Literatur Oktober 2015

Literatur-Vorstellung Oktober 2015:

Rif Winfield: British Warships in the Age of Sail 1714 – 1792 und 1793 – 1817

Der interessierte Leser marinehistorischer Literatur neigt gern dazu, sich abseits der spannenden Geschichten über Jack Aubrey & Co. auch über die tatsächlichen geschichtlichen Zusammenhänge, die Vorbilder seiner Romanhelden, ihrer Taten und Schiffe zu informieren. Natürlich wird dafür heutzutage die Wikipedia die bevorzugte Quelle sein. Dabei fällt auf, dass in den letzten Jahren eine geradezu explosionsartige Vermehrung der verfügbaren Seiten über Schiffe der Royal Navy unserer Zeit stattgefunden hat. Schaut man sich dabei das Quellenverzeichnis an, werden die beiden heute vorgestellten Bände – British Warships in the Age of Sail 1714-1792 & 1793-1817 – nicht fehlen; in den allermeisten Fällen wird eins der beiden Bücher sogar als die einzige Quelle genannt – kein Wunder, basieren die Informationen auf den Archivbeständen der Britischen Admiralität.

Warum stelle ich die zwei Bücher gemeinsam vor? Das hat den ganz einfachen Grund, dass diese beiden Bücher im Grunde UNSERE ZEIT perfekt abbilden, die Zeit des Aufstiegs der Royal Navy von einer bedeutenden See- zur weltweiten Hegemonialmacht zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Und man als Besitzer nur eines Bandes das fehlende Buch sehr schnell schmerzlich vermissen wird, weil viele der Kriegsschiffe unserer Helden wie Nelson, Jervis „St. Vincent“, Howe, Saumarez u.a. bereits in den ersten zwei Dritteln des 18. Jahrhunderts auf Kiel gelegt wurden, z.B. die berühmte Victory, die Agamemnon oder die Bellerophon; aber auch die ebenso bekannten kleineren Schiffe wie Cooks Discovery und die unglückselige Bounty.

Genauso ging es mir vor ungefähr acht Jahren, als ich Rif Winfields ersten Band British Warships in the Age of Sail (1793 – 1817) in den Händen hielt und ihn nicht mehr weglegen konnte; so sehr begeisterte mich Rif Winfields geradezu titanische Arbeit, jedes einzelne Schiff das die Royal Navy in genannten Zeitraum besaß, zu erfassen, seine wichtigsten Daten zu nennen sowie seine Kommandanten und Einsätze in kurzen Stichpunkten zu skizzieren. Aber schon bald schmerzte diese gewaltige Lücke, die durch die Beschränkung auf die Zeit der französischen Revolutions- und napoleonischen Kriege sichtbar wurde, denn viele unserer Romanhelden wie Richard Bolitho und David Winter begannen ihre Karriere ja bereits vor dem Aufstand der nordamerikanischen Kolonien. Zum Glück für mich und andere dankbare Leser wurde diese Lücke aber bereits ein Jahr später durch den zweiten Band (1714 – 1792) geschlossen. Inzwischen hat Rif Winfield weitere Bände folgen lassen, die andere Zeitalter abdecken und auch der französischen Marine hat er sich gewidmet, wenn auch in einem eher unglücklich gewählten Zeitrahmen (1786 – 1861). Daneben haben sich auch weitere Autoren gefunden, die sich mit seinem Ansatz anderen Kriegsmarinen unserer Zeit widmen.

Was erwartet den Leser der zwei Bände British Warships in the Age of Sail? Grob gesagt handelt es sich bei den Büchern um eine Datenbank in Buchform. Die Schiffe wurden gemäß dem Rangsystem der Royal Navy eingeteilt und innerhalb der jeweiligen Ränge chronologisch angeordnet, wobei einzelne Schiffsklassen zunächst gemeinsam vorgestellt werden, woran sich eine Einzelvorstellung der Schiffe mit ihren Besonderheiten und den oben bereits erwähnten Daten anschließt. Dabei beschränkt sich Rif Winfield nicht auf die sogenannten „rated ships“, sondern es werden auch die kleineren und kleinsten Schiffsklassen vorgestellt, die man sonst neben den Victory´s dieser Welt gern übersieht. Ein Register am Ende der Bände hilft beim raschen Auffinden der einzelnen Schiffe. Neben einer Fülle an Daten enthalten die Bücher auch viele zeitgenössische Bilder und Zeichnungen.

Mir persönlich fehlt ein Personenregister, das es erheblich erleichtern würde, neben dem Schicksal der einzelnen Schiffe auch das ihrer Kommandanten und Flaggoffiziere zu verfolgen, aber letztendlich geht es ja in diesen Büchern um die Schiffe.

Speedy

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