Robert L. Stevenson

  • Lange hatte ich sie vergessen, die Schatzinsel. Gestern, ich warte gerade auf den nächsten Ramage, kam mir das Buch mal wieder in die Hand, und wurde fasziniert und amüsiert gelesen.


    Gemessen an den Charakteren, die ich aus den Büchern von OBrian, Kent, Quincy usw "gewohnt" bin sind die Akteure hier sehr einfach. Ein Bösewicht ist eben ein richtiger Bösewicht, und ein großschnäuziger Squirre ist eben ein solcher, der in seiner
    Weltfremdheit ein leichtes Opfer für den Obergangster Silver wird.
    Der Plot des Buches ist dagegen schon sehr gut durchdacht und fesselnd.


    Besonders fiel mir auf, daß Stevenson nur wenig über das Schiff oder die seefahrtstechnischen Abläufe schreibt. 1881 erschienen, kann er sich wohl darauf verlassen, daß der geneigte Leser zu der Zeit wußte was ein Schoner ist,wie man ihn segelt und wie Navigiert wird.


    Auch sind die Verhaltensweisen der Akteure die den Verhaltensnormen,die ja seinerzeit gelebt wurden, entsprechend und wirken seltsam naiv oder auch unwirklich.


    Dennoch, ein Buch, daß ich gerade, gut unterhalten, gelesen habe.


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Ahhhhhhhh... Stevenson! Einer meiner Lieblinge!
    Bei ihm sind die Bösewichte in der Schatzinsel zwar genauso wie du es beschriebst, aber versuch mal seine anderen Werke!
    David Balfour ist ja durch den Weihnachts-Vierteiler allen bekannt, aber wer hat denn dann das Buch gelesen?
    Klar böse zu seinem Neffen und auch noch eindeutig ein Geizhals ist Davids Onkel Ebenizer und David ist ein naives Lamm, aber wie sieht es mit den anderen aus?
    Red fox Colin Campbell war für die Schotten ein Bösewicht, aber nicht für die Engländer.
    Unser Held Alan Breck, war für die Schotten ein (lästiger) Held, aber für die Engländer ein Bösewicht und Rebell!
    Es ist also alles Ansichtssache...
    Noch verwirrender wird die Rolle des Bösewichts (?) bei seinem Junker von Ballantrie - überhaupt sehr empfehlenswert! Es ist so schön tragisch ;) Ist der Junker nun Böse (vielleicht sogar ein Pirat???) oder ist er einfach nur seltsam?


    Feuer frei! :)

    Fear not men with swords and guns . . .
    Fear the reckoning of the piper who unites them.
    - Unknown-

  • Ui, interessante Ausführungen, Arry! Aber es ist einfach zu lange her, dass ich die Bücher gelesen habe. Wäre mal wieder fällig, und da ich grad den neuesten Russel aushabe und mich noch nicht entschieden habe, in welches Buch ich am Montag im Zug auf der Fahrt nach Berlin die Nase stecke, bin ich jetzt echt am Überlegen... ;)

  • Ich glaub da muß ich auch mal wieder ran !
    Gibt es eine Auflage der Schatzinsel die du empfehlen kannst Arry ? Das meiste ist doch eher Jugendliteratur und entsprechend gekürzt denke ich.
    Beim Master of Ballantrea wußte ich nicht mal das er von Stevenson ist :shock:
    Ich kannte nur den Film mit Errol Flynn :lol:

    "We all came from the sea and it is an interesting biological fact that all of us have in our veins the exact same percentage of salt in our blood that exists in the ocean, and, therefore, we have salt in our blood, in our sweat, in our tears. We are tied to the ocean. And when we go back to the sea - whether it is to sail or to watch it - we are going back from whence we came."

    John F. Kennedy

  • Aye, Arry


    die stehen alle bei mir in der "Altbücherei" im Dachgeschoß. Dort warten all die alten Schätzchen darauf mal wieder gelesen zu werden. So wie das gestern mit der Schatzinsel geschah. Zur Schatzinsel noch eine Erinnerung. Ich habe ziemlich früh mit dem Lesen angefangen. Unter anderem war Hornblower ein ganz früher Favorit. Als ich dann von einem Onkel die Schatzinsel geschenkt bekam ( das ist schon eher was für Dich. Und zu meinem Vater: wie kannst Du zulassen, das der Junge so ein hochgestochenes Zeugs wie den Forrester liest...) fand ich das ganze Teil einfach nur platt und langweilig!!!!!
    Darum hat es wohl auch recht lange gedauert, bis ich mal wieder mich mit Stevensons BÜchern befaßt habe. Dann aber auch mit Genuß.
    Angarvater

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  • Ich oute mich mal als Fan von Stevenson. Entführt war mein erster Roman von ihm, noch vor dem tollen Vierteiler. Erst dann kam die Schatzinsel und später noch Cartoons, Der Selbstmörderclub, usw...
    Aber Entführt ist und bleibt mein Favorit. Das Büchlein habe ich dreimal nacheinander gelesen und war anschliessend ein glühender Jakobit.
    Vom Bunker kenne ich nur eine stark gekürzte Augabe und die fand ich eher...naja

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • @ Jethro. bei Anaconda gibt es eine Ausgabe der Schatzinsel die nach den Verlagsangaben eine vollständige, ungekürzte.


    Da kommt mir gerade noch so ein alter britischer Seeheld in den Sinn: Sigismund Rüstig von F. Martyat. Mal sehn ob der auch noch irgendwo in der Bücherstube vor Anker gegangen ist.


    Angarvater

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  • @Tyrell: Wenn möglich immer vom Insel-Verlag "Klassiker der Weltliteratur" suchen. Das kommt meistens der 1. Übersetzung am nahesten!
    oder übers Antiquariat. Je älter das Buch, desto weniger ist verfremdelt worden!


    Selbstmörderclub habe ich auch hier stehen, muß es aber noch lesen

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    - Unknown-

  • Den Selbstmörderclub und die anderen damit in Verbindung stehenden Geschichten mag ich sehr, wohl auch aufgrund einer gefühlten Verwandtschaft zu Sherlock Holmes.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • @ Angarvater: Danke, ich hab dann sofort bestellt :D

    "We all came from the sea and it is an interesting biological fact that all of us have in our veins the exact same percentage of salt in our blood that exists in the ocean, and, therefore, we have salt in our blood, in our sweat, in our tears. We are tied to the ocean. And when we go back to the sea - whether it is to sail or to watch it - we are going back from whence we came."

    John F. Kennedy

  • Zitat von "Arry"


    Noch verwirrender wird die Rolle des Bösewichts (?) bei seinem Junker von Ballantrie - überhaupt sehr empfehlenswert! Es ist so schön tragisch ;) Ist der Junker nun Böse (vielleicht sogar ein Pirat???) oder ist er einfach nur seltsam?

    Der ist völlig durchgeknallt! So eine Art Joker (der von Batman und so...) auf altertümlich, der will einfach nur kaputtmachen, ansonsten ist seine Zielsetzung irrational. Habe das Buch aus und war schaurig-gruselnd fasziniert von diesem Typen. Was erst einmal so gewöhnungsbedürftig ist, ist dieses sehr stringente gentleman-like-Getue - wobei gerade das den Reiz des Buches ausmacht. Wenn sich der Ich-Erzähler mit dem Junker verbal duelliert, brilliert die Sprache in höchster Form. Die Story in einem gewöhnlichen Western wäre nach wenigen Seiten beendet gewesen, weil der eine den anderen über den Haufen geschossen hätte - nicht aber hier! Das tragisch-schaurige Ende ist etwas dick aufgetragen, aber sicher dem Zeitgeist geschuldet - insgesamt war dieses Buch ein recht außergewöhnliches Erlebnis, auf jeden Fall interessant und für all die empfehlenswert, die sich mal wieder an einem Klassiker in klassischem Erzählstil erfreuen wollen.

  • Ich glaube, in diesem Thread kann noch ein wenig ergänzt werden. Ich bin ein absoluter Stevenson-Fan. Ich mag alles, was ich von ihm gelesen habe. Der absolute Favorit ist Kidnapped. Da besitzte ich eine "Original-Spelling-Edition", die bis auf die Interpunktion auf die erhaltenen Teile des Originalmanuskripts zurückgreift und damit den Text bietet, den Stevenson selbst geschrieben hat.

    In Deutschland wohl noch weniger bekannt als Kidnapped ist die Fortsetzung Catriona. Jahre später geschrieben setzt die Handlung aber genau da ein, wo Kidnapped aufhört: David Balfour verlässt die British Linen Company's Bank. Er erfährt vom Prozess gegen James (of the Glens) Stewart und will zu dessen Gunsten aussagen, da er als Augenzeuge des Appin-Mordes dessen Unschuld beweisen kann. Politisch ist das aber nicht opportun. So wird er erneut entführt und auf der Felseninsel Bass im Forth of Firth festgehalten bis nach dem Todesurteil. Er lernt Catriona kennen, die Tochter des James More, ältester Sohn von Rob Roy McGregor. James More spielt eine äußerst unrühmliche Rolle, aber David und Catriona kommen sich nach vielen Abenteuern in Flandern und Nordfrankreich schließlich näher. Erst beim zweiten Lesen des Romans ist mir die tiefgründige Ironie richtig bewusst geworden, mit der der Roman erzählt wird.

    Und ein weiteres wunderbares Buch ist St. Ives, das Stevenson nicht mehr zu Ende schrieb. Nach seinem Tod fügte der Autor Arthur Quiller-Couch die abschließenden Kapitel an. Es ist zwar kein maritimes Buch, spielt aber zu napoleonischer Zeit. Ein französischer Kriegsgefangener flieht von Edinburgh Castle, wo sich tatsächlich ein Kriegsgefangenenlager befand, und will um das Erbe seines Großonkels kämpfen, das von einem schurkischen Cousin beansprucht wird. Spannende Abenteuer erwarten den Flüchtling. Ein absolut lesenswertes Buch.

    There's time to finish the game and beat the Spaniards too.

  • Catriona habe ich erst lange nach Kidnapped und sogar noch lange nach dem Vierteiler gelesen.

    Ich muss gestehen, dass ich es nicht sonderlich mochte. Um es mal einzuordnen. Kidnapped ist ein Buch, das den Highlander in uns erweckt, Catriona mehr kopflastig.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)