Galeone Countess of Kingsbridge, circa 1610, Modell nach Kirsch

  • Da das Wetter heute mit kühlen Regenböen und 12 C passend war, lief den ganzenTag über die Drechselbank in der Werft.


    Als erstes wurden die Rahen gedreht und bemalt.



    Außerdem wurden noch 71 Belegnägel angefertigt. hier ein kleiner Teil davon. Gedrechselt aus 3mm Abachi.



    Cheerio!


    Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Inzwischen hat die Segelmacherei unter Leitung ihrer Ladyschaft das gesamte Stell Segel gefertigt, sodaß mit dem Auftakeln der Segel begonnen werden konnte.


    Hier als Anfang die Blinde. -



    Die noch fehlenden Schoten werden später getakelt, zum einen gibt es in den verschiedenen Plänen verschiedene, mir nicht sehr sinnvolle Darstellungen wie die Blindeschoten geführt werden. Aber dazu fällt mir noch etwas ein.


    So, hier nun die Blinde. Ich habe der Fertigung der Segel die Erfahrungen von AB Hoving zu grunde gelegt. Es handelt sich um Baumwollvoile, einem sehr leichten Material. Ihre Ladyschaft hat die Lieken ( 0,8mm Tau) mit einem speziellen Stich auf der Maschine angenäht, und auch die Tuchbahnen mittels feiner Naht dargestellt.


    Um die Segel in Form zu bringen spanne ich die Rah auf dem Werktisch in eine Stellage ein und belege die Schoten. Dann wird das Tuch mit Sprühstärke eingesprüht und das Segel mit einem Fön in Form getrocknet. Probat ist es dann, nach dem Trocknen die Säume mit dünnflüssigem Sekundenkleber zu härten. Ergebnis siehe unten. Wenn das Segel bei der Takelung etwas weich geworden ist, läßt sich das wieder in Ordnung bringen indem ich die entsprechenden Stellen nochmal ( vorsichtig ) mit Sprühstärke einsprühe und dann den Tropenwind des Föns sein Werk machen lasse.


    Die Takelung der Blinde in dieser altenglischen Manier ist ein sehr schöne Stück Feinarbeit, die Briten würden sagen : it's fiddely. im Plattdeutschen heißt es: dat is en vigelinsches Deel.



    So nun gehts an die Restarbeiten an der Blinde und dann kommt die Fock an die reihe.


    Cheers!


    Angarvater

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  • Hier nun der Fertigzustand der blinde mit den Schoten und den vier Geitauen.


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  • Hier die nur für das Aufbringen der Fockrah benötigten Takelelemente.


    Das Rack, daß nach zu Mondfeld und anderen mit drei Reihen Klotjes ausgestattet ist.



    Beim Modell mache ich das Rack in etwas vereinfachter Ausführung, zumal sich die Klassiker über einige Dinge bei den Dreireihigen ausschweigen. Zumindest werden die Tampen des Rack über die Kauschen an Deck geführt, was es ermöglicht dem Rock mehr Lose zu geben, und dadurch der Rah auf der Kreuz mehr Abstand zum Mast und gegenüber den Wanten zu geben. Somit kann man stärker Anbrassen und höher an den Wind gehen. Dieses Teil vor Ort um Mast und Rah zu legen ist eine recht aufwändige Kleinteilarbeit.



    Die übrigen Blöcke um die Rah aufzubringen. Nach zu Mondfeld u.A. wurden in England, zumindest im 17.Jaahrhundert, keine Violinblöcke sondern zusammengestroppte Blöcke verwendet ( siehe hier die Blockkombinationen für die Topnanten der Rah mit den Blöcken der Schot des Marssegels).

    Die Blöcke für die Gordings, Geitaue und Spruten werden vor Ort getakelt.

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  • Vielen Dank für die Likes!


    Die Fock ist aufgebracht. Ein ganz schöner Augenblick beim Takeln.



    Hier nun die Details der Takel der Rah.


    Das Drehreep. Wegen der relativ hohen Last aus zwei Seilen gebildet.



    Die beiden Seile laufen auf einem Dreifachblock auf, der seinen Gegenpart unter dem Backdeck hat.




    Wie ich jetzt herausgefunden habe heißen die Drehreeps so, weil sie nicht von den Hands direkt gehandhabt wurden, sondern das über den Kapstan geschah. Und der wurde eben gedreht.


    Das Rack


    Ich habe hier versucht die Rah ohne Tricks, wie sie z.B. sie mit einem Stift an den Mast zu fixieren, und dann die Taljen anzuschlagen, aufzubringen.


    Also zuerst mit dem Drehreep auf Höhe heißen. Dann sie mit den Topnanten in die Waagerechte trimmen, und sie dann mit den Reepen des Rack an den Mast heranzuholen. Dem Rack kann, wenn die Rah angebrasst wird noch lose gegeben werden, sodaß die Rah vom Wind vom Mast nach vorn gezogen wird und kaum noch auf der vorderen Want schamfielt.


    Das ist insgesamt etwas vigelinsch, oder auch fummelig. Insbesondere fehlen dabei mindestens noch drei oder vier Hände an den einzelnen Stellen. Soweit ich weiß, wurden diese Arbeiten ja schließlich von etlichen Matrosen zugleich gemacht.

    Aber, es macht viel Spaß.


    Jetzt müssen noch die Geitaue und die Bulinen getakelt werden, dann können die Brassen und Schoten drankommen.


    Cheers!


    Angarvater

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  • Wunderschöne Details, die du uns hier zeigst! fr18


    Und das hier:

    Ich habe hier versucht die Rah ohne Tricks, wie sie z.B. sie mit einem Stift an den Mast zu fixieren, und dann die Taljen anzuschlagen, aufzubringen.


    Also zuerst mit dem Drehreep auf Höhe heißen. Dann sie mit den Topnanten in die Waagerechte trimmen, und sie dann mit den Reepen des Rack an den Mast heranzuholen.

    ...hab ich bei meiner Mercury genauso gemacht - und du hast völlig Recht, fummelig, aber hinterher grinst man breit über den Spaß, den das gemacht hat. :D

  • Ich habe gerade bei POB Band 1 (Master & Commander) die Szene dazu gelesen, in der geschildert wird, wie Jack sich aus der Werft nach der ersten "Probefahrt" mit der Sophie eine der Rah von der Genereux als Ersatz holt und diese dann angepasst und aufgeriggt wird. Sehr passend und große Kunst! fr18

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Myladies, Mylords,


    Vielen Dank für die geneigte Beachtung meiner Arbeiten.


    @ Lord Howe. Ja, das ist eine prima Darstellung der Arbeiten an der Takelage der Schiffe des Age of Sail. Wenn man sich mit der Wandlung, oder Weiterentwicklung der Riggingmethoden befaßt, wird klar, daß das Rigg in der Tudorzeit gegenüber dem der Nelsonaera sehr viel arbeitsaufwändiger und zum Teil auch unnötig kompliziert gewesen ist. das ist z.B. bei den doppelten Drehreeps der Fall. Übertroffen wird das Handling der Nelsonschiffe erst von den Stahlriggs der letzten Segelschiffe, wie es besonders gut auf der restaurierten Peking zu betrachten ist.


    Ganz interessant werden die Änderungen nach der Galeonenzeit, als die Riggs nicht mehr einer Pyramide entsprachen. Durch die immer größer werdenden Obersegel gab es reichlich Probleme sie zu bedienen. Auf den Marsen war das nicht mehr zu machen. Also führte man dann die Aue bis auf Deck, was auch dort neue Methoden des Belegens erforderte.. Die großen Hebelarme machten das Steuern mit den relativ kleinen Rudern und den nur erreichbaren ebenso kleinen Ruderwinkeln mittels Kolderstock zu einer diffizielen Angelegenheit. Auch die Montage des Spritmastes half da nicht wirklich weiter. Also wurden die Ruderanlagen anders gestaltet, usw. Aber jetzt zurück in die Werft der Tudorzeit.


    Angarvater

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  • So ein Ausflug ist doch immer interessant; wir haben das Glück, zeitlich vor- und zurück über den Tellerrand schauen zu können. :)

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Da die Angaben in den mir zugänglichen Takelplänen entweder nicht ausführlich oder im anderen Fall funktionsunfähig sind gibt es nur die Möglichkeit zu überlegen und auszuprobieren. Hier hilft noch nicht einmal der Schrage, da der schon fast das Ende der Entwicklung zeigt und es bei den Tudorschiffen Takelungen gab, die später entweder in Vergessenheit geraten oder einfach als nicht sinnvoll weggelassen wurden.


    Hier zwei Bilder von der Takelung der Fock. Unklar war mir heute Abend noch wie die Bulinen und die Gordings getakelt wurden. Nun dafür ergab sich eine durch Probearbeiten wahrscheinliche Lösung die morgen an Bord kommt.


    Das Ganze läßt sich ohne professionellen Aufwand nicht gut photographieren, zumal es sich schon um ein ganz ordentliches Pack an Tampen handelt. Zudem fehlen wie oben angemerkt noch die Bulligen und Gordings.




    Cheers!


    Angarvater


    P.s. die Takelung funktioniert recht gut, sodaß ich die Fock problemlos hart auf Backbord anbrassen konnte.

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  • Well, mates,


    die Fock ist fertiggetakelt. Hier waren noch die Bulinen anzuschlagen. Für dieses Element gibt es diverse Varianten, sowohl bezüglich der Takelwerke als auch der verwendeten Teile.



    Ich habe hier Kauschen verwendet. 3mm Abachirundholz mit 1,5mm Bohrung. Es gibt auch die Variante mit Blöcken und 7 oder Eisenringen.



    Die Umlenkung der Reeps der Bulinen auf dem Sprit.




    Jetzt noch ein paar Bilder aus der Perspektive des abendlichen Rundganges des Werftherren.







    Und hier noch ein Blick aus der Kuhl zumVormast.




    Rundblick.




    Ok, Werftschluß!

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  • Aye, Speedy,


    Langschlag auf Langschlag vielleicht. Ich denke schon, daß es jetzt etwas zügiger voran gehen kann, da ich mich beim Takeln der Blinde und der Fock einwenig eingearbeitet habe.

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