Famine Ship Dunbrody, Irland

  • Im alten Tiefwasserhafen von New Ross im County Wexford liegt die 3Mast Bark Dunbrody vertäut. Das Schiff wurde 2001 durch den Kennedy Trust nach alten Plänen der Dunbrody neu gebaut und als Museumsschiff eröffnet.
    Das Museum thematisiert die erste grosse Auswandererwelle aus Irland in Folge der grossen Hungersnot in den 1840ern.
    Im Empfangsgebäude vor dem Museum ist neben der Kasse und den sonst üblichen Einrichtungen (Cafe, WC & Souvenirshop) eine Multimediapresentation zu den historischen Hintergründen installiert.
    Auf das Schiff kommt man nur mit einer Führung zu max 20 Personen, die alle 30 Minuten starten. Dies hat den Vorteil, das man sich nicht so auf die Füsse tritt. Der Eintritt ist mit gut 15,-- €uronen (Stand Juli 2004) landestypisch. Viele Museen und Historicsites verteilen untereinander Voucher, wodurch man echt Geld sparen kann (Unser Voucher ermöglichte 50% Rabatt).
    Nachdem man sich in der Multimediashow über die Zeit informiert hat, geht es aufs Schiff.
    Ein kurzer aber informativer Rundgang über Deck.
    Anschliessend besucht man die Offiziers- und 1.Klassepassagierkabinen, bevor es in die Unterkünfte der zweite Klasse Passagieren geht.
    Hier treten zwei Schauspieler auf, die einmal eine Reise und das weitere Schicksal aus Sicht einer 1.Klasse Passagierin beschrieb und zum zweiten aus der Sicht einer armen Landpächterfamilie.
    Dies empfand ich als sehr gut gemacht und hat dem Schiff den „trockenen“ Beigeschmack sonstiger Museen genommen.
    Anschliessend hatte man noch Zeit sich alleine auf dem Schiff zu informieren über den Bau der neue Dunbrody, wie auch an einem Rechner eine Recherche zu eventuellen Vorfahren aus Irland anzustellen.
    Unter http://www.dunbrody.com findet Ihr die HP des Museums
    Informationen zum Schiff:


    Die Dunbrody 1845 durch Thomas Hamilton Oliver in Quebec gebaut. Die Dunbrody ist als dreimastbark getakelt mit einer Länge von 36,6m zwischen den Loten (53,7m über alles), bei 458 to Verdrängung. Ihre Segelfläche beträgt ca 940m².
    Ihr erster Kapitän John Baldwin überwachte bereits den Bau in der Werft (Bauzeit unter 6 Monaten) und fuhr bis 1848 als Ihr Kapitän. Die Dunbrody war im Auftrage der Graves Familie aus New Ross gebaut worden um mit sieben anderen Schiffen Fracht zwischen Europa und Nordamerika zu transportieren.
    Sie transportiert hauptsächlich Holz aus Canada, Baumwolle aus den Südstaaten sowie Guano aus Südamerika. Auf dem Rückweg in die neue Welt vorallendingen Auswanderer.
    Das Schiff verfügte über Passagierkabinen, die fast immer belegt waren.
    Die Auswanderer wurden im Hauptfrachtraum transportiert. Normalerweise ca 176 Menschen, während der schlimmsten Hungersnot 1847 waren es aber 313 Menschen.
    Die meissten auswanderer waren Pächter Lord Fitzwilliam’s Besitzungen im County Wicklow und des Viscount Vesci aus Portlaoise.
    Die 1.Klassepassagiere zahlten zwischen 5 und 8 Pfund, während die Frachtraumpassagiere 3 Pfund, 15 Schilling und 4 Pfund. Der Fahrtpreis für die Frachtraumpassagiere entsprach dem zweifachen Monatslohn einer typischen Pächterfamilie. Während der Hungersnot war diese Einkommen aber kaum gesichert.
    Die Reederei sorgte für Verpflegung und Trinkwasser während der Reise (6-8 Wochen).
    Die Kabinenpassagiere wurden bekocht, während die anderen Passagiere für die Essensbereitung eine ½ Stunde Zeit bekamen. Gekocht wurde an Deck in Feuerkörben. Die Zeit reichte meisst nicht aus, um das Essen (fast nur Kartoffeln)gar zu bekommen. Diese führte zu grossen gesundheitlichen Problemen (neben schlechter hygienischer Verhältnisse, der Enge u.a.).
    Im Frühjahr 1847 warteten vor der Quarantäne Station in Grosse Île am St.Lawrence Strom über 40 Schiffe, alleine 1100 Kranke wurden auf Grosse Île versorgt.
    Der Kapitän schrieb an seinen Reeder: "the Dunbrody was detained in quarantine for five days because there were too many ships queuing in the St. Lawrence River. Doctor Douglas is nearly singled-handed….everyday, dozens of corpses are thrown overboard from many ships….I have heard that some of them have no fresh water left and the passengers and crew have to drink the water from the river. God help them!"
    Die Dunbrody galt als glückliches Schiff, da es kaum zu Todesfällen an Bord kam. Heute kann man sagen dies vorallendingen auf die humane Art Ihrer Kapitäne Baldwin und seinen Nachfolger John W. Williams zurückzuführen ist.
    Dies ist durch verschiedene erhaltene Dankesbriefe von Emigranten belegt.
    1869 verkaufte die Graves Familie das Schiff an eine Reederei in England. 1874 auf einer reise von Quebec nach Cardiff wollte der Kapitän nicht auf einen Lotsen für den St.Lawrence warten und setzte sie auf Grund. Sie wurde gehoben, rpariert und weiterverkauft um dann 1875 in einem Sturm mit einer Ladung Holz für Liverpool an den Stränden Labradors zu stranden. Da über diesen Unfall keine Unterlagen erhalten sind, geht man davon aus, das der Rumpf durch die Holzladung bei der Strandung zerstört wurde.


    Mitter der 1990er begann in der Kennedy Stiftung der Gedanke zu reifen, ein Auswanderer Schiff nachzubauen.
    Da man einen kompletten Zeichnungsatz der Original Dunbrody hatte, entschied man sich dieses zu bauen.
    Am 11.Februar 2001 fand dann die Kiellegung der neuen Dunbrody durch die Kennedy Stiftung statt. Neben Irischen Schiffsbauern waren auch mehrere Deutsche Zimmerleute auf der Walz am Bau beteiligt.
    Anfangs plante man noch mit dem Schiffauch Reisen zu unternehmen, ist aber davon abgerückt und hat das Schiff nun fest an der Pier verankert.
    Durch die Traditionelle Bauweise hat das Schiff mittlerweile den typischen Geruch eines Holzschiffes angenommen.


    Hier die Adresse:
    Carmel Delaney,
    JFK Trust,
    Park House,
    New Ross,
    Co. Wexford,
    Ireland.


    Fotos folgen demnächst.
    Wenn man in der Ecke ist, sollte man sich das Schiff mal ansehen. Es lohnt sich. :doppeltop:


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Auf die schnelle 6 Bilder:


    2 Ansichten des Schiffes



    2 der Guides auf dem Schiff, die Erste stellt eine der "normalen" Auswanderer dar. Die Zweite eine 1.Klasse Passagierin.



    Die 1.Klasse Kabine


    Ansicht der normalen Auswanderer Pritschen.





    Aga