Band 5 - Sturm in der Antarktis


  • Dieser Band stellt eine Besonderheit in der Aubrey-Maturin-Reihe dar, denn mit Sturm in der Antarktis beginnt POB tatsächlich, seine Romane konsequent unmittelbar aneinander zu reihen, während dies zuvor eher lose geschah. Doch auch, wenn man diese Besonderheit unberücksichtigt lässt, ist dieser Roman ganz besonders, denn POB zieht sich, von der kurzen Eingangssequenz in der Heimat mal abgesehen, fast komplett an Bord zurück und widmet sich dem Mikrokosmos der schrecklichen Leopard.
    Mit dieser ist Jack nach Australien unterwegs, weil der Gouverneur von New South Wales, der berühmte Brotfrucht-Bligh, in Schwierigkeiten geraten ist.
    Zu Jacks großem Ärger muss die Leopard bei dieser Gelegenheit Sträflinge mitnehmen. Unter den Sträflingen befindet sich eine Agentin des amerikanischen Geheimdienstes, was Stephen Maturin natürlich weiß und an der er sein Meisterstück vollbringen wird.
    Insgesamt verläuft die Reise unter keinem guten Stern, man hat mit schlechtem Wetter zu kämpfen und es ereignet sich ein Mord. Als man alle Schwierigkeiten überwunden glaubt und die letzte Etappe der Reise vor der Leopard liegt, stößt sie auf ein überlegenes holländisches Linienschiff und die sich entwickelnde Verfolgungsjagd kann man geradezu episch nennen. Das ist ganz großes Kino, wie es POB gelingt, mit einigen wenigen Actioneinlagen eine ungeheure Spannung aufzubauen. Und kaum glaubt man, alles würde endlich gut, beginnen die Probleme erst richtig und es geht nur noch um das blanke Überleben.
    Mehr kann und will ich an dieser Stelle nicht verraten. Lest dieses Buch unbedingt selbst, oder lasst es euch von Johannes Steck vorlesen. Es lohnt sich auf jeden Fall. Diesem Roman gebe ich sechs von fünf Albatrossen.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Danke für diese wieder mal sehrschönen Rezi.
    Ich mich deiner Einschätzung voll umfänglich anschließen.
    Eines der genialsten Bücher der Reihe.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • ..geht unter die Haut.. Kann man wohl sagen, zumal dieses Seegebiet auch heute noch große Anforderungen an Schiff und Besatzung stellt.
    Wenn ich mir dort eine Reise auf so einem Holzeimer vorstelle sträuben sich mir die Haare. Und dann noch mit so einem Gegner.


    Sehr lesenswert!!!!

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Der Untergang der Waakzaamheid gehört für mich zu den spektakulärsten Momenten der gesamten Reihe. Absolut packend und auf dem Höhepunkt in seiner radikalsten Art und Weise beendet.


    Zum Kampf der HMS Leopoard (50) gegen die holländische Waakzaamheid (74) bzw. die fesselnde Verfolgungsjagd, habe ich hier als Ergänzung eine nette Übersicht über den Verlauf der Jagd gefunden, inklusive Handskizzen:


    http://www.uoguelph.ca/~ymohamed/CIS3750/C1-02.pdf


    Stammt von der Internetseite der University of Guelph / Canada.


    Gruß Marcel

    Auf, Matrosen, die Anker gelichtet, Segel gespannt, den Kompaß gerichtet! - Wilhelm Christoph Gerhard (1780 - 1858)

  • klasse Fund.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Wenn man diese Aufstellung liest hört sich das so technisch, so absolut unbeteiligt an. Das bildet einen interessanten Kontrast zu der für mich immer wieder geradezu alptraumhaften Stimmung in der Schilderung der Verfolgungsjagd durch POB. Noch einen Tick eindrucksvoller war dann für mich die Hörbuchfassung mit Johannes Steck.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Stimme. Dir voll zu Speedy. Diese Berfolgung im Hörbuch war absolut stark als Hörbuch.
    Zum Glück hatte ich das während einer langen Fahrt zu meinen Eltern am Stück hören können.
    In der PDFs kommt das so neutral wie ein Steuerbescheid rüber.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Ich hatte mich nach dem Lesen des Abschnitts schon auf die Hörbuchfassung gefreut und man wird nicht enttäuscht. Steck liest die Passage wirklich super vor und wenn man die Gelegenheit hat, sie am Stück zu hören - umso besser :)


    Gruß Marcel

    Auf, Matrosen, die Anker gelichtet, Segel gespannt, den Kompaß gerichtet! - Wilhelm Christoph Gerhard (1780 - 1858)

  • Die Erinnerung an das Hörerlebnis hat mit gestern Abend auf dem Heimweg bewogen, mir das Hörbuch noch einmal anzuhören.
    Schon die Schilderung von Jacks Leben in Ashgrove Cottage macht einen Heidenspaß.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Da hat man dieses Spitzenbuch nun schon so oft gelesen, aber den herrlichen Kalauer erst jetzt gefunden:


    S.241 1.Absatz "Besser vorher gewarnt, als nachher gesunken."


    Von den vielen maritimen Höchstgenüssen, will ich gar nicht sprechen, das Buch ist wirklich mit eines der besten der ganzen Reihe.

    'Man muss das Unmögliche veruchen, um das Mögliche zu erreichen' Herrmann Hesse

  • Bei mir läuft mal wieder das Hörbuch. Und während ich gestern noch mit großem Vergnügen Sophias Bemühungen verfolgte, Jack an Bord der Leopard zu bringen, damit es endlich ein Ende mit seinen teuren Projekten wie Schlackeverwertung und Pferdezucht hat, ist die Leopard jetzt bereits auf hoher See und hat einen Sturm in der Biskaya überstanden.Was an diesem Buch auch sehr schön ist, fast alle alten Bordgenossen sind wieder mit von der Partie, neben Bonden und Killick auch Pullings und Babbington. Man könnte es also fast einen gemütlichen Familienausflug nennen, wüsste man nicht, was noch kommt.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Die Verfolgungsjagd und ihr abruptes Ende sind durch und jetzt kämpfen Jack und seine Leute nur noch ums nackte Überleben. Das wird alles so eindringlich geschildert, als stände man selbst neben Stephen an der Pumpe.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Band 5 ist für mich auch einer der besten Teile der Aubrey/Maturin-Saga - obige Jagd und der spätere Kampf ums Überleben mit diesem "Seelenverkäufer" ist wirklich super geschrieben und - ich stimme dir zu Speedy - als wäre man dabei :ruder:

    Auf, Matrosen, die Anker gelichtet, Segel gespannt, den Kompaß gerichtet! - Wilhelm Christoph Gerhard (1780 - 1858)

  • Ja, dieser Band hat einen mitfrieren lassen. Und obwohl man ja weiß, wie es ausgeht - man fiebert zu hundert Prozent mit!


    Und wie immer gilt für Leute, die das Buch noch nicht gelesen haben, dies aber vorhaben, jetzt sofort dieses Posting zu verlassen, ansonsten wird auch hier gespoilert.


    Diesmal habe ich nur wenige Lesezeichen, und gleich beim ersten vermute ich mal einen Übersetzungsfehler - vielleicht kann mal jemand nachschauen, der die Bücher im Original hat. Es ist der Beginn des dritten Kapitels:
    Der Nordweststurm hatte im Golf von Biskaya eine tückische See aufgetürmt, und die Leopard lag zwei Nächte und einen Tag lang nur unter stark gerefftem Großbramsegel. Die Bramstengen waren längst gestrichen, ihre Vormarsrah lag an Deck, und sie hielt den Steven nach Norden gerichtet.
    Offenbar hat man an Bord so eine Art WLAN-Bramstenge, denn wo bitte soll das Großbramsegel befestigt sein, wenn nicht an der Großbramstenge? Vermutlich ist das Großmarssegel gemeint.


    So, jetzt darf Killick mal wieder ein wenig granteln:
    "Killick! He da, Killick! Wir brauchen dich."
    Sie konnten hören, wie Killick näher kam: "Keine ruhige Minute auf dieser verdammten Schalupe", und die Tür öffnete: "Sir?"


    Ich glaube, wir hatten im alten Forum schon mal die Diskussion um die Frage, was denn nun die Lieblingsspeise von Jack ist. In DEM Film ist ja die Schweinskopfsülze, und auch hier taucht sie auf:
    ...und als dann die traurigen Reste des Haggis Jacks Lieblingsspeise Platz gemacht hatten, Schweinskopf in Aspik...
    Mir war aber so, als ob in späteren Bänden ein anderes Gericht genannt wurde - ich werde da mal weiter die Augen offen halten.


    Ja ja, die Seeleute und ihr Hang dazu, alles zum Glänzen zu bringen - Jack hat da andere Vorstellungen, aber...
    Hier standen nämlich Jacks eigene Neunpfünder aus Bronze, die sonst gewöhnlich im Bug und auf dem Heck festgezurrt waren, um weniger Platz wegzunehmen. ... Außerdem hatte er dafür gesorgt, dass sie in einem matten Schokoladenbraun angestrichen wurden. Er wollte damit das unaufhörliche Messingputzen verhindern, das auf einem Kriegsschiff so viel wertvolle Zeit beanspruchte - Zeit, die sinnvoller genutzt werden konnte. Aber diese menschliche und vernünftige Tat wurde von einem tiefsitzenden Marineinstinkt sabotiert: Killick und seine Gehilfen nahmen ein paar Stellen um den Verschluß und das Zündloch herum, an denen die Farbe abgeblättert war, zum Vorwand und dehnten die Fläche sichtbaren Metalls nach und nach so weit aus, daß die Kanonen nunmehr von der Mündung bis zum Auge glänzten.


    :D


    Mit genau diesen Kanonen schießt man dann auf das sie verfolgende holländische Linienschiff, bis dann die Nacht dem vorerst ein Ende macht. Später sitzen die zwei Freunde zusammen, und Stephen beklagt sich:
    "Wann komme ich denn nun endlich zum versprochenen Abendessen?" fragte Stephen. "Du hattest mir mich, wie du dich erinnern wirst, zu überbackenem Käse in der gemütlichen Achterkajüte eingeladen - und was finde ich hier? ... Doch halt - rieche ich da etwa gebratenen Käse über all dem Pulverdampf und dem Gestank dieser üblen Funzel? Killick, prei mich mal an: Wie steht's mit dem Käse?"


    "Nämlich ist er schon unterwegs, oder etwa nicht?" gab ein gereizter Killick zurück. Keinen einzigen Schuß hatte er abfeuern dürfen, und so grummelte er jetzt halblaut daher über "Vielfraße und ihre verdammte Fettlebe ...keine Minute lassen sie einen in Ruhe, immer wollen sie was ...und sind nie zufrieden."




    Nun, die Anzahl an Lesezeichen sagt rein gar nichts darüber aus, wie mir das Buch gefallen hat. Weil: Fünf lange Messingneuner für diesen spannenden Band! :5*:

  • Der Nordweststurm hatte im Golf von Biskaya eine tückische See aufgetürmt, und die Leopard lag zwei Nächte und einen Tag lang nur unter stark gerefftem Großbramsegel.

    Zitat von Patrick O

    The north-westerly gale had built up a wicked sea in the Bay of Biscay, and for two nights and a day the Leopard had been lying under a close-reefed maintopsail and no more, her topgallant masts struck long since...

    Wie @Bonden bereits vermutete, liegt hier natürlich ein Übersetzungsfehler vor, denn die Leopard lag natürlich unter einem stark gerefften Großmarssegel.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)