Die Ringe der Macht

  • Seit einer Woche kann man sich Amazons Milliardenprojekt auf Amazon Prime anschauen. Zum Auftakt gab es zwei Folgen und nun wird wöchentlich je eine Folge veröffentlicht.

    Ich gehörte nicht zu den Zuschauern der ersten Stunden, da hatte unser Forentreffen eindeutig eine höhere Priorität. Aber ich war wirklich gespannt, weil die Trailer zumindest spektakuläre Bilder versprachen. Da ich erst gestern zum Anschauen kam, konnte es nicht ausbleiben, dass ich die eine oder andere Reaktion bereits im Vorfeld mitbekam.

    Die Reaktionen besagten, dass Folge ein ein wenig schwer in Fahrt kommt, aber dann geht es richtig los. Nun ja, vielleicht habe ich ja auch eine andere zweite Folge gesehen.


    Mein Eindruck von der ersten Folge deckte sich mit den Kritiken. Viel zu viele Handlungsstränge auf einmal und deshalb eigentlich keine richtige Handlung, sieht man einmal von Galadriel ab. Aber auch in diesem Strang wird mehr erzählt oder behauptet, als wirklich überzeugend gezeigt. Fazit: Langeweile pur

    Die zweite Folge machte dort weiter, wo die erste Folge geendet hatte. Von einer wirklichen Steigerung konnte keine Rede sein. Die einzige Änderung war ein Schuss Humor mit der Einführung der Zwerge. Blieb also die Hoffnung auf Folge drei, doch meine Frau meinte, nach so viel atemloser Spannung sollten wir uns vielleicht eine alte Folge vom Kommissar oder Derrick anschauen, um nicht ganz einzuschlafen.


    Zusammengefasst hat die ganze Story ein riesiges Problem, was für mich auf eine Überforderung von Regisseur und Drehbuhschreibern hindeutet. Wer gleich mit so vielen Handlungssträngen startet, ohne dass die Story in Fahrt kommt, möchte wahrscheinlich große Kunst schaffen, doch Kunst kommt halt noch immer von Können. Es wäre vermutlich besser gewesen, die ganze Serie mit zunächst nur einer Story in Fahrt zu bringen und dann so nach und nach auch die anderen Geschichten zu erzählen. Das wird ein ziemlich teurer Flop würde ich meinen, wenn nicht noch ein Wunder geschieht.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Deshalb warte ich, bis alle Folgen online sind und schaue dann in meiner Geschwindigkeit. ;)

    "If there are ladies present, gentlemen should be also." - Major Richard Sharpe

  • Habe gerade meinen Junior gefragt, der die Serie schaut, und er empfindet die Serie als spannend und klar strukturiert.

    Spannend die unterschiedliche Wahrnehmung.

    Ich mache es wie Alderian

    Aga

    Gentlemen, when the enemy is committed to a mistake, we must not interrupt him too soon.

    Adm. Horatio Nelson

  • Ich muss schauen, wie es bei mir weitergeht. Meine Frau lehnt jegliche weitere Folge ab.

    Bei Amazon kann man ja leider seine Meinung zur Serie nicht mehr kundtun, aber die bisherigen Rezensionen sind lesbar und erstaunlicherweise werden mir die Verrisse zuerst angeboten. In einem dieser Verrisse wird vermutet, die Probleme des Drehbuchs bestehen darin, dass sich die Serie mit dem Zweiten Zeitalter beschäftigt, aber Amazon nicht die Rechte am Simarillion besitzt, in dem die wesentlichen Ereignisse dieses Zeitalters geschildert werden. Man war also gezwungen, eine eigene Geschichte zu erfinden, durfte aber aus Urheberrechtsgründen nicht zu dicht an die wahre Geschichte heran. Amazon hat also eine Viertelmilliarde US-Dollars dafür ausgegeben, an eine Neuerfindung das Label Herr der Ringe pappen zu können. Und so kommt es, dass plötzlich irgendwelche Proto-Hobbits auftauchen, obwohl Tolkien ja ausdrücklich geschrieben hat, dass die Hobbits nur ein einziges Mal eine Rolle gespielt haben und diese Geschichte kennen wir alle. Oder sprechen wir über die Zwergfrauen. Gimli erzählt in HdR, dass Zwergfrauen sich kaum von den Zwergenmännern unterscheiden, was die Partnersuche für Zwerge so schwer macht. In der Serie sehen sie aus wie geschrumpfte Frauen, fehlt nur noch die Zipfelmütze und es wären weibliche Gartenzwerge.


    Ein anderer Rezensent brachte es vermutlich auf den Punkt. Die Drehbuchautoren sagten einfach: "Hey Alexa, schreib uns eine von Tolkien inspirierte Geschichte für eine Fernsehserie."

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Ha! Das erklärt wohl einiges. Als Tolkinfan suchte ich nämlich nach dem was im Silmarillion geschrieben steht.

    Ansonsten, ganz nett gemacht aber nichts sehr aufregendes. Ich bin mal gespannt, ob sie die Reihe spannend weiter entwickeln können, oder sie, wie im Rad der Zeit langsam immer langweiliger wird.

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • "Kein Sex in Mittelerde." Das ist auch gut so! Auch die Gewalt hält sich noch in Grenzen. Das ist auch gut so!

    Ich sehe eine andere Staffel.

    Ich schließe mich der negativen Kritik hier so gar nicht an.

    Es gibt sehr viel Gutes.

    Das möchte ich andertags berichten und schreiben.

    Im Moment sind andere Ringe mächtiger!

    "Wie die Luft gehört die See als Geburtsrecht allen Menschen.“
    (Thomas Jefferson 1743 - 1826)

  • Es sind nicht zuviele Handlungsstränge.

    Vorläufer der Hobbits sind die Haarfüße - die sind echte Vor-Läufer. Frech, dumm, schlau, neugierig, drollig...

    Die Menschen von Numenor - die Vorfahren von Aragorn. Menschen, die mit langem Leben gesegnet sind - so Rohans Schwertmaid zu Aragorn beim Erraten seines Alters - "Dann seid ihr ja mit meinem Großvater in den Krieg gezogen....." Elendir und Isildur. Aragorn, der Waldläufer ist Isildurs Erbe und schreit für Elendir beim Eingreigen in die Schlacht...

    Die Menschen der Südlanden: Die ziehen mit Sauron im HdR gegen die letzten Verzweifelten in den Krieg... Die kommen mit den Olifanten daher... Der Macht des Bösen anheim gefallen....

    Die Elben: In Mittelerde im Krieg, aber dort nicht zu Hause. Galadriel, Elrond, diese arroganten, klugen, weisen ....

    Bündnisfähig mit den Zwergen - scheinbar - Zwerge, gierig, schlau, dumm und liebenswert...

    Orks.

    Anführer der Bösen.

    Ein vermutlich Zauberer, der als Komet vom Himmel fällt.

    Mysthische Zeichen. Ein Mal - genial - das keins ist, sonder die Karte von Mordor, das wir so gut kennen, aber nicht erkannten...

    Numenorsche Segler - ein Hochgenuss, egal, ob sie segelfähig sind oder nicht - fantastisch.

    Handlungsorte - absolut großartig.

    Personal - gut - da keine Stars!

    Musik - Howard Shore war dabei.

    Plot - kommt in Gange.

    Ist noch etwas mühsam, ja!

    Aber es sind nicht zu viele Handlungsstränge, finde ich.

    Die Geschichte, der Plot schreitet voran, schneller als bei GoT. Das ist auch unbedingt nötig.

    Die Handlungsfäden bleiben überschaubar.

    Ich genieße die ruhige filmische Erzählstruktur.

    Es muss nicht für mich immer fetzen, knallen, ficken, brüllen, bluten, verstümmeln....

    Es schwebt hier auch mal so dahin.

    Lies mal Tolkien - für mich was das nur ein bedingtes Vergnügen.... Das ist phasenweise mehr als so was von laaaaaangweilig - Nicht so hastig - würden den Ents dann sagen.......

    Es geht auch nicht um die Umsetzung von Tolkiens fragmentarischen Nachlässen (Silmarillion). Da schlummern noch viele Geschichten und auch Filme.

    Hier wurde versucht, cineastische Anschlüsse an die Meisterwerke von Jackson zu versuchen (HdR; mit Einschränkungen auch Der Hobbit).

    Es gibt viele feinsinnige Anspielungen und Erklärungen. Das gefällt mir.

    Es gibt immer viele Unklarheiten und Fragen.

    Es gibt meine grenzenlose Neugierde....

    Ich lasse mich auf das Gezeigte ein. Oft bin ich zu kritisch und neige zum kritteln....

    Ich lasse mir Zeit in der Welt von Tolkien.

    Es hätte ihm gefallen, nicht vorschnell zu urteilen, weil sich vieles aus dem erklärt, was vordem gewesen ist und war.

    'Wir können nicht vorausschauen, was passiert und unbedingt hätte passieren sollen. Aber die Zeit der Staffeln ist lang und noch nicht voraussehbar. Die Menschen, auf die wir unsere Hoffnung setzten müssen, müssen zuschauen wieder lernen und ihre unermessliche Ungeduld eintauschen für eine gemeinsame Zukunft der Entschleunigung und Geduld.....'

    :-)

    :D

    "Wie die Luft gehört die See als Geburtsrecht allen Menschen.“
    (Thomas Jefferson 1743 - 1826)

  • Du hast das sehr schön formuliert, doch kann ich Deine Begeisterung nicht teilen, obwohl ich weiter geschaut habe. Mir will sich das HdR-Gefühl einfach nicht einstellen. Ja, es sind schöne Bilder, doch die Protagonisten bleiben belanglos und fremd. Schöne Bilder aus Mittelerde genügen da einfach nicht. Aber bestimmt liegt es an mir. Ich hatte ja schon meine Probleme mit der Hobbit-Verfilmung. Das Buch liebe ich bis heute. Es war mein Einstieg in Tolkiens Universum. Ein kleines, charmantes Buch um einen liebenswerten Hobbits, drollige Zwerge, die auch ganz anders können und Elben, die auch nicht so ganz ohne sind. Und dieses schmale Büchlein wurde auf drei mehrstündige Teile aufgebläht! Es ist bestimmt die einzige Literaturverfilmung der Welt, die schneller gelesen als geschaut werden kann.

    Doch zurück zu den Ringen der Macht, auf die ich mich sehr gefreut hatte. Leider ist das nicht Tolkien, sondern lediglich inspiriert von Tolkien. OK, die Macher können nichts dafür, weil ihnen ganz einfach die entsprechenden Filmrechte fehlen, denn die Inhaber der Tolkien-Rechte wollen mit dem Silmarillion noch gesondert abkassieren. Doch letztendlich ist es wie mit veganer Wurst. Inspiriert von richtiger Wurst bleibt halt trotzdem ungenießbar.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Vegane Wurst ist schon genießbar - um dein Bonmot aufzugreifen - so sagen das jedenfalls die, die solche Sachen essen...

    Was die machen werden, die die echten Filmrechte haben, ist doch irrelevant.

    Inspiriert von Tolkien reicht doch. Auch hat die RdM nichts mit der Umsetzung eines kleinen schmalen HObbit-Bändchen zu tun, ob aufgebläht oder nicht.

    Kaum jemals hat eine Literatur-Verfilmung wirklich seine Werkstreue bewiesen. Muss auch nicht. Wie viele schlechte Literatur-Verfilmung gibt es aus den unleidlichen 70er Jahren.... Furchtbar....

    Ich esse veganes Zeug auch nur aus Mitleid.... Mit ist ein herzhaftes Steak oder ein Rehrücken lieber....

    Mit dem RdM begebe ich mich zunächst ans Buffet, das sich als Menufolge entpuppen könnte...

    "Wie die Luft gehört die See als Geburtsrecht allen Menschen.“
    (Thomas Jefferson 1743 - 1826)

  • Ich dachte zuerst, dass die Amazons das nicht zustande bringen würden, nämlich mich auf die nächste Folge zu freuen. Ohne ins Detail zu gehen, jetzt finde ich das zuletzt gezeigte ganz gut, und bin mal gespannt wie es weiter entwickelt wird.


    N.b. It is only a Movie.

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Vegane Wurst ist schon genießbar

    Was für ein Paradoxon. Wurst ist noch immer nach geltender Definition des Wortes tierischen Ursprung. Wie Wurst vegan sein kann, weiß nur die Industrie, die der angebotenen und nicht sehr gesunden Chemie einen neuen Namen geben musste.


    Ich hoffe, dass dieser Vergleich auf die Serie nicht zutrifft. Ich warte, bevor ich mir die Serie ansehe, bis fast alle Folgen verfügbar sind.

    Gruß Christian


    In der Werft: HMS Triton, 1773
    "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

  • Ich sehe schon, wir sind uns einig, dass wir uneinig sind.

    Hach herrlich, das sind wir uns so was von einig, dass wir uns uneinig sind. Und hoffen wir gemeinsam, dass in ein paar Jahrhunderten die Rechteinhaber des Silmarillion einen Regisseur finden, der so verrückt wie der Jackson des HdR ist und ebenso leidenschaftlich dann die wahren Tolkien Gestade und Gestalten gestalten kann.... In diesem Sinne schaue ich gleich mit meiner Herrin Galadriel den letzten Teil von voriger Zeit, um dann die Gegenwart des Heute sehend zu genießen...

    "Wie die Luft gehört die See als Geburtsrecht allen Menschen.“
    (Thomas Jefferson 1743 - 1826)