HMS Mercury - Fregatte der Enterprize-Klasse; Shipyard-Kartonmodell, 1:72

  • Aye, Bonden!


    Das macht sich richtig gut!!!!!


    Schönen Dank fürs Zeigen. Ich denke, daß ich beim nächsten Schiff die Technik auch so anwenden werde.

    Cheers!


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Schnippschnapp das Stag is' ab...

    Manmanman hier ist immer was los, wie ein geschätzter Polizist aus der Eifel immer so sagen würde.

    Was wäre der Baubericht ohne regelmässige Rückbauten.

    Schön zu sehen.

    Wann kommt das Bonden-Segel?


    aga

    Gentlemen, when the enemy is committed to a mistake, we must not interrupt him too soon.

    Adm. Horatio Nelson

  • Hallo Bonden,


    das machst Du prima! Ich bin ganz begeistert, wie Du es schaffst die Stagsegel anzubringen und sie dann auch noch geborgen darzustellen! Die Herstellung der Stagreiter muss ich mir an der von Dir benannten Stelle noch ansehehn.


    Viele Grüße

    Fritz

  • Was heute in der Werft passiert ist:

    Auch die Schoten des Kreuzstengestagsegels wurden durch Leitkauschen, die binnenbords an die Wanten - hier des Besan - gesetzt werden, geführt und dann an den Nagelbänken an der Bordwand belegt.

    Dann habe ich noch etwas längst überfällige Kosmetik betrieben: Es gibt noch etliche Taue, die zwar schon fixiert, aber noch nicht ordentlich vertäut (bzw. die überstehenden Enden abgeschnitten) sind. Hier arbeitete ich mich vom Bug zum Heck und weiß am Ende, dass die Taue, die jetzt noch lang und lose herumhängen, später für das laufende Gut benötigt werden.

    Es geht schon bald weiter mit dem Auftakeln, und meine Mercury darf schon mal von Fahrten rund um die Welt träumen...


  • wenn ich unsere beiden Schiffe vergleiche fällt mir ein Wort von Saint Exupéry ein, daß er allerdings damals auf Flugzeuge bezog als er neben den mit zwei Flächen und zig Spanndrähten ausgestatteten ein Junkers Ganzmetallflugzeug stehen sah : eine Maschine in Vollendung wird unauffällig.


    So oder ähnlich kann man das auch sagen, wenn man Schiffe der nelsonschen Aera neben denen der Tudorzeit sieht. Perfekte Eleganz neben verspielter Selbstdarstellung.

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Danke für die netten Kommentare und die Likes. :sun:


    Gestern und heute habe ich mich um das nächste Stagsegel gekümmert, das Großstengestagsegel. Ich möchte heute einmal etwas genauer zeigen, wie ich dieses Segel vorbereite und anbringe.

    Zuerst einmal bin ich der Meinung, dass das Bausatzsegel etwas zu groß ist. Bei einer Zusammenknorkel- und Ranhalteprobe sehe ich, dass das Schotende des Segels ein ganzes Stück an Deck zu liegen käme, was mir nicht richtig erscheint, auch nicht nach mehreren Blicken in die Bücher und auf Bilder anderer Modelle. Und es wird auch immer wieder empfohlen, speziell bei größeren Segeln, diesen etwas Volumen zu nehmen, wenn man sie in geborgenem Zustand darstellen möchte. Das habe ich übrigens beim Kreuzstengestagsegel auch schon gemacht.

    Am Ende dieses Abschnittes wird man sehen, dass ich mit dieser Entscheidung keinesfalls verkehrt liege.

    Hier also mein verkleinertes Segel. Man sieht, dass ich das Schothorn und das Halshorn bereits befertigt habe.


    Das Liektau habe ich aus 3 x0,25 mm Takelgarn Amati hell geschlagen. Ich ziehe es Seite für Seite durch Ponal Express und klebe es dann ganz dicht am Rand auf die Vorderseite des Segels. Das mache ich nur bei den Segeln, die ich im geborgenen Zustand anbringe; bei allen Segeln, die gesetzt oder nur aufgegeit gezeigt werden, wird das Verfahren ein anderes sein.

    Die Hörner - also die kleinen Tauschlaufen an den Ecken - binde ich einfach mit dünnem Takelgarn ab. Später nähe ich aber an jeder Ecke noch das Liektau am Segel fest; schließlich sind die Hörner später auch gewissen Zugkräften ausgesetzt.

      


    Als nächstes kommen die Stagreiter dran. Das waren damals entweder über Dampf gebogene Ringe aus zähem Holz oder später metallene Ringe, die im Prinzip wie der griechische Buchstabe Omega aussahen. Beide wurden nicht direkt in das Segel gesteckt, sondern quer zum Anschlagliek an das Segel gebändselt. Ich entscheide mich für das in diesem Maßstab gut Machbare und fertige die hölzerne Version - allerdings aus Draht. (Wer ein Holzschiff aus Papier baut, darf auch sowas. :D)

    Dazu wickele ich einfach Draht um einen Zahnstocher, ziehe diesen da raus und knote auf den Kreuzungspunkt ein Stück Garn. Und erst jetzt schneide ich die Drahtenden ab. Beim ersten Stagsegel habe ich die Teile gleich abgeschnitten und dann versucht, das Tau anzubringen. Da kommt dann wieder die fiese Intelligenz toter Materie zum Vorschein: Wie oft mir die kleinen Mistdinger vom Finger gehopst sind, wollt ihr gar nicht wissen...



    Jetzt stecke ich die beiden Garnenden jeweils von einer Seite, aber exakt durch das selbe Loch, durch den Stoff, etwas unterhalb des Liektaus.

    Dann ziehe das alles so hin, dass der Stagreiter auf der Oberkante sitzt. Jetzt einen Knoten auf der einen und einen Doppelknoten auf der anderen Seite - siehe die Fotos - Enden kappen und fertig.


  • Am Ende sitzen alle Stagreiter in der richtigen Richtung am Segel. Dieser Arbeitsschritt hat deutlich weniger als eine Stunde gedauert. Später werden dann die Reiter noch schwarz gepönt; da ich nur lackierten Kupferdraht habe, lässt sich der nicht brünieren, und ein vorheriges Pinseln hat keinen Zweck, da am Ende das meiste der Farbe doch wieder ab ist.


    Dann habe ich mir erst einmal eine Kaffeepause verdient, und auch das Schiffchen darf mit raus auf die Terrasse.


    Nun wird das Segel mit allen nötigen Tauen versehen. Links oben haben wir das Fall und den Niederholer, links unten die Schoten, rechts unten die Halstaue. Nur das Tau rechts oben fehlt noch, das kommt später dran. Damit wird dann das Segel am Stag befestigt.

    Jetzt fädele ich das Tuch auf ein Hilfsstag und bringe wieder meine kleine Hilfskonstruktion zum Einsatz. Mit dem Niederholer packe ich das Segel vorschriftsmäßig ein.



    So, und zur Freude aller hier wieder ein Bild mit einem gekappten Tau. Dieses Segel kommt ebenfalls auf ein Stag, welches bereits angebracht ist, und ich entscheide auch hier, dass es leichter ist, ein neues Stag zu fertigen, als mir eine komplizierte Methode auszudenken, das Segel auf das vorhandene Stag zu bekommen.


    Da das neue Stag bereits vorbereitet war, ging es dann sehr schnell, dieses anzubringen. Großes Auge mit Stagmaus um den Stengetop des Großmastes, dann mein vorbereitetes Stagsegel drauffädeln, das Stag durch die Kausche im Leitkragen am Fockmast gefädelt und dann an das Ende, dicht über dem Deck, einen Violinblock eingebunden.


    Mittels des Blockes, der an Deck eingehakt ist, sowie einem Taljereep wird dann das Stag steifgesetzt.


    Jetzt wird das Segel schon mal in Positur geschoben; alles andere folgt dann am kommenden Tag.


    Dieser kommende Werfttag ist heute und bereits Geschichte - gleich geht es deshalb hier weiter mit der Berichterstattung.

  • Weiter geht's. Ja, heute passierte am Schiffchen erstmal folgendes:


    Nichts.


    Weil, es gab anderes zu tun, zum Beispiel nachdenken, Schrage lesen, Schiffchen angucken, nachdenken, Entscheidung treffen.

    Was dann folgte, wurde nicht fotografiert, sorry. War aber nicht weiter schlimm, und es war auch kein (!!!) Abriss.

    Es ging lediglich einen Schritt zurück.

    Was ist passiert? Aaaalso: Der Niederholer, also das Tau, welches am Fallhorn durch mehrere Stagleiter geführt wird und dazu dient, das Segel wieder herunter zu lassen, muss noch durch einen am Segelstag befestigten Leitblock laufen. Ist logisch und auch bekannt - gleichwohl habe ich das dummerweise nicht berücksichtigt. Die Lösung sah dann wie folgt aus - und ich hoffe, ich kann es jetzt so verständlich formulieren, dass selbst der, der meinen jetzt folgenden Ausführungen geduldig bis zum Schluss folgt, hinterher verstanden hat, was ich sagen wollte. :D

    Mit dem Niederholer hatte ich das Segel eingepackt. Ich löste jetzt nur den finalen Halbstek, zog an dem Tau und schon war das Segel ausgepackt, also alles so, wie es sein musste. Gut war, dass das Segel, welches ja schon einen halben Tag in dieses enge Korsett geschnürt war, gar nicht registrierte, dass es die Freiheit zurück hatte - zumal kein Wind wehte... Also blieb es relativ fest zusammengeknorkelt.

    Ich hatte vorher schon einen Einfachblock eingebunden, also ein Tau drumgelegt, festgebunden und die beiden Enden frei baumeln lassen. Jetzt schob ich das freie Ende des Niederholers da drüber und ermittelte die Position am Niederholer, an dem der Block sein musste, wenn das Segel wieder ordentlich eingepackt seine endgültige Parkposition erreicht hatte. Und genau da machte ich einen Knoten in das Tau, über den der Leitblock unmöglich rutschen konnte. Nun konnte ich das Segel wieder einpacken. Diesmal tat ich das mit deutlich weniger "Umarmungen" - was ich da im ersten Durchgang produziert hatte, war bei nochmaligem Betrachten doch ein wenig zu viel des Guten.

    Erst jetzt platzierte ich die beiden freien Enden des eingebundenen Leitblocks beidseitig um das Segelstag und zog sie mit einem Knoten fest. Zusätzlich habe ich vorher noch das Tau für das Nockhorn (oben rechts am Segel, ihr erinnert euch, da fehlte noch eins) angebracht und das ebenfalls um das Stag gelegt und befestigt. Verleimen, Enden kappen - und das Segel sitzt so, wie es soll.

    Bis hierher alles klar soweit?:pf:


    Jetzt kommen wieder Bilder. Weiter vorn habe ich ja gezeigt, was mit den Hälsern, also den Tauen am vorderen unteren Horn des Segels, passiert. Diese werden jeweils durch binnenbords an den Wanten angebrachten Leitkauschen zu ebenfalls binnenbords weiter unten an den Wanten angebrachten Klampen geführt und dort belegt. Nun, so eine Kausche ist ja schnell eingebunden und dann auch relativ problemlos am Wanttau befestigt.


    Ich ziehe das Halstau vor dem Anbringen am Want durch die Kausche, das erleichtert die Arbeit ungemein. Nun zu den Wantklampen. In dem Ätzsatz von dafi sind ja auch Klampen - was ein Glück auch. Diese bereite ich wie folgt vor: Ich nehme dünnes schwarzes Garn und binde dies mit einem halben Knoten an die zwei Stege, die der Festmacherei dienen. Erst dann schneide ich die Klampe von ihrem Steg.


    Jetzt kommt der fitzelige Teil: Man sieht, wie groß (oder besser klein) so ein Teil ist - ein Quadrat auf der Schneidematte hat eine Kantenlänge von 1 cm. Jetzt also die beiden Tauenden des ersten Stegs von binnenbord aus links und rechts am Wanttau vorbei führen, einen halben Knoten schlagen und vorm Festziehen versuchen, zum einen etwas Ponal Turbo an die Rückseite des Wanttaus zu bekommen und zum anderen dann den Knoten so zuziehen, dass die schmale Kante der Klampe genau auf das Tau trifft und dort der Leim für einen gewissen Halt sorgt. Anschließend dann genauso vorsichtig das zweite Garnpaar festziehen.

    Mit etwas Übung schafft man das irgendwann ganz locker.


    Nun noch die Halstaue dort entsprechend belegen und fixieren.

    Das freie Ende des Niederholers belege ich an einem Nagel der Fockmastbeting; die Schoten werden auf dem Querholm der Beting befestigt. (Später werde ich noch sog. Puppen bauen, also Taurollen, die die aufgeschossenen Taue zeigen.)


    Würde das Segel gesetzt werden, wäre es für die Mannschaft ein Leichtes, die beiden mit Haken versehenen Leitblöcke in die vorgesehenen Augbolzen an Deck, in Relingnähe in Höhe des Großmastes, einzuhaken und die Schot entsprechend zu belegen.

    Fehlt nur noch das Fall. Das führe ich durch meine neuen Scheibenklampen am Top der Großmaststenge und von dort wieder runter an Deck. (Zu den Scheibenklampen später mehr)


    Und schon ist es soweit - das Segel ist genau da, wo es hin soll, alles dazugehörige Tauwerk ist ordentlich vertäut und ich habe schon drei von sieben geplanten Stagsegeln angebaut.

    Läuft! :D


  • Aye, Bonden,

    Da hast Du uns eine „lehrbuchhafte“ Beschreibung Deiner Arbeit gegeben. Sehr gut, natürlich auch die Ergebnisse. Vielen Dank dafür.


    Cheers!

    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Angarvater Danke, mein Bester! Ich hab ja bei solchen Beiträgen immer Sorge, dass es zu belehrend rüberkommt, und das will ich ja gar nicht, aber ich möchte eben gern zeigen, dass das, was wir hier machen, keine Zauberei oder so ist, sondern im Prinzip von allen Menschen, die nicht total mit einer gestörten Feinmotorik gestraft sind, geschafft werden kann, so sie denn Lust darauf haben. ;)

  • Hallo Bonden

    Vielen Dank für diese Schritt-für-Schritt Anleitungen! Da kann sich der ambitionierte Segelschiffe-Bauer einiges mitnehmen!
    Und das Ergebnis überzeugt in höchstem Masse. Allererste Sahne!

    Beste Grüsse
    Peter

  • Angarvater Danke, mein Bester! Ich hab ja bei solchen Beiträgen immer Sorge, dass es zu belehrend rüberkommt, und das will ich ja gar nicht, aber ich möchte eben gern zeigen, dass das, was wir hier machen, keine Zauberei oder so ist, sondern im Prinzip von allen Menschen, die nicht total mit einer gestörten Feinmotorik gestraft sind, geschafft werden kann, so sie denn Lust darauf haben. ;)

    Geht mir genauso. Meistens denke ich, daß ich mit Detaildarstellungen der Arbeitstechniken und Verfahrensweisen die anderen langweile. Aber vielleicht ist das auch unsinnig.


    Best regards


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Ahoi allerseits,


    hier mal wieder ein kleines Update. Ein weiteres Stagsegel hat seinen Platz gefunden, es ist das Großbram-Stagsegel. Dieses wird an einem eigenen Stag gefahren, direkt unterhalb des Großbramstages. Da es aber eben an diesem Großbramstag direkt befestigt ist, hatte ich es bereits angebaut und musste so mal wieder... Ihr kennt das. War aber diesmal sehr leicht, denn glücklicherweise konnte ich das andere Ende im Mars des Fockmastes komplett so lösen, dass ich es hinterher wieder befestigen konnte, so dass ich kein neues Stag bauen musste.


    Die Vorbereitung und das anschließende Anbringen des Stagsegels ging im Prinzip genauso vonstatten wie bei den beiden Segeln zuvor.


    Als nächstes kommt das Mittelstagsegel dran, das muss ebenfalls an ein eigenes (noch anzubringendes) Stag und kommt unterhalb des heute angebrachten Segels.

  • Um aus einer anderen Welt zu zitieren: Faszinierend, Käptn!


    Das gefällt mir sehr gut, was Du da machst. Art und Weise werden für spätere eigne Verwendung gnadenlos kopiert.


    Best regards


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Ahoi allerseits,


    danke für die Likes und für deinen netten Kommentar, Angarvater . Nun also das Mittelstagsegel. Dass es an einem eigenen, noch nicht angebrachten Stag gefahren wird, bringt euch um eine weitere Abrissaktion, macht es mir aber ein kleines wenig leichter.

    Das Stag wird an einem losen Stagkragen befestigt. Lose heißt, dass er sich an der Fockmarsstenge auf und ab bewegen lässt - was er auch tut, wie man den beiden Bildern im direkten Vergleich entnehmen kann.


    Das bedeutet aber auch, dass zusätzlich zu den Tauen, die an das Segel müssen, noch ein weiteres Tau, der Aufholer, an diesem Stagkragen angebracht werden muss. Das lose Ende läuft erst zu einem Block, der an der Bramsaling befestigt wird, und wird dann durch das Soldatenloch hinunter zum Deck geführt, wo es an der vorderen Nagelbank des Fockmastes belegt wird.

    Das Segel habe ich wieder etwas verkleinert, bevor ich es mit Liektau, Hörnern und Stagreitern versehen habe.


    Die Vorgehensweise beim Anbringen war dann wie folgt: Das Segel habe ich zuerst wieder in meiner Hilfskonstruktion vorschriftsmäßig mit dem Niederholer eingebunden. Nun wurde das eine Ende des Stages an der Kausche des bereits gezeigten Stagkragens befestigt. Das andere Ende fädele ich durch die Stagreiter des vorbereiteten Segels und führe es anschließend durch eine Öffnung der backbordseitigen Scheibenklampe am Top der Großmarsstenge. Jetzt kann ich an der richtigen Stelle einen Doppelblock an das Ende setzen und mit einem auf der Großmars in einen Augbolzen eingehängten Einfachblock und einem Taljereep eine Anholtalje bauen. Das lose Ende der Talje läuft durch das Soldatenloch und wird dann an der Beting des Großmastes belegt.

    Nun noch die Taue am Segel:

    Das Fall läuft durch eine Öffnung der steuerbordseitigen Scheibenklampe und wird dann an einer Wantklampe am hinteren Want des Großmastes belegt.

    Der Niederholer läuft durch das Soldatenloch und findet seinen Festmachpunkt ebenfalls an der vorderen Fockbeting.

    Die beiden Hälse werden beidseitig durch binnenbords angebrachte Leitkauschen geführt und dann an den Marswantjungfern belegt.

    Mit den Schoten sichere ich das eingepackte Segel zusätzlich und binde diese am Stagkragen des Großmarsstags fest.

    Und so schaut es dann am Ende aus:


    Die Entscheidung, die Schoten so und nicht anders zu behandeln, habe ich mal nicht aus einem der vielen Bücher - da habe ich nirgends was gefunden, was speziell mit diesen Tauen im geborgenen Zustand geschieht. Ich habe mich in die Situation des Segelmeisters der Mercury versetzt und mir folgendes überlegt - und das gilt für alle Schoten der bisher angebrachten und samt und sämtlich geborgenen Segel:

    Sind die Stagsegel gesetzt, ist die Führung der Schoten klar definiert. Sie ist von Segel zu Segel unterschiedlich, aber eins eint sie alle: Würde man sie im geborgenen Zustand da lassen, wo sie im gesetzten Zustand sind, baumelten sie sinnlos umher, bildeten zusätzliche Stolperfallen und würden speziell im Gefechtsfall, wo man einfach nur Platz und bestmögliche Sicht braucht, nur im Weg. Um das am Beispiel des eben angebrachten Mittelstagsegels zu erläutern: Die Schoten gehen hier beiderseitig der Stage an Deck, wo man sie an beiden Seiten querab vom Großmast durch Fußblöcke am Setzweger scherte. Die holenden Enden wurden dann an Belegnägeln im hinteren Bootsbalken oder wo sonst Platz war belegt. So, und so ähnlich werden auch die Schoten der anderen Stagsegel geführt, was bedeutet, dass da auf dem Achterdeck ganz schön viel Blöcke und Taljen und so zusätzlich wäre. Dazu kommt, dass die Stagsegel (von den Vorsegeln ausdrücklich abgesehen) während eines Gefechtes wohl so gut wie nie gesetzt wurden - da hatte man ganz andere Probleme.

    Da ich bekanntermaßen meine Mercury in einem Diorama zeigen werde, in einer Szene kurz vor einem Gefecht, habe ich als Segelmeister also so entschieden, wie ich entschieden habe. Wenn sich dann doch die Situation ergibt, dass die Stagsegel schnell gesetzt werden müssen (fliehenden Feind verfolgen; vorm verfolgenden Feind fliehen...), stehen sofort ausreichend Männer zur Verfügung, um die Schoten loszuwerfen, durch die Leitblöcke zu führen und diese an den richtigen Stellen an Deck einzuhaken.


    Und weil ihr jetzt so geduldig meinem Fachchinesisch gelauscht habt, gibt es noch ein paar schöne Bilder für euch. :wink:





    Und jetzt wird es interessant: Als nächstes habe ich vor, den Klüver und Vorstenge-Stagsegel anzubringen - und beide im gesetzten Zustand. Also eine weitere Premiere für mich. Es bleibt spannend... :nod: