Russische Brigg Olymp, 1817, in 1:96, von ShipWorks - Kartonmodell

  • Zitat

    Die Kielwasserlinie verläuft üblicherweise parallel zum Kiel - das ist sie hier aber nicht, wie man auf diesem Bild unschwer erkennt:

    Einspruch Euer Ehren. Diese Annahme ist falsch. Es gibt jede Menge Beispiele, dass die Konstruktionswasserlinie nicht parallel zum Kiel verläuft. Schau dir z.B. einfach nur einmal die Alert auf der Foto's von Klueni an. Die Baltimore-Klipper sind ein anderes Beispiel (Berbice).

    Es ist daher gar nicht unwahrscheinlich, dass dieses auch bei der Olymp der Fall war.

    Gruß Christian


    In der Werft: HMS Triton, 1773
    "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

  • Die Konstruktionswasserlinie ist sowieso ein Thema für sich. Bis tief in das 18. Jahrhundert hinein wurde diese nicht wirklich konstruiert bzw. berechnet, sondern schlichtweg nach Erfahrungswerten "Pi mal Daumen" bestimmt. Bestimmung der Konstruktionswasserlinie

    Dass es vor allem bei kleineren bzw. nicht britischen Schiffen Abweichungen gegeben hat, erscheint nicht daher nicht abwegig.


    Aber der Spruch mit dem Warenkorb wäre mal wieder eine Nominierung wert. ;)

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • OK, wir suchen nun per sofort einen neuen Ausdruck.

    "bondnen" steht ja wie wir alle wissen für abreissen.

    Ich warte auf Vorschläge für diese neue Aktion die ich hier einfach mal "harcore-bondnen" nennen will (Arbeitstitel)


    Bonden Ich wünsche, nach dem Herunterspülen des Frustes viel Spass bei den Recherchen und dem Neustart!


    Beste Grüsse

    Peter

  • ZSelbst wenn es gekupfert wurde, dann aber bestimmt nicht in dem Umfang wie die rot gefärbten Planken. Die Kielwasserlinie verläuft üblicherweise parallel zum Kiel - das ist sie hier aber nicht, wie man auf diesem Bild unschwer erkennt:

    Aye,Bonden,

    Ich habe mir gerade wegen dieses Problems den Bauplan der Niagara ( Museumsplan) an-gesehen. Wie schon Anobium sagte läuft die KWL , im Englischen ( ob alt oder zeitgenössisch immer die LWL - Load waterline, Ladewasserlinie) bei der Niagra nicht!!!! parallel zur Kiellinie. Das Schiff hat Achtern deutlich mehr Eintauchtiefe als vorn.
    N.b. Zeigt auch Chapman dies bei etlichen seiner Pläne. Noch ausgeprägter ist das bei den Klippern, die auf dem berühmten Baumuster Baltimore Clipper beruhten. Im Verhältnis zu anderen Konstruktionen führte diese erhebliche Vergrößerung der eingetauchten Fläche zu einer deutlichen Verringerung der Querabdrift am Wind, was zusammen mit dem Clipperrigg zu ganz anderen am Wind erreichbaren Höhen führte.

    Diese Bauweise erreichte ihren Höhepunkt mit den kanadischen Fischerbooten, deren prominentester Vertreter die berühmte Blue Nose war.

    Und was die Kupferung betrifft war es immer sinnvoll sie mindestens bis zur LWL zu führen um das Unterschiff so gut wie möglich zu schützen. Und nun etwas Spekulation: ein russisches Schiff hatte es im Herbst und Frühjahr mit beginnendem Eisgang zu tun. Und da macht eine Kupferbeplankung schon Sinn. Das hält m.E. Nach deutlich mehr aus als geteertes Holz.

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

    Einmal editiert, zuletzt von Angarvater ()

  • Und nun etwas Spekulation: ein russisches Schiff hatte es im Herbst und Frühjahr mit beginnendem Eisgang zu tun. Und da macht eine Kupferbeplankung schon Sinn. Das hält m.E. Nach deutlich mehr aus als geteertes Holz.

    Es kommt natürlich darauf an, wo man das jeweilige Schiff einsetzte. Soweit es die Ostseeflotte betrifft, stimme ich Dir zu. Die Schwarzmeerflotte hatte deutlich weniger mit Eisgang zu tun (gab es aber auch).

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Ahoi allerseits,


    ich erkläre mal die Recherche für beendet. Um es mal mit DEM Film zu sagen: "Ihr Einwand kommt ins Logbuch, Mr. AnobiumPunctatum und Mr. Angarvater " :Dfr18 Das Ergebnis lautet: Von meinen eigenen kleinen Unzulänglichkeiten mal abgesehen habe ich also doch alles richtig gemacht, sowohl hinsichtlich der Frage, ob das Kupfern richtig war als auch in Bezug auf die Kielwasserlinie. Für mich war jetzt dieser Part sehr wichtig - hab wieder was gelernt und für den zweiten Anlauf, und ich habe ein gutes Gefühl dabei.


    Gleichwohl bleibt es dabei, dass ich das Projekt neu starte. Und auch darauf freue ich mich. Und wisst ihr, was jetzt ebenso witzig wie peinlich ist? Ich verrate es euch und lasse mich an der Stelle auch gern auslachen - hab es ja selber schon gemacht:

    Ok, die Mercury - also auch eine russische Brigg, nicht die englische Fregatte, war ein Schwesternschiff der Olimp und hatte wohl einen gekupferten Rumpf

    In einem Regal in meinem täglichen Sichtbereich liegt der Bausatz der Firma AMATI für die russische Brigg Mercury. Jessica Read will dieses Modell bald mal bauen. Die Bauanleitung zeigt sehr deutlich die Kielwasserlinie und den Verlauf der Kupferung - wäre da der Maßstab nicht 1:64, sondern 1:96, könnte man das 1:1 übernehmen. fr21


    Und was mir dabei durch den Kopf geht: Hey, ich hab jetzt noch detailliertere Baupläne! Das schafft ungeahnte Möglichkeiten...:huzzah:

  • Wenn die Mercury ein Schwesterschiff der Olimp war, dürften beide auf derselben Werft entstanden sein und waren für dasselbe Einsatzgebiet vorgesehen. Bei der Mercury war es das Mittelmeer und das Schwarze Meer und da macht eine Bekupferung gegen Bewuchs und Holzschädlinge ja deutlich mehr Sinn als in der kühlen Ostsee.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Ich hoffe, dass Bonden jetzt aber nicht am Kielbausyndrom erkrankt ist ...

    Gruß Christian


    In der Werft: HMS Triton, 1773
    "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

  • Der Virus ist, wenn ich Deine Symptome richtig deute, auch virtuell übertragbar. Da fällt mir ein, dass ich schon lange keinen Kiel mehr genaut habe...

    Gruß Christian


    In der Werft: HMS Triton, 1773
    "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."