Die James Ogilvie-Reihe von Philip McKutchan und Duncan MacNeil

  • Die Reihe spielt zum Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte eines Offiziers der (fiktiven) 114. Highlander, der Royal Strathspeys. Autor der Reihe war Philip McKutchan, jedoch wurde sie abseits von seinen sonstigen Romanen unter dem Pseudonym Duncan MacNeil veröffentlicht. In einigen englischen Veröffentlichungen werden beide Namen auch abwechselnd genannt, als handelte es sich um eine Co-Produktion, was jedoch nicht der Fall ist. Hauptschauplatz der Reihe ist Indien, meist die nördliche Grenze zu Afghanistan. Insgesamt wurden 14 Bände veröffentlicht, jedoch sind aktuell nur 9 Bände als eBook verfügbar.


    Die Bände in der Reihenfolge der Handlung:


    1) Trommeln am Khyber Pass
    2) An vorderster Front
    3) Sadhu der Rebell (nicht verfügbar)
    4) Die Tore von Kunarja
    5) Der rote Diamant
    6) Aufstand im Hindukusch
    7) Im Dienste des Vizekönigs
    8 ) Der Mullah von Kashmir
    9) Im Angesicht des Feindes
    10) Abenteuer in Südindien
    11) Aufruhr im Grenzgebiet (nicht verfügbar)
    12) Cunninghams Rache (nicht verfügbar)
    13) Zug nach Bundabar (nicht verfügbar)
    14) Die Ehre des Regiments (nicht verfügbar)

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)


  • Die Handlung setzt Ende des 19. Jahrhunderts ein, wobei die bei Amazon genannte Jahreszahl 1894 nicht aus dem Buch stammt und auch nicht stimmen kann, wenn man Aussagen des Folgebands zugrunde legt.
    James Ogilvie verlässt als frisch gebackener Leutnant die Militärakademie Sandhurst um seinen Dienst bei den 114. Highlandern anzutreten. Das fiktive Regiment zählt zu den vornehmsten schottischen Regimentern. Bereits sein Vater und Großvater dienten hier und brachten es jeweils zum Regimentskommandeur. Er hat einen schwierigen Start, denn Captain Black, der Regimentsadjutant, hasst junge Offiziere und James Ogilvie neidet er zudem die vornehme Herkunft. Nach kurzer Zeit erhält das regiment den Marschbefehl nach Indien. Hier wird das Regiment direkt nach der Ankunft nach Peshawar im unruhigen Grenzgebiet zu Afghanistan verlegt und von dort geht es sofort an die Front. Ein afghanischer Rebell hat sich in Jalalabad verschanzt und hält der britischen Belagerung stand. Die 114. Highlander sollen die Belagerungstruppen verstärken und die Entscheidung erzwingen. Doch zunächst muss der berüchtigte Khyber-Pass passiert werden...


    Um es gleich vorweg zu nehmen, es handelt sich um keine große Literatur. Trotzdem ist das Buch mehr als nur ein simpler Abenteuerroman. Die geschilderten Ereignisse sind zwar fiktiv, doch der Autor zeichnet ein ungeschöntes Bild von den Verhältnissen in Indien und im britischen Militär. Immer wieder werden Schein und Sein gegenübergestellt. Dabei ist James Ogilvie kein Überflieger, sondern gerät durch eigenes Verschulden in eine ausweglose Lage.


    Ich habe das Buch mit großem Vergnügen gelesen, auch wenn die See hier nur eine Nebenrolle spielt. Einen kleinen Abzug gibt es nur dafür, dass einige Charaktere (nicht alle) doch recht eindimensional wirken.
    :4*:

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Habe das Buch auch gerade angefangen.
    Bin nur mit der nicht militärischen Übersetzung nicht ganz zufrieden...
    Pfeifenmajor für Pipe-Major, Fahnenunteroffizier für Colour-Sergeant und Colours wurde einmal mit Farben statt Fahnen übersetzt. Soweit bis jetzt.
    Da bin ich etwas pedantisch. ;) Lieber die englischen Begriffe, statt schlechte deutsche...

    "If there are ladies present, gentlemen should be also." - Major Richard Sharpe

  • Über diese Übersetzungsperlen bin ich auch gestolpert und fragte mich, warum mir diese Dienstgrade so überhaupt nichts sagen wollten. Wenn wir aber ein Buch nach der Übersetzung beurteilen, kommen eine ganze Reihe unserer Lieblingsromane ziemlich schlecht weg.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)


  • An vorderster Front ist der zweite Roman der Reihe um den jungen Offizier James Ogilvie.
    Nach einer mißglückten Patrouille, bei der Ogilvie die Kontrolle über seine Männer verlor, kommt es im Regiment zu einer Hinrichtung. Anschließend wird james Ogilvie auf Urlaub nach Simla geschickt. wo sich auch seine Eltern aufhalten. Völlig überraschend wird er aus dem Urlaub zurückgerufen, um eine weitere Patrouille ins Grenzgebiet anzuführen. In der Garnison stellt sich heraus, dass der Regimentskommandeur abwesend ist und es sich bei den Rückruf um eine Schikane des Regimensadjtanten Captain Black handelt. Ausgerechnet mit dem selben Sergeant, mit dem bereits die vorherige Patrouille schief gelaufen war, muss James Ogilvie aufbrechen, um einige Dörfer an der Grenze zu Afghanistan aufzusuchen. Unterwegs verhalten sich die Einwohner friedlich, doch die unterschwellige Spannung ist nicht zu übersehen, so dass James Ogilvie schnell klar wird, dass ein Aufstand unmittelbar bevorsteht. Die Spannungen zwischen ihm und dem Sergeant, der ständig bemüht ist, seine Grenzen gegenüber dem jungen Offizier auszutesten, nehmen immer mehr zu, was dazu führt, dass man auch den letzten Zielort der Patrouille ansteuert, wo man prompt in einen Hinterhalt gerät.
    Mehr möchte ich zur Handlung nicht verraten, außer dass sich nun sehr schnell ein Feldzug der Briten anschließt. Ein alter General, der bereits im Krimkrieg kämpfte hat das Kommando und ist damit trotz seines persönlichen Mutes völlig überfordert. Er schwelgt noch in der Vorstellung des Infanterie-Karrees und schneidiger Kavallerieattacken, während die Artillerie nur lästiges Gepäck ist, das man irgendwann bei der Belagerung einer Festung gebrauchen könnte. Doch darum geht es ja nicht, denn Aufständische belagern ein britisches Grenzfort und die Armee soll die Garnison des Forts samt Frauen und Kindern retten. Es ist also auch eine Zeitfrage, doch die Aufständischen sorgen dafür, dass die Armee nur schleppend voran kommt.
    James Ogilvie ist mir bereits ans Herz gewachsen, auch weil er kein Superheld ist, sondern auch reichlich Fehler macht. Es macht Spaß, ihn bei seinen Abenteuern zu begleiten. Ganz besonders hat mir aber gefallen, wie der kommandierende General und sein Stab auf die Schwierigkeiten des Feldzuges reagieren und auch die Reaktionen der Regimentskommandeure, die ja mit ihren Männern die Konsequenzen zu tragen haben. Nervig fand ich wieder einmal, dass einige Charaktere doch sehr eindimensional dargestellt wurden. Dafür gibt es wieder Abzug. :4*:

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Vor Jahrzehnten habe ich alle 14 Bände gekauft. Ja, damals bot uns der Ullstein-Verlag noch viel Lesefutter aus dem Abenteuer- und Marinesektor an. Ich teile die Meinungen in den bisherigen Rezensionen. Tatsächlich gibt es bei gewissen Personencharakterisierungen etwas starke Schwarz-Weiss-Schilderungen. Bösewichte sind durch und durch böse, Intriganten nur intrigant und damit ist auch schon Schluss. Trotzdem lese ich diese Serie gerne. Die Landschaftsbeschreibungen versetzen den Leser in die Regionen des Geschehens, die Abenteuer sind (meist) nachvollziehbar und spannend. Man vernimmt einiges aus dem Innenleben der Kolonialarmee. Die überhebliche Einstellung der britischen Kolonialgesellschaft gegen die Einheimischen wird klar und deutlich, manchmal sogar drastisch geschildert. James Ogilvie muss sich seinen Platz gegen alle Widerstände erkämpfen. Er ist definitiv kein Superheld, dem alles gelingt. Für mich ein unterhaltsamer Lesespass!

  • Man vernimmt einiges aus dem Innenleben der Kolonialarmee.

    Wobei sich vieles aber auch auf fast alle Armeen jener Zeit verallgemeinern lässt (zum Vergleich empfehle ich Adel im Untergang von Ludwig Renn) und manche Dinge scheinen sich überhaupt nie zu ändern, wie zum Beispiel die festgefahrenen Denkweisen der Generalität, die seit dem 19. Jahrhundert immer ein bis zwei Kriege hinterher hinken.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)