Band 2 - Feindliche Segel

  • Ein extra Lexikon oder Nachschlagewerk kostet Geld und Zeit; scheidet also aus.

    ...und gab es damals mit Sicherheit noch nicht. Die Datenlage hat sich in den letzten 20 Jahren wirklich dramatisch verbessert. So was gibt es auch.


    Um aber mal wieder auf das Buch selbst zurück zu kommen: Ein Literaturkritiker hat den Roman als die beste ihm bekannte Hommage an Jane Austen bezeichnet. Ein anderer Kritiker schrieb, Patrick O'Brian sei Jane Austen zur See. Diese Aussagen mögen den einen oder anderen überraschen, doch bei nüchterner Betrachtung ist es so. Patrick O'Brians Erfolg beruht auf der genauen Kenntnis der von ihm beschriebenen Zeit und der sprachlichen Annäherung an die Romane Jane Austens. Für keinen seiner Romane trifft das so sehr zu, wie für Feindliche Segel, der ja über weite Strecken im selben Millieu spielt, wenn auch aus männlicher Perspektive geschrieben. Man könnte deshalb Feindliche Segel als eine Art literarisches Reenactment auf allerhöchstem Niveau bezeichnen.



    Danke, @Speedy, mit der Antwort bin ich zufrieden.

    Puh, Glück gehabt...äh... Ich diene der...

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Gut getroffen - und in der Tat habe ich beim Lesen selbst oft an Parallelen zu Jane Austen gedacht. POB hat da wirklich einen sehr guten Mix hinbekommen, ob nun beabsichtigt oder nicht.

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Auf dem Arbeitsweg war es mal wieder soweit, Jane Austen für Seeleute wurde in den CD-Player eingeschoben.
    Und sofort ist man vor der französischen Küste mitten im Geschehen.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Auch mal von mir ein kleines, vorhin erst gehörtes Lesezeichen:


    Stephen und Pullings unterhalten sich über die Polychrest. “Ich hörte, sie wurde nach neuesten Erkenntnissen konstruiert.“ “Ich hoffe, sie wurde auch zum schwimmen konstruiert“, erwiderte Pullings.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Da ich als braver Mitgenosse die Spoilerwarnungen ernst genommen habe und die Zitate nicht gelesen habe, da ich noch am Lesen deises Buches bin, weiss ich natürlich auch nicht, ob folgendes Zitat schon in der Sammlung ist. Sollte dem so sein, einfach löschen!
    Es ist zwar nich in erster Linie ein lustiges Zitat, vielmehr sind es oftmals die geschwollenen Formulierungen, insbesondere von Stephen Maturin, die mir immer mal wieder einen Lacher bescheren. So zum Beispiel wo er mit dem Kollegen Dr. Ramis im Gespräch auf die Eigenarten von Seemännern eingeht und dabei eine These entwickelt:


    Es ist nur der Fötus einer These, aber ich bin ihm zärtlich zugetan

    Heute in der Sonne am Seeufer bratend gelesen und die Aufmerksamkeit der "Mitbrater" auf mich gezogen weil ich laut heruasgelacht habe... :D


    Schönen Restsonntag
    Peter

  • gerade wieder im Ohr.
    Steven's verschwurbelte Redeweise hat mich wieder grinsen lassen:
    "Es ist nur ein Embryo von einer These, der ich aber sehr zugetan bin"
    8o


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Ahoi Seeleute


    So, auch ich bin durch mit Band 2 (Zur Erinnerung, ich bin langsam-Leser, da auch Modellbauer rofl )
    Ich gestehe, dass ich die fast durchgehende Begeisterung in diesem Thread nicht zu 100% teilen kann.
    Das Buch hat für mich Quasi drei Teile. Der erste Teil, an Land...naja, so stelle ich mir Rosamunde Pilcher vor. Landsitz, reiche, schöne, junge Nachbarinnen, Fuchsjagd, etwas Langeweile und dadurch auch bisserl Eifersucht, etc.... Dann die Wende, die Flucht im Bärenfell, etwas zu abenteuerlich in meinen Augen und dann wieder auf See, quasi back to the roots.
    So richtig drive bekommt das Buch aber erst wieder auf der Polychrest und zum Schluss wird's wieder richtig POB.
    Auch finde ich die plötzlich eingebaute Agententätigkeit von Stephen etwas an den Haaren herbei gezogen. Ein Ire (Ex-Aktivist) mit Ländereien in Spanien, der plötzlich britischer Agent sein soll... Als geschichtlich nicht wirklich eingefleischter Kenner erscheint mir das etwas künstlich.


    Der Wortwitz, der durch das gesamte Buch begleitet hielt aber auch mich immer wieder bei der Stange und das letzte viertel las sich wieder richtig flüssig.
    Wenn ich ganz ehrlich bin mit mir selber, dann kann ich dem Band nicht mehr als :3*: geben.


    Ich bin sehr gespannt auf Band 3, werde mir aber erstmal Leutnant Ramage dazwischen schieben.


    Freundliche Grüsse
    Peter

  • So richtig drive bekommt das Buch aber erst wieder auf der Polychrest und zum Schluss wird's wieder richtig POB.

    Sorry, aber das ist nur ein Teil von POB - die Ausflüge an Land und die Spionagetätigkeit von Stephen, die sich mehr oder weniger durch alle Bände ziehen, gehören auch zu ihm. Damit muss man sich dann einfach arrangieren.

    George N. W. Cavendish-Bentinck (M.O.R.N.)

  • Wobei wir den Punkt, dass Stephen zwischen zwei Bänden zum Spion wird, ja schon früher diskutier hatten.


    Kleiner Trost: Zumindest das mit der Spionage wird besser.

    "If there are ladies present, gentlemen should be also." - Major Richard Sharpe

  • Es stört mich absolut nicht, dass Stephen Spion ist, aber mit der Vorgeschichte erscheint mir das etwas abenteuerlich und an den Haaren herbei gehzogen. Aber das ist mein Eindruck und meine Wertung. :D Udn ich werde POB gewiss nicht untreu, denn der Schluss macht ja wieder richtig
    Hunger auf mehr. Aber eine kleine Abwechslung zwischendurch ist ja auch nicht schlecht, oder?
    LG
    Peter

  • Ach ja, Abenteuer! Mal an Land - mal auf See! Stephen ist die vielleicht wunderbarste Figur im gesamten Kosmos der Romane, die in unserer Zeit angelegt sind. Und KA ist die vielleicht normalste verrrückteste Figur im Kosmos unserer Romane. An Land - an Bord. Und wenn du das akzeptieren kannst und jetzt am Anfang auch noch die sich streubenden Nackenhaar verspürst, dann lasse dir und den Figuren von POB noch etwas Zeit.... Sie werden dich dann beglücken....

    "Wie die Luft gehört die See als Geburtsrecht allen Menschen.“
    (Thomas Jefferson 1743 - 1826)

  • Ich gestehe, dass ich die fast durchgehende Begeisterung in diesem Thread nicht zu 100% teilen kann.
    Das Buch hat für mich Quasi drei Teile. Der erste Teil, an Land...naja, so stelle ich mir Rosamunde Pilcher vor. Landsitz, reiche, schöne, junge Nachbarinnen, Fuchsjagd, etwas Langeweile und dadurch auch bisserl Eifersucht, etc.... Dann die Wende, die Flucht im Bärenfell, etwas zu abenteuerlich in meinen Augen und dann wieder auf See, quasi back to the roots.
    So richtig drive bekommt das Buch aber erst wieder auf der Polychrest und zum Schluss wird's wieder richtig POB.

    Ich kann Dich sehr gut verstehen @Peter_H, denn dieser Band macht es dem Leser nicht so leicht. Bei mir hat es mehrfaches Lesen und Hören des Buches gebraucht, bis mir bewusst wurde, welche Perle uns POB mit diesem Roman geschenkt hat. Und obwohl ein Seeoffizier und ein Schifssarzt die Hauptpersonen des Romans sind, ist es kein weiterer marinehistorischer Roman. Das wird dem Buch ganz einfach nicht gerecht. Und ein Rosamunde Pilcher-Verschnitt ist es ganz und gar nicht. Vielmehr handelt es sich um einen Gesellschaftsroman im Stil des frühen 19. Jahrhunderts, also von Jane Austen und den Bromté-Schwestern. Die wunderbar beschriebenen maritimen Anteile sind aber immerhin so umfangreich, dass auch Leute wie wir mit abgeholt werden.
    Die abenteuerliche Flucht im Bärenfell, mag zwar skuril erscheinen, aber ich liebe sie trotzdem, denn man kann so wunderbar mit Jack mitleiden. Und dieser Ausflug nach Frankreich mit der schwierigen Rückkehr liefert ja auch eine einleuchtende Erklärung, weshalb Jack Aubrey trotz bester persönlicher Beziehungen zum 1. Lord der Admiralität mit der ollen Polychrest vorlieb nehmen muss - er kommt schlichtweg zu spät und alle guten Kommandos sind bereits vergeben.
    Überhaupt ist die Polychrest-Episode auch ein kleines Juwel, nicht nur, weil es so ein merkwürdiges Schiff ist. Vielmehr wird auch wunderbar geschildert, wie sich Jack in seinen persönlichen Angelegenheiten verheddert und somit alles zu verlieren droht.
    Was nicht nur Dir, sondern uns allen Kopfzerbrechen verursacht, ist die Wandlung Stephens vom United Irishman zum Agenten. Wie es letztendlich dazu kam, wird niemals geklärt. Man erfährt zwar, dass Sir Joseph die Vorgeschichte Stephen Maturins kennt, mehr aber auch nicht (evtl. in einem späteren Band). Allerdings gibt es ein zeitliches Loch zwischen dem Ende von Band 1 und dem Beginn von Band 2, der den Wandel erklären könnte.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Es ist immer wieder interessant zu lesen, mit welch unterschiedlichen Erwartungen bzw. aus welcher Perspektive man so ein Buch beginnt und wahrnimmt.


    Es wäre auch mal interessant nachzuschauen, wie viel Zeit zwischen dem ersten und zweiten Band liegt. Wenn ich es recht in Erinnerung habe, hatte POB gar nicht vor, mehr als einen Roman zu schreiben. In irgendeinem Vorwort der späteren Bände erwähnt er das bei Einführung der Jahre 1812a, b, ... glaub ich sogar, da er die Reihe sonst hätte eher starten lassen.


    Ja, die Flucht im Wolfs, ääh, Bärenfell ist ziemlich weit hergeholt. - Dafür aber wieder sehr gut mit allen möglichen Hürden und Gefahren beschrieben. Dass O'Brian ein wenig von Austens 'Stolz und Vorurteil' einfließen lässt, fand ich gar nicht schlimm. Wenn man über Offiziere und Landadel Englands zu Beginn des 19. Jahrhunderts schreibt, kommt man daran eigentlich auch fast nicht vorbei. Ich habe es schmunzelnd als Hommage an Jane Austen aufgefasst. Es bleibt ja letztlich nicht nur bei dieser einen romantischen Episode an Land, sondern er führt sie ja auch immer mit mehr oder weniger starken Handlungen (im Hintergrund) fort (gut, das Bild ergibt sich erst, wenn man die Reihe durchgelesen hat).


    Warum bereitet uns die Wandlung oder Aufdeckung von Stephens Agententätigkeit denn allen Kopfzerbrechen? ;)
    Für irische und katholische Freiheit auf einem Schiff der britischen Marine in den napoleonischen Kriegen zu kämpfen wäre literarisch betrachtet auch eine unpassende Entwicklung für weitere Romane, wenn der Fokus im maritimen Bereich bleiben soll.
    Vielleicht war Stephen auch (schon) ein Informant der Briten zu Zeiten der irischen Rebellion 1798 oder sah im Aufstieg Napoleons die Ideale der fr. Revolution komplett verloren... oder musste für Straferlass einen Deal mit den britischen Behörden eingehen...
    Wann wurde Stephen das erste Mal aufgrund seiner Tätigkeiten aufgegriffen, das war doch im ersten oder zweiten Band? Und außerdem ist er ja auch noch zur Hälfte oder zum Viertel Katalane, da saugt man den Drang nach Unabhängigkeit ja quasi schon mit der Muttermilch auf. ;)

    ~*~ "Und nun meine Herren, genug der Bücher und Signale." ~*~ Richard Earl Howe, 1. Juni 1794.

  • Die Rolle des englischen oder britischen Pfarrhauses, diese eigenartige Mischung von Freigeist, Bildungsbürgertum und einem gewissen, seltsamerweise immer staatstragendem, Liberalismus, wie auch Bigotterie, müsste auch einmal eingehend untersucht werden. Sollte jemand dazu weitere Literatur empfehlen können, bitte ich um Info.


    In diesem Millieu sind dann ja überdies, wie ich finde, eine Menge interessanter Charaktere erwachsen. Auch da wäre eine Auflistung bestimmt interessant. Ob es dieses Pfarrhaus ebenfalls so in der Form gegeben hätte, wenn Heini 8 (oder darf man nur "Willi 2" sagen) seine Kirche nicht, über die Unterstellung unter den Regenten, in die staatliche Ordnung eingebunden hätte?

    "Certainement qui est en droit de vous rendre absurde, est en droit de vous rendre injuste."
    Voltaire in "Ouveres komplettes de Voltaire" 1784, S. 447

    Wer dich veranlassen kann, Absurditäten zu glauben, kann dich auch veranlassen, Unrecht zu begehen.

  • Das ist eine interessante Frage @Deetjen, auch wenn sie hier nicht unbedingt am richtigen Platz ist. Möglicherweise würde uns ja allen Spanisch so geläufig über die Lippen gehen wie heute Englisch und hier im Forum ginge es um den spanischen Capitano Juan Alvaro und seinen hochverräterischen katalonischen Freund Esteban Maturin. Vieles wäre möglich, wobei die Verhältnisse in Spanien auch ohne die Engländer den Keim des Scheiterns in sich trugen, so dass vielleicht die Niederlande eher den Platz Englands eingenommen hätten.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Natürlich ist der Hinweis auf den falschen Platz absolut berechtigt. Daher erlaube ich mir auch nur noch, kurz einzuwerfen:
    m.E. hätten sich die Niederlande, so wir überhaupt von ihnen sprechen können, ohne das Spannungsdreieck England/Frankreich/Spanien, nicht emanzipieren und etablieren können. Ein weiterer gegen die Niederlande sprechender Faktor ist die geringe Bevölkerungszahl bei gleichzeitig geostrategisch ungünstiger Lage ohne natürliche Grenzen. Die sicherlich gegebenen taktischen Möglichkeiten, wie sie z.B. die Deiche und die teils nadelöhrartigen Verkehrswege bieten, wären angesichts der rein zahlenmäßigen Übermacht potentieller Gegner auf Dauer nicht entscheidend. Nicht zu vergessen ein Spanien unseres Modells wäre nicht durch England gebunden gewesen.


    Aber, wie Du schon sagst, dass gehört hier natürlich alles nicht her.

    "Certainement qui est en droit de vous rendre absurde, est en droit de vous rendre injuste."
    Voltaire in "Ouveres komplettes de Voltaire" 1784, S. 447

    Wer dich veranlassen kann, Absurditäten zu glauben, kann dich auch veranlassen, Unrecht zu begehen.

  • Da kannst Du durchaus Recht haben. Trotzdem wäre auch ein noch größeres und noch mächtigeres Spanien auch ohne England und Holland dem Untergang geweiht gewesen.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Na jetzt machst Du es mir aber nicht einfach @Speedy,


    falscher Diskussionsort erklärt und dann Argumentation der Antwort auf "trotzdem" reduziert?


    Dann lassen wir es halt sein.

    "Certainement qui est en droit de vous rendre absurde, est en droit de vous rendre injuste."
    Voltaire in "Ouveres komplettes de Voltaire" 1784, S. 447

    Wer dich veranlassen kann, Absurditäten zu glauben, kann dich auch veranlassen, Unrecht zu begehen.