killick

    Boah, da will ich hin. Danke für die tollen Fotos. Habe dieses Jahr die Passat besucht, und etwas Segelschiffatmosphäre geschnuppert. Vielleicht sollte ich da noch nach der Erlaubnis fragen, meine Fotos zu posten.

    Noch'n Hörspiel des BBC: nicht maritim, und deutlich vor "unserer Zeit". Ist aber sicherlich etwas für die Schottlandfraktion im Forum:
    Murder under Trust: The Massacre at Glencoe.
    Es beleuchtet die historischen Abläufe, als die Truppen des Herzogs von Argyll unter Führung von Robert Campbell das Gastrecht der McDonalds of Glencoe genossen, dann aber die Waffen erhoben und 38 Männer des MacDonald Clans umbrachten und drei Dörfer zerstörten. 40 Frauen und Kinder starben danach noch an den Entbehrungen der Flucht. Das Hörspiel basiert u. a. auf den offiziellen Akten der Anhörung, die die Vorgänge klären sollte. Hörenswert, und abrufbar für die nächsten 17 Tage unter:
    http://www.bbc.co.uk/programmes/b04dh091

    Und noch ein feines Stück britischen Humors im Hörspiel. Die Serie "1835" spielt in eben diesem Jahr. In vier Teilen begegnet man dem Aristokraten Belport und seinem Diener Ned. Seine Lieblingsbeschäftigung ist, in seinem Landhaus auf dem Sofa rumzulungern und sich von vorn bis hinten bedienen zu lassen. Darüber geht nur sich in sein Stadthaus nach London zu begeben, um dort genau das gleiche zu machen. Im ersten Teil bekommen die beiden allerdings ihre Einberufungsbefehle zur Navy. Auf der HMS Fortunate sollen sie unter Nelson dienen. Nicht Horatio, sondern seinem Sohn Tony, der leider als Seemann völlig ungeeignet ist, obwohl er doppelt so viele Augen und Arme hat als sein Vater. Sehr vergnüglich zu hören. Der erste Teil ist noch 12 Tage abrufbar unter
    http://www.bbc.co.uk/programmes/b0125lgl
    Im zweiten Teil geht es um den Friseur Sweeny Todd.

    Wiederum ein Hörspiel auf BBC: Sylvia's Lovers, der letzte vollendete Roman von Elizabeth Gaskell, einer Zeitgenossin von Charles Dickens. Dieser Roman hat maritimen Bezug: die Titelheldin liebt einen Walfänger, und es spielt in "unserer Zeit". Laut BBC: Set in Yorkshire in the 1790's - the time of the Napoleonic wars, in Monkshaven (ie.Whitby), during the time of the Press Gangs, who intercepted the fishing boats, seized the men and pressed them into service with the Royal Navy to fight the French. In zwei Teilen noch für drei Wochen abrufbar unter:



    http://www.bbc.co.uk/programmes/b072htqt

    Noch eine Empfehlung auf BBC, zwar nicht maritim, aber historisch und mit einem besonderen Dreh: das vierteilig Hörspiel Hood erzählt die Geschichte von Robin Hood aus anderem Blickwinkel und anderer Wertung. Den Sheriff von Nottingham, die Hauptrolle, spricht Lee Ingleby, besser bekannt als Midshipman Hollum. Der erste Teil ist noch neun Tage lang nachzuhören unter:


    http://www.bbc.co.uk/programmes/b070n8g7

    Neverwhere von Neil Gaiman wurde diese Woche komplett ausgestrahlt. Damit sind allle Folgen für die nächsten knapp vier Wochen auf BBC abrufbar. Auch Pilgrim von Sebastian Baczkiewicz wurde die Woche über komplett über alle sechs bisherigen Staffeln ausgestrahlt. Und von Pilgrim gibt es ab Montag den 29.02.16 die 7. Staffel:
    http://www.bbc.co.uk/programmes/b071sn29
    Nach der Erfahrung mit den bisherigen Sendungen dürfte das auch eine eindeutige Hörempfehlung sein.


    Etwas länger Zeit zum Nachhören hat man mit der zehnteiligen Serie Tumanbay. Spielt in einem fiktiven orientalischen Reich, das nach dem Mamelukenreich in Ägypten gestaltet ist. Motive und Ereignisse aus 300 Jahren ägyptischer Geschichte werden in dieser Serie zu einem dramatischen Panorama verdichtet, das in allen Kritiken mit Game of Thrones verglichen wird. Aufwändig von John Dryden inszeniert ist dieses Hörspiel ebenfalls hörenswert. Gibt es noch für fünf Monate als Podcast:
    http://www.bbc.co.uk/programmes/b06qcrhv/episodes/downloads

    Und ein weiteres phantastisches Hörspiel wird ab Samstag 14:30 Uhr GMT, also 15:30 MEZ wiederholt: Neverwhere von Neil Gaiman. Der Angestellte Richard Mayhew, gespielt von James McAvoy rutscht durch einen Zufall in die phantastische Welt von London Below: in den Höhlen und Gängen unterhalb der englischen Metropole gibt es eine Parallelwelt mit verfeindeten Stämmen, seltsamen Wesen und einem Engel. Durch diese Welt muss sich Richard Mayhew durchkämpfen, um zu seinem Leben zurückzufinden. Da gibt es einen Earl von Earl's Court, gespielt von Christopher Lee, und einen Baron von Baron's Court und Schäfer in Shepherd's Bush. Eine geniale Geschichte, die einen hineinzieht. Empfehlung: elf von zehn Sternen. :sun::sun::sun::sun::sun::sun::sun::sun::sun::sun::sun:
    Nach der Ausstrahlung abrufbar unter:


    http://www.bbc.co.uk/programmes/b01r527b

    Noch ein Hinweis. Ist zwar nicht maritim und nicht historisch, zählt aber zu meinen Lieblingshörspielen. Die erste Staffel wird auf BBC gerade wiederholt: Pilgrim von Sebastian Baczkiewicz. Eine Fantasy-Hörspielreihe für die ich mich begeistern kann, obwohl Fantasy nicht zu meinen liebsten Genres zählt. Pilgrim ist der Name unter dem William Palmer bekannt ist, denn seine Geschichte beginnt als Pilger. Im 13. Jahrhundert ist er auf dem Weg nach Canterbury als er dem König des Grauen Volks begegnet, dem er nicht mit dem nötigen Respekt erwies. Also belegte der Feenkönig William Palmer mit dem Fluch der Unsterblichkeit. So ist er durch die Jahrhunderte gewandert und sucht in unserer Zeit einen Weg den Tod zu finden. Er ist ein Mittler zwischen der Welt der Menschen und der Welt der Geister, Elfen und Feen. Und diese Wesen können unglaublich böse sein. In der ersten Staffel hofft Pilgrim, Josef von Arimathia und damit einen Weg in den Tod zu finden. Phantastisch gemacht. Es gab auch eine deutsche Produktion mit Rufus Beck als William Palmer. Mir gefällt die BBC-Originalfassung aber besser. Abrufbar unter:


    http://www.bbc.co.uk/programmes/b00xmbyz

    Auf BBC ist aktuell eine Wiederholung abrufbar, die ich bereits gehört habe: "Victory" von Gwyneth Hughes. Imogen Stubbs spielt Lady Emma Hamilton. Inhalt des Hörspiels ist die Dreiecksbeziehung zwischen Lady Hamilton, Sir William Hamilton und Admiral Horation Nelson. Gehört also unbedingt hierher. Wer englischsprachige Hörspiele mag, sollte hier hineinhören:


    http://www.bbc.co.uk/programmes/b04d0l1g


    Abrufbar noch für die nächsten vier Wochen.