Englisches Schiffsgeschütz in 1:25, Sklej-Modell

  • Weiter ging es mit der Battle Station. Diesmal widmete ich mich dem Handwerkszeug der Geschützbedienung, also dem Ladestock, dem Wischer und dem Kratzer. Für alle drei nahm ich als Basis je einen Schaschlikspieß, den ich entsprechend kürzte und dann mit feinem Sandpapier glatt schliff.


    Der Ladestock sollte laut Bauanleitung ein Pappteil vorn drauf bekommen – da hab ich mich dagegen entschieden und statt dessen ein Stück Rundholz abgesägt, in ein Ende ein Loch gebohrt, den Schaschlikspieß etwas angespitzt (nachdem ich die Spitze vorher abgeschnitten hatte…dash) und beides miteinander verbunden. Dann dunkel gebeizt und mit mattem Firnis gestrichen.


    Den Wischer hab ich ebenfalls ohne das vorgesehene Pappteil gefertigt; stattdessen hab ich einen passend geschnittenen Streifen Tempotaschentuch um das Ende gewickelt und mit Weißleim „versiegelt“. Mit dem noch feuchten Weißleimwischer bin ich dann zu einem hohen Schrank gegangen und habe ihn dort auf der staubigen Oberfläche umhergerollt – ja, genau so stelle ich mir so einen Wischer vor! Und ich habe einen Staubwischgang weniger…


    Der Kratzer ist in dem Bausatz nicht vorgesehen, gehört aber auf jeden Fall mit dazu, wenn man die Arbeitsgeräte darstellt. Dafür habe ich einfach ein Stück Blumenbindedraht spiralförmig gedreht und an einem Ende des Stocks befestigt. Mit einer Weißleimmanschette, die nach dem Trocknen schwarz gestrichen wurde, sieht das Teil recht ordentlich aus.


    Dann hatte ich Lust auf die vier Blöcke. Das waren Lasercut-Teile; die vorgesehenen Ausschneideteile zum Aufkleben auf die Seitenflächen hab ich weggelassen, da für mich von vornherein feststand, dass ich hier rundum Farbe aufbringe. Vorher habe ich die Blöcke aber noch mit einer feinen Feile bearbeitet, um die eckigen Kartonkanten etwas abzurunden; außerdem habe ich eine Nut zur Aufnahme des Einfassungstaus hineingefräst. Das erste Bild zeigt drei vorgeschliffene und einen unbehandelten Block (ich weiß, ist etwas schlecht zu sehen, aber mehr war selbst mit Photoshop nicht rauszuholen) – ich hoffe, man sieht den Unterschied. In gestrichenem Zustand machen sie deutlich mehr her.

  • den Schaschlikspieß etwas angespitzt (nachdem ich die Spitze vorher abgeschnitten hatte… dash )

    :lt:... wäre im Grunde eine weitere Nominierung für das Zitat des Monats wert :D ... aber da er schon einmal vorhanden ist, weiß nicht so recht ... :denk:

    "Sein Körper ruhet in Frieden. Sein Geist aber wird weiterleben."

  • Ach nee, lass mal. :D


    So, dann zeige ich euch gern das Gesamtergebnis bezüglich der Arbeitsgeräte. Und das Kanonenrohr hab ich nochmal bearbeitet; die glänzende Lackierung hat mir dann doch nicht gefallen, so dass ich erneut das Farbspray angesetzt habe. Und das Rohr hat jetzt auch ein Zündloch und eine fette Öse zur Führung für das Brooktau.

  • Hast Du für das Rohr auch ein Wappen? Das kleine Modell sieht wirklich prima aus.


    Die Öse wurde für englische Geschütze von Blomfield nach den amerikanischen Unabhängigkeitskriegen eingeführt. Ich müsste mal nachschlagen, ob sie auch 42 Pfdr. gebaut haben.

    Die Victory hatte auch einmal welche älteren Typs. Letzten Endes haben sich bei den Engländern die 32 Pfdr. als effektiver erwiesen, da die Feuergeschwindigkeit höher war.

    Gruß Christian


    In der Werft: HMS Triton, 1773
    "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

  • AnobiumPunctatum Ob das Rohr noch ein Wappen bekommt, entscheide ich später, da denke ich noch dran rum.


    Heute hatte ich Lust auf Tauwerk. Auch wenn es noch nicht so weit ist, dass die Kanone getakelt wird, muss sowas ja ordentlich vorbereitet werden. Das Brooktau ist dabei natürlich der fetteste Tampen. Ich hab also heute eifrig Taue geschlagen; dass es letztendlich eine ganze Versuchsreihe wird, hab ich am Anfang nicht geahnt. Hier nun meine Versuchsreihe - im Bild von rechts nach links.

    Geschlagen wurde immer mit Amati Takelgarn hell.

    Zuerst habe ich aus 3 x 0,75 mm ein Tau geschlagen - eindeutig zu dünn. Auch das nächste aus 3 x 1,0 mm war viel zu spillrig. Also dachte ich mir, schlage ich doch mal ein Tau aus drei geschlagenen Tauen, also 3x aus 3 x 0,5 mm. Das ist dann aber nahezu gleich dick wie das zuvor geschlagene Tau aus 3 x 1,0 mm. Nun fertigte ich mir drei Taue aus 3 x 0,75 mm. Ja, das war eindeutig stärker, aber als ich es zur Probe mal an die dicke Kanone gefädelt habe, sah es irgendwie recht verloren aus.

    Der letzte Akt brachte dann mein endgültiges Brooktau. Aus drei geschlagenen Tauen á 3 x 1,0 mm wurde ein schöner fetter Tampen. Die Bauanleitung sieht eine Taustärke von 3 mm vor - nun, das hier hat ein wenig mehr als 3 mm und passt, wie ich finde, perfekt.



    Was ganz wichtig ist, wenn man sich ein Tau aus zuvor selbst geschlagenen Tauen schlägt, ist die Drehrichtung. Sowohl das Verdrillen der einzelnen Taue als auch das Schlagen selbst muss hierbei genau andersrum laufen als beim "normalen" Schlagen, da man ansonsten seine Taue wieder aufdröselt und das Ergebnis nur noch als Anschauungsobjekt für falsches Reepen dient.

    Was man auf den nächsten Bild deutlich sieht: Die piepsige Öse an der Lafette (und auch die an der anderen Seite) muss ich gegen welche aus dickerem Draht austauschen.

    Aber das Brooktau selbst wird wohl auch den Rückstoß bei doppelter Ladung auffangen - vorausgesetzt, es wird dann noch ordentlich festgemacht. :D

  • Ahoi Bonden


    Das sieht einfach klasse aus. Ich werde wohl mit meinem Modell warten, bis Deins in Vergessenheit geraten ist und sich niemand daran erinnert, er könnte es mit Deinem vergleichencrazy


    Nun aber doch noch eine kritische hinterfragung, allerdings von einem Laien.

    Rein optisch scheint mir das Brooktau von der Stärke her perfekt. Aber irgendwie kriege ich das Gefühl nicht los, dass es stärker verdrillt sein müsste. Ich finde die Steigung der einzelnen Kardeelen wirken irgendwie zu flach. Ist aber nur mein absolut subjektiver Landratten-Eindruck.


    Ansonsten wie immer feinster Modellbau!


    Beste Grüsse

    Peter