Tim Sarianidis - Der Schwarze Wal

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    • Tim Sarianidis - Der Schwarze Wal

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      Um es gleich voraus zu schicken: Nein, hier geht es nicht um das schwarze Schaf... äh... den schwarzen Wal in Moby Dicks Familie.
      Hinter dem Namen verbirgt sich U-45, das größte und modernste U-Boot der Deutschen Marine. Und bevor hier jemand rumnörgeln sollte, dass U-Boote hier nichts zu suchen haben, der schwarze Wal ist hier goldrichtig.

      Kommen wir kurz zur Handlung. U-45 befindet sich auf einer geheimen Mission vor der ägyptischen Küste, als sich ein Tauchunfall ereignet und sämtliche Systeme ausfallen. Schließlich gelingt es doch noch, das U-Boot auftauchen zu lassen, aber das macht die Sache kein bisschen besser, denn Kurt Langner und seine Männer befinden sich plötzlich mitten in einem höllischen Inferno. Das U-Boot wird von Kanonenkugeln getroffen, man muss einen Enterversuch blutig abwehren und schließlich fliegt ein großes Linienschiff mit einem gewaltigen Knall in die Luft. Wer hier spontan an Aboukir bzw. the Battle of the Nile denkt, hat völlig Recht. Damit, was passiert ist und wie man wieder nach Hause kommt, beschäftigt sich das Buch auf den dann noch folgenden rund 300 Seiten.

      Zeitreisen geraten irgendwie niemals aus der Mode. Spätestens seit H.G. Wells haben sich Schriftsteller immer wieder mit dieser phantastischsten Art der Reise beschäftigt und sich mit mehr oder weniger Erfolg mit dem damit verbundenen Was wäre Wenn beschäftigt. Hier gerät also ein U-Boot der Deutschen Marine zurück ins Jahr 1798 und seine Besatzung muss feststellen, wie wenig Ähnlichkeit das damalige Leben mit unserer Zeit aufweist. Das ist natürlich immer auch recht heikel in der Beschreibung, denn unsere heutige Welt ist ja so, wie sie ist, weil sich die Geschichte so zugetragen hat, wie wir sie kennen. Tim Sarianidis zieht sich recht geschickt aus der Affäre, indem er seine Helden nach dem anfänglichen Knalleffekt wieder von der großen Bühne herunter nimmt, aber auch etwas abseits haben sie noch immer ausreichend zu tun, am Leben zu bleiben.

      Ich glaube, es kommt schon irgendwie durch, dass ich das Buch mochte. Das stimmt auch, aber trotzdem kann und will ich nicht verhehlen, dass Buch und Handlung doch einige kleine Schwächen aufweisen, die sich durch ein gutes Lektorat hätten vermeiden lassen. Das sind nicht so sehr Schreibfehler, die halten sich tatsächlich in den Grenzen großer Verlage, sondern eher inhaltliche Schwächen bei der Auflösung der ganzen Sache. Da passen für mich das Projekt und die dafür einzusetzenden Energien nicht so recht zusammen. Auch die Frage, wie bestimmte Informationen ursprünglich erlangt wurden und wie man sie letztendlich korrekt deuten konnte, hätte besser und logischer erklärt werden können. Ich schreibe hier bewusst ein wenig um den heißen Brei herum, denn ich möchte ja nicht spoilern. Und dann ist da noch die Begegnung mit einem deutschen U-Boot-Ass, die toll beschrieben wird, nur das der Kommandant für die dann folgenden Seiten erstmal einen anderen Namen trägt, bis er wieder Kurt Langner heißen darf. Das alles hätte ein gutes Lektorat sicherlich beheben können.

      Aber es handelt sich hier um ein Buch im Selbstverlag und ich weiß sehr genau um die damit verbundenen Schwierigkeiten. Außerdem ist es das Erstlingswerk von Tim Sarianidis, den ich nur ermutigen kann, unbedingt dran zu bleiben und weitere Romane zu schreiben. Vier von fünf Sternen sind sicherlich eine faire Bewertung. :4*:

      EDIT: Die Sache mit dem falschen Namen war mein Fehler. Da bin ich durch die ähnlichen Namen von Kommandant und LI durcheinander gekommen. Sorry.
      Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Speedy ()

    • Das ist ja eine interessante Neuentdeckung! Ich habe von diesem Roman überhaupt nichts mitbekommen. Vielen Dank für die kritische Rezension. Es kommt ja leider doch häufiger vor, dass Bücher im Selbstverlag dann handwerkliche und inhaltliche Mängel aufweisen. Zeitreiseromane haben in der Tat eine lange Tradition, ohne dass sie an Reiz einbüßen. Ob ich auf die Jagd auf den Schwarzen Wal gehe, zunächst wohl eher nicht; ich muss erst noch ein paar andere Romane erlegen...
      „Du wirst die Welt niemals richtig genießen, bis nicht das Meer durch Deine Adern fließt, dich der Himmel zudeckt und die Sterne Dich krönen.“
      (Thomas Traherne)