Die british Army

  • Durch das Lesen der Sharpe und Jack Steel Romane wollte ich mehr zur Geschichte der englischen Armee wissen.


    Lasst mich erstmal schreiben, bevor Ihr kommentiert. Danke.


    Für den folgenden Text habe folgende Bücher zu Rate gezogen:





    Sowie verschiedene Wikipediaseite und andere Homepages genutzt.


    Die Anfänge


    Die Anfänge der britischen Armee werden je nach Quelle etwas unterschiedlich gelegt.


    Laut Wikipedia beginnt die Geschichte der Armee erst mit der Aufstellung der Truppen zur Restaurationszeit 1660.


    Das oben genannte Buch setzt den Beginn der englischen Armee auf das Jahr 1485, als der damalige König Henry IV. ein Corps von königlichen Bogenschützen aufstellte. Diese Yeoman sind heute noch als Einheit Aktiv und bewachen den Tower in London. Sie sind Landläufig als Beefeater bekannt.


    Auf ein paar Einheiten werde ich in separaten Texten eingehen.


    Die englischen Könige hatten -wie üblich in Europa- „nur“ eigene Haustruppen, die als Leibwachen dienten. Im Kriegsfall wurden die Lehensmänner aufgefordert den König mit Truppen zu unterstützen. Diese mussten die Lehensleute selbst ausstatten, versorgen und ausbilden.


    König Henry III. legte in dem „Assize of Arms“ 1252 fest nach welchen Regeln die Lehensleute Truppen zu stellen hatten. Dies ersetzte die Fassung von 1181 und war weit genauer in seinen Regularien und Bestimmungen.


    Je reicher der Lehensherr war, umso höher war die Anzahl der zu stellenden Truppen. Dies konnte sehr unterschiedlich ausfallen. Einfache Ritter musste eventuell nur wenige Kriegsknechte oder Bogenschützen stellen, andere hohe Lords mussten eventuell mehrere Ritter und hunderte von Bogenschützen stellen.


    Damit war die Ausrüstung und Ausbildung der Truppen im Feld sehr variabel.


    Mit dem ersten Bogenschützen Corps, stellte Henry IV. einen Standard für Bogenschützen fest. So war Kompaniegrößen, Rangordnung etc.festgelegt und galten in der Folge auch für die Truppenkontingente der Lehensherren.


    In den Rosenkriegen (1455-87) und dem englischen Bürgerkrieg (1642-51) waren es vor allem Truppen der Lehnsherren die sich gegenüberstanden. Je nachdem welcher Adliger sich auf welche Seite stellte, wurde entschieden wie groß eine Armee wurde.


    Während des Civil Wars schaffte Cromwell und das Parlament es schneller eigene Truppen zu sammeln und konnten so Jakobs Heer schlagen und die Macht im Land übernehmen.


    Durch diese beiden Bürgerkriege in denen die Britischen Inseln durch Krieg verwüstet wurden, wuchs in der englischen Bevölkerung eine tiefe Ablehnung gegen Soldaten im eigenen Land.


    Es wurde nach Möglichkeit das Herr im Land möglichst klein zu halten und die Verteidigung des Landes durch Miliztruppen sicherzustellen („Fencibles“).


    Diese Fencibles wurden zwar militärisch organisiert, aber waren nicht kaserniert, vergleichbar mit der freiwilligen Feuerwehr wurde mal Sonntags geübt und im Fall des Falles wurden die Truppen zusammengerufen. Diese Freizeit Armee war natürlich nicht besonders schlagkräftig.


    Nach Ende des Bürgerkrieges und der Gründung der parlamentarischen Monarchie 1661 wurde ein stehendes Heer nach dem Vorbild Cromwells „New Model Army“ aufgestellt und dem Parlament die Kontrolle übergeben.


    Die Infanterieregimenter behielten die roten Mäntel der New Model Army und diesen wurden das „Markenzeichen“ englischer Soldaten bis ins beginnende 20.Jhd.


    Am 26.Januar 1661 unterzeichnete König Charles II. die Gründungsurkunde („Royal Warrant“) der „English Army“. Parallel gab es eine eigene schottische Armee und eine Irische.


    Die englische und schottische Armee wurde durch den „Acts of Union“ 1707 verschmolzen.


    Die Irish Army wurde mit dem „Act of Union“ 1801 in die British Army verschmolzen.


    Damit der König nicht wieder ohne eigene Truppen im Fall des Falles dastand, wurde ihm das Recht zugebilligt eigene Regimenter aufzustellen. Diese Regimenter erhielten den Namenszusatz „King own“


    Diese erste englische Armee galt zu ihrer Zeit als gut ausgebildet und gerüstet, war aber nicht größer als 5000 Mann.


    Die Armee bestand aus 2 Kavallerie und 5 oder 6 Infanterie Regimentern.


    Die Kavallerie wurde aus den „Life Guards“ und den „Oxford Blues“ gebildet. Die Life Guards bestand hauptsächlich aus Adligen die Charles II. während seines Exils unterstützt hatten. Sie bildenten später die 1st and 2nd Horse Guards. Die Oxford Blues waren von Lord Oxford aus ehemaligen Kavalleriesoldaten der New Model Army gegründet worden.


    Die ersten Infanterieregimenter waren:


    • Grenadier Guards Lord Wentworth’s Regiment
    • Grenadiers John Russel’s Regiment of Guards (beide Regimenter wurden 1665 zu den Grenadier Guards zusammengelegt)
    • The Coldstream Guards (das ehemalige Regiment von General Monk der New Model Army)
    • The Royal Scots (aus der Scots Guard während des Exils in Frankreich gegründet)
    • The Second Queen’s Royals
    • The Tangier Regiment (später The Princess of Wales Royal Regiment)
    • Grenadier Guards Lord Wentworth’s Regiment
    • Grenadiers John Russel’s Regiment of Guards (beide Regimenter wurden 1665 zu den Grenadier Guards zusammengelegt)
    • The Coldstream Guards (das ehemalige Regiment von General Monk der New Model Army)
    • The Royal Scots (aus der Scots Guard während des Exils in Frankreich gegründet)
    • The Second Queen’s Royals
    • The Tangier Regiment (später The Princess of Wales Royal Regiment)

    Auf http://www.spanishsuccessione.nl{english_army.html wird eine andere Aufstellung der Regimenter genannt:


    • Four troops of Horse guards, Bestand 1661, wurden die 1st and 2nd Horse Guard Regiments
    • The Earl of Oxford’s Regiment, ex New Model Army, wurden die Royal Horse Guards Blue
    • The Tangier Horse, wurde für die neue Kolonie Tanger gegründet, spater die 1st Dragoons
    • Four troops of Horse guards, Bestand 1661, wurden die 1st and 2nd Horse Guard Regiments
    • The Earl of Oxford’s Regiment, ex New Model Army, wurden die Royal Horse Guards Blue
    • The Tangier Horse, wurde für die neue Kolonie Tanger gegründet, spater die 1st Dragoons

    Bei der Infanterie:


    • 1.Foot Guards, gegründet 1661
    • The Lord General’s Foot Guards, gegründet 1661, später 2nd Foot Guards
    • Royal Regiment of Foot, ex schottische Einheit, später 1st Regiment of Foot.
    • The Tangier Regiment, für die Kolonie Tanger rekrutiert, 2nd Regiment of Foot
    • The Holland Regiment, für den 2.Englisch-Niederländischen Krieg rekrutiert, 3rd Regiment of Foot
    • The 2nd Tanger Regiment, später 4th Regiment of Foot.
    • kurioser Weise wurde in Frankreich unter Louis XIV. ein ähnliches stehendes Heer aufgestellt.
    • 1.Foot Guards, gegründet 1661
    • The Lord General’s Foot Guards, gegründet 1661, später 2nd Foot Guards
    • Royal Regiment of Foot, ex schottische Einheit, später 1st Regiment of Foot.
    • The Tangier Regiment, für die Kolonie Tanger rekrutiert, 2nd Regiment of Foot
    • The Holland Regiment, für den 2.Englisch-Niederländischen Krieg rekrutiert, 3rd Regiment of Foot
    • The 2nd Tanger Regiment, später 4th Regiment of Foot.
    • kurioser Weise wurde in Frankreich unter Louis XIV. ein ähnliches stehendes Heer aufgestellt.

    Welche Aufstellung nun korrekt ist kann ich nicht genau sagen. Wobei letztere durchaus Sinn ergibt, legt man die Nummerierung der Regimenter von 1751 zugrunde.


    Kurzer Kommentar zu den Tanger-Regimentern. Durch die Hochzeit Charles II. mit Catherina de Braganza (einer portugiesischen Prinzessin) fiel die Portugiesische Kolonie Tanger 1664 an die englische Krone. Zum Schutz der Kolonie waren die 3 Regimenter nötig. 1684 verloren die Engländer die Kolonie wieder.



    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Ich vermute, dass die Austellung von festen nationalen Heeren eine Folge des 30 jährigen Krieges war, in dem man lernte, das ein Staat zur Durchsetzung seiner Interessen ein eigenes stehendes Heer benötigt, und man sich nicht abhängig von Söldnern oder Lehensherren mit wechselnden Loyalitäten machen wollte. Schwedens erfolgreiche Armee war hier bestimmt Vorbild.


    Die Aufstellung eines stehenden Heeres wurde in England sehr kontrovers diskutiert. Zum einen hatten viele Probleme damit, dass der Staat hier große Mengen Geld band, damit Steuern erheben musste. Zum anderen hatten viele Angst, dass die Krone die Armee nutzten würde um das Volk zu terrorisieren.


    Um hier Vertrauen zu schaffen wurde 1689 in die Bill of Rights folgender Passus aufgenommen:


    [Quote=“Wikipedia“:


    ..the raising or keeping a standing army within the kingdom in time of peace, unless it be with consent of Parliament, is against law.[\Quote]


    …das Ausheben oder Halten einer stehenden Armee im Königreich in Friedenszeiten, ohne Zustimmung des Parlamentes, ist gegen das Gesetz.


    Daher muss jede Änderung der Armeegröße oder ein Einsatz immer durch das Parlament genehmigt werden. Die Kontrolle wurde durch den „Mutiny Act“ 1689 für das Parlament festgeschrieben.


    Diese Festschreibung wird im „Establishment“ festgelegt. So gab es ein „English Establishment“, ein „Scottish Establishment“ sowie ein „Irish Establishment“. Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kam dann noch ein „American Establishment“ hinzu.


    Mit dem Act of Union 1701 wurde die schottische Armee mit der englischen zur Britsch Army zusammengeführt.


    In der englischen Armee galt immer eine Seniorität der einzelnen Regimenter zu einander. Diese war abhängig von Waffengattung und dem Alter des Regiments.


    So kamen die Kavallerieregimenter vor den Infanterieregimentern, dann die Artillerie, zum Schluss andere. Innerhalb der Truppenteile wurde nach Aufstellung des Regiments sortiert. Bei gleichem Jahr der Aufstellung kam ein Royal Regiment vor einem „normalen“


    So war in der Englisch Army die Seniorität zuerst wie folgt:


    • „Life Guards“ (da königlich)
    • „Oxford Blues“
    • The Tangier Regiment (später The Princess of Wales Royal Regiment), es wurde 1538 aufgestellt.
    • The Coldstream Guards (das ehemalige Regiment von General Monk der New Model Army, da 1656 aufgestellt)
    • The Royal Scots (aus der Scots Guard während des Exils in Frankreich gegründet)
    • The Second Queen’s Royals
    • Grenadier Guards Lord Wentworth’s Regiment
    • Grenadiers John Russel’s Regiment of Guards (beide Regimenter wurden 1665 zu den Grenadier Guards zusammengelegt)


    Heute ist die Seniorität ähnlich: Zuerst das Heer, dann die Navy, Marines zum Schluss die Luftwaffe.


    Unter König James II. wurde die Armee schon sehr ausgeweitet.


    Es wurden 7 Kavallerieregimenter neu aufgestellt, sowie 8 zusätzliche Infanterieregimenter.


    Gemäß der damaligen Tradition wurden die Regimenter nach dem kommandierenden Oberst benannt.


    1751 wurde dann ein Nummernsystem eingeführt und bildeten so die Regimenter 7th bis 15th Regiment of Foot.


    Beispiele sind hier das Henry Cornwalls Regiment of Foot oder das Sir William Clifton Regiment of Foot.


    In die Zeit der English Army fällt auch die Gründung der Royal Marines am 28. Oktober 1664 als das "Duke of York and Albany's Maritime Regiment of Foot" gegründet wurde.


    Nach dem Frieden von Rijswijk 1697 (beendete den pfälzischen Erbfolgekrieg 1688-1697) wurde die vorher aufgebaute Armee wieder auf von ca 100.000 Mann (mit Schottischer und Irischer Armee) auf 7000 Mann reduziert. In Irland behielt die Krone, da hier das Parlament nicht reinreden konnte 12000 Mann unter Waffen, sowie ca.2000 in Schottland.


    Mit dem Act of Union 1707 wurden die schottischen Regimenter in der Seniorität gemäß ihrem Eintritt in die Armee einsortiert. Für die meisten Regimenter begann also die Seniorität erst 1707.


    Eine der wenigen Ausnahmen waren die Scots Grey, welche bereits 1688 in die englische Armee integriert wurden und damit das Dragoner Regiment mit der 2.höchsten Seniorität wurden (nach den Royal Dragoon Guards).


    1698 erliess das Parlament den „Conscription Act“, der es Regimentern erlaubte Rekruten zu werben („Kings 40 Shilling). Auf der anderen Seite erlaubte es auch Gemeinden Strafgefangene und Bedürftige an die Armee oder Marine abzugeben.


    Das Oberkommando der Armee waren die Horse Guards in London.


    Die Horse Guards sind zum einen die Wachtruppen für den königlichen Haushalt und die Ministerien => Household Cavalery.


    Zum anderen beschrieb die Horse Guards auch das Oberkommando der Armee (War Office).


    Hier wurden Bestallungen ausgestellt und verkauft. Offizier konnte werden, wer das nötige Geld hat. Qualifikation war nicht gefragt, wobei viele Offiziere durchaus fähig waren.


    In Wikipedia gibt es einen spannenden Artikel zum Verkauf der Posten in der Armee.


    Folgende


    Durch den Verkauf der Offizierspatente hatte die Krone ein Druckmittel gegenüber den Offizier, Ihn bei schlechter Leistung oder Fehlern ohne Erstattung der Kosten vom Dienst zu suspendieren.


    Es wurde als Staatsfördernd gesehen, ein Offizierscorps von bestimmten Rang zu haben, der sicherstellte den Status Quo zu erhalten. Es sollte Revolutionäre oder Putsch Gedanken des Offizierkorps verhindern.


    Es sollte verhindern das Offiziere Ihre Truppen zu Plünderung oder Betrug an Staatseigentum zu verleiten.


    Es sicherte den sozialen Status des Offizierkorps, da nur Personen aus der adligen Oberschicht ein Offizierspatent leisten konnten.


    Und zuletzt sicherte der Verkauf der Offizierspatente in Ruhestand gehenden Offizieren einen Direkt Kapitalzugang, da das Patent an den Vorgänger bezahlt wurde.


    Bis zu den Napoleonischen Kriegen war dieses System durchaus praktikabel. Durch die hohen Verluste im Offizierskorps während dieser Epoche wurden auch Adlige zu Offizieren, die es eigentlich nicht wollten und nicht geeignet waren.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
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  • Der spanische Erbfolgekrieg


    Mit dem spanischen Erbfolge Krieg (1701-14) kam es zur ersten großen Ausweitung der Armee, als Marlboro und Churchill in Europa kämpften.


    Das Parlament erlaubte 1701 die Erweiterung der Armee:


    • Die Household Calavry mit 5 unabhängigen Einheiten und 1 Regiment
    • Den Guards bestehend aus 2 Regimentern
    • Die Kavallerie 7 Regimenter + 5 Dragoon Regimentern
    • Sowie 22 Infanterieregimentern, wobei 1702 noch 14 dazu kamen


    Dies war zu Queen Annes Zeit eine beachtliche Erweiterung der Armee auf ca 100.000 Mann unter Waffen.


    Das typische Infanterie Regiment zur Zeit des spanischen Erbfolgekrieges war wie folgt organisiert:


    Regiment


    1 Battallion


    12 Kompanien á 3 Offiziere, 5 Sergeants, 1-2 Trommlern und 50-60 Mannschaften + 1 Grenadier Kompanie mit gleicher Aufteilung.


    Dazu kam noch ein Arzt / Chirurg.


    => ca. 900 Mann.


    Die Grenadier Kompanie stand Links der Linie, die 1.reguläre Kompanie war die Fahnen Kompanie und stand in der Mitte.


    Leichte Kompanien gab es noch nicht.


    Jedes Bataillon hatte 2 Fahnen. Eine Regimentsfahne, sowie die Königsfahne. Beide von gleicher Größe Diese Tradition gilt bis heute. Auf den Fahnen werden die Battle Honours geführt, diese werden den Regimentern für besonderen Einsatz im Gefecht verliehen. Eine vom Krieg zerstörte Fahne wurde in die Heimatkaserne gebracht und dort verwahrt. Es galt als ausgemachte Schande seine Fahnen zu verlieren, sei es durch unglück oder imGefecht.


    Diese Struktur hatte zur Folge, das ein Regiment nach einer Schlacht oft nur noch bedingt eingesetzt werden konnte, da kein 2. Bataillon die Verluste des 1.Battalions ausgleichen konnte.


    Die Regimenter dünnten im Verlauf der Feldzüge immer mehr aus, da es kein 2.Battallion gab, das den Nachschub mit Rekruten sicherstellen konnte.


    Die Offiziere waren mit Degen und dem Sponton (einem kurzen Speer) bewaffnet. Die Sergeanten hatten einen Degen und eine Hellebarde als Waffe. Die einfachen Soldaten waren mit Muskete und Schwert bewaffnet. Ca 40 Schuss Munition hatte jeder Soldat im Feld.


    Die Befehlsstrukturen, Traditionen und die Ausbildung waren noch sehr an die New Model Army des Bürgerkrieges angelehnt. Hier waren die Armeen anderer Länder wie Spanien, Frankreich oder auch das damals kleine Preußen weiter. Die Erfahrungen aus dem Spanischen Erbfolgekrieg zwangen die Krone die Armee weiterzuentwickeln. Mit dem Spanischen Erbfolgekrieg wurde die British Army von einer kleinen Truppe zu einer der meist geachteten und gefürchteten Armeen in Europa. Den Armeen Frankreichs und Spaniens ebenbürtig.


    Die Artillerie war noch von der Armee getrennt. Das Office of Ordnance musste für jeden Feldzug separat seine Soldaten und Kanonen zur Verfügung stellen. Dies führte zu Autoritätsproblemen im Feld, da die Artillerie Offiziere sich nicht immer der Armeeführung unterordneten.


    Dies wurde erst durch die Schaffung des Royal Artillery Corps 1703 behoben. Dieses war unter dem Befehl des Office of Ordnance, welches direkt dem Armee Oberkommando unterstellt wurde.


    Das Artillerie Corps stellte nun die Feld- und Belagerungsartillerie


    Der Tross wurde komplett durch private Dienstleister gestellt.


    In vielen kleinen Dingen kommt die merkantile Einstellung in England durch:


    • Privates Fouragesystem
    • Regiments Oberste mussten einen großen Teil der Kosten für das Regiment selbst tragen.


    Der Staat wollte sowenig wie möglich für die Kosten eines Krieges aufkommen.


    bis zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg


    An den Strukturen der englischen Armee änderte sich in den nächsten Jahren wenig.


    1751 wurde ein Nummernsystem für die Regimenter eingeführt. Wahrscheinlich wurde es zu aufwendig bei der gewachsenen Armee immer zu Schreiben „Regiment of Sir XY wird befohlen nach…“, eine Nummerierung war klarer und stellte direkt klar, welche Seniorität ein Regiment hat.


    Das 10th Regiment of Foot hat eine höhere Seniorität als das 43rd Regiment of Foot.


    Es gab ein paar Anpassungen im Drillreglement in den Jahren bis zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, aber nicht viel mehr.


    Durch die Übernahme der englischen Krone durch die Hannoveraner hätten nun die deutschen Regimenter in das Senioritätssystem aufgenommen werden müssen. Diese wurden nach den Irischen Regimentern einsortiert. Wodurch die Seniorität der Deutschen Regimenter sehr niedrig war.


    Die größten Änderungen dieser Epoche brachte der siebenjährige Krieg.


    Die Taktiken der Armeen in Europa änderte sich etwas, sodass die Grenadierkompanien vielfach gegen leichte Kompanien ausgetauscht. Die leichten Kompanien waren als Plänkler vor der Linie im Einsatz und sollten den Gegner verwirren und ggf. gegnerische Offiziere töten.


    Auch wurde die Kompaniestärke erhöht, sodass eine Kompanie nun 3 Offiziere, 5 Sergeants 1 Trommler und ca 90 Soldaten hatte. Die Sollstärke der Regimenter blieb bei 10-12 Kompanien, was eine Sollstärke von 1000-1200 Mann ergibt.


    Dazu kamen noch der Oberst als Regimentskommandeur, 1 Major als Bataillonskommandeur und den Fahnentrupp mit mehreren Fähnrichen und Sergeants.Schnittstelle zum Nachschub und den Chirurgen. Manche Regimenter „gönnten“ sich noch eine eigene Kapelle, die im Kampfeinsatz den Chirurgen unterstützten.


    Da das British Empire immer größer wurde und dadurch immer mehr Truppen in Übersee stationiert werden mussten, wurde es nötig ein „Rekruten-Nachschub-System“ zu schaffen.


    Dazu wurden die Regimenter um ein zweites Bataillon aufgestockt, das von einem Major kommandiert wurde.


    Beide Bataillone wurden gleich aufgestellt, meist wurde das erste Bataillon nach Übersee in den Einsatz geschickt, während das zweite in der Heimat blieb und der Ausbildung diente.


    Mit der Dauer der Kriege wurden hier auch mehr Bataillone pro Regiment aufgestellt, so war es nicht selten, das Regimenter bis zu 4 Bataillone hatten.


    Den nächsten großen Entwicklungssprung brachte der amerikanische Unabhängigkeitskrieg und die Entwicklung des Gewehrs mit gezogenen Lauf.


    Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg


    Mit dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wurde die englische Armee gezwungen sich anzupassen.


    Durch die Guerillataktik der Amerikaner war es nötig agile unabhängig agierende Truppen zu haben, die im Gelände unabhängig kämpfen konnten.


    Dies führte zur Gründung der ersten „Light“ Regimenter. Es dauerte aber noch bis 1803 bis das 43rd & das 53rd Regiment of Foot als erste leichte Regimenter aufgestellt waren. Diese waren aber noch mit Musketen ausgestattet.


    Aus den Erfahrungen in Amerika wurde dann ab 1802 das 95th Regiment of Foot aufgestellt. Dieses Regiment war in mehreren Punkten einzigartig:


    • Es war komplett mit Baker Gewehren ausgestattet,
    • Hatte eine grün-schwarze Uniform und
    • Die gesamte Ausbildung war darauf ausgelegt, selbstständig agierende denkende Soldaten zu schaffen.


    Einzig das 60th Regiment of Foot wurde noch auf Baker Rifle umgestellt und erhielt eine ähnliche Uniform wie die 95th.


    Nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkrieg wurden große Teile des Heeres abgemustert und entlassen.


    aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
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  • Revolutions- und Napoleonische Kriege


    Mit Beginn der Revolutionskriege war das britische Heer auf knapp 40.000 Mann abgeschlossen, die von Indien bis in die Karibik verteilt waren.


    Auf dem Höhepunkt der Kriege 1813 war das britische Heer auf 250.000 Mann in 104 Regimentern angewachsen. Zusammen mit den in der Heimat stationierten Miliztruppen und den Kolonialcorps hatte Grossbrittannien ca 1.000.000 Mann unter Waffen. Die Navy nicht mitgerechnet.


    Bei Ausbruch der Kriege 1793 bestand die britische Armee aus:


    • 3 Regimentern Household Cavalry,
    • 27 Cavalry Regimentern
    • 3 Regimentern Foot Guards mit 7 Bataillonen
    • 77 Linien Infanterieregimentern mit 81 Bataillonen
    • Sowie 2 Kolonial Corps in New South Wales und Canada.
    • Das Board of Ordnance hatte 40 Kompanien in 4 Bataillonen Artillerie.
    • Zusätzlich gab es 2 Trupps der Royal Horse Cavalry


    Das Pionierwesen bestand aus den Offizieren des Corps of Royal Engineers und für Sonderaufgaben gab es das Corps der Royal Military Artificiers, die als Kartografen, Vermesser und Architekten für die Armee tätig waren.


    Es gab 1793 noch keine einheitliche Kommandostruktur.


    So unterstanden die Truppen in Irland nicht dem War Office, sondern dem Lord Lieutenant of Ireland. Die Truppen in Kolonialdienst dem Kolonialamt oder – im Falle Indiens- der East India Company.


    Das War Office machte Große Anstrengungen um alle Truppen unter ein Kommando zu bringen.


    Dies gelang in weiten Teilen auch, bei den Truppen in Kolonialdiensten allerdings nicht. Auch wurde Großbritannien in 15 Militärbezirke eingeteilt, die jeweils von einem General Officer geleitet wurden. Dies förderte den eegionalen Zusammenhalt innerhalb der Regimenter, da sie nur noch innerhalb des ihnen zugewiesenen Militärbezirk rekrutieren konnten.


    5% der Offiziere waren aus den Rängen befördert wie Sharpe, 20% kauften ihre Commissions, der Großteil waren aber Offiziere die in der Heimat in Militia Verbänden als Offiziere dienten.


    1806 wurde eine Änderung eingeführt um die Qualität der Offiziere zu verbessern. So musste ein Offizier mindestens 2 Jahre dienen bevor er eine Commission als Captain kaufen konnte und gar sechs um Major zu werden. Der Anteil der gekauften Posten war bei den Household und Guards Regimentern höher als in den normalen Truppen. Am niedrigsten bei den Light Regimentern.


    Was durchaus Sinn für mich macht. Die Light Infanterie Regimenter waren voll professionelle Truppenteile, die von Profis geführt wurden.


    Die Regimenter der Napoleonischen Zeit bestanden aus 2 oder 3 Bataillonen, wenige aus nureinem.


    Ausnahme war das 60th Regiment of Foot das Kings Royal Rifle Corps, das aus loyalen Amerikanern bestand und 6 Batallione hatte.


    Das standard Bataillon bestand aus 10 Kompanien, mit einer leichten und einer Grenadier Kompanie. Im Feld waren die leichte und die Grenadier Kompanie die Flankenkompanien und standen außen.


    Das Bataillon wurde von einem Colonel oder Lieutnant Colonel befehligt. Dieser wurde von einem Major und den Kompanie Offizieren unterstützt. Die Kompanien wurden von einem Captain und 2 Leutnants sowie einigen Ensign kommandiert. Nennstärke des Bataillons war 1000 Mann plus NCO’s und Musikern.


    Im Regelfall stand das 1.Batallion im Feld und wurde mit frischen Rekruten des 2.Battallions verstärkt, sodass das 2. Bataillon im Regelfall schwächer war.


    Dies war auch der Fall, wenn beide Bataillone im Feld standen.


    Die Regel war, wenn mehrere Bataillone eines Regiments im Feld standen, diese nie in der selben Division dienten.


    Mit dem Waffenstillstand 1814 wurden sofort Große Teile Wellingtons Armee aufgelöst oder in Übersee versetzt.


    Auch hier wurde das Heer von Massen an Zivilisten begleitet. Das Nachschubsystem war komplett abhängig von lokalen Dienstleistern, die den Transport von Verpflegung und Munition für die Armee übernahmen. Der Militärsanitätsdienst war auf Drängen Wellingtons entstanden und zog als eigenständige Kolonne mit dem Heer. Und wie jede Armee begleiteten die Ehefrauen und Familien der Soldaten die Armee. Man schätzt, das auf 100 Soldaten 50-75 Zivilisten kamen.


    Auf einzelne Militäroperationen wollte ich in diesem Rahmen nicht eingehen.


    Auch war es nicht ganz einfach raus zu finden welche Neuerungen wann umgesetzt wurden. Bei vielen Dingen habe ich das Gefühl das dies ein schleichender Prozess war. Einzelne Regimenter fingen mit etwas an, was dann andere mit aufnahmen und modifizierten.


    So verschwanden ab ca 1780 nach und nach die Ledernen Kragen, die als Halsschutz unter dem Uniformrock getragen wurden. Diese Kragen waren so steif, das der Hals aufgescheuert wurde und wund wurde. Sinn machte der Kragen eh nicht, da jede Verletzung im Feld potentiell tödlich war.


    Auch verschwanden die Spontons und Hellebarden nach und nach aus dem Regimentsalltag und wurden durch nur noch für Paraden genutzt.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Zitat von Aga

    Das oben genannte Buch setzt den Beginn der englischen Armee auf das Jahr 1485, als der damalige König Henry IV. ein Corps von königlichen Bogenschützen aufstellte. Diese Yeoman sind heute noch als Einheit Aktiv und bewachen den Tower in London. Sie sind Landläufig als Beefeater bekannt.

    Mit dem Datum kann etwas nicht stimmen. Henry IV ist bereits 1413 gestorben. ich nehme mal an, dass es 1385 heißen soll. Die Vorteile der englischen Langbögen hatten sich bereits 1346 in der Schlacht von Crécy gezeigt. Zum Ende des 100 jährigen Krieges (Mitte der 1450er Jahre) war die Blütezeit der Langbogenschützen schon wieder vorbei.

    Gruß Christian


    In der Werft: HMS Trition, 1773
    "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

  • Du hast Recht. Es war Henry VII., der die Yeoman of the Guard gegründet.
    Damit stimmt das Jahr 1485, die Gründung erfolgte vor der Schlacht von Bosworth Field.


    Für die British Army gibt es noch eine ganz gute Zusammenfassung, die Sharpes frühe Jahre, bis 1808 beschreibt.
    Das haben Buch wir bei Cornwell schon besprochen:


    Einen Nachtrag noch:


    Waterloo


    Nachdem Waffenstillstand 1814 wurden grosse Teile der britischen Armee abgemustert oder in die Kolonien versetzt.
    Als nun Napoleon von Elba "ausriss" und sich ihm französische Truppen anschlossen das britische Heer nicht mehr wirklich einsatzbereit.
    Als es nun zur Schlacht bei Waterloo kam, waren die Britischen Truppen hauptsächlich unerfahrene junge Soldaten, die eilig aus den Britischen Kasernen nach Belgien versetzt wurden.
    Wellington klagte seinem Stab gegenüber, das er seine Spanischen Veteranen vermisste.
    An Altgedienten Einheiten hatte Wellington nur die 95th Rifles, einige schottische Regimenter sowie die Teile der KGL.
    Aber Wellington blieb wieder ungeschlagen mit bekannten ergebnis.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
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  • Danke für den Hinweis, bei 1,38€ direkt zu geschlagen.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
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  • Nachtrag noch zur King's German Legion.
    Mit der Konvention von Artlenburg wurden zum 5.Juli 1803 die Regimenter George III. aus seinen deutschen Besitzungen offiziel aufgelöstund die Soldaten abgemustert.
    Um den Vertrag zu umgehen und um auf die wachsende Kriegsgefahr zu im Laufe des Jahres 1803 zu reagieren wurde zum 19.Dezember 1803 ein neues Leichtes Infanterie Regiment aufgestellt:
    Die King's German Legion.
    die KGL galt als Königliches Regiment und war im "English Establishment" geführt. Stand also im Rang der Regimenter recht weit oben.
    1. Kommandant war Major Colin Halkett. Stellvertreter wurde Baron Friedrich von der Decken.
    Mit dem Ausbruch des Krieges wuchs das Regiment auf

    • acht Linien-Infanterie Bataillone
    • zwei leichten Jäger Bataillonen, die mit Baker-Rifles ausgerüstet waren
    • zwei berittenen Batterien und vier Fußbatterien Artillerie
    • zwei Dragoner-Regimentern und drei leichten Husaren-Regimentern
    • sowie einem Ingenieurs-Korps

    an.
    Nominell hatte es damit eine Stärke von 18.000 Mann, insgesamt dienten gut 28.000 Mann in der KGL.
    Die KGL kämpfte während des gesamten Spanischen Feldzuges, sowie während der Waterloo Kampange auf englischer Seite.
    Das 3. Husaren Regiment kämpfte auch an der Seite der Preussen am 16.Sep.1813 bei der Schlacht an der Göhrde.
    1816 wurde die KGL aufgelöst. Teile wurden an die Hannover Armee übergeben und gingen 1871 in die kaiserlich Deutsche Armee auf.
    Die leichten Infanterie Battallione trugen das Grün der Jäger (wie Sharpe's 95th), die Infanterie den normalen red coat, die Artillerie und Kavallerie Blaue Jacken.


    Noch ein paar Links:
    Deutsche Wiki hat ein paar gute Bilder
    KG und Hannover Militärgeschichte, sehr umfangreiche Seite.




    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • gingen 1871 in die kaiserlich Deutsche Armee auf.

    Eigentlich bereits 1866 in der königlich-preußischen Armee, wobei das ehemals hannovoranische Offizierskorps mit äußersten Mißtrauen beobachtet wurde. Dieses Mißtrauen übertrug sich auch auf deren Kinder und Kindeskinder, die teilweise keine Chance auf Verwendung in preußischen Diensten hatten und deshalb z.B. bei den Sachsen unterkommen mussten, was wiederum Anlass für erneutes Mißtrauen der Preußen war. Die Verhältnisse nomalisierten sich eigentlich erst mit der Hochzeit Ernst August mit der preußischen Prinzessin Viktoria Luise.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Danke. Die Info fehlte mir.
    Irgendwie verständlich hatten sie doch obwohl deutsche einem „feindlichen“ Souverän unterstanden.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Deshalb stand ja das Herzogtum von 1884 bis 1913 ja auch unter Regentschaft um den Duke of Cumberland als legitimen Erben auf dem Thron zu verhindern.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Eigentlich bereits 1866 in der königlich-preußischen Armee, wobei das ehemals hannovoranische Offizierskorps mit äußersten Mißtrauen beobachtet wurde. Dieses Mißtrauen übertrug sich auch auf deren Kinder und Kindeskinder, die teilweise keine Chance auf Verwendung in preußischen Diensten hatten und deshalb z.B. bei den Sachsen unterkommen mussten, was wiederum Anlass für erneutes Mißtrauen der Preußen war. Die Verhältnisse nomalisierten sich eigentlich erst mit der Hochzeit Ernst August mit der preußischen Prinzessin Viktoria Luise.

    Andererseits ist es doch Ausdruck entweder der Toleranz oder aber einfach der guten Ausbildung, wenn nach Niemeyer, "Die Königlich Hannöversche Armee", 2. Aufl., Celle 1989, S. 55, m.w.Nw., von den 456 in preussische, 71 in sächsische, 7 in braunschweigische, 5 in mecklenburgische uns 3 in österreichisch Dienste getretenen Offizieren, also von zusammen 542 Offizieren, 111 den Generalsrang und 260 den Rang von Stabsoffizieren erreichten. Dieses obgleich in der Hannoverschen Armee der Anteil von bürgerlichen Offizieren seinerzeit vergleichsweise überdurchschnittlich hoch war.

    "Certainement qui est en droit de vous rendre absurde, est en droit de vous rendre injuste."
    Voltaire in "Ouveres komplettes de Voltaire" 1784, S. 447

    Wer dich veranlassen kann, Absurditäten zu glauben, kann dich auch veranlassen, Unrecht zu begehen.

  • Hinzu kamen noch, bei der Infanterie ein 1813 gebildetes Veteranenbataillon, bei der Artillerie eine 5. und 6. Kompanie der Fussartillerie, die als Depot dienten und später bei der Aufstellung der Hannoverschen Armee herangezogen wurden. Beamisch bei Mastnak, "Die Kings German Legion 1803 - 1816", Celle 2015, S. 35.

    "Certainement qui est en droit de vous rendre absurde, est en droit de vous rendre injuste."
    Voltaire in "Ouveres komplettes de Voltaire" 1784, S. 447

    Wer dich veranlassen kann, Absurditäten zu glauben, kann dich auch veranlassen, Unrecht zu begehen.

  • Also ich möchte ja nicht gleich zu Anfang in den Ruf kommen, erbsenzälerisch zu sein, aber:


    am 19.12.1803 wurde Adolph Friedrich Herzog von Cambridge zum Colonel in Chief ernannt. Dieser Umstand führte zur Namensgebung als KINGS German Legion. Halkett war zu diesem Zeitpunkt und darüber hinaus, Kommandeur des 2. leichten Bataillons, bis er 1811 das Komando über die leichte Brigade erhielt. Die ca. 1000 Mann, die am 19.12.1803 angetreten waren, müssten anderenfalls als erste aufgestellte Einheit der KGL die Bezeichnung 2. leichtes Bataillon erhalten haben. Auch bekleidete Halket erst ab dem 17.11.1803 den Dienstgrad eines Lieutenant-Colonel und wurde erst am 01.01.1812 zum Colonel befördert. Von der Decken hatte aber schon seit dem 28.07.1803 den Rang eines Lietenant-Colonel inne.


    Nach Mastnak, Die King's German Legion 1803 - 1816, Celle 2015, S. 23, soll am 12. 11.1803 zwischen von der Decken und dem Herzog von Cambridge eine Übereinkunft, unter anderem folgenden Inhalts, geschlossen worden sein:


    "Colonel Decken is to resign the Colonelcy of the King's German Regiment for the purpose of forming the King's German Legion of wich HRM the Duke of Cambridge is to be appointed the Colonel in Chief."


    Halkett findet auch hier keine Erwähnung.

    "Certainement qui est en droit de vous rendre absurde, est en droit de vous rendre injuste."
    Voltaire in "Ouveres komplettes de Voltaire" 1784, S. 447

    Wer dich veranlassen kann, Absurditäten zu glauben, kann dich auch veranlassen, Unrecht zu begehen.

  • Kein Problem @Deetjen.
    Ich bin kein Experte was die KGL angeht.
    Insofern bringst du uns nur weiter.
    Danke für die Ergänzung.


    Aga

    John Duckworth: „Besansegel brassen; lasst ein Boot runter, ein Schwein ist über Bord gegangen; mein Schwein – Schwein ersäuft“.„Es ist unser Schwein!“ stammelt der Midshipman
    Was – Was! Ihr Schwein: Kurs halten ... wegen eines Schweines dürfen wir doch kein Menschenleben gefährden...“

  • Also ich möchte ja nicht gleich zu Anfang in den Ruf kommen, erbsenzälerisch zu sein, aber:

    Wir wollen uns hier austauschen, um mehr über unsere Zeit zu wissen. Deshalb ist jeder Hinweis, jede genauere Information hoch willkommen.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Vielen Dank für die ermutigenden Worte. Dann seid ihr an Folgendem also selber Schuld:


    Sozialer Hintergrund der Offiziere in der KGL


    An der KGL hat mich immer deren „Modernität“ angesprochen. Natürlich sind es auch die Einsatzorte und -umstände und nicht zuletzt der, für mich, regionale Bezug. Das wäre aber alles Nichts, wenn grundsätzliche soziale Ungerechtigkeiten einer Identifikation mit diesem Verband entgegenstehen würden.


    Selbst aus vielleicht „gutem Hause“ stammend, aber nicht „von Familie“ seiend, wäre es für mich schwer, eine positive Verbindung zu einer Organisation aufzubauen, in der einem selbst der Aufstieg verwehrt worden wäre.
    Anders als bei vielen anderen Armeen der Zeit, war dies bei der KGL gerade nicht der Fall. Hierfür beispielhaft die nachfolgend zusammengefassten Untersuchungen zum sozialen Hintergrund ihres Offizierkorps wie sie von Jens Mastnak in „Die King's German Legion 1803 – 1816“, Celle 2015, angestellt worden sind.


    In der KGL haben während der Dauer ihres Bestehens ca. 1320 Offiziere gedient.
    Wobei nie mehr als 830 Offiziere (1814) zur selben Zeit aktiv waren.
    Galt das Militär bis zur französischen Revolution als Domäne des Adels, so sah doch schon das Dienstreglement der kurhannoverschen Armee vor, Beförderungen nach Eignung und Leistung auszusprechen.


    Allein dies reicht natürlich nicht aus, den Anteil bürgerlicher Offiziere in der KGL demjenigen in der Bevölkerung entsprechen zu lassen, wenn nicht gleichzeitig die übrigen Rahmenbedingungen wie Besoldung und Kosten der Stelle, es bürgerlichen in gleichem Maße erlaubt hätten, einen Offiziersposten einzunehmen. Die Kosten der selbst zu beschaffenden „Equipage und Mondierung“ unterschieden sich unter den Waffengattungen erheblich. So war die Uniform und Ausrüstung eines Kavalleristen oder reitenden Artilleristen naturgemäß gegenüber derjenigen eines Infanteristen umfangreicher und auch teurer.
    Dem wurde durch die nicht unerheblichen Unterschiede in der „Gage“(Besoldung) zwischen den Waffengattungen Rechnung getragen.


    So erhielt ein Leutnant der Infanterie täglich 5 Shilling 8 Pence, während ein Leutnant der Kavallerie und der reitenden Artillerie 9 Shilling erhielten.
    Weiterhin erhielten die Offiziere „Rationen“ für die Pferde. Wobei zu berücksichtigen ist, dass der Leutnant der Infanterie etatmäßig über 1 Pferd, derjenige der Kavallerie aber über 3 Pferde verfügte. Zur Anschaffung der Ausrüstung wurden seitens des War Office £ 7,50 gewährt. Tatsächlich waren für den Kavalleristen aber wohl mehr als £ 50,00 erforderlich.


    Dass diese Unterstützung allein nicht ausreichte, wird auch anhand verschiedener Fälle deutlich, in denen Offiziere beantragten, von berittenen Einheiten wegversetzt zu werden. Oder andere in denen vorgesetzte Offiziere die Beförderung eines Fähnrichs aufgrund dessen finanzieller Verhältnisse ablehnten.
    Daher weist auch die gegenüber der Infanterie wesentlich kostenintensivere Kavallerie einen im Schnitt höheren Anteil adeliger Offiziere aus. (Natürlich ist nicht in jedem Fall von einer höheren finanziellen Leistungsfähigkeit adeliger Familien auszugehen. Im Durchschnitt dürfte dies aber zugetroffen haben.)


    Von den oben erwähnten 1320 Offizieren dienten 855 bei der Infanterie, 374 bei der Kavallerie, 78 bei der Artillerie und 13 als Ingenieuroffiziere. Der Anteil adeliger Offiziere hat sich während des Bestehens der KGL kontinuierlich reduziert. Betrug der Anteil adeliger Offiziere bei der Infanterie 1803 noch 54,17% sank er bis auf 27,94%.


    Bei der Kavallerie stieg der Anteil adeliger Offiziere zunächst auf 61,76% an um dann 1814 einen Tiefstand von 35,68% zu erreichen.


    Auch bei der Artillerie, einer schon immer vom Adel wenig durchsetzten Waffengattung, sank der Anteil adeliger Offiziere von 28,57% auf einen Tiefstand von 9,52%.


    Unter den 13 Offizieren des Ingenieurkorps war lediglich einer adeliger Herkunft.


    Mit Vorstehendem soll keine Aversion gegen den Adel zum Ausdruck gebracht werden. Die Zahlen sollen lediglich belegen, dass sich der Anteil von Offizieren adeliger Herkunft im Verlauf der Geschichte der KGL immer mehr dem Anteil des Adels in der Bevölkerung annäherte. Mithin davon ausgegangen werden kann, dass Beförderungen tatsächlich zunehmend auf persönlicher Fähigkeit und Eignung beruhten.


    Hierfür spricht auch die Tatsache, dass 15,7% der KGL-Offiziere (gegenüber ca. 5% der britischen) vor ihrer Beförderung als Unteroffizier oder Kadett gedient hatten, also das Leben und den Dienst der ihnen unterstellten Soldaten aus eigenem Erleben kannten.


    Rufen wir uns abschliessend noch ins Gedächtnis, dass zur selben Zeit in der britischen Armee der Stellenkauf als beste Möglichkeit angesehen wurde, geeigneten Offiziersnachwuchs zu erhalten, so verdeutlicht dies vielleicht meine Einschätzung der KGL als eine für ihre Zeit moderne Organisation.

    "Certainement qui est en droit de vous rendre absurde, est en droit de vous rendre injuste."
    Voltaire in "Ouveres komplettes de Voltaire" 1784, S. 447

    Wer dich veranlassen kann, Absurditäten zu glauben, kann dich auch veranlassen, Unrecht zu begehen.