Napoleons 200. Todestag

  • Heute vor 200 Jahren verstarb Napoleon Bonaparte auf St. Helena. Zunächst wurde er dort auch beerdigt, bis man seinen Leichnam 1840 nach Frankreich überführte. Dort liegt er nun im Pariser Invalidendom, Romantiker würden sagen, bei seinen Soldaten. Tatsächlich hat er seine Armee zweimal schmählich im Stich gelassen, einmal als sich ein Scheitern des Ägyptenfeldzuges abzeichnete und dann beim Rückzug aus Russland.nav6

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Ja, er war halt doch ein sehr grosser Egomane.

    Möge er weiter in Ruhe ruhen...


    Aga

    Gentlemen, when the enemy is committed to a mistake, we must not interrupt him too soon.

    Adm. Horatio Nelson

  • Der Code Civil, von mir aus. Aber an Sonsten? Ein Mann der nach einer Schlacht über die Gefallenen sagt: was sind schon 100000Mann? Ich weis nicht.


    Nur gut, daß ihm Männern z.B. Nelson, St.Vincent,Marlborough gegenüberstanden

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Das habe ich ehrlich gesagt auch nicht verstanden. Schönes Wetter, schöne Landschaft, tolles Essen - und die Alternative war, irgendwo in Belgien durch den Regen stapfen!

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  • Dass er einen an der Klatsche hatte, ist wohl unbestritten. Allerdings steht er da in einer Reihe mit allen Eroberern, ob Alexander oder Caesar. Aber er hat auch die Ideen der französischen Revolution in ganz Europa verbreitet und vielen Menschen gezeigt, dass es mehr als Fürstenwillkür gibt. Und nach ihm wurde die Welt leider auch keinen Deut friedlicher. Ich glaube tatsächlich, hätte er England besiegt, wäre die Welt heute besser.

  • Was wäre wenn Simulationen, sind im Grunde ziemlich schwierige Überlegungen, weil sie niemals die ganze Komplexität solcher alternativen Entwicklungen erfassen können. Schaue ich mir jedoch an, wie Napoleon in den von ihm eroberten Gebieten geherrscht hat, so waren die Ideen der französischen Revolution eigentlich nur ein Feigenblatt, mit dem alte Strukturen vernichtet werden sollten, um so ungehemmter die eigene Macht durchsetzen zu können, wofür jedes Mittel recht war. Ausserdem sollte man sich auch einmal anschauen, wer denn nun eigentlich gegen Napoleon aufstand. Das waren doch nicht nur erzreaktionäre Kräfte, die den Status quo ante wieder errichten wollen, sondern gerade in Deutschland viele Intellektuelle, die von Napoleon enttäuscht waren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Enttäuschung nach einem Sieg Napoleons plötzlich in glückselige Begeisterung umgeschlagen wäre. Vielmehr hätte es umfangreiche Säuberungen und Vergeltungsmassnahmen gegeben und ob der Widerstand jemals aufgehört hätte, wage ich zu bezweifeln.

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  • Napoleon starb ja nicht auf dem Schlachtfeld oder wurde ermordet / hingerichtet. Daher gehe ich mal davon aus, dass er auch als Kaiser nicht länger gelebt hätte. Wie es danach weitergegangen wäre, ist natürlich Spekulation und hätte auch stark davon abgehangen, wäre oder was auf ihn gefolgt wäre.


    Sicher wäre wohl nur, dass Französisch und nicht Englisch zur Weltsprache geworden wäre. Der britische Kolonialreich hätte es so auch nie gegeben und sicher kein deutsches. Damit wäre der Grund für den ersten Weltkrieg schon mal entfallen und damit auch der zweite. Noch wichtiger wäre für mich aber die Vermutung, dass es nie den britischen Kapitalismus des neunzehnten Jahrhunderts gegeben hätte. Wie sich die (Welt)wirtschaft stattdessen entwickelt hätte, steht aber auch in den Sternen.


    Für Europa stelle ich mir sowas wie eine französisch dominierte EU oder sogar die Vereinigten Staaten von Europa vor.

  • Nur wie hätte Napoleon die Engländer besiegen sollen? Ich sage ja nicht, dass es den Franzosen nicht möglich gewesen wäre, England zu erobern, aber sie wären definitiv nicht übers Meer gekommen. Die britische Überlegenheit zur See entstand ja nicht erst in den napoleonischen Kriegen, da wurde sie nur für die nächsten 100 Jahre zementiert. Und was hätte ein französischer Sieg bei Trafalgar bewirkt? Villeneuve wäre ins Mittelmeer vorgestossen und zunächst nach Toulon zurückgekehrt, um Truppen an Bord zu nehmen. Nelson hätte ihn verfolgt und dort blockiert. Die britische Überlegenheit hätte einen Kratzer bekommen, aber sie hätte Bestand gehabt.

    Napoleon hätte in Europa schalten und walten können, aber da war immer noch Russland. Wie hätte er das besiegen wollen? Es hätte also immer eine russische Bedrohung gegeben und somit auch ein Schlupfloch zur Aushebelung der Kontinentalsperre.

    Der permanente Druck durch Napoleon hätte in den besetzten Ländern Gegendruck erzeugt und mit seinem Tod wäre das Reich implodiert, denn der Rest der Familie Bonaparte wäre der Aufgabe nicht gewachsen gewesen.

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  • Vermutlich alles richtig, Speedy. Aber du verzettelst dich gerade in viel zu viele Details. Nimm einfach mal an, Napoleon hätte übersetzten können. Dass das unwahrscheinlich ist / war ist mir auch klar. Aber niemand hätte auch erwartet, dass England der Armada widerstehen konnte, als die auslief. Sicher nicht mal die Engländer selbst. Und ohne deren Kamikazesturm wäre das sicher auch anders gelaufen.

  • Ich bin ja bereit, vieles anzunehmen, aber wie hätte Napoleon übersetzen können? Und dabei nicht vergessen, er wurde nicht gezwungen, dieses Projekt aufzugeben, er gab es freiwillig auf noch bevor er seinen Zenit erreichte. Und weshalb tat er das? Er musste auf die Bedrohung durch Russland und Österreich reagieren. Oder soll ich jetzt annehmen, das beide Staaten auf weitere Kämpfe gegen Frankreich verzichtet hätten? Eine Invasion Englands wäre doch für beide eine Einladung gewesen, Napoleon in den Rücken zu fallen. Und wo war die Royal Navy?

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  • Kontrafaktische Geschichte ist doch spannend... vielleicht auch als Anregung für eigene Geschichten. ;)


    Ob eine Invasion der britischen Inseln erfolgreich gewesen wäre, ist eine interessante Frage. Gerade die Invasion einer so großen und relativ dicht besiedelten Insel wie Großbritannien hätte auch schnell zur Falle werden können, wenn der Nachschub über den Kanal aus welchen Gründen auch immer abgeschnitten bzw. unterbrochen wird. Genauso ist dann auch der Rückzug verbaut, weil man immer wieder über die See muss.

    Da müsste man mal in der (Forschungs-) Literatur nachschlagen, warum die sich schon in Vorbereitung befindliche Invasion letztlich abgebrochen wurde. Vor einigen Jahren wurden meines Wissens nach irgendwo in Küstennähe (FR/NL/BEL ?) Überreste von Baracken und Lagern der Invasionstruppen freigelegt.


    Ein französisches Übersee-/Kolonialreich wie das der Briten war aber längst vor Napoleon gescheitert; spätestens seit 1783. Denn schon Napoleons Vorgänger (z.B. Vergennes) mussten immer wieder auf kontinentaleuropäische Belange und Bedrohungen Rücksicht nehmen. Dazu kam dann noch das ineffiziente fr. Finanzwesen.
    Vermutlich war es auch gar nicht Napoleons Bestreben, Großbritannien vollständig einzunehmen, die vermeintliche Gefahr ging vorrangig von den Nachbarstaaten aus. Trotzdem musste man GB in Schach halten, keine Frage.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Um die Wahrscheinlichkeit ging es ja auch nicht. Es ging ja nur darum, dass ich einen französischen Sieg dem der Engländer vorgezogen hätte. Dass der illusorisch war, weiß ich auch.

    Wann immer Engländer oder Franzosen aus einer Machtposition heraus handeln konnten, waren sie beide nicht sonderlich fein. Deshalb kann ich nicht erkennen, wie die Welt ein besserer Ort wäre, wenn der Tyrann Napoleon gesiegt hätte. Möglicherweise wäre das 19. Jh. ohne die Pax Britannica sogar noch kriegerischer verlaufen, weil eine französische Hegemonialmacht mit einem Kolonialreich vom Rhein bis an den Ural viel zu sehr mit der Selbsterhaltung zu tun gehabt hätte.

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  • Gut möglich, dass du recht hast, Speedy. Wir werden es nie erfahren, wie es gewesen wäre. Vielleicht kommt bei mir auch einfach nur zu viel Luft aus Frankreich herüber ... (Solange es keinen Störfall in Cattenom gibt).

  • Sei doch nicht gleich so negativ. Auch wenn in Deutschland nur sehr einseitig gedacht und diskutiert wird, gehört der modernen Kernenergie doch die Zukunft.

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