Tutorial: Webleinen knüpfen

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    • Tutorial: Webleinen knüpfen

      Ein kleines Tutorial zum Wantenknüpfen



      Im Folgenden möchte ich einmal kurz auf einige aus meiner Sicht wichtige Aspekte beim Wantenknüpfen näher eingehen. Das ist jetzt nicht der Gipfel aller Weisheit, sondern nur meine ganz persönliche Herangehensweise. Mittlerweile habe ich gut 2/3 der ersten Etage fertig und reichlich Erfahrung gesammelt, und das möchte ich gern weitergeben.
      Zuerst einmal ist die Vorbereitung wichtig. Ich fertige mir für jeden Mast eine passende Schablone. Das ist einfach nur ein passend geschnittenes Blatt eines karierten Schreibblockes. Da es in meinem Maßstab wunderbar passt, kann ich als Abstand zwischen den Webleinen 5 mm nehmen, so dass ich nur die Linien des Schreibbockes nachziehen muss. Ganz wichtig ist die Unterkante der Schablone: Sie muss so geschnitten sein, dass im Ergebnis die Webleinenlinien horizontal verlaufen.
      Am Beispiel eines einzigen Knotens will ich jetzt in wenigen Bildern zeigen, worauf es aus meiner Sicht ankommt.
      Wir sehen hier die Steuerbordwanten des Großmastes; ich war schon fleißig, ca. die Hälfte der Webleinen sind bereits befestigt. Nun also die nächste. Ich beginne immer am zweiten bzw. vorletzten Want, dort setze ich den ersten Webleinstek. Anhand meiner Schablone ermittele ich die exakte Position und ziehe den Knoten dann richtig fest. Nun folgt Knoten Nr. 2. Natürlich auch das wieder ein Webleinstek, so wie alle Knoten beim Wantenknüpfen. Ich verlasse mich erst einmal auf mein Augenmaß, ziehe ihn einigermaßen fest, und dann drücke ich die Schablone von hinten fest gegen die Wanten. Ich richte sie dabei so aus, dass alle schon angebrachten Webleinen bzw. die jeweiligen Knoten exakt auf den Linien der Schablonen liegen. So sehe ich, ob und wenn ja in welche Richtung ich meinen neuen Knoten noch durch vorsichtiges Drücken mit der Pinzette verschieben muss. Und an der Stelle ein ganz wichtiger Ratschlag: Achtet nicht auf den Verlauf des Fadens zwischen den Knoten. Dieser suggeriert oftmals etwas völlig Falsches. Entscheidend sind die Knoten selbst - die müssen exakt auf der Linie der Schablone sitzen. Das zeigt das folgende Bild:


      Jetzt brauchen wir eine Pinzette. Mit der halten wir das Wanttau, auf dem der neue Knoten sitzt, fest, und zwar so, dass wir den Knoten rechts vom Wanttau packen und festhalten. Mit der rechten Hand ziehen wir den Knoten straff (roter Pfeil), die Pinzette gibt die Gegenkraft (gelber Pfeil), um das Wanttau da zu lassen, wo es hingehört.



      Im nächsten Schritt verändern wir die Zugkräfte. Die rechte Hand hält den Faden nur straff (grüner Pfeil), während mit der Pinzette nun ganz dicht links vom Wanttau in Richtung des blauen Pfeils der Knoten endgültig straff gezogen wird.
      Man erreicht dadurch zwei Sachen: Zum einen wird der Knoten schön klein und eng und fest, zum anderen hat man nun in diesem Webleinenfeld die gewünschte sanfte Wölbung nach unten.


      Hat man diese beiden Schritte vollzogen, kommt wieder die Kontrolle des Sitzes der Knoten mittels Andrücken der Schablone an die Wanten. Manchmal muss man die oben aufgeführten Schritte mehrmals gehen, bis im Ergebnis der Knoten genau auf Linie und die Webleine in der gewünschten Form sitzt.
      Wenn es dann so aussieht wie auf diesem Bild, kann man sich dem nächsten Knoten widmen.


      Ist man dann beim letzten Knoten angekommen, soll man nicht den auf dem ersten Want vergessen. Ich hatte ja eingangs erwähnt, dass ich stets beim zweiten bzw. vorletzten Wanttau beginne. Mit dieser Methode denke ich, dass ich damit der Gefahr, einen "Eiffeltrum" zu fertigen, d.h., die Wanten immer mehr zusammenzuziehen, je weiter man nach oben kommt, begegne. Nun noch einmal die komplette Knotenreihe kontrollieren, ggf. korrigieren. Dann mit dem Zahnstocher vorsichtig Weißleim auf die Knoten tupfen, etwas mehr auf die beiden äußeren, dabei auch die beiden Fadenenden mit einleimen. Kurz anziehen lassen, nochmals die Lage der Knoten korrigieren. Erst nach dem vollständigen Durchtrocknen schneide ich dann mit einer feinen, scharfen Schere die Fäden an den Enden dicht am Knoten ab.

      Ja, das Einziehen der Webleinen ist eine zeitaufwändige Angelegenheit. Und man sollte sich diese Zeit auch nehmen und das alles nicht als lästige "Strafarbeit" sehen, sondern als eine wichtige Etappe auf dem Weg zu einem schönen Modell. Mich stimmt es immer traurig, wenn ich bis dahin toll gebaute Schiffsmodelle sehe, die dann durch lieblos-schlampig geknüpfte Wanten erheblich an Qualität verlieren.
      Wenn das, was ich hier beschrieben habe, beim ersten Mal nicht gleich klappt, sollte man nicht verzweifeln. Wie immer gilt auch hier: Übung macht den Meister. Und man sollte auch nicht erschrecken oder gar verzweifeln, wenn mit der nächsten Webleine der eben so schön geformte sanfte Bogen weg ist bzw. in ganz andere Richtungen geht. Am Ende der Wantenknüpferei kommt die große Inventur, und da gibt es noch Möglichkeiten, die eine oder andere Unstimmigkeit zu korrigieren, ohne das es gleich zu größeren Abrissaktionen kommen muss. Das zeige ich dann später - auch, weil ich selbst noch nicht genau weiß, ob meine diesbezüglichen Ideen auch funktionieren werden...
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    • Grolanner schrieb:

      Hausfrauenstek
      Ich weiß ja nicht genau, was das ist, aber bei mir kommen nur die echten Webleinsteks auf die Wanten! :D Die Papierschablone sitzt ja nicht so dicht an den Wanten, dass sie sich, so sie eine hätte, daran die Nase platt drücken würde. Da ist schon noch etwas Luft; ich drücke das Blatt ja immer nur zur Kontrolle des richtigen Sitzes der Knoten von hinten gegen die Wanten. An sich geht es sehr einfach: Ich schiebe das Fadenende hinter das Wanttau, hole es mit einer spitzen Pinzette wieder nach vorn, unten um den Faden rum, nochmal den selben Weg, wieder mit der Pinzette nach vorn und durch die offene Schlaufe, die ich mit dem zweiten Schlag gelegt habe. Vorsichtig straff ziehen und fertig ist der Webleinstek.
      Ich hoffe, die Erklärung war einigermaßen verständlich; ich schaue nachher mal, ob ich das mit ein paar Fotos zeigen kann. ;)
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    • rofl rofl
      Der Hausfrauenstek ist doch ein Halberschlag oder Überhandknoten.

      Aga
      John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.
      „Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
      Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“
    • @Jessica Read Immer nur Futtern im Kopf, tss, tss. :D

      Ok, mit einem einfachen Überhandknoten bekommt man kein sauberes Bild. Nur der Webleinstek sichert, dass das Ende, das nach links läuft, in der selben Höhe sitzt wie das Ende, welches nach rechts läuft.

      So, jetzt mal der Knoten in Bildern.

      Wir stecken das Fadenende hinter dem Wanttau durch und holen es unter dem Faden wieder vor:


      Jetzt führen wir das Fadenende wieder hinter das Wanttau, jetzt aber über dem Faden, holen den Faden wieder nach vorn und stecken ihn durch die eigene Schlaufe:


      Nun vorsichtig straff ziehen, mit der Pinzette korrigierend helfen, und am Ende die Kontrolle des exakten Sitzes des Knotens durch Andrücken der Papierschablone.


      @Grolanner Ist das so einigermaßen verständlich? Wie du siehst, hat man zwischen den Wanten und dem Papier genügend Platz.
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    • Richtig, nen Hausfrauenstek ist der einfache Knoten, der beim Schuhe-Zubinden vor der Schleife kommt :D

      Danke fürs erklären, @Bonden, bei mir hatte es gedanklich an der Pinzette gehakt. Du nutzt sie nicht nur zum Ausrichten und Festziehen der Knoten, sondern auch zum Fliegen fangen... äh... Knoten selbst. Dann brauchst du nicht so viel Platz, aber umso mehr Geduld :S

      @Speedy: Vollste Zustimmung! :wf: