Drachen, Faultiere und keine Dinos - eine Reise durch Costa Rica

  • Ich weiß, ich hatte einen Reisebericht angedroht. Nun, direkt ein Reisebericht wird das hier nicht. Dafür war es einfach von allem zu viel - ich könnte gar nicht mehr aufhören zu schreiben, und das wäre auf Dauer auch ermüdend. Daher werde ich im ersten Teil etwas textlastig berichten und dann später mit einigen Bildern das Geschriebene illustrieren.

    Zu den Bildern gleich mal das Generalwasserzeichen als Text: Alle Fotos in diesem Thread sind von Jessica oder von mir aufgenommen.

    So, und nun geht's los:


    In "unserer" Zeit wäre man mit dem Segelschiff über den großen Teich geschippert, um nach Costa Rica zu kommen. Heutzutage nimmt man dafür, nicht zuletzt in Ermangelung ausreichend vieler Urlaubstage (also für Jessica...), das Flugzeug. Mit Verspätung, aber auch mit beiden Koffern und auch ansonsten wohlbehalten kamen wir in der Hauptstadt San José an. Hier startete unsere 16tägige Rundreise durch dieses zauberhafte Land, wobei am Ende festzustellen war, dass die Hauptstadt der unspektakulärste, um nicht zu sagen langweiligste Teil der Reise war. Dann aber ging es in die Natur, und die ließ uns bis zum Schluss der Reise nicht mehr los. Man kann diese Reise auch als "Nationalpark-Hopping " bezeichnen. Und genau das hat dann auch den Zauber ausgemacht.


    Zur Einordnung: Die Menschen in Costa Rica machen einiges so richtig richtig. Mehr als 30% ihres Landes sind geschützte Nationalparks. Ihren Strom gewinnen sie zu 100% aus erneuerbaren Energien (Wasserkraftwerke, Erdwärme - viele aktive Vulkane - Solar, Wind). Schon 1948 haben sie das Militär abgeschafft; das dadurch eingesparte Geld stecken sie in Bildung, Erziehung und Gesundheitssystem. So können 96% der Menschen in Costa Rica lesen und schreiben. Nicht nur in Lateinamerika ist das ein Spitzenwert. Im Happy Planet Index belegt Costa Rica Platz 1. Natürlich ist auch dort nicht alles eitel Sonnenschein, aber mir will scheinen, wenn mehr Länder auf der Erde sich an diesem Land ein Beispiel nehmen würden, hätten wir eine bessere Welt.


    Unser Reiseleiter war ebenso wie der Busfahrer ein unglaublich naturverbundener Typ, liebte die Tier- und Pflanzenwelt, und beide zeigten uns viel, viel mehr, als die Reisebeschreibung vorsah. Unsere kleine Reisegruppe (wir waren 10 nette Menschen) hatte also beste Voraussetzungen. Wettertechnisch hatten wir auch das Glück gepachtet. Es herrschte Regenzeit, aber der tägliche Regen setzte immer erst am späten Nachmittag ein, und da waren wir fast immer schon zurück von unseren Ausflügen bzw. saßen im Bus auf der Fahrt zum nächsten Quartier. Unsere Unterkünfte waren (außer San José) stets im oder direkt am Dschungel, in sog. Lodges, bungalowartigen Unterkünften, in denen man sich wohlfühlen konnte. Jeden Morgen wurde man durch den Gesang der Brüllaffen geweckt, was ich nicht schlimm fand. Es passierte immer irgendwann zwischen 5:00 und 6:00 Uhr und dauerte maximal 20 Minuten, danach bin ich jedes mal wieder eingeschlafen. Ja, der sonstige "Umweltlärm" war natürlich permanent präsent, Zikaden, Vögel und anderes, aber da hatten wir uns blitzschnell dran gewöhnt. Stechinsekten waren auch kein Problem. Alle Unterkünfte hatten Gazefenster, und wenn man stets dran dachte, sich mit Insektenschutz einzusprühen, bevor man in den Tag startete, war alles gut.

    Was ein Problem war, war die hohe Luftfeuchtigkeit. Irgendwann fühlten sich alle Textilien im Koffer klamm an. Aber da es auch nachts noch ausreichend warm war, hat das auch nicht wirklich gestört. Ich hatte nur Sorge, dass die Koffer dadurch bei der Rückreise zu schwer sein würden. Waren sie nicht, auch nicht auf Grund des "geschmuggelten" Rums. fr21


    So, das mal so als Einleitung, gleich geht es weiter.

  • "...und du stundenlang ein verlassenes Vogelnest anstarrst." (Jack zu Stephen in DEM Film)


    Kommen wir zu einer Überlegung, die in dieses Forum passt: Wie hätte Stephen Maturin dieses Land erlebt? Ich glaube, er hätte sich im Paradies gewähnt. Wir wissen ja, dass er an allem, was kreucht und fleucht, interessiert war, aber es ihm insbesondere die Vogelwelt angetan hat. Costa Rica hat über 900 Vogelarten (dreimal so viel wie Deutschland, und das bei einer Fläche, die 14% der Fläche von Deutschland entspricht).

    Und wie schön viele dieser Vögel sind! Eine Vielfalt, eine Farbenpracht - unglaublich.


    Uns haben besonders die größten und die kleinsten Vögel imponiert. Fangen wir bei den Großen an. Von den weltweit 350 Papageienarten leben in Costa Rica 18 Arten. Zu ihnen gehören auch die Aras. Man kennt sie aus dem Zoo, wo sie traurig mit gestutzten Flügeln auf der Stange hocken. Wir haben sie in freier Wildbahn erleben dürfen, und das mehrmals. Was für wunderschöne, elegante und farbenprächtige Tiere! Sie sind wahre Kletterkünstler; um an die von ihnen begehrten Früchte wie Mandel zu kommen, hängen sie oftmals kopfüber hoch oben in den Ästen des Baumes. Sie haben auch ein ausgeprägtes Paarverhalten und sind sich in ihren Beziehungen ein Leben lang treu. Sieht man sie fliegen, kommt man ins Träumen. Was für eine Ästhetik, welche Anmut!

    Die nachfolgenden Bilder zeigen rote Aras im Baum und grüne Aras im Flug.




    Aras stehen unter strengem Schutz. Sie sind auch in unmittelbarer Nähe zum Menschen zu finden, haben dort, wo sie an uns gewöhnt sind, keine Scheu, was es dann natürlich leicht macht, auch mal ein paar besonders schöne Nahaufnahmen zu bekommen.


    So, und im nächsten Posting wird es winzig.

  • Stephen Maturin hätte vermutlich mindestens so lange wie wir die kleinsten gefiederten Freunde in diesem Land beobachtet und wäre genauso fasziniert gewesen wie wir. Die Rede ist natürlich von Kolibris. Unglaublich, aber wahr: In Costa Rica gibt es 35 (!) Kolibriarten. Ich nehme nicht für uns in Anspruch, alle 35 gesehen zu haben, aber auf jeden Fall waren es sehr viele. Die größten waren ungefähr so groß wie Spatzen, nur deutlich schlanker, die kleinsten vielleicht so lang wie mein Daumen. In den Nationalparks gab es manchmal speziell eingerichtete Futterplätze, hängende Glocken mit Trinklöchern, gefüllt mit einer speziellen Zuckerlösung, angereichert mit natürlichen Zutaten, die den Ernährungsgewohnheiten der kleinen Flattergeister entsprechen. Dort hatte man dann auch die Chance auf herrliche Schnappschüsse. Und es klingt so schön, wenn sie um deinen Kopf fliegen und du dicht am Ohr das Flügelschlagen (ca. 60x pro Sekunde) hörst. Faszinierende Tiere, auf jeden Fall! Aber auch an anderen Orten haben wir sie mit der Kamera einfangen können.





    Die Vogelwelt beschäftigt uns auch im folgenden Posting.

  • Costa Rica hat jetzt nicht direkt ein Wappentier, aber wenn es einen Vogel gibt, der für Costa Rica typisch und überall präsent ist, ist es der Tukan. Sechs verschiedenen Arten dieses außergewöhnlichen Vogels gibt das Land eine Heimat. Schaut ihn euch an - ist er nicht wunderschön?


    Dieses Bild verdanken wir dem Teleobjektiv - Maturin hätte ihn vermutlich so gesehen:


    Bevor wir uns dann dann dem Thema Drachen widmen, hier noch eine kleine ornithologische Auswahl, die Stephen auf jeden Fall auch entzückt hätte:




  • "Die Drachen scheinen sie jedenfalls nicht zu stören..." (Mr. Blakeney zu Maturin in DEM Film)


    Ja, die "Drachen". Leguane sind auch überall präsent. Und es gibt etliche Arten. Grüne Leguane, Schwarzleguane, Buntleguane....

    Es verging fast kein Tag, ohne dass wir mindestens einen (meist mehrere) gesehen haben. Bei Wanderungen oder Bootstouren durch den Dschungel saßen sie oftmals irgendwo in den Bäumen. Da brauchte es schon den scharfen Blick des Reiseleiters, um sie zu entdecken. Aber sie begegneten uns auch mitten auf dem Weg. Und selbst in den Ressorts, direkt vor unserer Lodge oder am Pool, stolzierten sie vorbei, und manchmal präsentierten sie auch stolzes Imponiergehabe, um klarzustellen, wer hier der Chef ist. Und das muss man mal ehrlich zugeben: Es sind bemerkenswerte Wesen, die aus einer anderen Zeit zu kommen scheinen.





  • "Jack, du hast mein Faultier korrumpiert!" (Maturin zu Aubrey in Band 3 der Romanreihe)


    Wenn es ein Tier gibt, dass die Lebensphilosophie des Landes ideal verkörpert, dann ist es das Faultier. Nein, damit will ich nicht sagen, dass die Costa Ricaner faul sind, mitnichten! Aber das Faultier ist so sehr Pura Vida - mehr geht nicht.

    Pura Vida ist Costa Rica. Pura Vida ist alles, was man zum Wohlfühlen braucht. Pura Vida ist so, wie das Land ist. Entspannt, glücklich, entschleunigt. Man beendet zum Beispiel ein Gespräch, egal ob am Telefon oder direkt, mit Pura Vida. Man prostet sich zu mit Pura Vida. Pura Vida ist im Prinzip eine Steigerung des italienischen "la dolce vita" - ausgeweitet auf das gesamte Leben.

    Wir haben uns ein Plüsch-Faultier mitgebracht - und es Pura Vida getauft. :D


    Faultiere sind schwer zu entdecken. Sie leben in den Bäumen, hoch oben, und fallen dort nicht gerade durch hektische Betriebsamkeit auf. Dennoch war es uns vergönnt, recht viele dieser tollen Wesen zu entdecken. Und das Teleobjektiv lässt glücklicherweise die Entfernung schrumpfen, so dass wir euch hier auch ein paar Bilder zeigen können.


    Bäume. Auch ein tolles Thema.

    Wir haben Dschungel/Regenwald in vielen verschiedenen Formen erlebt. Je nach Landstrich trifft man auf verschiedene Formen. Aber eins ist allen gemein: Sie sind wunderschön. Und wenn man durch diese Wälder wandert, könnte man heulen, wenn man sich bewusst macht, das so etwas unglaublich Schönes an anderen Orten der Welt gnadenlos abgeholzt wird. Die Pflanzenvielfalt ist unglaublich. Man trifft auf Bäume, 30 Meter hoch und höher - und dann sagt der Reiseleiter, dass das ein Ficus ist. Ich hab ein paar Bilder direkt nach der Rückkehr unseren beiden Zimmer-Ficus hingehalten und gemeint: "Hier, nehmt euch mal ein Beispiel dran!" :D Überhaupt entdeckt man immer wieder Pflanzen, die in Deutschland in den Fensterbänken stehen und da, im Vergleich zu den Dschungeloriginalen, wie Bonsais anmuten.

    Und diese Orgie des Lebens! Da wächst Leben auf Leben auf Leben. Ein Baum mit Stammdurchmesser von ein paar Metern wird von anderen, dünneren Bäumen als Klettergerüst benutzt, und auf deren Ästen wachsen wiederum andere Pflanzen, auf deren Blättern sich Moose bemühen, ans Licht zu kommen.

    Wir waren in einem Nationalpark unterwegs, in dem wir auf einem Baumwipfelpfad gewandert sind, ganz anders, als man das in Deutschland kennt. Das waren acht richtig lange Hängebrücken, auf denen man von jeder einen anderen fantastischen Blick auf den Regenwald hatte.

    In einem anderen Nationalpark sind wir mit dem Boot durch Mangrovensümpfe gefahren, auch hier war der Überlebenskampf der einzelnen Pflanzen zu sehen, aber wiederum aus einer ganz anderen Perspektive.


    Soviel für heute - morgen geht es weiter, und dann wird es hier ziemlich affig. fr21

  • Alle Tiere der Dokumentation der Reise sind wunderbar......mir fällt dazu allerdings ein... " Menschen, die auf Vögel starren".....Wunderbare Fotos von tollen Vögeln. Wobei auch die anderen Tiere eurer Fotoreihe sehr schön sind. Ich beneide euch um diese schöne Reise und freue mich schon auf Berichte beim nächsten BKT. :huzzah:fr18hail

    There is no dark side in the moon, really; [as a] matter of fact it’s all dark.

    Es gibt beim Mond keine dunkle Seite; tatsächlich ist er ganz dunkel.

    – Gerry Driscoll


    In der Werft: HMS Alert 1:96, Kartonmodel

  • ich hab ein paar Bilder direkt nach der Rückkehr unseren beiden Zimmer-Ficus hingehalten und gemeint: "Hier, nehmt euch mal ein Beispiel dran!"

    Na dann viel Spaß, wenn sie es wirklich tun sollten. :pf:

    Was für tolle Bilder. Ich muss gestehen, das Faultier mag ich ganz besonders.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Danke dafür, das meine Bucket Liste um einen Punkt erweitert wurde.

    Toller Bericht aus einem tollen Land.

    Was hattet Ihr für ein Tele dabei? 200mm oder mehr?


    Aga

    Gentlemen, when the enemy is committed to a mistake, we must not interrupt him too soon.

    Adm. Horatio Nelson

  • Ahoi allerseits und schon mal vielen Dank für die netten Kommentare.

    Aga Das war ein 300er.


    Dann will ich meine Berichterstattung fortsetzen.


    Isla Nubla, 120 km westlich von Costa Rica (Einblendung zu Beginn von Spielbergs Film "Jurassic Park")


    Nun, es wird vermutlich niemanden verwundern zu erfahren, dass es diese Insel in Wahrheit nicht gibt. Und eben auch keine Dinos in Costa Rica. :D Dennoch folgt jetzt ein ABER:

    Schaut man sich dieses Foto an, könnte man zumindest für einen kurzen Moment denken, da laufe ein Brachiosaurus durchs Bild.

    Es sind jedoch Nasenbären. Diese possierlichen Allesfresser sehen niedlich aus, haben aber in Costa Rica einen vergleichbaren Status wie bei uns die Waschbären. Ohne Scheu vor den Menschen durchstreifen sie auch die Orte und plündern Abfallbehälter auf der Suche nach Nahrung. Begegnet man ihnen in der freien Natur, zeigen sie sich auch dort wenig bis gar nicht scheu.



    Also, keine Dinos, dafür aber beängstigende Wesen, die sich evolutionstechnisch seit der Zeit der Dinosaurier nicht allzu sehr verändert haben. Auf einer Bootsfahrt auf dem Tárcoles River sahen wir an den Ufern und auf den zahlreichen Sandbänken im Fluss so ca. 30 bis 40 Krokodile. Und einige von denen waren wahrhaft riesige Exemplare.

    Der Bootsführer bot uns dabei noch eine ganz besondere Show. Erst pfiff er laut, dann ließ er das flache Boot am Ufer einer Sandbank auflaufen, holte aus einer Kühlbox ein großes Stück Fleisch, klatschte damit am Ufer immer wieder ins Wasser und lockte so ein paar Mal einen oder zwei der urzeitlichen Echsen an. Und wenn dann dieser fünf Meter langer Hoschie mit einem Kampfgewicht von ca. 1.000 kg ganz dicht an dir vorbeischwimmt, rückst du automatisch ein Stück vom sehr niedrigen Bootsrand weg.




    So, im nächsten Posting gibt es wieder niedlichere Tiere! :sun:

  • A babe di dub dub dube di sad (Der Affenkönig Lui in Disneys "Das Dschungelbuch" von 1967)


    In Costa Rica sind die Affen los. Vier verschiedene Arten gibt es, und immerhin drei haben wir in freier Wildbahn erlebt, eine nur hinter Gittern - aber dazu komme ich später. Zwar singen sie nicht so schön wie King Lui, aber zu hören sind sie auf jeden Fall auch. Besonders trifft das auf die bereits erwähnten Brüllaffen zu. Wenn ich weiter vorn erzählte, dass sie immer so zwischen 5 und 6 in der Früh zu hören waren, heißt das nicht, dass sie für den Rest des Tages ein Schweigegelübde einhielten. Immer wieder ertönen ihre kraftvollen Stimmen, man hört sie auf jeden Fall viel eher, als man sie dann endlich auch zu Gesicht bekommt. Und sie bevorzugen, sehr zu unserem Leidwesen, immer die höchsten Bäume und waren deshalb nur schwer richtig schön aufs Bild zu bekommen. Hier hat es mal gut geklappt:


    Wesentlich fotofreundlicher verhielten sich die Kapuzineräffchen. Unsere erste Begegnung mit ihnen hatten wir auf einer frühmorgendlichen Bootstour durch den Dschungel im Tortuguero-Nationalpark an der karibischen Küste.



    Das nächste Mal trafen wir sie in einem anderen Nationalpark, als eine große Gruppe von ihnen unseren Wanderweg kreuzte. Es war faszinierend, die lärmende Horde zu erleben, wie sie über uns von einem Baum zum nächsten turnten, dabei rund um sich herum Blätter und Früchte fraßen und uns zwar zur Kenntnis nahmen, aber nicht sonderlich beeindruckt wirkten.

    In einem Nationalpark an der Pazifikküste hatten wir sie dann wirklich zum Greifen nah.


    Die dritte Affenart ist der Klammeraffe. Als wir von der eben erwähnten Bootstour im Tortuguero-Nationalpark zurück in unser Domizil kamen, turnte eine Familie direkt vor unserer Lodge in den Bäumen umher.



    Es fehlt nun noch das kleinste und zugleich niedlichste Äffchen, das Totenkopfäffchen. Leider war es uns nicht vergönnt, sie in freier Wildbahn zu sehen. Wir sahen sie dann in einem Wildlife Sanctuary an der Pazifikküste. Das war aber eine ziemliche traurige Sache, denn hier findet man Tiere, die durch Unfälle verletzt wurden und gepflegt, aufgepäppelt und anschließend wieder ausgewildert werden. Vor allem aber trifft man hier bemitleidenswerte Geschöpfe, die durch illegale und völlig artfremde Haustierhaltung durch Menschen völlig die Fähigkeit verloren haben, in freier Wildbahn zurecht zu kommen. So auch zwei Totenkopfäffchen.


    Genug von solchen traurigen Dingen - im nächsten Posting widmen wir uns wieder DEM Film.

  • Unsinn! Ich werde eine Schildkröte nach dir benennen: Testudo Aubreii! (Stephen zu Jack auf den Galapagosinseln in DEM Film)


    In und um ganz Costa Rica leben fünf verschiedene Arten von Meeresschildköten. (Es gibt bemerkenswerterweise keine Landschildköten dort.) Die grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) ist eine von ihnen. Der Strand von Tortuguero an der Karibikküste ist ihr wichtigster Eiablegeplatz. In der Zeit von Juli bis September kommen Nacht für Nacht hunderte von Schildkröten aus dem Meer, um im weichen Sand ihre Eier abzulegen. 6 bis 8 Wochen später schlüpfen dann die kleinen Nachkommen und machen sich instinktiv in Richtung Meere auf den Weg, verfolgt von zahlreichen Fressfeinden (Vögel, Leguane, streunende Hunde...) Was man sonst nur aus Dokus im Fernsehen sieht, haben wir live und in Farbe erlebt, und das gleich mehrmals. Es ist ein unvergesslicher Anblick, diese winzigen Geschöpfe dabei zu beobachten, wie sie sich den Weg ins Meer bahnen. Das ist ja dort kein durchgehend weißer, glatter Sandstrand. Da wachsen Pflanzen, liegen Reste von Bäumen, und schon ein Fußabdruck eines Menschen wird zu einer Herausforderung. Ihnen zu helfen ist verpönt, aber immerhin sind die Kleinen durch die Anwesenheit der vielen Menschen, die jede einzelne von ihnen bis ins Wasser begleiten und dabei natürlich filmen und fotografieren, vor ihren natürlichen Feinden geschützt. Zumindest an Land jedenfalls - die Gefahren im Ozean sind unendlich vielfältiger...


    Die Füße im letzten Bild zeigen, wie klein diese frisch geschlüpften Tierchen sind. Schaffen sie es, groß und alt zu werden zu werden, bringen sie bis zu 190 kg auf die Waage und messen bis zu 140 cm.


    Ich zitiere mich mal selbst - eben ein paar Zeilen weiter oben geschrieben:

    Zitat

    haben wir live und in Farbe erlebt

    Nun ja, besonders farbig waren die Kleinen ja nicht. Also dann, bringen wir Farbe ins Spiel. Die Fauna Costa Ricas habe ich ja bereits umfangreich vorgestellt - werfen wir mal einen Blick auf die Flora, und hier speziell auf die Blütenpracht. Ein Spaziergang durch den Regenwald und einer durch einen gesunden deutschen Mischwald (soll es ja noch geben...) ist ein himmelweiter Unterschied. Bei uns: Ja, viel grün, in vielen Abstufungen, und im Frühjahr mal noch die eine oder andere Blüte. Im Dschungel findest du überall eine bunte Blütenpracht, die unglaublich ist. Die Augen laufen einem über ob der Farb- und Formenvielfalt.

    Aus diesen Blüten wird roter Farbstoff gewonnen, der zum Textilfärben, Schminken oder Malen verwendet werden kann.





    Mit Fotos von Blüten unterschiedlichster Art und Größe könnte ich hier noch mehrere Postings füllen, ohne eine einzige Wiederholung. :sun:


    Aber das mache ich nicht - im nächsten Posting schauen wir mal, was noch so für gar herrliches Getier zu finden war.

  • Zwei neue Spezies in kaum zwei Minuten. Das ist bemerkenswert. (Stephen mit Blick auf den Strand einer Galapagosinsel)


    So wie Stephen Maturin ging es uns des Öfteren bei unseren Wanderungen durch den Regenwald. Und es waren bei weitem mehr als zwei neue Spezies, die wir innerhalb kürzester Zeit entdeckten - bzw. von David, unserem Reiseleiter, oder Oscar, dem Busfahrer, gezeigt bekamen.

    Und da war alles dabei. Frösche, Eidechsen, Schlangen, Spinnen, Insekten, Vögel, Säugetiere, Reptilien. Wir haben Kojoten gesehen, Agutis, einen Ameisenbär, Kaimane und und und. Ich glaube, ich gehe nie wieder in einen Zoo oder Tierpark. Ja, hinsichtlich der Züchtung vom Aussterben bedrohter Arten oder eben der Unterbringung von diesen bereits erwähnten Opfern menschlichen Versagens haben sie bestimmt ihre Berechtigung. Alles andere aber... Seit ich zum Beispiel die Kapuzineräffchen im Dschungel erlebt habe, möchte ich sie nicht mehr hinter Gittern sehen - egal wie groß das Gehege auch sein mag.

    So, genug philosophiert. Hier ein paar der erwähnten Tiere, die so freundlich waren, sich fotografieren zu lassen:

    Als erstes ein Erdbeerfrosch:

    Dieser kleine Racker ist giftig, als Vorsicht! Das Gift zum Schutz vor Feinden produziert er aus dem, was er als Hauotnahrungsquelle verzehrt: Schuppenameisen.

    Ein grüner Vetter von ihm:


    Krabben, Spinnen, Insekten, Schmetterlinge...



    Ich will es dann mal damit bewenden lassen.


    Ein ganz besonderes Highlight habe ich mir noch zum Schluss aufgespart. Aber zuvor wird es kulinarisch interessant...

  • Geh doch dahin, wo der Pfeffer wächst! (Redewendung)


    Nun, wir waren dort. Bisher habe ich so Sachen wie Pfeffer, Vanille oder Zimt immer den Molukken zugeordnet - nicht nur Magellan war ja ganz wild darauf, dorthin zu gelangen, zu den Gewürzinseln.

    Aber all das und noch viel mehr wächst auch auf Costa Rica. Ebenso wie Kaffee und Kakao, Ananas, Bananen, Papayas, Mango, Avocado, Litschis, Manjock und Früchte, deren Namen wir bisher nicht kannten, geschweige denn, dass wir wussten, wie sie schmecken.

    Wir haben sowohl eine Kaffeeplantage als auch eine Kakaoplantage besucht, und beides war hochinteressant. Kosten und kaufen jeweils inklusive natürlich. :D

    Was ich hier auf meiner Handfläche habe, sind zwei Vanilleschoten.


    Und auch die begehrten Gewürznelken wachsen hier:


    So sieht ein Pfefferstrauch aus:


    Außerdem wachsen hier alle erdenklichen Arten an Kräutern; sehr beliebt dabei ist insbesondere Koriander.


    Und das Beste ist: Die Leute können mit diesen und weiteren Zutaten so unglaublich leckere Gerichte zaubern! Auf einer Finca, so einer Art Bio-Bauernhof, wo all diese Sachen wachsen, bekamen wir zum Mittag lecker Fisch im Bananenblatt gebacken. Pura Vida!


    So, wir nähern uns dem Finale.

  • Lassen sie mich raten. Ein Zweig? (Jack Aubrey zu Midshipman Blakeney in DEM Film)


    In einem Schmetterlingspark bekamen wir doch tatsächlich ein paar lebende Phasmiden gezeigt!

    Die erste dürfte allen hier bekannt sein:


    Ebenso bemerkenswert ist aber auch diese hier:


    Dieser Käfer tarnt sich als Blatt. Aber eben nicht einfach so. Jeder sieht anders aus, und das aus gutem Grund: Diese Käfer gehören zur bevorzugten Beute der Affen. Um nun den Affen kein leicht einzuprägendes Schema zu liefern und so schnell erkannt zu werden, sieht eben jedes anders aus. Nun sind die Affen ihrerseits ja auch clever: Sie schütteln die Äste, an denen sie ihr Futter vermuten, um so die Tiere aufzuscheuchen. Unsere Phasmide hier ist aber noch cleverer: In dem Fall lässt sie sich einfach fallen wie ein Blatt und wird so vom Affen nicht als Futter erkannt. Immer wieder erstaunlich, was sich Mutter Natur im Laufe der Evolution so ausgedacht hat.


    Was gibt es noch zu berichten? Ohne Fotos das hier: Wir haben mitten im Dschungel an einem Wasserfall im kalten Nass gebadet - wie im Film! Wahnsinn! Ähnlich toll war ein Thermalbad mitten im Urwald. An einem Fluss, der ziemlich schnell floss, waren auf beiden Seiten des Ufers Thermalbecken gebaut worden, die sich aus unterirdischen Quellen speisten. Dazu gab es heißen Heilschlamm, den man sich auf der Haut verschmiert hat, um ihn dann, wenn er getrocknet war, wieder im Fluss abzuwaschen. Anschließend dann zum Aufwärmen in das heiße Thermalwasser. Sozusagen Sauna rückwärts.


    Und wir waren in zwei Ozeanen. Mein erstes Bad im Pazifik wird mir wohl für immer im Gedächtnis bleiben. Dort am Strand übrigens die Großfresse des Jahres:


    Nach der 16tägigen Rundfahrt blieben wir noch drei Tage am Pazifik, ließen diese unglaublich schönen Tage nachklingen und gönnten uns dort einfach mal eine Runde faulenzen am Pool mit Cocktails und Sonne und Tukanen und Leguanen als Gesellschafter.

    Und falls es noch nicht bekannt sein sollte: Diese kleine Insel mit den zwei einsamen Palmen, die man aus zahlreichen Karikaturen kennt, gibt es wirklich:

      


    Am Ende wussten wir: Wir waren zu Gast im Paradies. Pura Vida!

  • Vielan Dank für diesen wunderbaren Bericht, der jede Menge Fernweh erzeugt. Mir ist vorhin erst bewusst geworden, dass ihr ja fast in der Gegend ward, wo Hornblower auf El Supremo gestoßen ist. Ich glaube, das war nur ein wenig weiter nördlich.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Ich habe ja noch zwei bemerkenswerte Wesen vergessen! Da wäre zum einen die Blattschneideameise. Es war immer wieder faszinierend zu beobachten, mit welchem Fleiß und mit welcher Gründlichkeit sie jedes noch so große Blatt in kleine Stücke zerschneiden und sie dann in den Bau tragen. Die Arbeiter werden dabei von Soldaten begleitet, die teilweise nebenher laufen, oftmals aber auch auf dem Rücken der Arbeitsameise, neben dem Blattstück sitzen und über den Transport wachen.


    In ihrem Bau werden die Blätter zerkaut, aber nicht gefressen. Sie nutzen diese Masse zur Herstellung eines Substrats, aus dem ein Pilz entsteht, von dem sie sich dann ernähren.

    Man trifft die kleinen Racker überall, sowohl im Urwald als auch am Strand. Manchmal wundert man sich, wenn man sieht, dass sie am Stamm eines meterhohen Baumes nach oben krabbeln, um von dort Blattstückchen zu holen, wo doch unten am Boden der Tisch auch reich gedeckt ist. Aber sie sind wie kleine Kinder: "Aber dieses Blatt hat dir doch gestern so gut geschmeckt?" "Aber ich will das heute nicht mehr, ich will ein anderes!" Diese Abwechslung ist aber überlebensnotwendig - nur so kann der erwähnte Pilz gesund wachsen und gedeihen. Eine einzige Ameisenkolonie vernichtet am Tag soviel Blattzeug wie eine ausgewachsene Kuh frisst.

    Und so sieht das dann aus, wenn die Ameisen da waren:


    Zwar fest domestiziert, dennoch sehr selten anzutreffen ist dieses Tier hier. Es handelt sich um den Frottefanten (Elephantidae hotelsensis):

    Uns ist es gelungen, sogar Freundschaft mit ihm zu schließen. :D


    Und zum Abschluss noch ein Filmtipp für den nächsten Heimkinoabend. Wegen diesem Baum und seiner Früchte hat es schon mal eine handfeste Meuterei gegeben:


    So, das war es nun aber wirklich mit meinem Costa-Rica-Bericht.


    Pura Vida!