Kenne Deinen Feind - die französische Marine

  • Kenne Deine Feinde! Die Französische Marine


    Kaii und ich hatten uns schon vor einigen Jahren darüber Gedanken gemacht, das man einmal beleuchten müte, wie die französische Marine zu Zeiten der Revolution und Napoleons organisiert war.
    Unsere Hauptquelle dazu sollte ein Osprey Warrior Band "French Warship Crews 1789-1805" sein.
    Das Projekt werde ich nun einmal beginnen.


    Als weitere Quelle diente mir sonst noch Wikipedia, vorallem um Daten nachzusehen.
    Desweiteren war die Übersetzer funktion von Google sehr wichtig, da ich kein Französisch kann. Bin halt Altsprachler…;-)
    Französische Ausdrücke habe ich bei der Erstverwendung in Anführungszeichen und Kursiv gesetzt.
    Vorweg sei gesagt, das der Zeitrahmen 1789 bis 1815 reichen muss. Der Osprey Band findet ein Ende mit Trafalgar 1805, wohl weil diese Schlacht eine Zäsur, ein Ende der grossen französischen Marineaktionen, darstellte. Meines Wissens nach gab es in der Organisation oder Reglement der Französischen Marine bis 1815 keine Änderungen zu den im Folgenden beschriebenen.


    Die Flotte
    Frankreich hat um 1789 ca. 60000 Seeleute (zivile wie Marine) die an zwei Küsten und auf zwei Meeren arbeiteten. Gut 3427 km Küstenlinie hat Frankreich.
    Die Trennung in zwei Meere (Atlantik / Kanal und Mittelmeer) machte es der Marineführung nicht einfach Truppen im Kriegsfall zu konzentrieren (Wahrscheinlich bauten deswegen die Franzosen bereits ab 1782 Optische Telegrafenlinien. England folgte erst 1795. Aber das ist eine andere Geschichte).
    Daher gab es seid dem Ancient Regime zwei Flotten:
    Die “Flotte du Ponnant” (Westliche Flotte) war für den Dienst in den Überseeischen Kolonien und den Atlantik verantwortlich. Ihr Sitz war seid 1631 Brest, ab 1666 auch Rochefort.
    Die “Flotte du Levant” war in Toulon ansässig und hatte das Mittelmeer als Einsatzort.
    Es gab weitere Marinebasen, die aber alle wesentlich kleiner waren. Dazu später mehr.
    In den Haupthäfen Brest, Rochefort und Toulon entstanden bereits unter Ludwig XIII. grosse Marine Arsenale, in denen Schiffe gebaut, ausgerüstet und bewaffnet wurden.
    In Cherbourg entstand ab 1783 ein viertes Arsenal in Cherbourg, das aber bis 1813 nicht vollständig fertiggestellt wurde.


    Nachdem im Januar 1793 der Bürger Capet (Louis XVI.) hingerichtet worden war erklärte Frankreich am 31.Januar England und Holland den Krieg.
    Zu Beginn des ersten Koalitionskrieges hatte die französische Marine ungefähr 250 Schiffe, davon 82 Linienschiffe.
    Allerdings waren viele Schiffe davon zwar gebaut, lagen aber entmastet und aufgelegt in den Arsenalen. Wodurch sehr viele Schiffe ungenutzt verrotteten.
    Französchische Schiffe wurden anders eingeteilt, als die der Royal Navy.
    Die Schiffe wurden als “vaisseaux” bezeichnet. Zur genaueren Einteilung wurde die Anzahl der Kanonen ergänzt (z.B. die L’Orient war ein “vaisseaux de 120”, Le Spartiate war also ein “vaisseaux de 74”).
    Kleinere Einheiten wie Fregatten wurden nach der Bewaffnung eingeteilt. Nicht nach der Anzahl der Kanonen wie in der RN. Eine “frigate de 18” war mit 28 18-Pfündern (franz. Pfund = 0,4895kg) ausgestattet, eine “frigate de 12” hatte 26 12-Pfünder.
    Nach Vorbild der Royal Navy wurden später die Schiffe auf der Poop und Back mit Carronaden vergleichbaren Kanonen ausgestattet.
    In den ersten Revolutionsunruhen begann ein Exodus von Adligen aus Frankreich,. Ab 1793 mit der Hinrichtung des Königs begann die Zeit des grossen Terrors, der einen Kahlschlag unter den Adligen und den Eliten des Landes brachte. Dadurch fehlten der Marine die Offiziere. Beim Landheer rückten schnell Mannschaften in höchste Ränge auf, in der Marine ging dies nicht so einfach aufgrund des fehlenden Knowhows (Navigation, Schiffsführung etc.). Auch dies führte dazu, das im Verlauf der Kriege eine große Anzahl von Schiffen nicht mehr zum Einsatz gebracht werden konnten.


    Wehrpflichtigen Marine
    Durch den Erfolg der Koalitionstruppen gegen Frankreich im Frühjahr 1793 führten zur Einführung der allgemeinen Wehpflicht. Dies hatte keinen Einfluss auf die Marine, da die französische Marine seid 1668 bereits eine Art Wehrpflicht besass.
    Die Männer der französischen Küstenregionen, mussten alle ab 18 Jahre in den sogenannten “role des gens de mer” erfasst werden. Aufgrund dieser Listen wurden die Männer bei Bedarf und bestimmten Regeln ausgewählt, um in der Marine zu dienen.
    Die Listen erfassten alle Seeleute, Fischer, Fährleute, Flussschiffer und deren Söhne, wenn sie 1 Jahr auf See waren. Damit sollte sichergestellt werden, das die Mannschaften eine gewisse Grundqualifikation besassen.
    Ein Mann, der 1 Jahr auf See war und über 18 Jahre alt musste sich mit seinem Vater oder zwei nahen männlichen Verwandten beim nächsten “bureau d’inscription” melden.
    Die Küstenregionen waren dazu in 6 “maritime departements” eingeteilt. Die “bureau d’inscription” befanden sich in den Häfen Toulon, Bordeaux, Rochefort, Brest, Le Havre und Dunkirk und waren den Hafenkommandanturen beigeordnet.
    Wer sich nicht mustern liess, oder in die Landarmee eintrat galt als Deserteur und wurde als solcher bestraft. Es war aber auch üblich stattdessen die Eltern zur Verantwortung zu ziehen.
    Jedes maritime departement stand unter dem Kommando eines “commissaire de classes” und war in “quarts” Viertel eingeteilt.
    Jedes quart war in “syndicats”, die wiederum in “communes” eingeteilt waren.
    In jedem syndicate teilte ein commissaire die gelisteten Männer in vier Klassen (“classe de la marine”) ein.
    Die erste Klasse enthielt alle Junggesellen, die zweite alle Witwer ohne Kinder. Die dritte alle verheirateten Männer ohne Kinder und schliesslich die vierte alle Verheirateten mit Kindern.
    Wenn Seeleute benötigt wurden, teilte man den syndicates mit, wieviele Männer benötigt wurden, diese wurden dann eingezogen. Zuerst Klasse 1, dann 2, usw.
    Freiwillige wurde bevorzugt behandelt, egal welcher Klasse sie angehörten.
    Wurde man gezogen blieb einem 8 Tage Zeit, den zugewiesenen Hafen zu erreichen. Tat man es nicht, galt man als Deserteur mit den entsprechenden Konsequenzen. Hielten Kapitäne ihre Seeleute zurück und verhinderten, das sie ihren Hafen erreichen konnten, wurden sie ihres Rankes enthoben und im niedrigsten Rang auf Kriegsschiffe versetzt.
    Es gab aber auch Ausnahmen. So konnten Männer über 50, Invalide, mit mehr als zwei Söhnen die auch für die Marine gelistet waren oder im Krieg gefallen waren zurückgestellt werden. Oder sie wurden zu Hafendienst (z.B. Wachdienst) herangezogen.
    Dafür das die Französischen Seeleute jederzeit zum Militärdienst in der Marine gezogen werden konnte hatte auch Vorteile für sie.
    So bekamen die Seeleute im gGgenzug recht grosszügige Fischereirechte, Befreiung vom Zehnten (im Ancient Regime), freie Schulbildung für die Kinder der Seeleute und es gab einen Fond für die Pensionäre und Invaliden. Während der Revolution wurde dann noch eine Leibrente für Seeleute der Marine eingeführt.
    Die Rente betrug die Hälfte der letzten Heuer (entsprechend der Tabelle für Rank und Dienstjahre) plus Zulagen für Verletzungen und Verstümmelungen. Bei den Dienstjahren wurden auch die Jahre in der Handelsmarine angerrechnet. Jedes Jahr in der Marine in Friedenszeiten wurde mit 18 Monaten gerechnet, jedes Kriegsjahr wie zwei Jahre. Dienst auf Korsarenschiffen wurde auch anerkannt mit 18 Monaten.
    Witwen und Waisen hatten auch Anspruch auf Zuschüsse und Hilfen.
    Witwen und Waisen (über 10 Jahre) von Handwerker bekamen zusätzlich ein Viertel der Heuer als Rente. Die Renten wurden direkt am Wohnort ausgezahlt.
    Das System hört sich erstmal gut und sollte der Marine auch immer ausreichend Seeleute zur Verfügung stellen, aber es funktioniert nicht.
    Aber die Angst vor Tod und straffer Disziplin in der Marine, die zeitweilige Unfähigkeit der Verwaltung die Gelder pünktlich oder überhaupt auszuzahlen führten zu einer hohen Rate an Desertationen. Dies galt im Ancient Regime wie auch in den Revolutionstagen.
    Damit wurde es ab den 1790’ern nahezu unmöglich die Schiffe ausreichend zu bemannen.
    In einem Report des Marine Kommissars Boulay-Paty an die Regierung vom 14.März 1799 wurde des weiteren erwähnt, das ein Mangel an Matrosen auch daher rührt, das die Regierung sich ausser stande sieht gefangene Matrosen mit England auszutauschen. Die “wenigen” gefangenen englischen Seeleute in Frankreich nicht ausreichten um die Massen von französischen auszutauschen.
    Die besseren Aussichten auf Erfolg, Geld, einer lockereren Disziplin und die Heimatnähe führten dazu, das Korsaren immer beliebter wurden.


    Soweit der 1. Teil.



    Ihr Diener

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Die Offiziere


    Seid 1763 konnten Vollkapitäne die ein Linienschiff kommandieren wollten erst nach einer langen Karriere diesen Rang einnehmen.
    Zum „capitaine de vaisseaux“ konnte ein „capitaine de frigate“ frühestens nach 18 Monaten erfolgreichen Dienst werden. Er musste sich in der Zeit als Fregattenkapitän oder Commander im Kampf auszeichnen oder wichtige Missionen erfüllt haben.
    Zum Fregattenkapitän wurde ein Leutnant nach mindestens zwei Dienstjahren.
    Die „ensigns“ (vergleichbar den Midshipmen) konnten nach 2 Jahren an Bord eines Schiffes die Leutnantsprüfung ablegen.
    Zum ensign konnte man über verschiedene Wege erreichen.
    Anders als die Royal Navy hatte die französische Marine einen mehr akademischen Ansatz.
    Im Ancient Regime wurden die zukünftigen ensigns zuerst einmal für 2 Jahre in die „gardes du pavillion“ (Fahnenwache) oder die „gardes la marine“ (Marinewache) aufgenommen, anschliessend mussten Sie zwei Jahre auf See.
    Nur nach Empfehlung altgedienter Kapitäne konnte ein Kind in die gardes eintreten. Dadurch kamen fast nur adlige Kinder aus alten Seefahrerfamilien in die gardes. Die gardes waren aber eigentlich Offiziersschulen.
    Dieses Verbindungsgeflecht wurde als Grand-Corps bezeichnet. Ensigns aus den gardes galten als hochnäsig und arrogant. Hatten aber kaum praktische Erfahrungen, wenn sie nach 2 Jahren ausbildung an Bord kamen.
    1786 wurden die gardes aufgelöst und aus den ensigns wurden „aspirants“ (Anwärter). Man richtige Marineschulen in Vannes und Alais wo die Aausbildung nun Praxisnaher stattfand. Diese Akadfemien standen nun auch reichen bürgerlichen Kindern offen.
    Aber bevor diese Neuerungen Erfolg zeitigten kam die Revolution und die Akademien wurden am 15.Mai 1791 geschlossen.
    Es dauerte bis zum 22.Oktober 1795, bis neue Akademien in Brest, Toulon und Rochefort.
    Um auf das Achterdeck zu kommen gab es noch einen zweiten Weg. Dieser Weg stand Handelsschiffskapitänen („capitaine de commerce“) und Unteroffiziersdienstgraden offen.
    Diese Offiziere wurden „non entretenue“, oder häufiger „officer bleue“ genannt.
    Um das Leutnantsexamen zu bestehen musste man 5 Jahre Erfahrung als Handelsschiffkapitän, Master, Mastersmate oder Steuermann vorweisen.
    Office Bleu waren immer diskreditierung und Misstrauen seitens des Grand Corps ausgesetzt. Da schienen sich die Marinen nicht zu unterscheiden. Denke wir an die Offiziere der RN, die durch die Ankerklüse kamen…
    Die Revolution brachte dann einen Zusammenbruch der alten Ordnung, in der ein Adliger, ein Offizier aus einer anderen Gattung Mensch zu stammen schien, und seine Autorität nicht angezweifelt wurde. Nun wurde alles hinterfragt. Warum soll das und das gemacht werden, warum soll der Matrose das Seil zusammenlegen und nicht der Kapitän selbst. Dieser gesellschaftliche Kollaps führte zu einer Flucht der adligen und damit der erfahrenen Marineoffiziere. Nach einer Zählung vom 1.Mai 1791 waren von 170 gelisteten Kapitänen nur noch 42 im Dienst.
    Um diesen Mangel auszuugleichen erging ein Aufruf an Hafen-, Handelsschiffkapitäne, Offiziere in Ruhestand und sogar Lotsen in den Marinedienst zu kommen.
    Es ist eine Sache ein Schiff zu führen, ein Kriegsschiff zu führen eine ganz andere.
    Als zweite Massnahme wurde eine grosse Anzahl Leutnants vorzeitig befördert.
    1/10 alle aspirants Positionen wurden an erfahrene Maate und Steuermänner gegeben.
    Dieser Bruch in den Offiziersrängen führte zu einem nicht mehr aufzuholenden Verlust an Know-How und Führung.


    Die Master und Freiwächter
    Officiers-mariniers waren die erfahrensten Seeleute an Bord. Sie waren vergleichbar mit den Unteroffizieren der RN. Sie führten die Befehle der Schiffsführung aus.
    Der oberste dieser officer-mariner war der “maitre d’equipage” der dem Master auf englischen Schiffen vergleichbar war. Der Master hatte die Autorität über die Crew, der Master gab die Befehle zu Kurs und Manöver, nach Vorgabe des Kapitäns oder Offiziers der Wache. Es erinnert mich stark an die Befehlsstruktur der RN in der Restaurationszeit, als die Gentlemenkapitäne im Dienst waren.
    Die Befehle des Masters wurden durch Pfeifsignale (dazu hatte der Master und seine Maate eine “sifflet”, Pfeife) übermittelt. Die Seeleute mussten einen Befehl mit dem Ruf “commande!” beantworten.
    Die Unteroffiziere waren in verschiedene Gruppen eingeteilt:
    Zuerst die „maitres de manoeuvres“. Dies Gruppe war vor allen für die Steuerung zuständig. In dieser Gruppe waren der Master, der 2.Master, die Mastersmaate, sowie der „bosseman“ und der „coxen“ zusammengefasst.
    Der bosseman ist eine Verbalhornung des englischen Boatswain, aber in erster Linie zuständig für die Anker und die Seeleute auf dem Vordeck.
    Für die Beiboote des Schiffes war der coxen verantwortlich, wohl auch ein Wortspiel zum Coxswain.
    Die maitres de manoeuvres waren zusammen zuständig, die Aufgaben der Seeleute zu verteilen, die Takelage und Beschläge des Schiffes zu warten. In diese Gruppe konnten Seeleute aufsteigen, wenn sie mindestens 6 Monate zur See gefahren waren, oder zwei Seereisen gemacht hatten, oder als dritte Variante sie zwei Jahre auf Handelsschiffen gefahren waren.


    Die zweite Gruppe der Unteroffiziere machten das Schiff zum Kriegsschiff: die „maitres de cannonage“. Sie waren die Kanoniere. Diese Unteroffiziere waren Spezialisten und hatten nichts anderes zu tun, als die Kanonen zu führen.
    Sie mussten auf Artillerieschulen studiert haben, 12 Monate als Kanoniere auf See gedient haben um Unteroffizier werden zu können. Auch Seeleute, die 4 Jahre gedient hatten, wenn sie zwei Jahre in einer Kanonencrew waren.
    Der maitre de cannonage war das Pendant des englischen Gunner, mit den selben Aufgaben. Der maitre de cannonage war der Vorgesetze des „capitaine d’armes“, des Waffenmeisters. Er kümmerte sich um alle Musketen, Pistolen und Blankwaffen des Schiffes. Er gab sie für das Gefecht aus und sammelte Sie danach wieder ein.
    Die letzte Gruppe waren die „maitres de timonerie“. Sie waren die Steuerleute und ihre Maate. Der jüngste von Ihnen musste mindestens 24 Monate Erfahrung in Navigation haben, davon 6 Monate als Steuermann. Sie waren natürlich für diue Steuerung des Schiffes zuständig. Weitere Aufgaben waren die Signale zu setzen und zu lesen, die Laternen an Bord und die Ruderanlage mit dem Kompass. Zu Ihrer Gruppe gehörten auch bis zu zwei „harbour cotiers“ Hafenlotsen. Sie waren für die Küstennahe Navigation und die Karten verantwortlich.
    Übrigens wurden im Gefecht die beiden erfahrensten Steuermänner aus jeder Wache an das Ruder gestellt.


    Wie jedes Schiff der damaligen Zeit gab es an Board eine muntere Schar von Freiwächtern. Dazu gehörten der Zimmermann, der Seiler, die Kalfalterer, der Segelmacher, aber auch Schmiede, Kupferschmiede und die Köche.
    Im Gefecht hatten die Zimmerer und Kalfalterer ihren Posten im Zimmermannsgang um direkt Lecks abdichten zu können. Während auf englischen Schiffen die Pumpen zum Aufgabenbereich des Zimmermanns gehörten, war auf französischen Schiffen der Kalfalterer.
    Zu den Freiwächtern oder „les fainéants“ kamen noch Offiziersstewards, Hilfsköche, Büchsenmacher und viele andere. Im revolutionären Frankreich war es verboten das Seeleute Diener der Offiziere waren, dies war ein eigener Beruf. Natürlich gab es auch einen Arzt und seine Gehilfen, sowie einen Purser. Aber ob diese Messezutritt hatten wie auf englischen Schiffen kann ich nicht sagen.


    Interressant fand ich, das ab 1794 Lehrer („instituteur“) für die Schiffsjungen und Aspirants an Bord der Schiffe eingesetzt wurden. Jedem Schiff mit mehr als 20 Kanonen wurde ein Lehrer zugeteilt. Den Jungen wurde Lesen, Schreiben, Rechnen, die Grundlagen der Navigation beigebracht. Wichtigstes Fach war aber revolutionsgeschichte. Ein Schelm wer denkt, das die Lehrer keine Ähnlichkeiten mit den Politoffizieren modernerer totalitärer Marinen hatten.
    Der Kapitän bestimmte die Unterrichtszeit. Diese konnte von Schiff zu Schiff verschieden sein. Am Unterricht konnten alle Schiffsjungen und novices unter 18 Jahren Alter teilnehmen. Alle anderen Seeleute, wenn sie Freiwache hatten.
    Lehrer die ihre Pflichten vernachlässigten wurden bei der Heimkehr gemeldet und mit einem Bann belegt, auf Kriegsschiffen zu unterrichten. Die Lehrer mussten auch auf besonders gute Schüler zu achten und zu melden, damit sie auf Akademien geschickt werden konnten, um der Republik besser dienen zu können.
    Einen Kaplan an Bord gab es nur zu Zeiten der Monarchie. Dieser erhielt eine normale Apanage, wie jeder französische Pfarrer. Auf englischen Schiffen, kam ja auch oft der Kapitän für den Kaplan persönlich auf.


    Der Grossteil der Crew wurde natürlich aus Seeleuten gebildet.
    Die „matelots“ wurden in 4 Klassen und „novicen“ 1. & 2. Klasse eingeteilt.
    Die besten Seeleute der 1.Klasse wurden als „loup de mer“ bezeichnet. Ein loup konnte man nach 4 Jahren aktiven Dienst werden.
    Die Landlubber wurden als „matelots d’eau douce“ bezeichnet.
    Toppsgasten als Elite der der einfachen Seeleute hiessen „gabiers“. Gabiers wurden oft in die Crews der Handwerker eingegliedert und konnten von dort auch in die Ränge der Handwerker aufsteigen.
    Als „prevot d’equipage“ („Marshalls Crew“) wurden die faulsten und nutzlosesten Seeleute bezeichnet.
    Wie in allen Gemeinschaften war es üblich, das die neuene und unerfahrenen von den „Alten“ eingenordet wurden. Nach den Memoiren von Seeleuten hatten besonders freiwillige Binnenländer zu leiden.


    Schiffsjungen
    Die „mousses“ (Schaum) waren die Schiffsjungen an Bord.
    Die Bezeichnung ist eine Verstümmelung des spanischen Ausdruckes „moco“ was soviel wie Rotz bedeutet. Nicht sehr charmant.
    Während des Ancient Regime wurden die Schiffsjungen vom Kaplan unterrichtet. In revolutionärer Zeit dann vom oben erwähnten Lehrer. Die Republik nahm die allgemeine Schulpflicht sehr ernst.
    Die Aufgaben der mousses waren die gleichen wie auf englischen. Hauptsächlich waren sie als Pulveräffchen unterwegs.
    Die Schiffsjungen waren meisst Söhne von Matrosen an Bord. Also wieder ein Unterschied zu England.
    Sie wurden in zwei Klassen unterteilt. Die erste Klasse waren die mousses über 13 Jahren Alter und 18 Monaten auf See. Die 2.Klasse die jüngeren.
    Schiffsjungen konnten ab 16 Jahren als novice eingeteilt werden, wenn sie die physischen Vorraussetzungen haben. In der französischen Marine wurde 1 Schiffsjunge auf 10 Seeleute gerechnet.
    Soweit Teil 2. In Teil 3 geht es dann um die Schiffsgarnison: die Marines und Artilleristen.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Die „Schiffs-Garnison“
    Jedes Schiff der Marine hatte zu Kämpfen. Um diese Fähigkeit umzusetzen war es mit Kanonen bewaffnet und hatte Soldaten an Bord.
    In Frankreich wurde das Schiff und die Matrosen als Vehikel gesehen, um eine beträchtliche Anzahl Kanonen und Soldaten ins Gefecht zu führen.
    Die Soldaten waren demnach auch nicht an der Technik Schiff beteiligt und gingen ausser für den Wachdienst keine Wache wie die Matrosen.
    Die Aufgaben der Soldaten waren die Bereitstellung von Artillery Spazialisten, die Schiffsführung zu schützen und Disziplin durchzusetzen. Ferner das Schiff gegen Enterversuche zu verteidigen und selbst zu entern, sowie Landeoperationen durchzuführen.
    Am 14.Juni 1792 verfügte das Direktorium die Bildung von vier Marine Infanterie Regimentern, sowie zwei Marine Artillery Regimentern. Diese sollten das königliche Corps der “cannoniers matelots” ersetzen, das seid 1786 bestand.
    Nachdem Teile der Marine Artillery Regimenter sich bei Aufständen gegen die Regierung beteiligten und in Toulon die Aufständischen unterstützt hatten, wurden sie am 28.Januar 1794 aufgelöst. Daraufhin wurden freiwillige Armeesoldaten auf den Schiffen eingesetzt. Die Soldaten bekamen einen Crashkurs in Marinedingen und kamen auf See. Da sich das nicht bewärte wurden am 25.Oktober 1795 erneut spezialisierte Marine Einheiten aufgestellt.
    Es wurden sieben “demi-brigades” mit Marine-Artilleristen aufgestellt.
    3 Halbbrigaden standen in Brest, je eine in Lorient und Rochefort und 2 in Toulon. Ohne spezielle Infanteriekomponente sollten die Artilleristen mit Unterstützung durch freiwillige Infanteristen die Garnison stellen. .
    Am 5.Mai 1803 wurden die Halbbrigaden zu in sechs Regimenter umstrukturiert.
    Als Rekruten für diese Regimenter wurden “robuste gesunde Männer zwischen 16 und 30 Jahren”angeworden. Sie mussten mindestens 165 cm gross sein. Die Freiwilligen verpflichteten sich für 8 Jahre. Nach Ablauf dieser Zeit konnten die Soldaten sich erneut verpflichten.
    Trotz dieser häufigen Umorganisationen der Marineartillerie b.lieb deren Aufgabe konstant. Lag die Flotte im Hafen stellten die Soldaten die Wachen für die Häfen, Arsenale, Küstenbatterien und Schiffe.
    In den Arsenalen waren die Soldaten für die Herstellung spezieller Munition (Trauben-, Stangen-, Kettengeschosse etc.) abgestellt. Die Artilleristen mussten selbstverständlich üben. Zielschiessen wurde regelmässig an Land und auch an Bord von Schiffen durchgeführt. Napoleon verfügte, das Artilleristen die ihre Ziele trafen eine Sonderzahlung erhalten sollten.
    Neben den Kanonendrill erhielten alle “Marines” auch eine komplette Infanterieausbildung.
    Die Regimenter hatten einen normalen Offiziersstab, der sich auch entsprechend der Anzahl von Soldaten an Bord der Schiffe widerspiegelte.
    Die Seesoldaten waren direkt dem Kapitän und seinem 1.Offizier unterstellt.
    Damit hatten wir zwei völlig getrennte Befehlsstrukturen an Bord eines französischen Schiffe. Einmal die militärische und die seemännische. Stelle mir es seltsam vor, wenn Kapitän und sein 1. gefallen sind, wer bestimmt dann? Aber das ist eine ganz andere Frage. Die Offiziere der Seesoldaten waren dem Kapitän des Schiffes gegenüber direkt verantwortlich für den Zustand der Bewaffnung, den Pulvermagazinen und Soldaten.
    Die Soldaten hatten alle Lagerräume zu bewachen Der ranghöchste Offizier musster zusammen mit dem Master täglich alle Lager inspizieren. Auf See wurden wöchentlich alle Waffen inspiziert. Wurde das Schiff klar zum Gefecht gemacht hatte der Offizier eine letzte Inspektion durchzuführen und eine Klarmeldung an den Kapitän zu geben.
    Alle Gefechtsbefehle kamen vom Capitän, die der Offizier an seine Soldaten weitergab.
    Selbsttätig. Dazu sollte er sich möglichst nahe beim Kapitän auf dem Achterdeck steck. Aber es gab keinen fest definierten Ort für den Senioroffizier. Die anderen Offiziere waren auf die Batterien und die Marsen verteilt, um das Feuer auf Befehl des Kapitäns zu dirigieren.


    Leben an Bord
    Der 1.Leutnant des Schiffes pflegte die “role des quarts”, die Wachrolle.
    Ein Zweiwachen System war üblich, und die Wachzeiten waren identisch mit denen der RN.
    Die Zeiten wurden mit einem “ampoulettes” –einem Halbstundenglass- gemessen. Für die Stundengläser waren die maitres de timoniere, die Steuerleute zuständig. Nach jedem Durchlauf der Sanduhr wurde der Durchlauf ausgerufen und die kleinere der zwei (!) Schiffsglocken anzuschlagen. Zum Wachwechsel wurde die grosse Glocke angeschlagen und ausgerufen. Auch wurde von den Steuerleuten die nächste anzutretende wurde an Deck gerufen. Es wurde entweder die “quart de basbord” oder “quart de tribord” gerufen. Während der Nacht wurde auf den Schiffen das Glasen mit dem Ruf “alles wohlauf” (“á láutre bon quart”). Man merkt auf beiden Seiten des Ärmelkanals war ziemlich vieles ähnlich.
    Die Matrosen schliefen in Hängematten, wobei bis zum 4.Februar 1794 sich zwei Matrosen je eine Hängematte (“bordeée) teilen mussten. Erst danach erhielt jeder an Bord seine eigene. Offiziere schliefen in “hamacs á l`Anglais”. Diese waren wohl vom Schnitt anders.
    Aus Hygienischen Gründen wurden nach dem Wecken die Kanonenluken geöffnet, um die Decks zu lüften. Jeder Mann an Bord war verpflichtet sich morgens den Mund mit Wasser und Essig zu spülen. Auch wurden alle Decken und Hängematten für zwei Stunden an Deck gelüftet und ausgeklopft. Die Urinale wurden täglich gereinigt.
    Wäsche wurde an jedem 15. und 30. eines Monats gewaschen.
    Gegessen wurde in Messen zu 7 Mann. Die Rationen waren für Offiziere wie einfache Seeleute. Als Normale Rationen bekam jeder Mann an Board ein Halbes Brot, kanpp 200g Schiffzwieback und einen guten ½ l Rotwein.
    Der Speiseplan der Hauptmalzeit umfasste einen 10 Tagesrhythmus nach der revolutionären Woche.
    An den Tagen 1, 4, 6 und 8 gab es gesalzenen Schellfisch o.ä., der in Wasser und Essig gekocht wurde. An 2 Tagen wurde gepökeltes Rind und an den übrigen 4 gab es Pökelschweinefleisch. Dazu gab es Bohnen, Erbsen oder Reis, die mit Salz, Olivenöl und Essig “gewürzt” wurden.
    Man ging nach 6 bis 7 Wochen auf See davon aus, das das Eindfleisch und der Fisch nicht mehr für den Verzehr geignet war und alle Mahlzeiten bestanden danach aus Schwein.
    Wenn möglich wurde frisches Gemüse gekocht oder das essen um Brühe aus Konzentrat ergänzt. Zusätzlich hatte jedes Schiff gut 1kg Senfsaat und 3l Essig pro 100 Mann und Monat an Bord um frischen Senf herstellen zu können.
    Zusätzlich gab es gut 200g Pfeffer pro 100 Mann und Monat an Bord.
    Normalerweise waren pro 100 Mann auch folgende lebende Tiere an Bord: 6 Kühe und 20 Hühner. Be einem 74er der eine Mannstärke von 706 Personen. Das würde 42 Kühe und 140 Hühner ergeben. Fast eine Arche…
    Hühner wurden oft gegen Enten, Gänse oder Puten getauscht, da Hühner gerne an Seekrankheit starben.
    Für die Tiere kamen 100 kg Heu / Kuh, sowie 10 kg Getreide pro Huhn. War das Futter verbraucht, wanderten die Tiere in den Topf.
    Für das Stauen der Vorräte war der erste Offizier zuständig.
    Bevor ein Schiff für eine Reise ausgerüstet wurde, inspizierte eine “conseil de salubrité” (Gesundheitskommitee), bestehend aus dem 1.Offizier, dem Schiffarzt und dem Purser alle Lagerräume, nachdem sie gereinigt wurden, mit Salzsäurelösung (im Buch hydrochloric acid)ausgewaschen und gekalkt worden waren.
    Die Vorräte wurden bevor sie verladen wurden vom Kapitän, dem 1.Offizier und dem Purser kontrolliert.


    Kurios fand ich die Information, das man die “Homebase” der Schiffe anhand der Tänze und Lieder der Matrosen unterscheiden konnte. Schiffe von der Atlantikküste zeichneten sich durch Musik und Tänze mit dem bretonischen Dudelsack aus, während im Mittelmeer mehr das Tamborin und die Flöte vorherrschte.


    Soweit Teil 3.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Role de Combat


    Wie auch auf englischen Schiffen wurde, die Mannschaft in ein Wachrolle für die Segelmanöver und eine „role de combat“ eingeteilt.
    In die Gefechtsrolle wurde jeder Seemann und Soldat auf seine Positionen im Gefecht verteilt.
    Da die französischen Gun-Captains zur Marineinfanterie gehörten, hatten die französischen Schiffe mehr Seeleute zur Verfügung für Enter- oder Segelmanöver.
    Dies könnte auch eine Erklärung für den höheren Blutzoll an Bord französischer Schiffe sein. Da die größeren französischen Crews enger gedrängt waren auf den Decks.
    In jeder Kanonencrew war ein Seemann als Enterer bestimmt.
    Marineinfanteristen wurden in die Marsen als Scharfschützen abkommandiert. Deren Aufgabe war es speziell Offiziere des Gegners auszuschalten. Was sie bei Nelson erfolgreich erledigten.
    Der Befehl „Klarschiff zum Gefecht“ wurde mit „branles-bas“ bezeichnet, „Hängematten abschlagen“. In die Finknetze wurden dabei nicht nur die Hängematten sondern auch die Seesäcke der Matrosen gestopft.
    Eine weitere Besonderheit, zumindest habe ich bisher nichts darüber für englische Schiffe gelesen, waren sogenannte Seil-Vorhänge (rope curtains im Buch). Diese wurden in den Batteriedecks als Splitterschutz aufgehängt.
    Ansonsten war eigentlich das Prozedere gleich.
    Trennwände, Mobiliar in den Hold. Im Orlop wird die Sanitätsstation eingerichtet.
    Wobei Tote im Gefecht nicht einfach über Bord gingen sondern in der Mitte der Decks gesammelt wurden. Respekt vor den Toten? Keine Ahnung.
    Segelmanöver
    Segelmanöver wurden immer durch die Offiziere an die Master und deren Gehilfen weitergegeben. Wobei die Matrosen die Befehle zu wiederholen hatten. Ähnlich den Kommandos auf deutschen U-Booten.
    Daher muss ein französisches Schiff manchmal eher zu hören als zu sehen war [/IRONIEMODUS].
    Bei schwerer See und Sturm gab es für die Matrosen auf den Masten einen Schluck „eau de vie“, wobei die Flasche für 32 Matrosen reichen musste.


    Freizeit
    Wie schon vorher erwähnt wurde es gefördert, das die Matrosen sangen und Tanzten, wenn sie Freiwache hatten. Dies sollte der bei Skorbut auftretenden Depression entgegenwirken. Ob es wirkte?
    Bei Beginn einer Reise bekam jeder Mann an Bord 3 Pfund Tabak ausgegeben. Da Rauchen nur sehr eingeschränkt möglich war, wurde es meisst gekaut.
    In den Freiwachen wurde auch gespielt.
    Im Hafen durften Frauen nicht an Board der Schiffe. Aber die Seeleute durften an Land. Man ging davon aus, das die Matrosen nicht desertieren würden, da sie ja „quasi“ Freiwillige waren.
    Frauen durften nur zu kurze Besuche an Bord und ausser an Feiertagen nicht über Nacht an Bord bleiben.
    Wurden diese Regeln missachtet drohten Strafen: Seeleute kamen in Eisen, Offiziere erhielten einen Monat Arrest an Land.
    Vergewaltigungen hatten eigene Strafen in der Marine Frankreichs: 8Jahre, bis 12 Jahre bei Gewaltätigkeit und Todesstrafe bei Tod der Frau.
    Trotz dieser Regeln ist gesichert, das es Frauen an Bord französischer Schiffe gab. Alleine bei Trafalgar wurden 2 Frauen von englischen Schiffen gerettet. Beide Frauen wurden aus dem Wasser gezogen, als sie sich von der brennenden Archille retteten. Beide waren wohl ihren Ehemännern an Board gefolgt. Eine von ihnen hatte im vorderen Magazin bei der Schlacht geholfen.


    Medizinische Versorgung
    Im Bereich des Haupt-Decks zwischen vorderen Niedergang und der vorderen Schiffsglocke waren die Kranken untergebracht. Wenn es kein Gefecht gab. Im Gefecht ging es natürlich in den Orlop. Es gab einen Maat, der sich um die Kranken („cadres“) zu kümmern hatte. Die Assitenten des Arztes unterstützten ihn dabei. Interressanterweise wurde die Helfer als „fratres“ oder „infirmaries“ bezeichnet.
    Bei besonderen Belastungen (nach Gefechten etc) konnte der Schiffsarzt den fratres eine doppelte Ration Wein verordnen.
    Der cadres war auch für die Versorgung der Kranken mit Essen verantwortlich, er hatte die Lebensmittel dem Koch zur Zubereitung zu bringen. Dafür gab es an Bord spezielle Suppenkonzentrate und anderes, wie Reis und Trockenpflaumen. Der cadres musste täglich dafür sorgen, das das Krankenrevier ausgewaschen und mit Salzsäuredämpfen oder Essig gereinigt wurde.
    Es muss schon heftig sein, Salzsäure zu verdampfen, kann mir nicht vorstellen das das gesund war. Da parallel die Kranken in Frische Decken und Hängematten kamen wurden sie von den Dämpfen verschont. Ich habe noch nirgends gelesen, das für die kranken Wechseldecken und –Hängematten gab.
    Behandlungstechnisch galten die französischen Militärarzte als etwas besser als ihre englischen Kollegen (laut dem Buch Wellingtons-Doctors), aber sie konnten mit den damaligen Mitteln keine Wunder vollbringen.
    In allen Marinestützpunkten gab es spezielle Marine-Hospitäler, aber ihr Ruf war nicht beste: Zu viele Patienten für zu wenig Personal. Da die Familien der Matrosen häufig in der Nähe waren, versuchte man so schnell wie möglich sich zu Hause pflegen zu lassen oder in städtische Krankenhäuser unterzukommen.


    Kriegsrecht
    Wie jede Armee-Einheit hatte auch die französische Marine ein spezielles Kriegsrecht.
    Die Strafen reichten von Arrest, über Auspeitschungen bis hin zu schwersten Strafen.
    In der französischen Marine wurde lange noch das Kielholen und „plungen“ (tauchen) praktiziert. Natürlich gab es auch Todesurteile, die aber traditionell in der französischen Marine durch Erschiessen erfolgte.
    Das Kielholen wurde während der letzten Jahre des ancient regime immer seltener angewendet, aber das Tauchen noch relativ häufig. Dabei wurde der Matrose gefesselt, 1-2 Kanonenkugeln an die Füsse gebunden und mit einem Seil an eine Rah gehängt. Anschliessend stiess man den Delinquenten über Bord und zog ihn dann ihn dann nach einiger Zeit wieder hoch. Durch den Sog an der Schiffsseite, die Muscheln und die Kanonenkugeln erlitt der Bestrafte schwerste Wunden und starb häufig…
    Nach der Revolution wurde das plungen verboten.
    Kriegsgerichte verhängten oft statt der Erschiessung häufig den Galeerendienst. Der „galeriens“ war sehr gefürchtet, da die Strafe von 5-15 Jahren gellere kaum zu überleben war. Einen guten Überblick über das Leben als Galeerensträfling gibt das Buch „Forcat“.
    Durch die Revolution kam es zu einem massiven Autoritätsverlust der Offiziere. Mannschaften diskutierten Befehle und die Handlungsfähigkeit der Marine war per due.
    Am 16.August 1790 wurde in der National Versammlung der Bericht der Marinekommission zum Marinestrafrecht und der Disziplin in der Marine diskutiert.
    Als Folge davon wurde das Marinestrafrecht überarbeitet.
    Das Neue Strafrecht gab den Kommandanten mehr Spielraum im Strafmass, um nicht bei leichteren Fällen die Wahl zwischen ignorieren oder drakonischer Strafe zu haben.
    Straffällige Seeleute wurden nun durch ein Gericht, bestehend aus einem Offizier, 3 Unteroffizieren und drei Seeleuten verurteilt. Es verbot aber auch den Maaten die Seeleute zu schlagen.
    Das Ziel die Disziplin an Bord wieder durchzusetzen wurde klar verfehlt.
    Wie 1793 der Schiffsjunge Athanase Postel berichtet wurde jeder Befehl an Bord diskutiert, und z.T. ignoriert. Die Unteroffiziere versuchten die undisziplinierten durch härteres und längeres arbeiten zu bestrafen, aber das lief ins Leere.
    Als dann der Krieg mit England ausbrach, kam es zu offenen Befehlsverweigerungen und Meutereien in Brest. Die Flotte in Toulon ergab sich der Royal Navy kampflos.
    Dies zwang die Regierung zu drastischen Massnahmen.
    Zum Ende des Jahres ‚93 wurde Jean-bon Saint-André vom Wohlfahrtsausschuss nach Brest geschickt, um die Disziplin an Bord und in den Marinearsenalen wieder strikt durchzusetzen. Die Botschaft war klar: Null-Toleranz! Wer weiterhin die Disziplin untergräbt wird in Paris vor ein Revolutions-Tribunal gestellt und durch die Guillotine hingerichtet.
    Am 10.November des Jahres wurde auch ein härteres Marinestrafrecht eingeführt. Dies beendete den Versuch, Matrosen durch Matrosen bestrafen zu lassen.
    Sait-Andrés Methoden waren zwar umstritten, aber sie funktionierten.
    Als 1.Kosul verschärfte Napoleon das Marinestrafrecht erneut. Aber im Dekret dazu wies er daraufhin, das das neue Strafrecht zwar härter wäre, aber immer noch nicht so hart wie in anderen Marinen Europas.
    Das Marinestrafrecht vom 10.November 93 wurde in drei Kategorien eingeteilt:
    1. Disziplinar Vergehen einfacher Art. Diese wurden mit Einbehalt der Heuer für eine bestimmten Zeitraum und Auspeitschen geahndet.
    2. Die zweite Kategorie waren „afflictive“ (betrübende???) Taten. Diese wurden mit dem „cale“ oder mit Spiessrutenlaufen bestraft. Die cale ist die Bilge im französischen, die Straftäter wurde in Eisen gelegt. Meisst folgte zusätzlich die Degradierung zun Aspirant.
    3. Die Todesstrafe durch Erschiessen wurde bei Kapitalverbrechen (Mord, Vergewaltigung etc.), Verrat, Feigheit und Spionage verhängt. Weiterhin wurden so Vergehen wie „an Bord bringen von Brennstoffen oder Schiesspulver“, Anstiften von Meuterei und „dienen an Bord feindlicher Schiffe“ wurden mit dem Tod bestraft.
    Alle Strafen sollten so ausgeführt werden, das sie maximal abschreckend wirken sollten. Todesurteile durften nur von Kriegsgerichten an Land verhängt werden oder im Krieg per Standgericht.
    Bei jeder Strafverhängung wurde diese der gesamten Mannschaft vorgelesen und begründet. Danach durchgeführt.
    Bei Erschiessungen wurden alle Schiffe in der Nähe darüber informiert und mussten Teilnehmen. Den Delinquenten wurde immer in den Rücken geschossen.
    Die Androhung der Todesstrafe wurde zu einer taktischen Doktrine der französischen Marine. Offiziere die kapitulieren mussten immer damit rechnen, dafür zum Tode verurteilt zu werden. Ausser sie konnten nachweisen, das Ihr Schiff keine Munition mehr hatte, so schwer beschädigt war, das es drohte zu sinken oder zu nicht mehr manövrierbar war. In diesem Lichte betrachtet machen die Kämpfe einzelner Schiffe bis zu totalen zertörung (z.B. L’Orient u.a.) wieder Sinn. Daher macht die Theorie, das das Magazin selbst angezündet wurde durchaus Sinn.
    Jeder Offizier oder Seemann, der die Fahne oder ausdrücklichen Befehl des Kapitäns einholte wurde vor ein Kriegsgericht gestellt und musste mit der Erschiessung rechnen.


    Kriegsgefangene
    Um 1800 lebten 22.000 französische Kriegsgefangene der Revolutionskriege in England.
    Zwischen 1803 und 1814 fristeten ca 120.000 französische Kriegsgefangene ihr Dasein in England. Davon waren gut 2/3 von der französischen Marine.
    17.000 von Ihnen wurden gegen englische Kriegsgefangene ausgetauscht. Ca. 10.000 starben an Krankheiten und Verletzungen. Einige wenige konnten fliehen oder wurden wegen Krankheit oder Verkrüppelungen nach Hause geschickt.
    Einfache Seeleute und Maate wurden in Gefangenencamps in z.B. Porchester, Dartmoor, Plymouth, Perth festgehalten. Ein grosserteil der Seeleute waren auf Hulks in Chatham oder Portsmouth arretiert.
    Offiziere wurden im Inland in sogenannten Parole-Städten festgehalten. Hier lebten die Offiziere in einer gewissen Freiheit und zählten zu den lokalen „Berühmtheiten“ und konnten sich meisst frei in der Stadt bewegen. Abends bei einem bestimmten Signal (Glocke oder Kanonenschuss) wieder in ihren Quatier sein. Wurden sie dort nicht angetroffen wurden sie gesucht und ins Gefängnis gesteckt.
    Die Offiziere bekamen Geld von der englischen Regierung füer ihren Lebensunterhalt und bildeten häufiger „WG’s2 in gemieteten Häuser. In England wurden sie landläufig als „Söhne Mars’ und Neptuns“ genannt.
    Während der Revolutionskriege zahlte die französische Regierung noch einen kleine Geldbetrag pro Gefangenen an England, um Kleidung und Nahrung sicherzustellen. Mit Napoleon änderte sich dies und die Zahlungen wurden eingestellt.
    Innerhalb der Lager entwickelten sich eigene Wirtschaften, wo einige Gefangene als Händler auftraten. Kleinere Arbeiten (Basteleien, Nähereien etc…) wurden in die Gefängnisse gegen Lebensmittel und Tabak gegeben. Es wurden Lebensmittel angekauft und im Lager verkauft. Spielen war weit verbreitet.
    Der Ausstausch fand in kleineren Schiffen statt, die mit der Weissen Flaggen nach Frankreich fuhren und den Ausstauch vornahmen.


    Soweit meine Ausführungen zur französischen Marine.
    Ich freue mich auf eine weiterführende spannende Diskussion.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Respekt... das muss ich mir erstmal alles in Ruhe durchlesen, da habt Ihr Euch ja einige Gedanken gemacht und eine Menge an wissenswerten Fakten zusammengetragen! :)

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Wow, ich bin beeindruckt. Wirklich eine tolle Zusammenstellung. Man findet ja sonst wirklich nicht viel über die französische Marine dieser Zeit.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Das war der schwierige Part. Klar es gab zum einen die Osprey Quelle, aber dieses aus anderen Quellen zu verifizieren war schwer.


    viel Spass beim Lesen.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Das muß ich jetzt erstmal bei nem Glas Rotwein sacken lassen !
    Aga bei all dem gewitzel, gefrotzel, den lockeren Sprüchen, kurzpostings und was weiß ich noch, ist DAS (auch wenn es eigentlich 4 sind) IMHO das POSTING DES MONATS !

    "We all came from the sea and it is an interesting biological fact that all of us have in our veins the exact same percentage of salt in our blood that exists in the ocean, and, therefore, we have salt in our blood, in our sweat, in our tears. We are tied to the ocean. And when we go back to the sea - whether it is to sail or to watch it - we are going back from whence we came."

    John F. Kennedy

  • Zitat von "Jethro Tyrell"

    Aga bei all dem gewitzel, gefrotzel, den lockeren Sprüchen, kurzpostings und was weiß ich noch, ist DAS (auch wenn es eigentlich 4 sind) IMHO das POSTING DES MONATS !


    Dabei habe ich das nur aus den tiefen meiner HDD gehoben.
    War schonmal im Bolitho zu lesen...


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • @Aga


    Hat jemand Informationen bezüglich der Flottenstärke und Anzahl der Seeleute der französischen Marine der vorrevolutionären Zeit, also um 1780?

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • @Richard Howe
    Habe mal ein bisschen gesucht.
    Hier gibt esmehrere interressante Dinge zu lesen:

    • eine Karte wo alles auf See gekämpft wurde im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und
    • Eine Grafik zur Flottenstärke der Engländer und Franzosen
    • Eine Aufstellung der Kosten des Unabhängigkeitskrieges.

    Hoffe das hilft.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Leider habe ich heute keine Zeit es genau durch zu lesen. Aber Chapeau, und dank. Grossartig.

    Der Jäger kam heim von der Jagd.
    Und der Seemann kam heim von der See.

  • Klasse Artikel.
    Zum Schiffbau und zur Seemannschaft selber gibt es mit "The seventyfour gun ship" von Boudriot auch ein hervorragendes Werk.

    Gruß Christian


    In der Werft: Papegojan, 1/72 von Shipyard
    "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."