Bernard Cornwell – Sharpes Feuerprobe 7/18

Literatur-Vorstellung Juli 2018:

Bernard Cornwell – Sharpes Feuerprobe

Wer sich schon immer fragte, wie es dem kleinen England gelingen konnte, die gewaltigen Reiche des indischen Subkontinents zu erobern, bekommt hier die Antwort. Neben Heerführern wie Robert Clive und Arthur Wellesley war es natürlich Richard Sharpe, ein einfacher Soldat aus dem 33rd Regiment of Foot.

Wir schreiben das Jahr 1799 und die East India Company schickt sich an, mit der Unterstützung britischer Truppen Mysore, das Reich des mächtigen Tipu Sultan zu erobern. Richard Sharpe ist mit seinem Regiment dabei, doch er hat andere Sorgen, als die Eroberung einer als uneinnehmbar geltenden Festung. Sein Problem ist Sergeant Obadia Hakeswill, der es gemeinsam mit Sharpes Kompaniechef auf die hübsche Witwe Mary Bickerstaff abgesehen hat. Sharpe ist ihr Freund und Beschützer, weshalb er aus dem Weg geräumt werden soll. Sharpe wird eine Falle gestellt und ein Kriegsgericht verurteilt ihn wegen eines Angriffs auf einen Vorgesetzten, Sergeant Hakeswill, zu 2.000 Peitschenhieben, was einem Todesurteil gleich kommt.

Hilfe naht durch Colonel Wellesley, der die Exekution unterbricht, weil sich Sharpes Leutnant, William Lawford, für ihn einsetzt. Lawford fordert ihn für eine Geheimmission an, deren Ziel es ist, in Tipu Sultans Hauptstadt einzudringen, um Colonel McCandles, den Geheimdienstchef der East India Company, zu befreien. Lawford und Sharpe sollen sich als Deserteure ausgeben, wofür die Sharpe bereits verabreichten Peitschenhiebe eine ausgezeichnete Tarnung sind.

Eigentlich sollte Leutnant Lawford das Kommando bei dieser Mission haben, doch sehr schnell stellt sich heraus, dass ihm Sharpe auf der Ebene einfacher Deserteure haushoch überlegen ist. So nimmt Sharpe einfach Mary Bickerstaff mit, die so auch dem Zugriff Sergeant Hakeswills entzogen ist. Es dauert nicht lange, und die vermeintlichen Deserteure fallen einer feindlichen Streife in die Hände, die sie nach Seringapatam bringt. Dort werden sie in Tippu Sultans Armee eingegliedert, während Mary Unterschlupf im Haushalt eines Generals findet.

An dieser Stelle nimmt die Geschichte dann richtig Fahrt auf, weshalb hier auch nicht mehr verraten werden soll. Da es sich aber um den ersten Band der Sharpe Reihe handelt, kann von einem leidlich guten Ende ausgegangen werden.

Der Roman entstand erst ziemlich spät, um so die Vorgeschichte des berühmten Haudegens Richard Sharpe zu erzählen. Das merkt man dem Buch auch an. Die Handlung wird routiniert erzählt, die Kampfszenen haben die bei Cornwell gewohnte Qualität. Besonders faszinierend ist jedoch, wie es Cornwell gelingt, in diesem Buch einen völlig neuen Sharpe zu erfinden. Er ist noch nicht der Offizier, der es gegen alle Widerstände geschafft hat, sich zu etablieren. Genau genommen ist der Gedanke, dass es Sharpe jemals so weit bringen könnte, vollkommen absurd. Er hat die Überlebensinstinkte eines Jungens aus der Gosse, der weder lesen noch schreiben kann und für den das auch kein Makel ist. Seine späteren Talente lässt Cornwell bestenfalls aufblitzen. Und genau das macht für mich die Qualität des Romans aus.

Es gibt ja viele historische Romanreihen, in denen der Autor, überrascht vom Erfolg seines Helden, gezwungen war, in der Handlung zurück zu gehen, um auch seine ersten Schritte zu schildern. Wie man das richtig gut macht, zeigt Bernard Cornwell mit diesem Roman.

Speedy