Turner-Reihe Band 7 - Indianersommer - Wild Bull Turner im Wechselbad der Gefühle

  • Es schwang eine ganz schöne Portion Wehmut mit, als ich mir Quincys letzten Roman zum Lesen vornahm. Doch dann war ganz rasch das alte Quincy-Feeling wieder da und ich tauchte in seine Welt ein. Um es gleich vorweg zu sagen, meiner Meinung nach hat unser Master hier zu alter Form zurückgefunden, nachdem er sich mit dem 6. Band doch etwas schwer getan hatte. Aber das war halt der Großstadt-Dschungel von New York und somit ganz und gar nicht sein Revier.
    Die große Stadt liegt nun hinter ihm und prompt gerät Wild Bull Turner in ein neues Abenteuer, diesmal an der Atlantikküste Kanadas und im Gebiet des Sankt-Lorenz-Stroms. Yankee-Freibeuter und mit ihnen verbündete Indianer haben die Stadt Lunenburg überfallen. Turners Ville de Rouen kann ihnen zwar einen Strich durch die Rechnung machen, aber ein Reihe Frauen und Kinder geraten in die Hände der Indianer und werden von ihnen die die unendlichen Wälder Kanadas entführt. Und natürlich eilt William Turner sein Ruf voraus, so dass ihn der kommandierende Admiral in Halifax auf eine Rettungsmission schickt.
    Ein letztes Mal erzählt uns Quincy eine spannende Geschichte und schüttet ganz nebenbei ein Füllhorn an Wissen über uns aus. Die Seefahrt war ja ohnehin sein Metier, aber auch was er über die in der Handlung vorkommenden Indianer schreibt, hat Hand und Fuß. Ich weiß, dass er da eine Menge Arbeit investiert hat, einen ganz kleinen Teil durfte ich auch beitragen, doch vor allem haben wir das Thema sehr ausführlich diskutiert. Er hatte seine Story schon im Kopf, doch es war ihm auch wichtig, dass sie plausibel erschien und einer eventuellen fachlichen Überprüfung standhielt.
    Die letzten ca. 1 1/2 Kapitel stammen nicht mehr aus seiner Feder. Ich finde, der Verlag hat seine Sache sehr gut gemacht. Wäre Quincy noch die Zeit geblieben, sein Garn zu Ende zu spinnen, dann hätte es mit Sicherheit noch ein paar Kapitel mehr gegeben, weil die Handlung viel ausführlicher, dramatischer und mit seinem ganz eigenen Humor fortgeführt worden wäre, doch im großen Ganzen entspricht das Ende dem, was er sich vorgestellt und mir auch angedeutet hatte. Dafür gebühren Herrn Kuebler und allen Beteiligten ein großes Lob und unser aller Anerkennung. So endet die Geschichte von Wild Bull Turner auf würdige Art und Weise. Danke.
    Und danke Dir, mein lieber Master, für viele Stunden spannender Leseunterhaltung, die uns in eine ferne, längst vergessene Welt zurückführte, die uns allen doch so nah ist und die für uns durch Dich lebendig wurde. Vielen Dank auch für die vielen Gelegenheiten, bei denen sich die Spannung in ein Kichern entludt, weil bei Dir auch der Humor niemals zu kurz kam.


    Von mir bekommt dieser Roman fünf von fünf Sternen. :5*:

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Es ist halt, wie gesagt, ein typischer Quincy. Man bekommt Spannung, Witz und Belehrung für sein Geld.
    Ein Wort noch zum 6. Kapitel, das den Handlungsfluss ja unterbricht. Ich glaube, hier hat Quincy schonmal angedeutet, welche Konflikte im Zusammenleben in London auf Turner und Lady Jane warten.
    Und ein alter Bekannter wird auch schonmal in Stellung gebracht.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Ich mache mich jetzt mal unbeliebt: Für mich war das Buch eine Qual.
    Ich kam nicht in die Geschichte rein. hatte keinen Spass es zu lesen.
    Die Geschichte hat mich kein bisschen einfangen können.
    schade.
    Ich hatte auch öfters das Gefühl hier keinen Kapitän unserer Zeit sondern Seeleute von heute zu hören.


    Das Kübler mit keinem Wort erwähnte das Quincy gestorben ist und das Buch posthum veröffentlicht wurde finde ich auch sehr schade und traurig.


    insgesamt gebei ch daher :3*: , wäre es kein Quincy wären es sogar nur 2.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Ich bin auch gerade eben (noch) durch den Band sieben durchgekommen. Ich schließe mich Aga mit der Beurteilung an. Sehr schade, das was der Vetrlag aus dem Entwurf gemacht hat, hat Quincy nicht verdient.


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Sorry, da muss ich widersprechen. Es ist wichtig, zu bedenken, dass es sich hier um keinen fertigen Roman handelt, auch wenn der Eindruck erweckt wird..
    Der Verlag hätte darauf hinweisen sollen, auch was von Quincy selbst stammt und was nicht, so wie es auf der HP geschehen ist.
    Aber immerhin hat man sich sehr viel Mühe gegeben, den Roman in Quincys Sinne abzuschließen. Das ist so auf jeden Fall um Klassen besser als 21 von POB,
    wo man lieber auf eine Veröffentlichung verzichtet haben sollte.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Das stimmt zwar @Speedy, aber wie gesagt. Wir wissen das, Ottonormalleser aber nicht.
    Man merkt an allen Ecken das der Indianersommer nicht fertig war...
    Unabhängig davon war mir der Band zu indianer- und landlastig. Das mag ich nicht.
    Insofern bleibe ich bei meiner Beurteilung.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Und bei mir ist es so, dass ich gerade die Indianerlastigkeit mochte. Quincy hat sich dabei außerdem eines sehr wichtigen und interessanten Stammes (den Micmac) angenommen, der ansonsten in Romanen keine Rolle spielt. Aber das ist halt Gerschmackssache. Dafür bin ich kein all zu großer Fan davon, dass Stephen Maturin durch dier Anden stapft.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Der Verlag hat sich hier sicher nicht mit Ruhm bekleckert. Lebenswert ist natürlich, dass er überhaupt veröffentlich wurde. Aber die fehlenden Hinweise was "Original" und was hinzugefügt wurde, der fehlende Nachruf und die Erwähnung des quasi Unfertigen geht eigentlich gar nicht. Wobei ein solcher Hinweis bei 90 % der Kunden wahrscheinlich kaum förderlich gewesen wäre.


    Die Geschichte selbst ... naja, da schwanke ich zwischen Speedy und Aga. Ohne die netten Zitate und die Forumsbezüge wäre sie nicht sonderlich interessant.

  • Ahoi allerseits,


    ich bin jetzt auch durch. Mein Fazit in der Kurzfassung: Na ja.
    Gern schreibe ich aber etwas mehr:
    Quincy erzählt wieder gewohnt bildgewaltig; im Adjektivkaufhaus waren offenbar wieder Angebotswochen, und der Master hat seinen Einkaufswagen bis zum Rand gefüllt. Das nötigt einem immer wieder Respekt ab.
    Leider kann aber auch Band 7 nicht an die Lockerheit und Leichtigkeit der ersten Bände anknüpfen. Was schon in Band 5 und 6 auffällig war setzt sich hier fort: Von vielem oftmals eine kleine bis mittlere Dosis "to much". Da bemühen sich nahezu alle Protagonisten um den gleichen gallig-witzigen Ton; jede und jeder parliert endlos über geschichtliche Zusammenhänge und dazu dann noch eine Flut von Fußnoten, die ich auch nicht immer passend fand (am wenigsten die mit Bezug zu aktuellen politischen Themen).
    Beim Showdown habe ich es irgendwann aufgegeben, herauszufinden, wer jetzt mit wieviel Leuten aus welcher Richtung wohin und warum gerannt ist - da war ich dann nur noch froh, als es vorbei war.
    Witzig fand ich, wie wieder einmal ein Teil der hiesigen Bo(a)rdcrew in die Handlung eingebunden wurde.
    Was mich äußerst traurig stimmt, ist die Tatsache, dass die tolle Idee, einen Verbindungsstrang zu den Husarenbrüdern zu knüpfen, nun nicht mehr weitergesponnen werden kann.
    Dass jeglicher Hinweis auf das Ableben unseres Masters fehlt, wurde ja bereits völlig zu Recht kritisiert.

  • Beim Showdown habe ich es irgendwann aufgegeben, herauszufinden, wer jetzt mit wieviel Leuten aus welcher Richtung wohin und warum gerannt ist - da war ich dann nur noch froh, als es vorbei war.

    Der Showdown ist ja nun nicht mehr vom Master selbst geschrieben worden. Das sollte man bei den letzten Kapiteln im Hinterkopf haben.
    Allerdings finde ich schon, das der Abschluss doch einigermaßen vernünftig geworden ist, was ich eindeutig besser finde als das abrupte Ende bei POB´s 21.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)