HMS Mercury - Fregatte der Enterprize-Klasse; Shipyard-Kartonmodell, 1:72

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    • Pardunen also. Es gibt die stehenden Pardunen, das erwähnte ich schon, und die baute ich schon. Dann gibt es auch noch die fliegenden Pardunen, auch Schlingerpardunen genannt. Die heißen so, weil bei starkem Schlingern des Schiffes, zum Beispiel beim Segeln mit starkem Seitenwind, insbesondere die der Luvseite angeholt wurden, aber auch, um sie bei einem Wendemanöver und ungünstigen Winden einfach mal auf die andere Seite hinüber zu nehmen als zusätzliche Abstützung. Also mussten diese Schlingerpardunen anders befestigt werden. Das geschah folgendermaßen: Am unteren Ende der Pardune war eine Kausche eingebunden. In diese wurde eine Talje, welche aus zweischeibigen Blöcken gebildet wurde, eingehakt; das andere Ende dieser Talje wurde in einen Augbolzen auf dem Rüstbrett, hinter der letzten Want, eingehakt.
      Nun, diesen Augbolzen hatte ich angebracht. Dann aber stutzte ich und blätterte mal in der Bauanleitung von Shipyard. Warum? Es folgt ja noch, wie bereits angekündigt, eine weitere Etage, die Bramstenge. Und auch von der geht eine Pardune... ähm, ja, Moment, wo geht die hin? Die müsste ja auf diese kleine Hilfsrüste, aber da ist ja bereits die stehende Pardune der Kreuzstenge befestigt. Jetzt wird es kompliziert. Die Bauanleitung macht es dann deutlich: Shipyard verzichtet komplett auf die stehende Pardune der Kreuzstenge, sieht lediglich die fliegende Pardune mit der Talje auf dem Rüstbrett vor und lässt die einzige Jungfer auf der kleinen Hilfsrüste für die Pardune der Bramstenge frei.


      Och nö! Und damit war meine heimliche Hoffnung, zum Nachmittagskaffee mit dem Thema Besanstenge durch zu sein, erledigt. Was sich Shipyard dabei gedacht hat, weiß ich nicht. Der Fockmast und der Großmast haben auf ihren Hilfsrüsten jeweils zwei Jungfern, eben für die stehenden Pardunen von Mars- und Bramstenge. Der Besan braucht das aber auch! Und so kam es dann zur zweiten Abrissaktion.


      Die Aufgabe war klar definiert: An einem Ort, an dem wenig Platz ist, muss ein Rüstbrett hin, welches zwei Jungfern aufnehmen kann. Gut, dass ich alle alten Lasercutbögen aufhebe, bis das Modell fertig ist. So nahm ich als Referenz die Hilfsrüsten des Fockmastes, malte die Umrisse auf ein Blatt Papier, klebte das auf den entsprechend dicken Karton und hatte so eine Vorlage, die ich mir dann zurechtsäbelte.


      Ich war dann derartig im Bau-Wahn, dass ich keine weiteren Zwischendurch-Bilder anbieten kann. Ich durfte auf keinen Fall eine Pardune in den Schwenkbereich der Karronade bringen, und die Stütze für die Drehbasse konnte auch nicht versetzt werden. Also wurde diese Stütze dezent mit eingearbeitet. Dann die Fummelei, die Rüstjungfern samt Rüsteisen anzubringen... Die Aufregung, als ich die beiden stehenden Pardunen anbrachte und steif holte - würde das neue Rüstbrett halten? Jetzt die fliegenden Pardunen - dafür hatte ich vier Doppelblöcke jeweils mit einem Haken eingebunden und dann immer zwei mit einem Taljereep verbunden; und das Einbinden der Kauschen am Ende dieser Pardunen konnte ich dann wieder mit meiner Tutorialmethode realisieren. Zum Schluss dann endlich das Kreuzstengestag festmachen - war auch nochmal eine nette Fummelei mit dem Taljereep da eng am Großmast.

      Aber irgendwann war ich dann am Ziel! Und hier das Ergebnis:




      Nun schauen wir mal, was der nächste Werfttag so für Überraschungen bringt... ^^
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    • Sieht wieder klasse aus und ist ebenso erklärt.
      Aga
      John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.
      „Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
      Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“
    • Hallo Bonden

      OK, was Du hier zeigst, das ist Modellbau der absolut obersten Eliteklasse. Du behebst mittels Abreissaktionen "Fehler" die, da möchte ich wetten, von 1000 Betrachtern mit viel bösem Willen einer gesehen hätte. Aber DU weisst, dass sie da sind, deshalb wohl die Aktionen.

      Das Ergebnis: Ein absolut phantastisches Modell, das wohl seinesgleichen nicht nur hier suchen wird. (Btw: wäre es auch, wenn die Pardunen gefehlt hätten, denn es hätte wohl kaum jemand gemerkt :D )

      Staunend
      Peter
      Es lebt der Modellbauer solange er klebt

      In der Werft:
      HMS Wolf, Shipyard 1:96

      Fertig:
      HMS SPEEDY (1828) 1:100
      Galerie HMS SPEEDY

      Aus Spass:
      mein-modellbau.jimdo.com
    • Ahoi allerseits, danke für lobende Kommentare und erhobene Daumen. :danke: Es klingt vielleicht abgedroschen, aber es ist wirklich so, dass mich so etwas immer noch ein Stück mehr motiviert. :nod:

      Und so habe ich heute beim Tageslicht (kurzzeitig hatten wir mal sowas wie Sonnenschein - sensationell!) entschieden, ein paar kleine Korrekturen vorzunehmen. Ich würde jetzt nicht soweit gehen, das gleich als Abriss zu bezeichnen. Aber schaut euch die Kauschen am Ende der Schlingerpardunen an: Die habe ich wohl etwas zu groß ausgewählt. Und das Stagende habe ich auch erneuert, hier wurde die Kausche vorsichtig herausgelöst und ein paar Zentimeter höher gesetzt. Der Grund ist ganz einfach: Ich musste dieses Stag doch mehr anziehen als gedacht, damit die Pardunen die Marstenge nicht so weit nach hinten ziehen. Dadurch haben sich dann die Kausche am Ende des Stages und die im Stagkragen am Großmast fast berührt, so dass ich mit dem Taljereep nichts mehr ausrichten konnte.
      Aber jetzt haben die Schlingerpardunen kleinere Kauschen, die Taljen sind wieder eingehängt und nur leicht straff geholt, das Kreuzstengestag ist schön steifgesetzt, und die Stenge sitzt jetzt so, wie sie soll.
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    • Neu

      So, jetzt heben mal alle die Hände, die sofort an eine weitere Abrissaktion gedacht haben. :P So so, so viele also! :evil:

      Unser @Speedy , der alte Ratefuchs, hat es richtig gewusst. Da ja nun mal die Stengewanten am Besan stehen, konnte ich auch gleich weitermachen mit den Webleinen, zumal mir für Fock und Groß noch 4mm-Jungfern fehlten (kamen heute aber mit der Post).

      Zuerst wurden die Taljereeps der Wanten festgesetzt, dann kam die spannende Aufgabe, ein 7mm kurzes Stück gekleedeten Draht unterhalb der Saling als Püttingswurst von hinten an die Wanten zu binden. In weiser Voraussicht hatte ich die beiden Pardunen noch nicht endgültig festgesetzt. Sie wurden wieder losgeworfen und locker über die Marsplattform vom Großmast gehängt, da sie mir sonst im Weg gewesen wären.
      Natürlich ging das Wantenknüpfen hier schneller. Zum einen habe ich nach über 1.200 Knoten eine gewisse Routine entwickelt, zum anderen sind drei Knoten je Webleine auch überschaubar. Dennoch galt auch hier der Grundsatz "Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit".


      Nachdem alle überstehenden Fäden gekappt waren und ich die Schablone entfernt hatte, bekam ich erstmal einen Schreck: ein Knoten saß derartig schief, dass ich mir nicht erklären konnte, wie mir das passieren konnte. Aber das Rätsel war schnell gelöst: Der Knoten war zwar in sich fest verleimt, nicht aber mit dem Wanttau und war nur verrutscht. Puh! :rolleyes:
      Die Pardunen wurden wieder festgesetzt, und sofort enterte Jimmy auf, um die neuen Leinen zu testen.


      Und schaut man sich das letzte Bild an, wird einem schon klar, in welch schwindelerregender Höhe die Jungs da unterwegs waren. :thumbup:
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      Wie immer grandios anzusehen.

      Aga
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    • Neu

      Speedy schrieb:

      Dabei geht es ja irgendwann noch weiter hoch.
      Aber nur theoretisch. Wenn da ganz oben etwas zu reparieren ist, zückt jeder ordentliche Seeoffizier seine aktuelle Jahresausgabe von "David Winters Bramstengen-Almanach" und liest das nach, was er sowieso auswendig kann (wie sonst hätte er die Leutnantsprüfung bestehen sollen!), um dann die entsprechenden Befehle zu geben. nav6
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    • Neu

      Aye, Bonden,

      Seit dem Bau der Utrecht finde ich ebenfalls, daß Leute auf's Schiff gehören.

      Weißt Du wer von den Figurettos Seeleute aus der Elizabethanischen Epoche in 1:36 macht?
      To the optimist, the glass is half full.
      To the pessimist the glas is half empty.
      To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.
    • Neu

      Schau mal bei Berliner Zinnfiguren.
      1:35 müsste 54mm sein... da gibt es ein paar Renaissance Figuren.

      Aga
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