Dieter Zimmerling - Leutnant Krockwitz Ein Schiff für Preußen


  • Auf der Suche nach Hornblower-Fanfiction stieß ich auf eine Anzeige aus dem Spiegel vom Anfang der 1980er Jahre.


    Der deutsche Hornblower! Leutnant Krockwitz Ein Schiff für Preußen


    Meine Neugier war geweckt und tatsächlich fand ich das Buch beim großen A. Es spielt zu unserer Zeit, kurz nach Trafalgar und war als Auftakt zu einer ganzen Krockwitz-Reihe gedacht. Dazu kam es nie, es blieb bei diesem einen Buch. Ende nächster Woche soll es geliefert werden. Ich bin gespannt und werde hier darüber berichten.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • War wahrscheinlich Anfang der 1980er-Jahre kein allzu beliebtes Thema in Deutschland...


    Ist über den Autor denn bekannt, ob er noch andere Werke zu "unserer Zeit" verfasst hat?

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Endlich ist das Buch angekommen. Natürlich habe ich sofort mit dem Lesen begonnen, doch das erste Kapitel zieht sich ziemlich zäh dahin und ist von Wasser in Form von Schnee komplett landlastig.


    Aber für die Wissenschaft und eine Rezension lesen wir natürlich weiter.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Sind wir mal auf die Ergebnisse gespannt... vielleicht war das Werk ja Inspiration für des Master's Husarenbrüder, wer weiß.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Ich habe jetzt ungefähr das erste Drittel des Buchs geschafft und empfinde bisher kein echtes Lesevergnügen. Mein Problem besteht darin, dass der Autor einfach nicht zu Potte kommt. Außerdem verstehe ich nicht so recht, warum er Leutnant Krockwitz ausgerechnet auf HMS Prince of Wales zum Trafalgar-Teilnehmer macht. Die Recherchearbeit war damals natürlich ungleich schwieriger als heute, doch mir fallen aus dem Stehgreif schon einige Bücher ein, der der Autor hätte zu Rate ziehen können.

    Die bisherige Handlung beschränkte sich auf die Heimkehr des Leutnants von der Schlacht, ein Treffen in Berlin, in dem ihm das Projekt eines preußischen Kriegsschiffs, das er aus Großbritannien überführen soll unterbreitet wurde, die Reise zu Nelsons Begräbnis nach London, ein Treffen mit einem Maat von der PoW, den er für sein Vorhaben anwirbt und die gemeinsame Rückreise (!) nach Berlin, um die Befehle abzuholen. Am Ende gibt es dann noch ein wenig Action bei der Durchsuchung des Paketbootes durch ein französisches Patrouillenboot auf der Elbe. Damit sich der Puls aber sofort wieder beruhigt, spielt das nächste Kapitel, wie ich bereits sehen musste in einem Berliner Salon.

    Ich hoffe ja, dass irgendwann noch richtig Fahrt aufkommt, doch irgendwie ahne ich bereits, warum der deutsche Hornblower keine Fortsetzung erlebte.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Irgendwie ist es auch schon strategisch ungünstig, die Geschichte mit der größten Seeschlacht der Epoche zu beginnen... Gerade dann, wenn man wenn man nicht nur einen Roman, sondern schon eine mehrteilige Reihe plant.

    Na ja, wie bleiben weiterhin gespannt, ob es nicht doch noch besser wird. ;)

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Von Berlin ging es nach Hamburg, von dort auf dem Landweg nach Amsterdam, weiter nach Mainz, Stuttgart, Straßburg...

    Inzwischen habe ich ungefähr 2/3 geschafft. Noch Fragen?

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Jetzt weißt Du auch, warum es nie zu einer Romanserie gekommen ist.

    Gruß Christian


    In der Werft: HMS Triton, 1773
    "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

  • Es ist vollbracht und somit Zeit für eine abschliessende Beurteilung.


    Fürs Lesen habe ich ein gutes 3/4 Jahr gebraucht, aber das lag nicht nur am Buch, sondern zum Teil auch an mir.

    Vom Verlag wurde das Buch als deutscher Hornblower angepriesen, ein Versprechen, das nicht einmal in Ansätzen gehalten werden konnte.

    Dabei ist der Plot interessant und hätte Raum für eine spannende Umsetzung geboten. Aber leider bekam ich mit fortlaufender Geschichte immer mehr den Eindruck, dass der Autor eine gewisse Abneigung gegen Wasser hat. Hinzu kommt eine mich geradezu fassungslos machende Unkenntnis oder Ignoranz der Geschichte. Natürlich war es 1981 noch ungleich schwieriger Quellen zur Geschichte zu finden, doch für ein gewisses Grundwissen reichte es selbst in der damaligen DDR.


    Leutnant Udo von Krockwitz wird als Teilnehmer der Trafalgarschlacht eingeführt. Er kämpfte als Artillerieleutnant auf der Prince of Wales. Da ist natürlich die Frage erlaubt, wie er das angestellt hat, denn immerhin war die Prince of Wales ja das Flaggschiff von Vizeadmiral Calder, der sich kurz vor der Schlacht mit der PoW nach England begab, um sich einen Kriegsgericht zu stellen. Vielleicht wurde die PoW ja vorübergehen teleportiert. Und übrigens, Artillerieoffiziere gab es zu dieser Zeit noch nicht. Diesen Posten muss der Autor den modernen Seekriegsromanen von Alexaner Kent entnommen haben.

    Der Held der Geschichte wird nach Berlin gerufen, wo man ihm den Auftrag erteilt, als Fregattenkapitän in preussischen Diensten nach Schottland zu reisen, um dort eine Fregatte für Preussen in Dienst zu stellen. Zuvor reist er aber zu Nelsons Begräbnis nach London, wo er den Trauerzug wegen eines wüsten Besäufnisses mit zwei Iren verpasst. Was das zu bedeuten hat, wird niemals geklärt. Die anschliessende Trauerfeier (wird als unsäglich geschildert) in St. Pauls verlässt er vorzeitig, um das Paketschiff nach Hamburg nicht zu verpassen. Nach Berlin begleitet ihn ein Artilleriemaat von der PoW, der einfach so in London unterwegs war und mal eben in preussische Dienste tritt.

    Auf der Elbe stoppt sie ein französisches Wachboot. Es kommt zu einer Konfrontation und das Wachboot wird versenkt.

    In Berlin erhält Krockwitz seine Befehle und man macht sich wieder auf den Weg nach Hamburg. Ehrlich gesagt frage ich mich, was dieses hin und her zwischen Preussen und England soll. In Hamburg ist zunächst Schluss, denn die Elbe ist zugefroren. Und hier kommt nun der Knackpunkt der ganzen Geschichte. Statt ins neutrale Dänemark zu reisen um von dort nach England überzusetzen, wendet man sich nach Amsterdam, weil man sich von dort eine sichere Passage nach England erhofft. Warum haben sie nicht gleich die Fähre von Calais nach Dover genommen, oder noch besser, den Kanaltunnel? Ist dem preussischen Kapitän tatsächlich entgangen, dass die Batavische Republik ein französischer Sattelitenstaat von Napoleons Gnaden war?

    Folgerichtig werden er und sein Maat verhaftet, denn der französische Geheimdienst weiss längst Bescheid. Man bringt sie ins damals französische Mainz, wahrscheinlich wegen des Karnevals oder weil Paris zu nahe lag. Dort können sie fliehen, aber Udo von Krockwitz ist verwundet und wird zunächst von einem Mainzer Arzt und seiner Tochter gepflegt. Kaum genesen bricht man mit der Arzttochter und ihrer Freundin nach Stuttgart auf, um sich dort an die preussische Gesandtschaft zu wenden.

    Das geht schief und um den französischen Verfolgern im (tatsächlich) mit Frankreich verbündeten Württemberg zu entkommen, lassen sich Udo von Krockwitz und sein Maat als spanische Soldaten anwerben. In Barcelona desertieren sie und lassen sich von einem Handelsschiff nach Mallorca übersetzen. Dort überreden sie den Schiffer, sie nach Gibraltar zu bringen (es wird nicht erwähnt, welches britische Kriegsschiff sich den dicken Brocken nicht entgehen lässt oder ob das Prisengeld in der ganzen Mittelmeerflotte aufgeteile wird). In Gibraltar verschafft ihnen ein alter Bekannter (Captain, der auf seine Pensionierung in drei Jahren wartet) eine Passage auf einem Kriegsschiff, doch zuvor gibt es tatsächlich ein Gefecht mit einer algerischen Schebecke.

    Zum Ende des Buchs kommen sie tatsächlich in Edinburgh an und stellen fest, dass die Fregatte beschlagnahmt wurde, weil England und Preussen plötzlich Feinde sind. Leider wird hier nicht erwähnt, um welchen Krieg es sich handelt (evtl. der Ringkrieg?). Die beiden Helden werden von einer Pressgang aufgegriffen und finden sich ausgerechnet auf der Fregatte wieder, die sie nach Preussen überführen sollten.

    Ebenfalls mit an Bord sind französische Spione, die sich ursprünglich für Preussen anwerben lassen wollten, um zu meutern und das Schiff nach Frankreich zu bringen. Aus ihren Gesprächen erkennen die Helden ihre Absicht.

    Mit drei Offizieren, einem Bootsmann und einigen Gepressten an Bord macht sich die Fregatte auf den Weg nach Portsmouth, wo die restliche Mannschaft an Bord genommen werden soll. Udo von Krockwitz, der unter falschem Namen an Bord ist, schaltet den Führer der Franzosen aus und organisiert mit den Franzosen eine Meuterei, scheinbar um das Schiff nach Frankreich zu bringen. Die Meuterei gelingt. Alle Briten werden in Boote gesetzt, damit sie sicher an Land kommen. Zurück bleiben unsere Helden, die Franzosen und die ehemalige Schiffsführung. Udo von Krockwitz hat als Führer der Meuterei das Kommando. Er überzeugt die Franzosen, dass man mit der Fregatte nicht in den Kanal einlaufen kann, sondern die britischen Inseln nördlich umfahren muss. Unterwegs wird ein norwegisches Handelsschiff ausgeplündert, um die knappen Vorräte aufzubessern. Kurz vor der Einfahrt ins Kattegatt macht Udo von Krockwitz die gesamte Mannschaft betrunken und sperrt sie ein. Dafür lässt er die ehemalige Schiffsführung auf Ehrenwort frei. Mit ihrer Hilfe schafft er es nach Danzig. Wieder in Berlin wird er wegen des Überfalls auf den Norweger seines Kommandos enthoben.


    Fazit: Das Buch lässt mich stellenweise fassungslos zurück, so hanebüchen ist die Story stellenweise. Den grössten Teil der Zeit hatte ich nur eine Hand zum Lesen frei, die andere brauchte ich, um mir an den Kopf zu fassen. Es gab damals sehr gute Gründe, weshalb dieses Buch keine Fortsetzung erlebte. Ich fühlte mich jederzeit in meiner Intelligenz beleidigt und schlecht unterhalten. :1*:

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)