Jann M. Witt - Horatio Nelson. Triumph und Tragik eines Seehelden

  • Am 21. Oktober begehen wir alljährlich den Jahrestag der Seeschlacht von Trafalgar. Kein anderer Name ist so sehr mit der Seeschlacht vor der spanischen Südatlantikküste verbunden, wie der des Horatio Nelson.


    Nicht ohne Grund trägt die zum 200 jährigen Jubiläum jener Schlacht 2005 erschienene Nelson-Biographie des Marinehistoriker Jann M. Witt den Untertitel „Triumph und Tragik eines Seehelden. Denn für Nelson war sein größter Triumph auch gleichzeitig seine größte Niederlage: den Sieg der britischen Flotte über die verbündeten französisch-spanischen Kräfte bezahlte er letztlich mit dem Tode.


    Wie bei vielen „unserer“ Romanhelden begannen auch das Leben und die Laufbahn von Horatio Nelson, der später britischer Seeheld Nr. 1. werden sollte, recht unspektakulär, aber typisch für die Zeit und die Verhältnisse des 18. Jahrhunderts.


    Hier setzt die Biographie Witts ein, schildert den Weg des im Siebenjährigen Krieges als Sohn eines Landpfarrers geborenen Horatio Nelson. Witt „will den Menschen Horatio Nelson hinter der Heldenfassade zeigen – mit allen seinen Stärken und Schwächen.“ Um dem Leser die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts und den Menschen Nelson mit seinem „höchst widersprüchlichen Charakter“ begreiflich zu machen, lässt Witt „wo immer es möglich war“, Nelson selbst oder Zeitzeugen zu Wort kommen. Kein leichtes Unterfangen, den Charakter eines Menschen, der „in mancher Hinsicht ein großer Mann, in anderer ein Kleinkind“ (Gilbert Elliot, Earl of Minto) war, einzufangen bzw. ihm gerecht zu werden.


    Witt gelingt diese Aufgabe in der insgesamt gut vierhundert Seiten starken Biographie, indem er weder in Heldenverehrung des Seefahrers noch in Bloßstellung des Ehebrechers (Affäre Hamilton) Nelson verfällt. Vielmehr zeigt er eben diese beiden Seiten: einerseits Nelson als brillanten Strategen, visionären Taktiker und genialen Menschenführer und andererseits als Individuum, welches an seiner eigenen Idealisierung feilte, stets nach Ruhm und Anerkennung strebte und dabei nur allzu menschlichen Lastern unterlag.
    Die Biographie enthält neben dem üblichen Literaturverzeichnis und Namensregister auch eines für die erwähnten Schiffe, Übersichtskarten, Kurzbiographien von Nelsons Freunden und Zeitgenossen sowie ein Glossar zu den wichtigsten Marinebegriffen.



    s.a. im Literaturbereich auf der Hauptseite, Empfehlung 10/2016: Jann M. Witt - Horatio Nelson. Triumph und Tragik eines Seehelden

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Interessant sind die zeitgenössischen Aufzeichnungen von Zeitgenossen über ihre ersten Kontakte mit Nelson, noch ehe er seine übersteigerte Popularität genoss. Graham Moore war einer von ihnen, den anderen weiß ich nicht mehr. Beide Male als ambivalent beschrieben.


    XXXDAn

  • Danke für den Hinweis. Dadurch bin ich auch auf eine Biographie von William Bligh gestoßen, die Jann M. Witt geschrieben hat. Den Namen muss man sich offenbar merken...

    Schmiddie


    (ehemaliges Mitglied von Bolitho & Co. 1.0 und Bolitho & Co. 2.0, dort bekannt als Robert E. Lee; also von Anbeginn dabei...längere Zeit verschollen, jetzt nicht mehr ganz so aktiv, aber immer dabei geblieben!).

  • Danke für die Buchvorstellung. Die Biografie hört sich echt lesenswert an.

    Gruß Christian


    In der Werft: HMS Trition, 1773
    "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

  • In der Tat - auf fast 400 Seiten erfährt man wirklich viel über Nelson und seine Zeit. Das Glossar ist für Nichtkenner der Materie ein sinnvolles Extra und die Kurzbiographien von Nelsons Personenumfeld ist ebenfalls eine interessante Erweiterung für eine Biographie.
    Weiter Vorteil ist eindeutig die Sprache und dass das Werk (noch) relativ aktuell ist bzw. den wissenschaftlichen Gepflogenheiten der heutigen Zeit entspricht. Im Anhang gibt es dann auch noch die passende Literaturauswahl.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.