Band 1 - Fähnrich zur See Hornblower


  • Der erste Band der Hornblower-Reihe entstand erst nach den durch die Hollywood-Verfilmung bekannten Bänden 5-7 und schildert die ersten Schritte des späteren Seehelden in der Royal Navy. Dabei erzählt Forrester keine durchgehende Handlung, sondern das Buch ist eine Aneinanderreihung von Episoden, die aber doch eine Entwicklung vom Neuling zum halbwegs erfahrenen Seemann zeigen.
    Einige der Episoden empfinde ich dabei fast schon als Klassiker, wie z.B. Hornblowers erstes (Prisen)Kommando - die Marie Celeste, der Angriff auf die Galeere oder die Quarantäne mit den Ochsen an Bord. Das sind allerdings nur meine persönlichen Höhepunkte, wobei ich mich in der Aufzählung selbst ein wenig bremsen musste, sonst hätte ich am Ende fast alle Geschichten erwähnt. Forrester zeichnet das Bild eines ein wenig introvertierten jungen Mannes, der nicht nur mit den Anforderungen des Dienstes zu ringen hat, sondern viel stärker mit den Erwartungen, die er an sich selbst stellt.
    Mit dem späteren, recht spröden Hornblower habe ich manchmal so meine Probleme, wohl weil mein Bild da mehr durch den Film geprägt ist, doch den jungen Hornblower dieses Bandes mag ich sehr.
    Deshalb bekommt dieses Buch auch die volle Punktzahl.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Das Buch habe ich vor ein paar Wochen nach richtig langer Zeit (30 Jahre vielleicht) mal wieder gelesen. Mit Hornblower bin ich schon damals nicht richtig warm geworden, und vereinzelte Versuche zwischendurch haben das auch immer wieder belegt, und auch jetzt war es so.

    Das Buch ist mir dazu tatsächlich zu episodenhaft, da reiht sich eine Geschichte an die nächste, ohne dass die Zeit dazwischen auch nur mit ein paar Sätzen abgetan wird. Hornblower kommt jung und unerfahren an Bord, aber recht schnell hat er seine erste Aufgabe, die er wie die anderen auch allein als kommandierender Offizier angehen muss. Dass und wie er zwischendurch lernt wird - leider - gar nicht thematisiert. Er ist halt recht schnell soweit das zu tun und so geht es in den späteren Kapiteln/Episoden ebenso, in denen er allein mit ein paar Leuten unter sich irgendetwas tun muss. Das klappt zwar nicht immer ganz einwandfrei, aber zum Ende hin schafft er es halt doch.

    Ich musste mich da zunehmend doch etwas selber durchhieven, weil mich Hornblower weiterhin so gar nicht mitnimmt, und mich dieses episodenhafte, bei dem sich eins an nächste reihte, ohne dass so etwas wie eine eigentliche Handlung auftauchte, enttäuschte und auch etwas langweilte, wenn er mal wieder unter seinen Selbstzweifeln litt und seine Entscheidungen und Handlungen, die spätestens nach hinten hinaus doch gut waren, ständig bezweifelte. Seine Entwicklung war nicht mitzuerleben, weil es an Figuren und Interaktion in dieser Hinsicht mangelte, finde ich.


    Hornblowers erstes (Prisen)Kommando - die Marie Celeste,

    Das wäre was, wenn die Marie Celeste sein erstes Prisenkommando gewesen wäre! Es war aber die Marie Galante, und das Geheimnis der Marie Celeste bleibt weiterhin bestehen. ;)

  • Auch für mich, als eingefleischten Hornblowerfreund, ist der „Fähnrich“ zugegeben einer de schwächeren Bände. Strukturell eher eine Kurzgeschichtensammlung, als ein Roman. Hab ihn aber trotzdem immer gern gelesen. :wink2:

  • Persönlich kann ich die Leseerfahrungen von Phalarope in bezug auf Hornblower teilen bzw. bestätigen. Ich hatte beim Lesen immer das Gefühl, eher einen Bericht oder Schüleraufsatz zu lesen als einen Roman.

    Es mag sein, dass es sich im englischen Original besser und flüssiger liest. Vielleicht habe ich aber auch einfach nur den Fehler gemacht, vorher fast die gesamte POB-Reihe gelesen zu haben und daher mehr als verwöhnt von den vielen Details gewesen zu sein.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • ich bin auch nie mit Hornblower warm geworden...

    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Ich kann eure Meinung nachvollziehen, denn das war auch mein erster Eindruck von Hornblower. Aber inzwischen empfinde ich zunehmend die Qualität hinter der scheinbar nüchternen Erzählung. Das gilt übrigens für alle Bände.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Auch für mich, als eingefleischten Hornblowerfreund, ist der „Fähnrich“ zugegeben einer de schwächeren Bände. Strukturell eher eine Kurzgeschichtensammlung, als ein Roman. Hab ihn aber trotzdem immer gern gelesen. :wink2:

    Sehe ich heute auch so. Aber ich bekam diesen Band als ich 10 oder gerade 11 war, und gerade dieser „Sammelband“ an kurzen Episoden nahm mich für Hornblower ein.
    Zu meiner Verblüffung traf ich all den Jahren immer wieder an unterschiedlichsten Stellen, insbesondere im Bühnenjob, Menschen die plötzlich Hornblower zitierten, oder man sich wie beim benutzen eines Codes untereinander mit Zitaten verständigte. 😊😊😊😊

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Wenn ich es recht überlege, waren das auch meine ersten Begegnungen mit Old Horny. Dabei war ich, wenn ich mich recht erinnere, einen Ticken älter als mich eine Hornbloer für die Jugend Antologie - mit Elementen aus „Fähnrich“ und „Leutnant“ animierte, die Romane zu lesen. :old

  • Über Geschmack kann man nicht streiten, aber Hornblower verursacht definitiv keine Depressionen wie "unser Nelson". Ramage ist halt leichte und gefällige Kost mit Happy End-Garantie.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Er ist jetzt nicht schwermütig (in dem ersten Band - aber Bolitho ist das auch nicht immer), aber seine ganzen Selbstzweifel und die Überzeugung, eigentlich alles verkehrt anzugehen, macht ihn jetzt auch nicht zu einer Frohnatur.

  • Spiegelt (in-) direkt auch die Angst vor einem Versagen und den Konsequenzen in der damaligen Zeit wider... trägt man nicht nur die Verantwortung für sich selbst, sondern auch für seine Mannschaft und das Eigentum des Königs.

    - Eben da hätte man beim Schreiben noch ein paar Sätze zu verlieren können, um diesen inneren Zwist verständlicher darzustellen.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Weil ich so viel draußen an der frischen Seeluft schnuppere, ist meine leidenschaftliche Lektüre in den letzten Monaten verkümmert. Nach dieser hier so plötzlich aufgeflammten Diskussion hätte ich tatsächlich Lust, den ersten Hornblower-Band wieder einmal zur Hand zu nehmen und meine Erinnerungen aufzufrischen. Mal lesen! Eure (Wieder)Eindrücke sind wirklich ermutigend.

    "Wie die Luft gehört die See als Geburtsrecht allen Menschen.“
    (Thomas Jefferson 1743 - 1826)

  • Ich glaube ich war 14, und Hornblower war meine Einstiegsdroge. Die Bücher waren ein Zufallsfund, wobei ich mich nicht mehr erinnern kann mit welchen ich angefangen habe - es gab nur drei oder vier verschiedene Hardcover in einem Buchladen etwas weiter weg, die ich mir nach und nach vom Taschengeld zugelegt habe. Damals war ich einfach nur begeistert weil "Großsegler! Historischer Roman! Beides zusammen!" *entzückt* Die restlichen Hornblowers folgten dann bald, und ca. anderthalb Jahre später habe ich dann Bolitho und Kelso entdeckt, beides in der örtlichen Stadtbibliothek. Alles andere folgte dann so langsam; sowohl die Kleinstadtbibliothek als auch der Kleinstadtbuchladen boten nicht wirklich viel und mein Taschengeld reichte auch nicht sonderlich weit. Mit 16 war ich dann zu Besuch in Hamburg, habe den Hafenfuchs und Drinkwater entdeckt und dafür fast meine gesamte Reisekasse rausgehauen.


    Wie auch immer; ich glaube ich habe den "Fähnrich" tatsächlich nur einmal und als absoluten AOS-Anfängerin gelesen, von daher habe ich ihn in guter Erinnerung. :wink1: Wobei ich generell einen sachlichen und dokumentaristischen Schreibstil sehr mag, was ich auch immer gerade bei Forester sehr geschätzt habe.

    "Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen." (Aristoteles)