Frühjahrssegeln 2015 - Mit der HENDRIKA BARTELDS auf der Ostsee

  • Wenn ich jetzt beginne, ein ausführliches Reisetagebuch zu schreiben, dauert das Wochen! Also beschränke mich auf wenig Text und zeige dafür mehr Bilder. Ich hoffe, das ist ok? ;)
    (Das wird trotzdem etwas dauern, bis alle Bilder gezeigt sind... :oops: )


    An Bord ging es Freitag Abend in Kiel. Ankommen, Kabine beziehen, bekannt machen, Einweisung bekommen.


    Ich hatte gleich Frühstücksdienst am Samstag und war noch vor meiner eh schon zeitigen Weckzeit wach - die Aufregung... Das ließ mir Zeit für ein paar schöne morgentliche Impressionen:



    Die Messe, die Frühstückstische noch nicht voll gedeckt.


    Ein Zweimaster liegt ganz in der Nähe.

  • Nach dem Frühstück musste noch der Kompass kalibriert werden, dazu tuckerten wir mehrere Schleifen unter Motor in der kieler Bucht. Immerhin konnten wir einen Blick auf Calebs Arbeitsplatz werfen:


    Ich war recht entspannt, aber innerlich fieberte ich dem ersten Segelsetzen entgegen.


    Am Ufer ein weiteres Segelschiff; leider war nicht auszumachen, welches Schiff das war.


    Schließlich dauerte es mir zu lange, und ich ergriff selbst die Initiative! :D


    So wurden endlich die ersten Segel wurden gesetzt und der Schiffsmotor hatte jetzt für sehr lange Zeit Pause.


  • Es wurde Zeit für einen ersten Besuch im Klüvernetz. Der Blick von dort ist fantastisch! An dem kleinen Segler sieht man, dass der Wind schon recht nett pustete. Und ich habe mich einfach nur wohl gefühlt. :D

  • So, das war der erste Teil - die Fortsetzung kommt am Wochenende. Ich habe etwas über 1000 Fotos gemacht - da auszuwählen ist auch nicht leicht. ;)


    Soviel schon heute: Wir sind ca. 200 Seemeilen gefahren, und nahezu alles unter Segeln. Wettertechnisch wurde so ziemlich alles geboten, und was die Segelmanöver anbelangt, hatten wir jede Menge Spaß! Bei der Fahrt nach Flensburg blies uns der Wind voll in die Zähne - wir haben 18 Wenden gefahren, um anzukommen, das war ein riesiger Spaß, aber auch eine enorme Arbeit. Ich glaube, mich kann man nachts wecken (aber bitte mit der Titelmusik der alten Fernsehserie "Magnum" :lol: ), und ich eile sofort an die richtigen Taue. :lol:


    Ein paar andere schöne Segelschiffe haben unseren Kurs gekreuzt - auf die Fotos könnt ihr euch besonders freuen. Und wir haben dreimal unter Segeln abgelegt - das war sensationell! Allein im Hafen von Flensburg standen hunderte Menschen mit Kameras und Smartphones am Kai und filmten und fotografierten wie wild, und ich dachte so: Wenn ich jetzt Urlauber in Flensburg wäre, würde ich da auch stehen - und die Leute beneiden, die da an Bord sind. :D


    Ich war zweimal in den Wanten; ich stand mehrmals am Ruder, und am letzten Tag war recht wenig Wind, was der Käptn genutzt hat, um so ziemlich alles Tuch zu setzen, das Motorschlauchboot abzufieren und uns die Gelegenheit zu geben, Fotos der Hendrika zu machen, wie man sie als Mitreisender ja normalerweise nicht bekommt.


    Auf einer Skala von 1 bis 10 gebe ich dieser Reise eine 100. 8-)


    Und es folgen noch etliche tolle Fotos - versprochen! ;)

  • Vielen Dank für den tollen Vorbericht und die phantastischen Bilder. Das sind so die Momente, da kommen eigene Erinnerungen hoch, man fragt sich, was man eigentlich an diesem Schreibtisch verloren hat und möchte den Seesack packen, der schon viel zu lange in einer dunklen Ecke verstaut ist. Mit einem Wort: Fernweh pur.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Aye, Bonden,


    vielen Dank für diese Appetit machenden Bilder. Na ja, vieleicht traue ich mich ja auch mal auf so einen Kahn.

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

    2 Mal editiert, zuletzt von Angarvater ()

  • So, weiter mit meinem Bericht!
    Ich war ja immer noch beim ersten Tag. Nun waren wir so richtig unterwegs, unter Segeln ging es raus.
    Der erste Hafen, den wir anliefen, war Kappeln. Dort gibt es einen kleinen, aber feinen Museumshafen, in dem viele hübsche kleine Segelschiffe liegen.


    Und neben der Hendrika noch zwei weitere Segelschiffe am Kai:

  • Am nächsten Morgen legten wir nach dem Frühstück ab - die Brücke öffnete sich extra für uns:


    Was hier geräuchert wird, dürfte klar sein:


    Hardcore-Angler!


    Dann treffen wir die LOVIS - es soll nicht unsere einzige Begegnung mit diesem deutschen Zweimaster sein.


    Hier tuckert sie noch mit Motorkraft - später werden wir sie viel, viel schöner unter Segeln sehen.


    Auch die Petrine hat keine Segel gesetzt - schade, es war doch guter Wind!

  • Wir überholen einen Katamaran.


    Der Blick vom Achterdeck - und jetzt heißt es nach guter alter MaC-Manier: Geh ans Ruder, Bonden!

    Und es macht einen riesigen Spaß, dieses doch recht große Schiff zu lenken!


    Der Wind frischte auf, und das Schiff legte sich ordentlich rein.



    Was für ein schönes Gefühl, hier an Bord zu sein, den Seegang zu spüren und zu hören, wie der Wind in der Takelage singt. Unbeschreiblich schön!

  • Der nächste Hafen ist das dänische SØnderborg.


    Unterwegs war etwas am Tauwerk des Fockmastes gerissen, weshalb im Hafen der Skipper und seine Matrosin aufenternten und die nötigen Reparaturen durchführten.


    Ein abendlicher Spaziergang am Kai brachte uns eine Begegnung mit Günther Grass.


    Der Butt im Griff - Jessica nahm das wörtlich.


    Der Name dieses Ladens lässt Raum für Spekulationen... :lol:


    Kanone auf dem Marktplatz...


    ...und am Hafen.

  • Hier lagen wir einen Tag fest, da am Folgetag draußen derartig starker Wind und Wellengang war, dass unser Skipper meinte, dass wir gar nicht aus der Bucht rauskommen würden. Schade, aber auch das war kein verlorener Tag. Sønderborg ist ein hübscher Ort und bietet ein paar schöne Fotomotive.


    Am nächsten Tag dann endlich wieder Segelwetter! Unser Ziel war Flensburg, und das sollte der arbeitsreichste Törn der ganzen Tour werden. Das Wetter war recht durchwachsen, wolkig, kalt, ein wenig nass - aber egal, wir sind zum Frühjahrssegeln auf der Ostsee, da muss das so. Ich durfte wieder ans Ruder, und als ich mich dann irgendwann ablösen ließ, war ich echt erstaunt, dass ich dort 2 Stunden gestanden hatte - man merkt gar nicht, wie die Zeit vergeht! Der Skipper hatte mir gesagt, auf was ich zu achten hatte: Zum einen auf die ganz fern verschwommen wahrnehmbare Landmarke, dann natürlich immer den Blick zum Marssegel, um je nach Erfordernis anzuluven oder abzufallen, mit dem dritten Auge der Blick auf den Kompass, um den Kurs zu halten, und mit dem vierten Auge durfte ich die Aussicht genießen. :lol:


    Das nasskalte Wetter hatte meine Handschuhe schon längst durchgeweicht, ich spürte meine Finger kaum noch, aber ich wusste nur eins: Das ist jetzt MEIN Steuerrad! Man bekommt recht schnell ein Gefühl, wie das Schiff auf das Ruder reagiert; das Trägheitsmoment ist gewaltig, und doch gelingt es schon bald, den Kurs wunschgemäß zu korrigieren. Total spannend, kann ich euch sagen!!!!


    Dann liefen wir Flensburg an, und der Wind pfiff uns, wie bereits erwähnt, voll in die Zähne. Also hieß es kreuzen, kreuzen, kreuzen. Wir fuhren 18 Wenden! Hier mal unser Kurs:


    Es war echt verrückt: Kaum hatte man sich mal schnell in der Messe mit einer Tasse Tee aufgewärmt, kam schon wieder die nächste Durchsage über die Lautsprecher, und Raggi, unser Käptn, rief uns zum nächsten Manöver. Also hieß es wieder Taue loswerfen, Taue ziehen, Brassen, Taue belegen, Taue aufschießen. Ahnt ihr, wieviel Spaß das macht? Und es hat unser Team noch mehr zusammengeschweißt.


    Und diese Genugtuung, wenn wieder eine Wende perfekt gelungen war!


    Als wir dann in Flensburg festmachten, waren wir wohl alle stolz auf unsere Leistung - andere wären da feige mit Motorkraft in die Bucht getuckert.


    Flensburg selbst ist wunderschön, der Hafen bietet für Segelschifffreunde jede Menge Hingucker!

  • Flensburg, Hafen - wunderbar! Es gibt eine kleine Museumswerft, viele schmucke kleine Segelschiffe und als absolutes Highlight für mich einen originalen alten Ladekran aus dem 18. Jahrhundert!!! Ich habe einen ähnlichen in meinem Hafendiorama mit der Papegojan - ich hätte nicht gedacht, dass ich sowas mal in Echt sehen würde! :o

  • Völlig gegen meine sonstigen Gewohnheiten bin ich jeden Morgen sehr zeitig wach. Und nach der Morgentoilette gehe ich von Bord und fange interessante Impressionen ein, so wie hier am Flensburger Hafen.



    Die Museumswerft ist echt interessant - was mag das wohl werden, wenn es fertig ist?


    Nach dem Frühstück legen wir ab, und es gibt einen weiteren Höhepunkt: Wir legen unter Segeln ab! Altgediente Hendrika-Mitsegler wussten zu berichten, dass sie das bisher nur ein- oder zweimal erlebt haben. Ich durfte auf meiner ersten Fahrt gleich dreimal dabei sein - es ist einfach nur ein unglaublich stolzes Gefühl, wenn der Motor schweigt und nur der Wind dafür sorgt, dass wir einen Hafen verlassen. Gänsehaut und feuchte Augen garantiert! So froh ich war, an Bord zu sein - gern hätte ich das auch einmal von Land aus gesehen.... So Sind die Bilder eher unspektakulär, aber dennoch schön, wie ich finde. :)

  • Heute ist mein großer Tag, denn heute wird sich ein ganz großer Wunsch erfüllen: Ich entere erstmals auf! Aufregung pur für mich. Trish, unsere Matrosin, legt mir das Gurtzeug an und erklärt mir, auf was ich zu achten habe. Und da es mein erster Aufstieg ist, bringt sie mir meine Kamera hoch, damit ich mich voll auf das Aufentern konzentrieren kann. Ich hake mich in das Sicherungsseil und steige auf die Backbord-Bordwand, gehe außenbords. Das schwierigste ist die erste Stufe, denn die erste Webleine ist für mich, der ich auf dem Rand der Bordwand stehe, etwa in Brusthöhe. Aber schnell bin ich mit den Füßen in den Webleinen, halte mich an den Wanten fest und steige ruhig, wenn auch innerlich aufgeregt, höher. Boh, ist das toll!!!! Die Schiffsbewegung erhöht den Spaß, ich könnte schreien vor Glück! Als ich am Ende der Wanten angekommen bin, erklärt mir Trish, die über Steuerbord aufgeentert ist und mich oben schon erwartet, wie ich auf die kleine dreieckige Saling komme. Aber das traue ich mir nicht zu, nicht aus Angst, sondern aus Mangel an Gelenkigkeit, da bin ich ehrlich. Also verharre ich in den Wanten stehend, Trish reicht mir meine Kamera, und ich mache ein paar Fotos. Gern würde ich noch eine Weile hier oben bleiben, aber jetzt kommt das Kommando vom Skipper, dass ich runterkommen soll, da gleich wieder ein Manöver gefahren werden soll, bei dem er niemanden da oben haben will. Ich steige total glücklich wieder runter und weiß, dass ich bei nächstbester Gelegenheit wieder hier hoch will!!!!


    Nach mir steigen unsere jüngsten Mitseglerinnen nach oben und entern natürlich auch die Saling. Ja, ich beneide die beiden ein wenig, aber ich bin restlos zufrieden mit dem, was ich heute erlebt habe.

  • Der Innenklüver muss eingeholt und anschließend wieder ordentlich vertäut werden. Na dann mal los, Gurtzeug an und rein ins Klüvernetz! Bei Wind und Wellen macht das doppelt Spaß! :)


    Wir legen am Ende des Tages im Hafen von Søby an; wir sind wieder in Dänemark. Und da ist auch wieder die LOVIS.


    Heute Abend ist Bordfest! Das Motto lautet "Schwarz-Weiß" - das lässt Raum für viele Ideen. Und tatsächlich sind die Kostümierungen, die dann schließlich präsentiert werden, so vielfältig wie köstlich. Hier nur mal ein Bild von vielen... :lol:


    Soviel für heute - später mehr. ;)