Band 3 - Duell vor Sumatra


  • Für mich zählt dieser Roman zu meinen Lieblingsbänden in der Reihe, da er einen Vorgeschmackt auf die "endlose Reise" bietet, dem er ja auch thematisch sehr ähnlich ist, denn auch hier geht es in der Haupthandlung darum, dass ein Diplomat auf seinen neuen Posten gebracht werden soll.
    Doch ehe es soweit ist, muss Jack erstmal seinen Freund retten, der als Agent enttarnt wurde.
    Dieses Buch bietet alles, was das maritime Herz begehrt, Abenteuer auf See, ferne Länder, exotische Inseln. Und für einen Roman von POB ist er gemessen an den späteren Werken sogar noch sehr aktionsreich, bildet doch eine veritable Seeschlacht den Höhepunkt der maritimen Handlung.
    Ebenfalls sehr gut gelungen ist die Schilderung Indiens und seiner Menschen. besonders anrührend ist die Episode um Dil, Stephens Führerin und Freundin. Und es wird auch zwischen Diana und Stephen wieder dramatisch.
    Alles in allem ein unterhaltsames Buch, dass man immer wieder gerne liest (oder hört).

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

    Einmal editiert, zuletzt von Speedy () aus folgendem Grund: Cover ergänzt

  • Jeder Durchgang, diesmal als Hörbuch, bietet mir bei Duell vor Sumatra immer neue Perlen, die mir ganz besonders gefallen. Diesmal war es u.a. Stephens Genesung nach der von eigener Hand durchgeführten Operation. Es war ganz einfach herrlich, den delirierenden Stephen zu erleben und daneben den armen Jack, mal peinlich berührt, mal einfach nur noch genervt. Das hat so richtig Spaß gemacht.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Nein, aber ich fühle da mit Jack, der sich den ganzen Psalm anhören muss, damit niemand sonst es hört.
    Mal peinlich berührt, mal erschreckt und mal total genervt, immer wieder dasselbe Zeug anhören zu müssen und schließlich die Erleichterung, als Stephen endlich ins Latein wechselt.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Man taucht eben jedes Mal wieder in die ganz eigene Welt ein, und das beherrscht POB außergewöhnlich gut (sogar in den Übersetzungen), den Leser auf diese "Reise" mitzunehmen.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • In den Hörbüchern schafft es Johannes Steck aber auch noch die Atmosphäre des Großmeisters PoB zu verstärken !

    "We all came from the sea and it is an interesting biological fact that all of us have in our veins the exact same percentage of salt in our blood that exists in the ocean, and, therefore, we have salt in our blood, in our sweat, in our tears. We are tied to the ocean. And when we go back to the sea - whether it is to sail or to watch it - we are going back from whence we came."

    John F. Kennedy

  • Oh ja. Von Steck gelesen ist das noch POB Plus!


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Eure Antworten sind durchweg richtig. Ich bin stolz auf euch.
    Duell vor Sumatra ist ja einer meiner Lieblingsbände, auch weil er so komplex ist.
    Im Prinzip ist es ein Puzzle interessanter Personen und Schicksale vermischt mit Action auf See und an Land. Und als Hörbuch...
    Ich fahre täglich 50 km ins Büro und 50 km zurück. Das ist eine schöne Strecke, aber mit Johannes Steck an Bord manchmal noch zu kurz.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Und wieder mal läuft das Hörbuch bei mir an Bord. Immer wieder beeindruckend ist die Schilderung, wie vor der französischen Mittelmeerküste dieses Kanonenboot von den Chinesen und Malayen der Liveley erobert wird. Dazu Bondens schockierte Aussage: "Es gibt keine Gefangenen." Und schließlich Jacks Überlegung, wie er das in einem Brief an Sophia umsetzen kann. Einfach nur toll.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Oh je, ich habe einen riesigen Berg Arbeit vor mir. Aber er wird mit jedem Tag größer, also gilt es, endlich mal anzufangen. Wovon rede ich? Ich bin derzeit bereits bei Band 10, und es gibt seit Band 3 noch jede Menge Lesezeichen abzuarbeiten. So auch zu Band 3.


    Aber erst einmal generell zu diesem Buch: Ich bin voll und ganz bei Speedy, dieser Band ist einer der allerbesten Bücher dieser Reihe, die ja nur aus besten Büchern besteht. :D


    Und wie immer gilt für Leute, die das Buch noch nicht gelesen haben, dies aber vorhaben, jetzt sofort dieses Posting zu verlassen, ansonsten wird in höchstem Maße gespoilert.


    Wie immer sind meine Lesezeichen aus ganz unterschiedlichen Gründen gesetzt worden, mal was zum Lachen, dann wieder einfach nur etwas sehr Interessantes oder Bemerkenswertes, und dann auch immer mal eine kleine Episode zu meinem alter ego. So wie diese Szene hier:
    "Bonden", rief Stephen, "hol Feder und Tinte und schreib..."
    "Schreiben, Sir?"
    "Ja. Setz dich vierkant vors Papier und schreibe: Landsdowne Crescent, den... Bonden, bist du etwa gestrandet?"
    "Tja, Sir, eigentlich schon. Obwohl ich ganz gut lesen kann, Druckschrift meine ich. Zum Beispiel die Wacheinteilung."
    "Macht nichts; ich bringe dir das Schreiben bei, wenn wir erst auf See sind..."

    Wer die nicht verwendeten Szenen aus DEM Film kennt (ha, wer kennt sie nicht? ^^ ), erinnert sich, dass es da diese eine Szene gibt, in der Stephen und Bonden zusammensitzen... :)


    Hach, und dann dieser Augenblick, als Jack erfährt, dass er das Kommando über die Surprise erhält. Da bekommt man doch automatisch beim Lesen feuchte Augen:
    "Surprise!" rief Jack noch einmal. "Auf der war ich seit meinen Kadettentagen nicht mehr." Deutlich sah er sie vor sich, wie sie mit höchstens einer Kabellänge Abstand unter der prallen Karibiksonne von English Harbor lag: eine kleine, stäbige, schmucke Achtundzwanzig-Kanonen-Fregatte französischer Herkunft, gut am Wind, steif und bei richtiger Führung auch schnell, geräumig, trocken... Unter einem strengen Kommandanten und einem noch strengeren Ersten Offizier hatte er auf ihr gedient, hatte viele Strafstunden oben in ihren Toppen zugebracht, wo er meist seine Bücher las, hatte seine Initialien in ihr Eselshaupt geschnitzt - ob sie wohl noch lesbar waren? Zugegeben, sie war alt und brauchte gute Pflege.

    In einem Absatz gleich drei beinahe-Zitate aus DEM Film, eines davon aber genau gegenteilig. "Nein, sie ist nicht alt. Sie ist den besten Jahren. Stabil gebaut, schnell - bei guter Führung sogar sehr schnell." Und: "Mr. Calamy, hier, das dürfte Sie interessieren. Hier hat sich der Käptn verewigt, als Fähnrich, nicht älter als Sie jetzt."


    Köstlich auch Stephens Faultier und dessen Verhältnis zu Jack.
    "ich finde einfach nicht heraus,... was das Faultier gegen mich hat. Ich war immer nett zu ihm, sogar mehr als nett. Aber nichts hilft. Mir ist schleierhaft, wieso du mir unterstellst, daß ich das Vieh hasse."
    ... Es kränkte ihn, daß dem Faultier Tränen in die Augen stiegen, sowie er nur die Kajüte betrat, und er gab sich alle Mühe, nett zu ihm zu sein.


    Ich stelle mir das immer bildlich vor und kann nicht anders und muss breit grinsen. Und dann, als er nach sächsischer Manier ein Stück Kuchen zwar nicht in Kaffee, aber dafür in Rum "didscht" und damit das Faultier füttert - und zack, sind sie Freunde. :lol Was Stephen gar nicht lustig findet:

    Argwöhnisch blickte sich Stephen um, entdeckte die Karaffe, beroch das Faultier und rief empört aus: "Jack, du hast meine Lethargy korrumpiert!"

    Aber alles wird gut wegen dem Faultier:

    Als Stephen an Deck kam, dachte er zufrieden an sein in Rio zurückgelassenes Faultier, das als Schoßtier der irischen Franziskaner jetzt heimlich deren Meßwein soff.

    Und wieder einmal ein Beispiel des sehr speziellen Humors der Seeleute, die unseren armen Maturin hochnehmen:
    "Sind wir denn in unmittelbarer Gefahr?" fragte Stephen.
    "Oh ja, gewiß", versicherten sie ihm mit ernsten, furchtsamen Mienen. Man befand sich in höchster Gefahr zu kentern, querzuschlagen oder in voller Fahrt Australien zu rammen. Aber noch gab es Hoffnung, eine winzige Hoffnung, daß sie gegen einen Eisberg stoßen würden und sich auf seinen Gipfel retten konnten; aber nur dann, mochte ein dutzend Männer überleben.

    Die Schilderung dieses schweren Sturmes, in den die Surprise gerät, ist an Dramatik und Spannung kaum zu überbieten und hat dennoch auch seine POB-typischen skurrilen Momente, so u.a. der, in dem sich einer der Bediensteten eines hochrangigen Regierungsbeamten, den sie mit an Bord haben, über die Unbillen des Wetters und deren Folgen beklagt und den Kommandanten sprechen will.
    "Sie werden ihn auf dem Hüttendeck finden", sagte Stephen. "Ich bin sicher, er hört sich gerne Ihre Beschwerden an."
    In der Stille, die nun folgte, hörte man Mr. Berkeley klagen: "Und unsere Nachttöpfe sind alle zerbrochen."

    Mal wieder eine Szene, in der Stephen sich einmal mehr aus nautisches Embryo outet. Jack freut sich wie Bolle, dass die Surprise elf Knoten und sechs Faden schafft und erzählt es seinem Freund:
    "Wir machen über elf Knoten", berichtete Jack. "Oh", sagte Stephen, "das tut mir leid. Gibt es nicht, was man dagegen tun könnte?"
    "Ich fürchte nein." Kopfschüttelnd fuhr Jack fort...

    Es gibt eine Einladung an Bord eines reichen Handelsschiffes der Kompanie. In Zeiten lange vor Alice Schwarzer und mee to liest sich das dann so:
    Und alsbald wehten auf der Lushington Signalflaggen aus. Das eine Signal galt der Surprise: Erbitte die Gesellschaft von Kommandant und Offizieren zum Dinner, das andere seinem Konvoi: An alle Schiffe: Hübsche junge weibliche Passagiere zum Dinner mit Offizieren geladen. Wiederhole: hübsch. Wiederhole: jung.


    Geht es euch auch so? Ja, ihr vermisst seit langem mal wieder eine typische Killick-Szene. Na denn, hier habt ihr sie:

    "...Ich habe noch ein paar Schinken in meinem Privatvorrat - wo ist mein Steward? Ruft meinen..."
    "Hier stehe ich, Sir, schon seit mindestens 'ner halben Stunde", raunzte Killick beleidigt. "Mit'm San'wich in der Hand und'm Becher Wein."


    So, jetzt ich mal wieder, mitten in einer Seeschlacht. Und Jack ganz pragmatisch:
    "Alles klar soweit, Bonden?" ...
    "Alles klar", antwortete Bonden. "Nur mein rechter Arm war ausgekugelt. Carlow hat ihn wieder eingerenkt."
    "Dann hilf mir mit dem anderen Arm."

    Wir erinnern uns an die Szene in DEM Film, in der Stephen seinem Freund Jack ankündigt, er würde eine Schildkröte nach ihm benennen. Das liest sich in diesem Buch so:
    "Eine Schildkröte, mein Lieber. Die größte Landschildkröte der Welt, aber eine neue Art, der Wissenschaft noch unbekannt. Im Vergleich zu ihr sind die Riesen von Rodriguez und Aldabra banale Repitilien. Diese hier muss eine Tonne wiegen. Nie im Leben war ich glücklicher. Ich bin wirklich ein ganz besonderes Glückskind, Jack. Wie du sie jemals an Bord schaffen wirst, ist mir ein Rätsel, aber der Marine ist ja nichts unmöglich."
    "Müssen wir sie denn an Bord schaffen?"
    "Wie kannst du noch fragen? Sie wird deinen Namen unsterblich machen. Dies ist nun eine Testudo aubreii für alle Ewigkeit. Wenn der Held von Abukir längst vergessen ist, wird Kapitän Aubrey noch im Namen dieser Schildkröte fortleben. Du bist jetzt berühmt, Jack."

    Die Szene aus DEM Film in der sich Stephen selbst eine Kugel aus dem Leib operiert, kommt auch in diesem Band vor - der Hintergrund ist ein völlig anderer, aber die Dramatik der Szene ist von POB grandios geschildert. Und auch hier bietet Jack seine Hilfe an - und da sind wir mitten drin in DEM Film:

    "Falls du möchtest, kannst du Choles' Aufgabe übernehmen und fest auf meinen Bauch drücken - siehst du: so -, wenn ich's dir sage. Aber fühlst du dich dem wirklich gewachsen? Macht Blut dir nichts aus? Choles war früher Metzger, mußt du wissen."
    "Gott behüte, Stephen, ich bin von Kind auf mit Blut und Wunden vertraut."
    Blut hatte er fließen sehen, gewiß. Aber nicht Wunden, die mit so kalter Überlegung und in voller Absicht zum Bluten gebracht wurden, während Skalpell und Sonde darin wühlten.
    (weitere exakte Beschreibung der Operation...)
    ...insgesamt ein überwältigender Eindruck roher Gewalt, viel schlimmer, als Jack es sich vorgestellt hatte.
    ...(weitere exakte Beschreibung der Operation... Dann ist die Kugel draußen...)
    "Warte: Kümmere dich erst um den Kommandanten, ich tamponiere selbst. Riechsalz - und drückt ihm den Kopf nach unten."


    :lol


    Ja, klar, was sonst: :5*:

  • Ja, dieses Buch ist wirklich eine Offenbarung mit vielen versteckten Perlen. Man hat das Gefühl, dass mab selbst beim wiederholten Lesen oder Hören immer wieder neue Dinge entdeckt, die es wert sind erwähnt zu werden.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)